Jenisch-Gate und der (neue) Umgang mit Katastrophen…

faktenorientierte Geschichte: Rucksack gestohlen,Strafanzeige gestellt,Dokumente zurück,Dank an Finderin,besser Fußball spielen.

So macht man das also jetzt beim Krisen-geschüttelten HSV. Man nennt einen nahezu unglaublichen Vorgang eine „faktenorientierte Geschichte“, Dokumente zurück, bedankt, besser Fußball spielen. Ich verstehe. Leider ist das spaßige #aufgeklärt nicht so aufgeklärt, wie es der HSV bzw. seine neuen Zauberer aus der Social Media-Ecke gern hätten, denn dass ein leitender Angestellter

1. Extrem vertrauliche Dokumente in ausgedruckter Form in einem Rucksack mit sich rumschleppt.

2. Sich diesen Rucksack klauen lässt und es nicht mal merkt.

3. Erst Tage später bei der Polizei vorstellig wird, damit es zumindest den Anschein hat, als ob man….

4. intern den Verlust der Dokumente offenkundig nicht mal gemeldet hat, dann ansonsten wären den Mitarbeitern in der Geschäftsstelle der Vorgang wohl bekannt gewesen und sie hätten die ehrliche Finderin nicht abgewimmelt,

das dürfte in dieser Form selbst für die Verhältnisse des HSV relativ einmalig sein.

Aber – hey – was soll’s. Ist doch jetzt wieder alles supi-endgeil. Der Kram ist wieder da (wer ihn sich in der Zwischenzeit kopiert hat, weiß natürlich keine Sau), man hat sich bedankt und man konnte sogar das Jena-Debakel in einem Abwasch mit abfrühstücken. „besser Fußball spielen“, wenn es doch nur so einfach wäre.

Ne, Freunde der ungarischen Blutsuppe, so einfach ist das nicht, denn in jedem normalen Unternehmen wäre eine Aktion wie die vom Knäbelpeter Grund genug für eine fristlose Kündigung. Allein der Umstand, dass Verträge, Gehaltsangaben, Scouting-Berichte etc. in nicht gesicherter Form einfach mal so in der Gegend transportiert werden, ist ungeheuerlich. Nun kann ich nicht behaupten, dass es mich überrascht, dass man beim Hamburger Sportverein vom Thema Datensicherheit, Vertraulichkeit etc. noch nicht wirklich viel gehört hat, aber trotzdem sollte man sich einmal die Dimensionen klar machen.

Wenn der Verein Pech hat, weiß nicht nur die Finderin, was in den Akten steht. Wenn sie schlau ist, hat sie sich die Blätter kopiert, denn sie sind Gold wert. Grundgehälter, Premienregelungen und und und. Scouting-Berichte. Immerhin , und das geht gerade ein wenig unter, wusste die Dame ziemlich genau, um welche Art Unterlagen es sich handelte, denn wie sonst hätte die BILD davon erfahren können? Wer wissen möchte, an welchem Spieler der HSV interessiert ist, wähle folgende Nummer. Und selbst wenn nicht. Allein die Gefahr, dass solche Unterlagen in die falschen Hände gelangen könnten, sollte Knäbel kennen, sowas druckt man sich nicht aus (irgendwie so richtig 80er, dieses Ausdrucken) und packt es in einen nicht verschließbaren Rucksack.

Oder aber es zeigt, wie lax (herrlich 🙂 ) grundsätzlich beim HSV gearbeitet wird. Dieses extrem lockere Verhalten, eben auch durch die Witzigkeits-Tweets der Social Media-Kekse nach außen getragen, überträgt sich auf den gesamten Verein, und am Ende auch auf die Mannschaft.

„Hey Leute, wir sind hier seit Neuestem so locker drauf. Lasst uns ein wenig Spaß haben, bisschen twittern, ein wenig kicken. Wird schon alles cool“

Wie cool alles wird, wird sich nächsten Freitag zeigen, wenn Douglas Costa einem Diekmeier Knoten ins Panorama-Gelenk zaubert, wenn Mario Götze einen hüftsteifen Spahic verscheißert und wenn Thomas Müller mit Oster-Zollek Jojo spielt. Mal gucken, wie spaßig die Tweets dann werden.

