Wettsteins Märchenstunde: “Strichrechnung für Grenzdebile”

Ein Gastblog von ‘Kerberos’

Nun hat F. Wettstein also sein Werk „Gute-Nacht-Geschichten zum HSV“ vorgestellt. Mit diesem bemerkenswerten Werk gelang F. Wettstein eine nahezu perfekte Symbiose aus Dichtung und Wahrheit in einer kaum für möglich gehaltenen Schlichtheit. Einer Schlichtheit, die in jedem HSV-Fan fast zwangsläufig die tiefe Überzeugung hat erwachsen lassen müssen, er höchst selbst hätte die Finanzen des HSV intellektuell bis ins Mark durchdrungen und damit die Legitimation per se, mit sinnentleerten Kommentaren ohne erkennbare Botschaft und frei von Logik die Blogs zum Thema HSV-Finanzen förmlich zu überfluten.

Die Vier

Und F. Wettstein wählt zum Thema „Stadion-Finanzen“ ganz bewusst sogleich die brachiale Konfrontation: Restschuld 25 Mio – fällig in den nächsten 18 Monaten – liquide Mittel nicht vorhanden und nicht zu erwarten! Rumms – das hat gesessen. Vor dem inneren Auge ziehen bereits wieder jene grauenhaften Bilder vorbei, die dem HSV-Fan das Blut in den Adern gefrieren lässt. Bilder, in denen die vergötterten Idole mit „unserer“ Raute auf der Brust einer alten, abgewetzten Leder-Pille auf einem holprigen Grand-Platz, gedemütigt wie geprügelte Hunde, hinterherjagen und ein Stadion mit gepflegtem Rasen nur noch aus den Fernseh-Übertragungen von anderen Vereinen her kennen.

F. Wettstein wäre aber eben nicht jener sagenumwobene F. Wettstein, hätte er nicht sogleich die rettende Lösung für den arg gepeinigten HSV-Fan parat: Restrukturierung; Restrukturierung der Verbindlichkeiten. Gut; das bedeutet nun faktisch zwar auch nur, alte Schulden mit neuen Schulden ablösen und dabei die neuen Schulden erst viel, viel später bezahlen müssen (am Besten natürlich erst, wenn man sich selbst schon längst mit prall gefüllten Taschen vom Acker gemacht hat) – klingt aber nach höheren Finanz-Weihen und gibt dem depressiv-vegetierendem HSV-Fan doch zumindest ein wenig Hoffnung zurück.

So; und nun schnell dies leidige Kapitel schließen, bevor noch Jemand nachhakt. Etwa nach dem „Wie und Warum“ diese leidige Stadion-Finanzierung heute eigentlich überhaupt noch „Thema“ ist. Denn es war doch gerader F. Wettstein selbst, der bereits vor mehr als einem Jahr vollmundig dem zu verdummenden Fan-Volk stolz verkündetet: das Problem der Stadionfinanzierung sei erkannt, die Gespräche mit den Banken zur Restrukturierung der Schulden seien aber bereits auf gutem Weg und mit einer Erledigung sei in Kürze zu rechnen! Das war im Januar 2015 – na, das hat denn ja ganz prima geklappt. Das Problem der „Stadion-Finanzierung“ ist also offenkundig, trotz intensiver Bemühungen des F. Wettstein, nicht ein Mal im Ansatz gelöst. Warum aber soll man jetzt, einen Bilanzverlust von 16,9 Mio später, denn noch darauf Vertrauen dürfen, dass eben dieser F. Wettstein heute die Finanzprobleme des HSV wird lösen können? Jene Finanz-Probleme, an deren Lösung F. Wettstein vor einem Jahr unter weit besseren Rahmenbedingungen bereits scheiterte. Exzellenz in der Welt des HSV bedeutet eben: „nicht nur gut gewollt, sondern nicht einmal auch nur ansatzweise befriedigend gemacht“.

