Der Kreislauf des Todes

Was ist paradox? Paradox ist, wenn jemand ein Virus erfindet und dieses freisetzt. Viele Menschen erkranken. Dann stellt dieser jemand der Bevölkerung ein Gegenmittel zur Verfügung, welches das Überleben der Menschen für weitere 12 Monate sichert und dafür wird er abgefeiert. Was mit den Menschen in exakt einem Jahr passiert, das interessiert erstmal niemanden, denn bestimmt wird der Serums-Spender in einem Jahr mit dem nächsten Gegenmittel um die Ecke kommen, welches wieder für ein Jahr wirkt. Und auch dann wird er wieder bejubelt. Für das ursprüngliche Freisetzen des Virus aber wird er nie zur Rechenschaft gezogen.

Der HSV befindet sich im Kreislauf des Todes und eigentlich weiß das jeder. Aber hey – ist doch egal, wieder ein Jahr überlebt. Natürlich gibt es auch noch reichlich von dieser Sorte…

Heindampfsagt:

Die finanzielle Seite interessiert mich nur peripher. Herr Kühne macht das schon. Die Idee, für 100 Millionen ein paar gute Leute einzukaufen (wurde gestern hier geäußert), unterstütze ich. Nicht kleckern, sondern klotzen. Mit guten Nebenleuten könnte auch Halilovic prima wieder an der Elbe spielenspielen, denke ich.

…aber die sollten von ihrem Pfleger ohnehin Fernseh-Verbot erhalten. Rosa Hemd an, Bierbuddel an den Hals und „Nur der HSV“ blöken. Arme Schweine.

Ich habe heute einfach keine große Lust mehr, das neuerliche Desaster in langen, erklärenden Sätzen zu erläutern, dafür heute eher im Steno-Style. Wer weiß, vielleicht wird es einigen ja dann deutlicher.

Warum sollte der HSV keine Lizenz erhalten?

Weil er mehr Geld ausgibt, als er einnimmt. Und das schon seit mindestens 6 Jahren.

Wann bekommt man die Lizenz?

Wenn man nachweisen kann, dass man in der nächsten Saison seine Rechnungen bezahlen kann. Der Schuldenstand ist nahezu egal.

Warum gibt der HSV eigentlich zuviel Geld aus?

Weil er Spieler viel zu teuer verpflichtet und sie weit überproportional bezahlt.

Wer möchte denn diese teuren Spieler in Hamburg haben und warum?

Kühne and friends. Denn er möchte mit dem HSV ja noch Großes erreichen und ein knapp 80-Jähriger hat bekanntlich nicht mehr so viel Restzeit.

Warum setzt der HSV nicht auf junge, entwicklungsfähige Spieler?

Weil Kühne das nicht will und nicht bezahlen würde.

Bedeutet das dann nicht, dass Kühnes Ansprüche und seine Forderungen nach Stars genau das sind, was den HSV in die Bredouille geführt hat?

Genau das bedeutet es. Kühne ist immer dann die (vorübergehende) Lösung des Problems, nachdem er das Problem erzeugt hat.

Vorausgesetzt, der HSV hält die Klasse. Was passiert dann?

Dann wird im üblichen Schema weiter gefuhrwerkt und jemand, der glaubt, dass es ein Herr (Um)-Bruchhagen sein wird, der daran etwas ändert, sollte die Medikamente wechseln. Im Falle des Klassenerhalts wird mit höchster Wahrscheinlichkeit ein Papadopoulos gekauft und mit einem Vertrag ausgestattet, der ihm € 3 Mio. pro Jahr garantiert. Außerdem werden andere Spieler dieser Größenordnung geholt.

Aber hat man dann im nächsten Jahr nicht das gleiche Problem wieder?

Natürlich hat man und man hat wieder zuwenig Geld. Aber da wären dann ja noch die letzten 4,9% der verfügbaren AG-Anteile, also wieder Kühne. Im Jahr darauf wird es etwas spannender, weil dann die 24,9% der AG-Anteile, die man ohne Zustimmung der Mitglieder verhökern konnte, aufgebraucht sind. Dann wird es  eine Mitgliederversammlung geben, an der ca. 341 Rentner in Trikots darüber abstimmen werden, ob man bis zu 49,9% der Anteile abgeben darf. Man wird die Mitglieder vor die Wahl stellen: Entweder, ihr stimmt dafür oder wir können den Verein abmelden. Was dann wohl passieren wird?