Gestern am späten Abend dann endlich eine Stellungnahme des wie üblich abgetauchten Düdü, der in stürmischen Zeiten dazu übergegangen ist, Allzweckwaffe Bruno an die Front zu schicken, der kann gern verbrannt werden, hat er doch ohnehin die kürzestes Halbwertzeit.

Erklärung zur Berichterstattung über das Auffinden vertraulicher HSV-Daten:
Peter Knäbel hat bekanntermaßen Strafanzeige gegen unbekannt gestellt. Zum laufenden Verfahren werden wir keine weiteren Auskünfte erteilen.

Der Vorstand der HSV Fußball AG wird eine unabhängige Aufklärung der Vorgänge beauftragen.
Peter Knäbel genießt das Vertrauen der HSV Fußball AG und wird seine Funktion als Direktor Profifußball weiter ausüben.

Dietmar Beiersdorfer (Vorstandsvorsitzender HSV Fußball AG) und Karl Gernandt (Aufsichtsratsvorsitzender HSV Fußball AG)

Ehrlich, hatte jemand etwas anderes erwartet? Ich nicht. von jedem professionell geführten Wirtschaftsunternehmen ja, aber nicht von dieser Chaos-Veranstaltung, die sich Fußballverein schimpft. Natürlich hacken die Oberkrähen Beiersdorfer und Gernandt der Unterkrähe Knäbel nicht im Okular rum, man könnte ja selbst etwas von dem Schmutz abbekommen und wer will das schon. Ein Skandal wird bagatellisiert, der gemeine Doof-Fan geht zur Tagesordnung über, nur das neue Vertrauensverhältnis zur Mopo dürfte ein wenig gestört sein, aber das gibt sich wieder. Und überhaupt – der Skandal von heute ist die Lappalie von morgen, es wird schon jemand in diesem Verein kommen, der es schafft, die Peinlichkeit noch zu toppen.
Und als hätte man es nicht gesagt…
Jenas Torhüter über den neuen „HSV-Star“ Sven Schipplock:
„Er hat mir in jedem zweiten Satz erzählt, was er verdient….“
Schipp
Mitarbeiter des Monats: Sven Schipplock
Bei aller Liebe, aber dazu fällt mir absolut nichts mehr ein. Wenn ein Zlatan Ibrahimovic solche Texte raushaut, finde ich sie komplett daneben. Bei einem Ergänzungsspieler, der in einem Spiel gegen einen 4.-Ligisten von der Bank kommt, ist es einfach nur noch peinlich.
Ich Bundesligaspieler – ich Millionär – ich geil
Du Regionalliga-Spieler – du arm – du scheiße
Schon irgendwie Kacke, wenn man dann auch noch verliert, gell Sveni?
Wie heiß es doch vor nicht allzu langer Zeit? Wir wollen demütiger werden, wir wollen den Gegner respektieren. Schipplock scheint das noch nicht so richtig verstanden zu haben, vielleicht aber war er auch nur nicht zu dem Welt-Workshop geladen, bei dem das „Bild des neuen HSV“ herausgearbeitet werden sollte.
Tatsächlich aber gibt es sogenannte „Fans“, die dieses Verhalten auch noch tolerieren, die es in Ordnung finden, weil es angeblich „dazugehört“. Schachköpfe, ich habe selbst 16 Jahre gespielt und das gehört garantiert nicht dazu.
Aber nun gut.
Pokalpleite, prügelnde und pyro-fackelnde „Fans“, Social Media-Verarsche, Rucksack-Gate, verschwundener Vorstandsvorsitzender, Schipplock-Dümmlichkeit.
In nur 5 Tagen hat es dieser HSV wieder einmal geschafft, zum Gespött und zur Lachnummer Deutschlands zu werden und er wird es bleiben.
Ach ja. Wenn diejenigen, die all diesen komprimierten Dreck auch noch lustig finden, die „wahren HSV-Fans“ sind, dann bin ich ab sofort stolz darauf, kein „wahrer HSV-Fan“ zu sein.