Welch ein Segen, dass nun erneut unser „Retter“ K.-M. Kühne „seinem“ geliebten HSV mit der Erhöhung seiner Anteile um 9,25 Mio selbstaufopfernd zur Seite springt. Gut; etwas unschön an der Sache ist es dann doch schon, dass erneut bei diesen Anteilsverkäufen kein Geld geflossen sein soll, weil der Finanzmagnat eben nur ältere Darlehen mit dem Kaufpreis verrechnet hat. Aber was soll´s: der HSV wird schließlich damit entschuldet und spart dabei doch auch noch Zinsen. Danke Klaumi, bist eben doch einer von uns – ein „wahrer“ HSV-Fan!

Aber wieso eigentlich mit „ältere Darlehen“ verrechnet? Als K.-M. Kühne sein HSV-Engagement mit dem Anteilserwerb von 18,75 Mio zu Beginn des Jahres 2015 vollzog, hatte der HSV bei K.-M. Kühne Verbindlichkeiten in Höhe von 25 Mio (mit 4,5% Zins). Davon waren lediglich 2 Mio überhaupt erst noch in 2015 zur Rückzahlung fällig, der Rest gestaffelt in den Jahren 2016/2017. K.-M. Kühne verrechnete also bereits in 2015 den Kaufpreis für seine Anteile von 18,75 Mio vollständig mit Darlehen und dabei überwiegend auch noch mit Darlehen, die längst noch nicht zur Rückzahlung fällig waren. Aber gut; dies konnte man im Rahmen des Gesamtpakets (mit dem Erwerb des Stadionnamens und den damit verbundenen Zahlungen als dringend benötigte Liquidität für den HSV), zumindest mit sehr viel gutem Willen noch nachvollziehen. Fakt bleibt aber: es verblieb Anfang 2015 ein Rest-Darlehen bei K.-M. Kühne von 6,25 Mio zu 4% Zinsen und fällig zur Rückzahlung 2019 (so wurde es neu verhandelt). Damit war der HSV also mit K.-M. Kühne auf mittlere Sicht „in der Reihe“.

Und genau dies wirft jetzt zwingend Fragen auf, die förmlich nach einer Antwort schreien. Warum zahlt jetzt der durch existenzbedrohende Liquiditätsschwäche gebeutelte HSV bereits heute an K.-M. Kühne „alte“ Darlehen zurück, die er doch eigentlich erst 2019 zurückzahlen muss? Dieser HSV, bei dem Leihgeschäfte noch vor Kurzem an 100.000,- scheiterten und der seinen aktuellen vertraglichen Verpflichtungen aus der Stadion-Finanzierung bei den Banken nicht wird nachkommen können! Mit Sicherheit also nicht, weil der HSV vor lauter Liquidität gar nicht mehr weiß, wohin mit seinem ganzen Geld. Und warum zahlt der HSV für Darlehen über 6,25 Mio heute 9,25 Mio an K.-M. Kühne „zurück“; also 3 Mio mehr als die Darlehensschuld?

Offenbar haben also entweder neben der ursprünglich vereinbarten Restschuld von 6,25 Mio bereits vor 2015 noch weitere – unveröffentlichte – Schulden (mindestens 3 Mio) gegenüber K.-M. Kühne bestanden oder es sind innerhalb des Jahres 2015 weitere – neue – Schulden bei K.-M. Kühne entstanden. Der Beschluss des Aufsichtsrats für den Anteilsverkauf an K.-M. Kühne für 9.25 Mio datiert aus 11/2015. Die Vorgänge um diese „alten Darlehen“ dürften sich also überwiegend in der Bilanz 2014/15 wiederfinden; in jener Bilanz eben, die vom HSV so beharrlich noch unter Verschluss gehalten wird.