Interessant wird es erst dann, wenn Herr Kühne (möge es in seinem Sinne noch viele Jahr dauern) das Zeitliche segnet. Was passiert dann mit seinen Anteilen? Wenn dann der HSV noch zahlungsunfähiger sein wird, wer hilft dann? Aber darum kümmern wir uns, wenn es soweit ist bzw. wenn das Ein-Jahres-Serum zu wirken aufhört.

Gute Nacht.

 

 

 

 

Von | 2017-05-12T07:07:42+02:00 12. Mai 2017|Allgemein|53 Kommentare

53 Comments

  1. Volli 12. Mai 2017 um 07:38 Uhr

    Ich frage mich nur immer, ob die Protagonisten selbst noch daran glauben, dass sich mit diesem System eines Tages doch noch Erfolg einstellt????

    • Gravesen 12. Mai 2017 um 07:45 Uhr

      Nein, tun sie nicht. Sie wollen lediglich ihre gut dotierten Verträge aussitzen. Oder noch besser – mit Abfindung gehen. Raute im Herzen? Da lache ich mir den Arsch ab.

  2. Sven 12. Mai 2017 um 07:55 Uhr

    Demzufolge bekommt man auch kein Management oder Spieler mit Potential , die langfristig ihre Karriere planen und nicht nur von Jahr zu Jahr. Also gibbet auch in Zukunft nur Frührentner und Auslaufmodelle. So ist kein Umbruch oder Aufbau machbar.

  3. leonardo63 12. Mai 2017 um 08:08 Uhr

    Moinsen,

    also alles wie gehabt.

    Grave wird hoffentlich weiterhin die Finger heben und auf die Problematiken hinweisen. Vielleicht werden dem einen oder anderen noch die Augen geöffnet .. wer weiß ..

    Auf der anderen Seite bleibt der HSV die Lachnummer der Liga … erpressbar von allen Seiten bis zum Abwinken; begleitet von einer Horde brüllender krimineller Orks – übrigens ein hervorragender Vergleich, Grave – und von grenzdebilen eventsüchtigen Fans deren restliche Hirnkapazität mit Nennung HSV auf Null reduziert wird.

    In diesem Sinne warten wir ab, was denn so die nächsten beiden Spieltage uns noch so bringen …

  4. Kugelblitz 12. Mai 2017 um 08:39 Uhr

    ist denn die lizenzvergabe jetzt komplett durch? ich hatte kerberos in seinem gastbeitrag so verstanden, dass die ampel für das lizenzierungsverfahren jetzt wieder auf grün steht und eventuell eine lizenz mit auflagen erteilt werden wird?

  5. Kai 12. Mai 2017 um 09:24 Uhr

    Bei der Mopo scheint vereinzelt nun auch der Groschen gefallen zu sein. Wenn auch nur die Stimme eines einzelnen, so kann man mal was negatives schreiben und hinter her sagen das es bloß ne Einzelmeinung war. Rückrat haben die Hamburger Medien aber ja eh vor langer Zeit gegen ein zweites Arschloch getauscht. Egal, aber so wie der Artikel von Maik Kotzermann geschrieben ist, gehört das Wochenlang auf die erste Seite der Hamburger Schmierblätter, damit der wahnsinnige Mediendruck in Hamburg mal Realität wird und der letzte Vollidiot es mal begreift. Unfassbar wie man sich jetzt noch mit ner klebrigen Bratwurst in der einen, und nem schalen Duisburger Wassergemisch in der anderen Hand, mit freudig erregten rosa Bäckchen ein Spiel vor Ort anschauen kann ohne zu kotzen. Auf der einen Seite bewundernswert diese kindliche Naivität. Auf der anderen hochgradig besorgniserregend. Apropos, warum macht sich Uwe eigentlich keine Sorgen mehr?

    • Saschas Alte Liebe 12. Mai 2017 um 10:06 Uhr

      Spätestens bei seinem 80. hatte er sich alle nur möglichen Sorgen schon mehrfach gemacht. Nun sind keine mehr übrig…?

  6. Saschas Alte Liebe 12. Mai 2017 um 10:24 Uhr

    Kreislauf des Todes.
    Das unabsteigbar unvermeidbare tragische Antifußball-Monster HSV wankt untot gruselnd durch die Bundesliga. Hamburg Dungeon des Fußballs.
    Im Eventzirkus Kommerzfußball für manche offenbar eine attraktive Rolle, für viele im HSV anziehend als Selbstverständnis.
    Im Inklusionsblog der besorgten Hüpfer längst implementiert.