Von | 2015-08-11T08:21:24+02:00 11. August 2015|Allgemein|27 Kommentare

27 Comments

  1. higokaltz 11. August 2015 um 08:18 Uhr

    …verschwundener Vorstandsvorsitzender…???

    meinst Du nicht eher Aufsichtsratsvorsitzender ??
    Den wollte ich nämlich hier noch aufgeführt haben, in der Liste aller Peinlichkeiten !!!

    HSV steht nur noch für “ Haben Schon Verloren“…auf ganzer Linie.

    • Gravesen 11. August 2015 um 08:22 Uhr

      Nein ich meine Düdü. Gernandt ist für das operative Geschäft nicht verantwortlich, dass ist der Vorstandsvorsitzende. Und ebendieser taucht immer dann ab, wenn der Verein eine Führungsfigur braucht. Total untauglich, der Mann.

  2. achim77 11. August 2015 um 08:30 Uhr

    Oh Mann, ich könnt grad kotzen, wenn ich eine solche Scheiße über „unseren“ HSV lesen muss. Wie dämlich kann man sich eigentlich noch anstellen und vor allem nach außen darstellen? Sind da denn alle beratungsresistent oder merken die generell schon gar nix mehr?
    Und diese beschissenen pseudo-witzigen Analysen und Kommentare von Helm-Peter brauch auch keine Sau. Leute, wir steuern erneut sehenden Auges in eine weitere Katastrophensaison!
    Und diese Arschlöcher aus unserem Fanblock in Jena brauch auch niemand. Obwohl sitzen für den Arsch ist (vor allem im Stadion), werde ich mich künftig nicht mehr in den Fanblock stellen, weil ich mit diesen Deppen sprichwörtlich nicht auf einer Stufe stehen möchte. Leider gibt es auch zu wenige, die diese Idioten einbremsen!
    Und das alles schon drei Tage VOR (!!!) dem ersten Ligaspieltag! Aber es kann ja nicht mehr schlimmer werden….denkste!

  3. Sassen 11. August 2015 um 08:55 Uhr

    sehr schön der blogbeitrag eines fans, der die reise von köln nach jena auf sich nimmt.
    man kann die resignation/ernüchterung förmlich spüren, die, wie ich denke, die meisten von uns an diesem tag genau so erlebt haben.
    nichts wird besser, im gegenteil und wenn das mit Schipplock tatsächlich so passiert ist, da fällt einem gar nix mehr zu ein.
    ja, ich gebe zu, auch ich hab´ manchmal beim lesen der zeilen hier gedacht, ach komm, jetzt übertreibt der Gravesen aber, das sieht er wohl doch zu negativ…
    harharhar, mittlerweile denke ich es ist noch weit schlimmer.
    ein abstieg dürfte in der tat das einzige sein was wirklich ein umdenken bewirken kann.

  4. Andi Pie 11. August 2015 um 08:56 Uhr

    Wie war das mit dem Abgrund und dem großen Schritt?
    .
    Vor dem Spiel dachte ich, der HSV wird diese Saison mit viel Mühe wieder die Relegation erreichen.
    Aber so, nach diesem Spiel, da fehlt mir der Glaube.
    Armer Bruno, was soll der denn machen? Sich selber 11mal aufstellen?
    Ich weiß wirklich nicht, wer diesem HSV sowohl fussballerisch als auch im Management noch helfen kann.
    Das Ende naht…
    Oder wie sagte Schweinchen Dick: … da, da, da, das ist das Ende…