Was also mögen die Exzellenzen in der AG-Führung nur angestellt haben, dass diese für den HSV vollständig kontraproduktive und widersinnige „Umtauschaktion“ zu Gunsten des K.-M. Kühne jetzt offenbar zwingend erforderlich wurde? Anteile, mit denen man dringend notwendige Liquidität zur Ablösung fälliger Verbindlichkeiten und zur Erhaltung des Spielerkaders hätte generieren müssen, eingetauscht beim „Edelfan und Gönner“ gegen mittelfristige, noch nicht fällige, Verbindlichkeiten. Es ist einfach nicht zu fassen. Und welche Rolle spielt dabei eigentlich der Aufsichtsrat mit dem stets doch so adrett wirkenden und nett grinsenden Vorsitzenden? Ist er tatsächlich noch Kontrolleur der AG im Sinne auch und gerade des (haftenden) Vereins als Mehrheitseigentümer oder lediglich nur noch willfähriger Vollstrecker seines schweizer Brötchengebers? Alles nur reine Spekulation mag man entgegnen. Nein; gesicherte Fakten als Grundlage und die Logik vernünftiger Unternehmensführung lassen eigentlich nur einen Schluss zu: für die Possen sind beim HSV die Direktoren zuständig; für die Skandale Vorstand und Aufsichtsrat.

Und warum erinnert Einen dieser Märchen-Onkel F. Wettstein eigentlich immer an das grauenhafte Schicksal des Traditionsklubs Alemannia Aachen, welches erst durch den gerichtlich bestellten Insolvenzverwalter in der 4.ten Liga sein erbärmliches Ende fand. Logisch; weil es eben dieser F. Wettstein war, der sich als „Berater“ für sein „exzellentes Sanierungskonzept“ noch kurz vor dem Exitus der Alemannia in der Lokal-Presse als „Retter vom Tivoli“ feiern ließ. Warum K. Gernand nun gerade diesen F. Wettstein, der vorher noch nie in einen „Sport-Unternehmen“ tätig oder überhaupt jemals irgendwo in Führungsverantwortung gewesen war (und neben der Katastrophe bei Alemannia Aachen auch schon am Finanz-Chaos bei 1860 München als „Berater“ emsig mitgewirkt hatte), als CFO für den HSV „gewinnen“ wollte, wird man wohl nie in Erfahrung bringen. Sachliche Erwägungen einer qualitativen Befähigung des F. Wettstein für die Position des CFO eines krisengeschüttelten Unternehmens aus dem Sportbereich lassen sich zumindest seiner beruflichen Vita kaum entnehmen.

Nur ein uns Allen wohl bekannter „Journalist“ wusste natürlich bereits bei der Bestellung des F. Wettstein zum HSV-Vorstand euphorisch und unbelehrbar zu berichten: mit F. Wettstein gelang es dem HSV, einen kompetenten Finanzfachmann mit ausgewiesener Expertise für sich zu gewinnen. Warum auch sollte man die Personalie F. Wettstein hinterfragen; schließlich gehörte er ja nun zur großen HSV-Familie und damit zum Geschlecht der „infalliblen Exzellenzen“ – jener auserwählten Schar von Unantastbaren, die nicht dem Irrtum unterworfen sind. Bleibt eigentlich für den HSV nur zu hoffen, dass dieser F. Wettstein möglichst schnell dem Schicksal dieses „Journalisten“ folgt und schleunigst in den Ruhestand geschickt wird – und dies, noch bevor ein Insolvenzverwalter den HSV irreversibel in die 4.te Liga schickt.

Demnächst in Wettsteins Märchenstunde:
„Das Milchmädchen und die böse Abschreibung“

Von | 2016-02-10T10:09:41+01:00 10. Februar 2016|Allgemein|14 Kommentare

14 Comments

  1. BerndH60 10. Februar 2016 um 08:26 Uhr - Antworten

    Klasse Dokumentation des Ist-Zustandes beim HSV.
    Als alter Zyniker kann ich jedoch der vierten Liga mittlerweile keinen Schrecken mehr abgewinnen.
    Denn 4. Liga, VORSTAND, AUFSICHTSRAT, aber auch aktueller Kader zu 70%, da wächst zusammen was zusammen gehört.
    🙁