  7. Carsten 12. Mai 2017 um 10:33 Uhr

    Ich wundere mich ein bisschen, dass das Lizenzproblem jetzt doch mit dem Verscherbeln von Anteilen gelöst werden kann. Hatte Kerberos in seinem Gastblog nicht geschrieben, dass das nicht möglich sei, weil „Das Vermögen des Bewerbers [..] dabei durch den Spielbetrieb nicht nachhaltig gemindert werden“ soll. Aber das ist doch genau der Fall, wenn der HSV Anteile verkauft, um für die kommende Saison liquide zu sein. Oder verstehe ich da was falsch?

    • Bidriovo 12. Mai 2017 um 11:15 Uhr

      Ich glaube, dass hier Schulden an Kühne in Anteile umgewandelt wurden. Dadurch kann der HSV seine verfügbaren liquiden Mittel dazu nutzen, noch mehr xxx-Messis nach Hamburg zu holen, anstatt es für Kühnes Rechnungen ausgeben zu müssen.

    • Kerberos 12. Mai 2017 um 11:56 Uhr

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      Wer sagt, dass die Lizenzprobleme gelöst sind? Die MoPo oder Nicki (identisches Niveau)?
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      Was ich geschrieben hatte deckt sich nunmehr doch mit den neuerlichen Aussagen von Bruchhagen, Todt und sogar von Kühne selbst. Der HSV benötigt ein ausgeglichenes Verhältnis von Einnahmen und Ausgaben. Das behält doch weiterhin Gültigkeit.
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      Der HSV benötigt vorab jedoch zwingend Liquidität, um hierfür notwendige Maßnahmen überhaupt realisieren zu können. Diese Kapitalerhöhung versetzt den HSV jetzt überhaupt erst in die Lage, seine Konsolidierungspläne in Angriff nehmen zu können. Nur der erste Schritt als Voraussetzung einer Kette von erforderlichen Folgemaßnahmen.
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      Am 7. Mai 2017 schrieb ich ergänzend im Kommentarbereich bereits als eine von mehreren erforderlichen Maßnahmen: „Ein neues langfristiges eigenkapitalersetzendes Darlehen, mit dem der HSV unverzüglich Dritt-Verpflichtungen ablösen kann, die einem ausgeglichenen operativen Ergebnis und somit einer Lizenzerteilung entgegenstehen (evtl. eben auch Entschädigungen für Gehaltsverzichte von Spielern bei Transfers).“ Gut; nun wurde es Eigenkapital aus Kapitalerhöhung statt eines von mir angedachten eigenkapitalersetzenden Darlehens – nach meiner Auffassung perspektivisch betrachtet nicht ganz optimal.
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      Man konnte jetzt das EK um ca. 20 Mio erhöhen; dieser Betrag, bei dem es sich um eine Bareinlage handeln soll, steht nun für Umstrukturierung zur freien Verfügung. So können jetzt „teure“ Spieler in der Transferperiode auch mit nachhaltigem „Verlust“ abgegeben werden und neue, „im Unterhalt günstige“ Spieler im Gegenzug erworben werden. Dies wäre ohne zusätzliche Liquidität nicht realisierbar gewesen. Und der Spielerkader ist nur ein Aspekt der Ausgabenseite.
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      Ob Medien oder limitierte rosa Hüpfer – wer zum jetzigen Zeitpunkt die Lösung aller Probleme und eine noch zu erteilende Lizenz abfeiert, hat nachweislich NICHTS verstanden.
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      Mit der Erfüllung der Bedingung wurde dem HSV lediglich die Tür geöffnet, nunmehr den Pfad der Konsolidierung überhaupt beschreiten zu dürfen.
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      • Gravesen 12. Mai 2017 um 12:10 Uhr

        Dies würde aber bedeuten, dass Kühne (und kein anderer entscheidet beim HSV) von seinem eingeschlagenen Kurs abweichen müsste. Also nicht mehr „think big“, sondern nachhaltig. Warum sollte ein fast 80-Jährigen jetzt plötzlich einen Kurswechsel mittragen (und allein finanzieren) sollen, wenn er die 6 Jahre zuvor das genaue Gegenteil praktiziert hat? Oder glaubt ernsthaft jemand, dass ein Bruchhagen, der den Vertrag mit Gisdol zu diesem Zeitpunkt gar nicht verlängern wollte, Kühne von der Notwendigkeit überzeugen kann? Kühne und Struth?