  5. Marco 11. August 2015 um 09:10 Uhr

    Ich bin nur noch fassungslos. Ich kann mich noch gut daran erinnern, mit welch gutem Gefühl wir nach der „historischen“ Mitgliederversammlung zurück nach Köln gefahren sind. Endlich, es geht wieder aufwärts und der Verein bekommt endlich eine professionelle Führung…
    Nach über einem Jahr ist eine Ernüchterung eingetreten, die sich kaum beschreiben lässt. Hätte man den Capo zum Vorstandsvorsitzenden gemacht, hätten wir uns in der Außendarstellung nicht schlechter präsentieren können.
    Auf dem Heimweg gestern Abend habe ich, auf WDR2, DFB-Pokal gehört. Als dann der Moderator sagte, dass es am Sonntag keine Überraschung gab, es aber kurz danach aussah, doch dann Jena noch den Siegtreffer schaffte, wusste ich nicht ob ich lachen oder weinen soll. Ich habe mich nur nach einem Bernd Hoffmann und einem professionellen Sportdirektor gesehnt.
    Ich habe mittlerweile resigniert, meine Mitgliedschaft gekündigt und mein Dauerkarten-Abo auslaufen lassen. Ich kann und werde nicht noch einmal eine solche Saison mitmachen und versuche mich irgendwie emotional von meinem Verein, dem ich seit über 35 Jahren die Treue halte, zu lösen.
    Wenn es wirklich wahr sein sollte was Schipplock da geäußert haben soll, dann ist dem Typen nicht mehr zu helfen. Aber wenn man sich den einen oder anderen Spieler anschaut (nicht nur beim HSV), dann kann man vermuten dass er da kein Einzelfall ist.

    • Nerven 11. August 2015 um 18:00 Uhr

      Mir geht es genauso.
      Ich kann und möchte diesen Verein nicht mehr mit mir in Verbindung bringen. Diese täglichen Peinlichkeiten bereiten mir nur noch Schmerzen. Ich suche nach einem probaten Mittel diese Krankheit aus meinem Hirn zu löschen. Wenn da jemand eine gute Idee hat, bin ich hellhörig. Ich würde auch Geld dafür bezahlen. Ich will wieder rein sein.
      Alle Analysen warum das so ist, kann ich mir auch schon nicht mehr antun, obwohl das hier sehr niveauvoll und kompetent passiert.
      Wer diesen Verein schlagen will, braucht keine grosse Strategie.
      Früh draufgehen und schnell spielen. Fertig. Dann kriegen die nix mehr hin.
      Ich will, das der „Sparda-Bank-Cup“ aus Flensburg der letzte grosse Titel in meiner HSV-Lebensabschnittsbeziehung bleibt.
      Weg mit dem Dreck.

  6. Weltmeister 11. August 2015 um 09:30 Uhr

    Moin!
    Ich gehe jede Wette ein, dass uns diese Sache die ganze Saison über quälen wird. Durch wie viele Hände ist der Rucksack denn gegangen, bis er gefunden und abgegeben wurde? – Das weiß niemand!
    Und so wird die Ungewissheit und die Angst unser treuer Begleiter sein.
    Es würde mich nicht wundern, nein – es ist sogar zu befürchten, dass die Unterlagen zu einem sehr ungünstigen Zeitpunkt veröffentlicht werden.

    Knäbel muss sofort zurücktreten. Wer solche Dokumente in ausgedruckter Form unverschlossen durch die Gegend kutschiert, ist seinem Job nicht gewachsen.
    Das muss umgehend Konsequenzen nach sich ziehen!

  7. Arntt 11. August 2015 um 09:49 Uhr

    Es ist unfassbar, wie oft man sich als HSV-Fan in den vergangenen Monaten für diesen Verein hat schämen müssen. Wir sind fussballerisch noch nicht mal mehr die graue Maus der Liga, nein…. – wir sind dazu noch Deutschlandweit verhasst, verspottet und verpöhnt – Ende nicht absehbar, im Gegenteil – am Freitag in München geht es weiter……
    .
    Der Verein hat es geschafft mir meine frühere Leidenschaft, das Mitfiebern und Emotionen bei den Spielen und Stadion und auch vor dem TV komplett und endgültig zu rauben.
    .
    Mit Spielern .nennen wir sie mal dauerhafte „Totalausfälle“ mit max. Drittliganiveau- wie Holtby und Lassoga, die aufgrund Ihres immensen Gehaltes vom jeweiligen Trainer aufgestellt werden müssen, spielt die Mannschaft dazu generell jedes Spiel nur mit 8-9 Feldspielern.
    .
    Auch deswegen wird der HSV in dieser Saison mit Abstand als 18 im Sturzflug in die zweite Liga rauschen, selbst bei 5 Trainerwechseln und Heiland Didi auf der Trainerbank. Und ich sage : Endlich! In der Hoffnung, auf eine positive Veränderung für die Zunkunft. Auf den Umbruch 5.0
    .
    PS : Tatsächlich gibt es noch die „wahren HSV-Fans“ die ernsthaft an einen Sieg in München glauben……

  8. Weltmeister 11. August 2015 um 10:04 Uhr

    Nachtrag:
    Jetzt eben begreife ich, dass nicht der ganze Rucksack, sondern nur der Inhalt daraus im Park gefunden wurde. – Ist das so korrekt??
    Dann sind die Dokumente ja definitiv durch weitere Hände gegangen!
    Wenn alles zusammen im Rucksack gelegen hätte, bestünde ja noch ein Funken Hoffnung, dass nur die brave Finderin die Unterlagen studiert hat.