  2. Webgolfer101 10. Februar 2016 um 08:47 Uhr - Antworten

    Genau Grave, dass habe ich auch gleich gedacht, als ich von der Darlehensumwandlung in Anteile gelesen habe.
    Warum gibt man mögliche Liquidität an einen “Gönner” vorzeitig weg, wenn mann mit den Banken am Verhandeln ist.
    “Mögliche Liquidität” deshalb, da die Anteile ja noch nicht an den Mann gebracht wurden.
    Der Kühne kommt mir auch immer dubioser vor.
    Er stellt sich zwar immer als großer Fan dar, aber ich sehe ihn nicht als wirklich große Hilfe.
    Allein sein Van der Vaart Auftritt hat den HSV ca. 25 Mio gekostet.
    Einen Kreuzer schießt er schon vor dessen Antritt ab, aber bei den jetzigen Blindgängern hält er den Mund.

    • BerndH60 10. Februar 2016 um 10:35 Uhr - Antworten

      Kühne dubios?
      Mag sein, doch er weiß ganz genau, was er tut. Meiner Meinung nach wird er sich jeden Anteil unterhalb von 50+1 zum Spottpreis sichern, genau dafür ist der aktuelle Dilletanten Vorstand der nützliche Idiot.
      Deshalb schweigt der Mann ja auch seit geraumer Zeit öffentlich. Die drei Naseweisen aus dem Morgenland beweisen ihre Unfähigkeit ja auch ohne äußeren Druck.
      Daher auch das Dauergrinsen von U-Boot Gernandt. Läuft alles im Sinne seines Auftraggebers. Anschließend wird ausgefegt.

  3. Oberberger 10. Februar 2016 um 09:13 Uhr - Antworten

    Besten Dank “Kerberos” für den Einblick in die erschreckende Finanzwelt des HSV.
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    Man zahlt also für eine Schuld in Höhe von 6,25 Mio Euro 9,25 Mio an KMK zurück, und das auch noch 3 Jahre zu früh ???? Klingt für mich wenig sinnvoll, wenn einem das Wasser ohnehin schon bis zum Hals steht.
    Gibt es also “unveröffentlichte ” Schulden und macht man sich damit des Bilanzbetrugs schuldig ?
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    Wieder mal werden einfachste Dinge wie die Ablösung alter durch neue Schulden als extrem kompliziertes finanztechnisches Manöver verklärt. Der Begriff “Restrukturierung” suggeriert hierbei, dass man alles ganz neu und ganz dufte aufbaut.
    Das ist alles so schlecht und peinlich, dass ich bei der grottigen Performance auf allen Ebenen nicht mehr daran glauben kann, dass das nur eine Verkettung unglücklicher Umstände ist.

  4. Hannes Grundmeyer 10. Februar 2016 um 10:57 Uhr - Antworten

    Mag ja sein, dass Kühne wartet, bis die Exzellencen den Verein finanziell gegen die Wand fahren (und das kann nicht mehr lange dauern), um dann den Rest der Anteile für einen Spottpreis zu bekommen. Aber so lange zu warten, bis auch sportlich nichts mehr geht und man in der 2. Liga landet, macht doch keinen Sinn. Oder doch?
    Aber was macht beim HSV schon Sinn? Und wer kennt schon die Gedankengänge eines alten Milliardärs?
    Ich bin es leid, mir den Kopf über den Verein zu zerbrechen. Ändern kann ich eh nichts. Und ärgern tu ich mich schon genug.

  5. 1887 10. Februar 2016 um 11:13 Uhr - Antworten

    Vielleicht will man auch einfach nur dem Sportlichen Abstieg vorgreifen. Lieber durch Insolvenz als Sporlich in die zweite oder dritte Liga. Vielleicht zählt das nicht als Abstieg und wir können diese dusselige Uhr hängen lassen 😉

  6. Goldfather 10. Februar 2016 um 12:24 Uhr - Antworten

    Die Strategie ist doch eindeutig, natürlich geht es darum, dass Klaus-Michael den Laden übernimmt. Fraglich finde ich bislang einzig und allein die ungeklärte Situation nach seinem Ableben, oder noch schlimmer: Was ist eigentlich, was hoffentlich nie passieren möge, wenn Klaus-Michael in den nächsten Jahren unter Demenz leiden sollte?
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    Angesichts der fehlenden sportlichen Expertise im Kaderaufbau (Peter kann nur Schweiz), sowie der Verbesserung des Kaders durch Trainingseinflüsse (Bruno kann verbal motivieren, heiß machen), ist es nur eine Frage der Zeit bis man wieder einmal auf dem Transfermarkt mit Kühne-Geld zuschlagen muß, um das Schlimmste zu verhindern.
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    Möglicherweise lässt Klaus-Michael die Raute erst bis in die zweite Liga durchsacken, um dann seine Bedingungen diktieren zu können.
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    Desweiteren ist der kategorische Ausschluß von echten strategischen Partnern, die mit Klaus-Michael auf Augenhöhe sind, ein weiteres Indiz dafür, dass die Raute letztendlich an Kühne & Nagel gehen wird. Minipartner, wie Obsthändler, Fischhändler und Bauern dienen lediglich zur Tarnung und werden, wenn die Zeit reif ist, ein entsprechendes Angebot von Klaus-Michael bekommen.
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    So gesehen ist ein antizyklisches Investment in die verfügbaren Anteile des HSV möglicherweise alles andere, als eine dümmliche Liebhaberei, sondern vielmehr die Spekulation auf das ultimative Ende der gegenwärtigen Struktur.
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    Es gibt Investoren die investieren, weil sie wissen das die Firmenleitung die Situation nicht unter Kontrolle bekommen wird und somit gezwungen sein könnte ein Übernahmeangebot zu akzeptieren. Und dann schlägt die große Stunde eines weitsichtigen Investors.
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    Die Art und Weise wie Klaus-Michael den HSV übernimmt erinnert ein wenig an den Frosch der in einem sich langsam erwärmenden Topf sitzen bleibt und aufgrund der kontinuierlich durchgeführten Erhitzung den Punkt verpasst an dem es klüger gewesen wäre rauszuklettern.
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    Anders ausgedrückt: Niemand aus der aktuellen Führungscrew glaubt an einen HSV ohne ein paar Milliarden € im Hintergrund. Die Vorstellung als Verein oder mittelständisches Unternehmen mit kluger Führung den Bayern eines Tages die Stirn bieten zu können hat man schon lange abgeschrieben.
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    Die Herren Investoren sind im Gegensatz zu den meisten Kuttenträgern und Freizeitkunden mehrere Schritte weiter und haben die Abrißarbeiten schon lange begonnen. Dass HSVplus dabei eines der gröbsten Abrißwerkzeuge werden sollte haben die meisten Clubmitglieder nicht einmal im Ansatz erahnen können, bis auf die kleine Schar derjenigen, die mitlerweile dem Amateurfußball fröhnen.
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    Der HSV ist in Hamburg und Sportdeutschland eine Institution, so einen Club verkauft man nicht in fünf Minuten ohne Strassenaufstände und Massenpanik zu riskieren. Einen Club wie den HSV nimmt man scheibchenweise auseinander und arrangiert das Ganze zu einem neuen Gebilde.
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    Denn eines sollte mitlerweile klar sein: Richtig angegangen ist es durchaus möglich mit Profifußball gutes Geld zu verdienen. Hierzu ein Artikel aus dem Jahr 2009:

    http://www.spiegel.de/wirtschaft/studie-zum-fussball-der-zukunft-werbung-tor-werbung-zeitlupe-werbung-a-641816.html