    Ich glaube, wir können uns da noch auf was gefasst machen in dieser Saison. Die Unterlagen werden doch mit ziemlicher Sicherheit gegen uns eingesetzt… Das ist quasi eine mediale Bombe von ungeahnter Sprengkraft!

    Unfassbar… Dieses Drehbuch kann sich nicht einmal ein Verrückter von RTL ausdenken!

    Wenn Beiersdorfer jetzt nicht handelt, wird das wohlmöglich auch ihn schwer beschädigen. Denn nur er ist in der Lage Knäbel zu sanktionieren. Unterlässt er dies, so könnte die hässliche „Bombe“ auch ihn erwischen.

    Oh man… Das ist alles nicht zu glauben…

    PS: bei „Bomben“ hilft auch kein „Stahlhelm“.
    Alleine diese Äußerung mit dem Stahlhelm müsste ihm um die Ohren fliegen… Peinlich!

    • kaane 11. August 2015 um 12:15 Uhr

      Man muß das ganze halt auch chronologisch sehen. Der Rucksack wird in irgendeiner Redaktion gelegen haben, die von den Infos schon die interessantere Hälfte kannte und sich dann überlegt hat, was man noch draus machen kann. Ablehnen und dem Langfinger zurückgeben? Dann kriegt sie ein anderer. Stellte sich also nur noch die Frage, wie die Unterlagen „zufällig“ gefunden werden und man darüber 2-3 Artikel schreiben und dann wochenlang den angeschlagenen Knäbel thematisieren kann.
      Das alles wäre nicht einmal so abartig schlimm gewesen, wenn nicht bei Knäbel UND beim HSV das Krisenmanagement total versagt hätte. Zuerst weiß niemand vom Verlust, weil Knäbel mit seiner Schusseligkeit sozusagen auch noch Fahrerflucht begangen und niemanden informiert hat. Und dann gibts für die Finderin statt Blumen, heißen Küßchen und einer Ehrenkarte den arroganten Tritt in den Hintern: waren ja eh nicht so wichtig die Blätter, ist keine Staatsaffäre. Und zur Sahnekrönung dann noch dieser „twit“, der jedem klar machen sollte, dass das Modelabel HSV sich dadurch nicht die Laune verderben läßt und weiter hipp und trendy durch die Lichter der Großstadt getragen werden kann. Gab es einen, einen einzigen Bedenkenträger beim HSV, der einmal gesagt hat „was ist das für eine Botschaft an die Spieler, wenn wir immer alles herunterspielen und trotz eines eklatanten Unfalls weiter hula-hula tanzen lassen“? Einen einzigen? Was ist mit dem passiert, liegt der unten im Keller angekettet, wie die Warner in den Katastrophenfilmen, die dann erst wieder in Aktion treten dürfen, wenn der Staudamm gebrochen ist?

  9. Stephan Scheler 11. August 2015 um 10:34 Uhr

    Neben der schier grenzenlosen Peinlichkeit dieses Missgeschicks, bei dem man schon verdammt viel Fantasie mitbringen muss, wenn man an das Märchen eines Diebstahls glauben möchte, kommt ein äußerst bedeutender Aspekt in der medialen Berichterstattung viel zu kurz: Was denken die Vertragspartner jener Papiere, die sich da im Rucksack befanden? Wie muss ich mich als Spieler und auch als Spielerberater fühlen, wenn der Verein mit meinen vertraulichen Dokumenten so umgeht?

    Und wenn sich Peter Knäbel jetzt sogar einen Stahlhelm aufsetzen will, offenbart diese fragwürdige Wortwahl einmal mehr, dass dieser Mann kein bisschen tragbar ist und an Peinlichkeit kaum noch zu überbieten. Wer sich im Umgang mit den Medien selbst bei einfachsten Fragen stets gewählt auszudrücken versucht und dabei letztlich doch immer gequält und furchtbar verkrampft rüberkommt, der sollte vielleicht einfach mal vermeiden, permanent vor jedes Mikrofon zu laufen, das sich irgendwo erblicken lässt.

    Die verblendete, verblödete und mit jeder Zeile nervende Social Media-Abteilung des HSV ist eine absolute Zumutung und offenbart genau das Kernproblem, das dieser Gurkenclub hat: null Selbstreflexion, totale Selbstüberschätzung, null Demut, Bescheidenheit oder Vermittlung von Sympathie, Aufbau neuer Werte o.ä., stattdessen ein realitätsfremder Blick auf die Dinge, eine grosse Fresse und eine Fan-Verarsche, die ihresgleichen sucht. In seiner Außendarstellung ist dieser Verein seit mehreren Jahren das mit Abstand peinlichste deutsche Unternehmen und verantwortlich für solche Katastrophen sind – wie überall sonst – der Marketing- und Medienbereich. Unfassbar, dass die beim HSV dort sitzenden Herren unantastbar scheinen und einfach in Ruhe weitermurksen dürfen…

    • Gravesen 11. August 2015 um 10:59 Uhr

      Genau meine Gedankenwelt.

  10. Freundchen 11. August 2015 um 10:59 Uhr

    Ich frage mich ständig, warum das alles gerade bei dem Verein passieren muss, zu dem mich mein Vater Anfang der 80er ins Stadion schleppte, mir ne Fahne in die Hand drückte und mein Zimmer mit der Rautentapete verzierte. Traurig alles und man fragt sich, wann das alles ein Ende hat. An einem einzigen Punkt kommen mir aber Zweifel an der „Knäbel-Verurteilung“ und wie sie derzeit beschrieben wird: Wird sich ein Mann wie Gernandt, der selbst ein Unternehmen ganz anderer Größenordnung führt, die Geschichte von Peter anhören(und das muss er als AR), wie er den Rucksack im Park beim Feierabendbier vergessen hat und dann sagen: “ Alles klar, scheiß auf Datenschutz, weiter gehts.“?? Der führt mit K&N doch keine Baumschule und muss sich der Brisanz dieses Themas doch bewusst sein? Die Konsequenz aus meiner Sicht: Entweder Peter lügt vor dem AR und windet sich wie ein Aal oder es steckt mehr dahinter und eine andere Stelle (im Verein?) möchte Peter ans Bein p… Ich hätte Verschwörungstheoretiker werden sollen

    • kaane 11. August 2015 um 12:28 Uhr

      Bis vor ein paar Jahren war es absolut üblich, Entscheidern wie Gernandt vertrauliche aber eben nicht strategisch wichtige Unterlagen wie Lebensläufe in die Hotellobby zu faxen. Vielleicht ist es das auch immer noch. Ich finde das Krisenmanagement schlimmer als die verlorenen Unterlagen.

  11. Felix 11. August 2015 um 12:21 Uhr

    Vorweg: ich möchte nichts behaupten, nichts unterstellen, ich überlege nur laut, in welcher Situation mir das passieren könnte.
    Ich arbeite seit Jahren in Unternehmen >500 Mann und hatte auch schon Personalverantwortung, weiß, wie sensible Daten wie Gehalt, Arbeitsverträge, Vereinbarungen etc. normalerweise gesichert werden. Der Umgang damit unterliegt strengen Policies und normalerweise ist es strengstens verboten, diese überhaupt – in welcher Form auch immer – außerhalb des Unternehmens zugänglich zu machen.
    Wenn ich mich frage, in welchem Szenario ich solche Daten ausgedruckt in einem Rucksack mitführen würde, dann wohl nur, wenn ich Angst vor dem Protokollieren eines Kopiervorgangs auf Stick oder vor einem Sicherheitstroyaner hätte, der später „nachhause telefoniert“. Oder wenn ich die Anweisung dazu bekäme.
    Im Ernst, so etwas bringt man auch nicht per Rucksack zum Steuerberater, es sei denn, man traut dem eigenen VPN-Client nicht…
    In welcher Situation lässt man einen mit solchen Daten gefütterten Rucksack dann in einem Park liegen? Stört der Rucksack beim Pinkeln? Oder beim Mittagsschlaf? Beim Sitzen auf der Parkbank?
    Der HSV hat wohl großes Glück gehabt, dass die ehrliche Dame sich des Fundstücks angenommen und mustergültig reagiert hat. Man stelle sich vor, es wäre zufällig ein Journalist zugegen gewesen…
    Nicht auszudenken…!