    Das Interessante an dem Artikel ist einerseits, dass er in der Lage ist, das Milliarden-Potenzial, welches im Profifußball steckt, anzudeuten und andererseits im Vergleich zum Jahr 2016 deutlich macht, wie extrem die Profitabilität der großen Ligen unterschätzt wurde, insbesondere vor dem Hintergrund der Entwicklung des Internets und der mobilen Medien.
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    Kühne & Nagel, SAP, Adidas, Allianz, Volkswagen, Audi, Red Bull, Bayer und einige andere mehr werden die Bundesliga nach US-amerikanischem Vorbild (NBA, NFL, NHL) verändern, um den größtmöglichsten Profit generieren zu können.
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    Der gute alte HSV hat es nun schon fast hinter sich, egal ob nun bereits schon in dieser Saison abgestiegen wird oder in einer der kommenden Spielzeiten. Entscheidend ist die Frage nach Klaus-Michaels Erben sowie die Positionierung der Kühneholding gegenüber dem HSV.
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    Am Ende könnte alles auf Karl Gernandt hinauslaufen, der, angesichts des fortgeschrittenen Alters Klaus-Michaels, das eigentliche Schwergewicht in der zukünftigen AG ohne Obsthändler, Fischhändler und Bauern sein dürfte.
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    Und somit stellt sich jetzt, inmitten der möglicherweise unumgänglichen Abrißarbeiten, die Frage: Wie sieht die Vision Karl Gernands von der HSV-AG im Jahre 2030 aus?
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  7. Hugo Meiser 10. Februar 2016 um 19:11 Uhr - Antworten

    Was ich immer nicht verstehe, vielleicht kann mich jemand erleuchten:
    Welchen Mehrwert hat eigentlich für die Firma Kühne und Nagel ein Fußballverein als Werbeträger? Die breite Masse wie bei den oben genannten Adidas, Allianz, Volkswagen, Audi, Red Bull kann ja wohl nicht das Ziel sein, oder? Schon bei SAP und mit Abstrichen Bayer verstehe ich es nicht so ganz. SAP hat mit seinen Großseglern ja sicherlich auch eher die Manager großer Firmen im Auge. Bei “Strategischen Partnern” geht es doch um Image und Werbung beim Massenpublikum?
    Oder sollte es halt doch eher um die Einflussmöglichkeiten gehen und damit um Machthunger? Ich meine, so ist es ja bei den Russen und Scheichs in der PL eher der Fall.

    • Hugo Meiser 10. Februar 2016 um 19:15 Uhr - Antworten

      Ach und noch eine Frage: Verringern sich nicht mit jedem Verkauf von Anteilen auch die Schulden des Vereins? Ich meine nicht durch Zufluss von Geld, sondern allein dadurch, dass der Käufer dann ja auch einen Anteil der Schulden automatisch übernimmt?