  12. DonPommes 11. August 2015 um 13:20 Uhr

    Ich glaube, zu gegebener Zeit, werden dem HSV die Inhalte der Dokumente noch um die Ohren gehauen. Die Bild wetzt doch jetzt schon die Messer um dem Verein zu zeigen, dass die MoPo exklusiven Gesichten zum Bumerang werden.

  13. Grisu 11. August 2015 um 15:00 Uhr

    Laut NDR ist da wohl ordentlich Feuer unterm Dach. Eine Erklärung unterzeichnet vom AR-Vorsitzenden, die nicht die dortige Mehrheit entspricht und die am Besten den Kopf vom Turnbeutelvergesser Peter rollen sehen würden. Nur leider können sie es nicht. Frage mich aber wenn der AR-Vorsitzende nicht mal mehr eine Mehrheit dort hat, warum jagt die ibn denn nicht zu Teufel? Oder hat man dann Angst das Opa Klaus böse wird und dem Verein dann ganz dunkle Zeiten blühen? Schlimmer wie jetzt geht es eigentlich nicht mehr… aber auch das schafft Nur der HSV!

  14. Goldfather 11. August 2015 um 15:09 Uhr

    Vermuten könnte man vieles in diesen Tagen beim HSV. Ich jedoch glaube Knäbel die Geschichte vom Umzug und gehe davon aus, dass er die Unterlagen ausdruckte, weil er lieber ein Blatt Papier in der Hand hat, als einen Laptop.
    .
    Dass die Finderin sich ein paar Kopien gezogen hat ist zudem hochwahrscheinlich und bedeutet möglicherweise für den HSV eine deutliche Schwächung in zukünftigen Verhandlungsrunden mit Beratern und Clubs, so dass die Affäre den HSV im nachhinein hundertausende € kosten könnte.
    .
    Ebenso wird es für Knäbel schwierig sein an die Konzentration und Sorgfaltspflicht der Angestellten in kurzen Hosen zu appellieren.
    .
    Angesichts der notwendigen Kontinuität im personellen Bereich der Führungsmannschaft des HSV steht eine Entlassung Knäbels für mich nicht zur Debatte, da ich glaube, dass Knäbel Monat für Monat in seinen Job hineinwächst.
    .
    Dennoch sehe ich jetzt die Zeit des AR gekommen, der sowohl dem Vorstand,
    als auch dem Rest der Belegschaft, extrem deutlich machen muß wie der aktuelle Standard in den meisten Betrieben heutzutage aussieht.
    .
    Leider kommt der AR nicht umhin Teile des Vorstandes anzuzählen und klar zu machen, dass weitere Ereignisse dieser Kategorie unweigerlich zur Kündigung führen, so wie es beim Mutterkonzern des HSV Kühne $ Nagel ebenfalls üblich ist.

    • Sven 11. August 2015 um 18:07 Uhr

      Sorry, so gern wie ich Deine Beiträge auch lese: Knäbel muss nirgendwo reinwachsen, schon gar nicht nach nunmehr einem Jahr. Direktor/PF mit dieser Dotierung ist keine Praktikantenstelle. Und mit dieser Unfähigkeit zur Selbstreflektion und diesen verkümmerten sportmoralischen Maßstäben (z.B. Handling von Behramis Tätlichkeit in der Kabine) gehört er vor die Tür. Ob es diesen Mann beim HSV gibt oder nicht, war und ist für den sportlichen Erfolg irrelevant. Der Typ ist einfach vollständig nutzlos. In seiner Funktion beim HSV, wohlgemerkt.