    • Goldfather 11. Februar 2016 um 01:08 Uhr - Antworten

      Der Mehrwert ergibt sich heutzutage, also in der Zeit von Facebook und Google, allein schon aus der enormen Reichweite des Produktes “Fußballbundesliga”. Nicht nur, dass die großen Medienkonglomerate Mondpreise zahlen werden in der Zukunft, nein, der Fußball wird eine Schlüsselrolle im Bereich der digitalen Medien spielen und mit darüber entscheiden ob Plattformen wie Google, Facebook, Yahoo, WhatsApp überleben oder ob sich Konkurrenz mit der Basis eines todsicheren Produktes wie der Fußballbundesliga breit machen kann und um Marktanteile kämpft bei denen es um X Milliarden € Profit/Jahr geht.
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      Fußball sorgt für Kundenbindung und somit für Einnahmen im Milliardenmarkt der digitalen Werbung.
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      Doch damit nicht genug, schließlich wird landauf und landab die Bandbreite der Internetanschlüsse derartig erweitert, dass demmnächst auch im hinterletzten Alpendorf Medieninhalte verkauft werden können die bislang an der zu geringen Bandbreite scheitern.
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      Es wird Spitzenspiele geben die nur über das Netz übertragen werden und mehrere hundert Millionen $ Umsatz erbringen und vieles andere mehr. Die gegenwärtigen Club TV-Formate sind dabei lediglich der sanfte Beginn einer Entwicklung die irgendwann dazu führen wird, dass Fans die gesamte Trainingswoche ihrer Lieblinge per TV verfolgen können.
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      Wäre beispielsweise der FC Remscheid so gnadenlos und würde die Trainingseinheiten mit Thorsten Legath online vermarkten, könnte er spätestens jetzt, nach dem Dschungelcamp, eine nicht unerhebliche Summe für einen Amateurclub generieren.
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      Die Fußballbundesliga ist weltweit ein Begriff und steht mitlerweile für die Liga des Weltmeisters. Das weiß man in China, das weiß man in Nigeria und in den USA. Eine erstklassige Vermarktungsmaschinerie mit dem Schwerpunkt auf Netzdienste und hoher Verfügbarkeit für viele Fanwünsche würde der Bundesliga Milliarden in die Kasse spülen.
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      Fußball und somit die Fußballbundesliga ist derzeit erst am Anfang eines Kommerzialisierungsprozeßes und bietet enorme Marktchancen in der Zukunft.
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      Wenn man heute in ein Flüchtlingslager in Deutschland gehen würde und junge Männer aus Syrien und dem Irak fragen würde, was sie als Erstes in ihrer früheren Heimat von Deutschland erfahren haben und wie ihr Bild von Deutschland damals geprägt wurde, dann wird der Fußball und somit die Fußballbundesliga eine große Rolle gespielt haben.
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      Fußball ist eine universelle Sprache die weltweit gesprochen wird und die Fußballbundesliga ist weltweit eines der größten Aushängeschilder. Kein Mensch kennt irgendwo in der Sahara oder in Kambodscha Leute wie Seehofer, Steinmeier, Gabriel oder von der Leyen aber Franz Beckenbauer und Manuel Neuer sind überall bekannt und viel mehr Botschafter Deutschlands als es ein deutscher Diplomat oder Politiker jemals werden könnte.
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      Eine riesige Projektionsfläche und somit auch Verkaufsfläche ist der Fußball und somit bietet er Vermarktungschancen ohne Ende.
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      Für Kühne & Nagel könnte der Fußball ein profitables Standbein im Bereich der digitalen Medien werden, denn schließlich werden dort mitlerweile Profite erwirtschaftet von denen Container-Klaus nur träumen kann. Im Vergleich zu den Firmenwerten und Profiten von Google, Facebook oder Yahoo erwirtschaftet Kühne & Nagel ein nettes Zubrot.
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      Der HSV als absoluter Traditionsclub und Gründungsmitglied der Bundesliga kann ein Juwel sein für Leute die vorhaben mit dem Fußball zukünftig weltweit Geld zu verdienen. Der FC Bayern hat es vorgemacht und selbst der FC Bayern befindet sich noch nicht in der digitalen Marktwirtschaft der Zukunft.
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      Große Geschäftsfelder, Claims, werden abgesteckt bevor dem Rest klar wird wo sich die Goldader befindet.

      • Hugo Meiser 12. Februar 2016 um 18:06 Uhr - Antworten

        Danke für diese sehr ausführliche Abhandlung auf meine Frage.

        Für Kühne & Nagel könnte der Fußball ein profitables Standbein im Bereich der digitalen Medien werden, denn schließlich werden dort mitlerweile Profite erwirtschaftet von denen Container-Klaus nur träumen kann. Im Vergleich zu den Firmenwerten und Profiten von Google, Facebook oder Yahoo erwirtschaftet Kühne & Nagel ein nettes Zubrot.

        Das bedeutet ja, dass du erwartest, dass K&N irgendwann in den Bereich der digitalen Medien einsteigt? Bisher ist da ja weit und breit nichts zu sehen – oder?
        W