  15. Weltmeister 11. August 2015 um 16:07 Uhr

    @ Godfather
    gestatte mir eine kurze Antwort zu dem ersten Absatz deines Beitrags:

    Thomas von Heesen hat sich heute wie folgt bei Sport1 geäußert:

    „Peter ist ein absoluter Bürokrat, der eigentlich alles immer in seinem iPad hat und nicht in Papierform. Wenn wir uns getroffen haben, hatte er alles immer nur digital zur Hand, sei es Verträge oder sonstige Unterlagen“, meinte er.
    Quelle: http://www.sport1.de/fussball/bundesliga/2015/08/rucksack-affaere-hsv-sportdirektor-peter-knaebel-spricht-bei-sport1

    • Goldfather 11. August 2015 um 22:23 Uhr

      @Weltmeister
      .

      Technische Systeme können ausfallen oder inkompatibel zu bestimmten Datensätzen sein. Vielleicht wollte Knäbel auf Akkulaufzeiten oder sonst irgendeine technische Problematik verzichten. Welchen vernünftigen Grund sollte er sonst gehabt haben?
      .
      Jeder Amateurhacker oder Whistleblower übermittelt seine Datensätze heutzutage digital. Ich schließe es kategorisch aus, dass Knäbel dem HSV vorsätzlich schaden wollte und gehe davon aus, dass er schlichtweg mit der Situation überfordert gewesen ist.
      .
      @Sven
      .
      Knäbel ist kein klassischer Sportdirektor oder Transfermanager. Es fehlt ihm ein Netzwerk und mindestens 3 Jahre Berufserfahrung. Allerdings verfügt er über eine gute Analysefähigkeit, was er in der Schweiz bewiesen hat, und über die notwendige Ruhe und Arroganz die ein Sportdirektor beim HSV benötigt, um so etwas ähnliches wie eine Entwicklungskontinuität zu erzeugen.
      .
      Entwicklungskontinuität zeichnet sich in allererster Linie jedoch durch eine Aneinanderreihung von Fehlern aus, die einer deutlichen Korrektur vorausgehen. Entscheidend ist, dass Knäbel die Fähigkeit besitzt Fehler zu erkennen und abzustellen.
      .
      Um eindeutig sagen zu können, dass Knäbel zu einer guten Fehleranalyse nicht fähig ist, ist er für meinen Geschmack noch viel zu kurz im Amt. Letztendlich wäre der HSV aus meiner Sicht gut beraten Knäbel 3 Jahre Zeit zu geben, um dann eine Bilanz zu erstellen und darüber zu entscheiden ob die gemeinsame Arbeit fortgesetzt werden sollte.
      .
      Und sein wir doch einmal ehrlich: Wer von uns Top-Performern hat noch keinen Bock am Arbeitsplatz geschoßen? Man nehme sich den größten Bock den man am Arbeitsplatz innerhalb der letzten 10 Jahre geschoßen hat und veröffentliche diese Geschichte auf der Titelseite der BILD.
      .
      Wichtiger als der Rucksack ist für mich die Fragestellung wie der Kader innerhalb der Bundesliga abschneidet und welche Entwicklungsschritte insbesondere die jungen Spieler machen. Endgültig werde ich Knäbel an den Zahlen der Abschlußtabelle 16/17 messen, sofern der HSV dann noch in der ersten Liga spielen sollte.
      .
      Als HSV-Fan benötigt man in diesen Tagen einen guten Hausarzt, ein schönes dickes Stück Holz zum reinbeißen sowie die Hoffnung auf einen goldenen Oktober, um sich vom Tabellenende lösen zu können.

  16. Joschmann 11. August 2015 um 16:47 Uhr

    Der Blogg trifft den Nagel auf den Kopf heute.
    Ein Uli Hoeneß hätte Knäbel direkt gefeuert und einen Schipplock mit krasser Geldstrafe belegt wegen vereinsschädlichem Verhaltens & belehrt – oder besser: Direkt den Vertrag aufgelöst.
    .
    Die BILD-Umfrage gestern, ob Knäbel noch tragbar sei, war ohnehin der Witz schlechthin. Das ist nämlich keine Frage – sondern eine glasklar Tatsache. Die Frage lautet, ob Didi noch tragbar ist? Das Problem ist, einerseits lautet die Antwort auch