        • Kerberos 12. Mai 2017 um 12:30 Uhr

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          Mit dem Glauben tue ich mich grundsätzlich schwer und ins Besondere, wenn es darum geht, dass ein K-M Kühne von einem seiner Vorhaben abgerückt sein soll. Nein, das glaube ich, zumindest final, auch nicht.
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          Nur weiss K-M Kühne auch sehr genau, wann er Druck heraus nehmen muss, weil sonst der Kessel platzt. Und der Zeitpunkt war nun gekommen. Aus der Lizenznummer wäre er nicht anders herausgekommen.
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          Ich gehe aber davon aus, dass K-M Kühne erneut ansetzen wird, denn seine Position hat er defacto nicht aufgegeben (Darlehen, Besserungsscheine,etc.). Im Gegenteil: mit dem Ausschöpfen des genehmigten Eigenkapitals von ca. 20 Mio hat er dem HSV perspektivisch erneut finanziellen Dispositions-Spielraum genommen. Der HSV kann nun nur noch knapp 17 Mio über eine weitere Kapitalerhöhung einsammeln – dann ist man bei 24.9% und das reicht eben gerade noch für die „drohende“ Rückzahlung der Fan-Anleihe.
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          K-M Kühne wird den HSV auch weiterhin beherrschen; eventuell wird er jedoch künftig einen HSV mit geordneten Finanzen beherrschen. Auch dies wäre in seinem Interesse, denn „freimachen“ von K-M Kühne wird sich der HSV eigentlich nur über eine Insolvenz können.
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          • Saschas Alte Liebe 12. Mai 2017 um 14:41 Uhr

            Lässt sich das Szenario kurz darstellen ? bzw., ist es eine sinnhafte Option, wenn man einen Neuaufbau, eine Neuaufstellung im Auge hätte ?
            Von welcher Größenordnung wären die notwendigen wirtschaftlichen Mittel, oder andersherum, wäre das ohne jemanden wie Kühne zu bewältigen ?
            Von den Altlasten wäre der HSV dann doch wohl befreit.
            Klein neu anfangen ?

      • Carsten 12. Mai 2017 um 15:46 Uhr

        Danke für die Erklärung, Kerberos. Ergibt Sinn.

  8. HamburgerJung70 12. Mai 2017 um 11:40 Uhr

    Wenn ich das richtig sehe, wurde zwischenzeitlich (Stand heute im Vergleich zum Stand: Ausgliederungsbeschluss) viel Geld in den Verein gepumpt. Dabei haben sich weder relevante Kernzahlen in Puncto Aktiva & Passiva, noch der Wert der Mannschaft relevant verbessert. Dafür ist ein Fünftel der AG-Anteile an Dritte weitergereicht worden (Stand: heute). Zugleich wurde bis zum Wochenbeginn die Liquiditätssituation des Vereins als so desaströs bewertet, dass uns die Erteilung einer Lizenz für die nächste Saison verweigert wurde.
    Überall lese ich jetzt den gleichen Pressetext, wonach die jetzt genannte Kapitalerhöhung unser Liquiditätsproblem lösen soll. Kennt jemand weitere Einzelheiten? Zu welchem Kurs werden die Anteile veräußert? Ist es „frisches“ Geld? Wie viel geht in die Sicherung der Liquidität? Werden damit anteilig Verbindlichkeiten abgebaut (wenn ja: wessen Forderungen werden reduziert?)?
    Was die Kapitalerhöhung bilanztechnisch wirklich bedeutet, habe ich ehrlich gesagt, bisher nicht verstanden.

    • Ex-HSVer im Herzen 12. Mai 2017 um 11:46 Uhr

      Ist doch eigentlich egal! Es gibt genug bilanztechnische Tricksereien, um diesen Zombie am Leben zu erhalten. Die DFL wird mit juristischen Winkelzügen ausgetrickst und weiter geht der Horror!

      • HamburgerJung70 12. Mai 2017 um 12:03 Uhr

        Egal? Hmmm, ich dachte, es geht darum, zunächst zu VERSTEHEN, was da getrieben wird. Und nicht nur zu glauben, ahnen oder einfach nur ne Meinung zu haben…

        • Ex-HSVer im Herzen 12. Mai 2017 um 15:37 Uhr

          Ich meine damit, dass es egal ist, was „eigentlich“ los ist. Der HSV ist im Gesamtkonstrukt Bundesliga einfach zu wichtig, dass es nicht daran scheitern wird, weil die Liquidität fehlt. Irgendeiner wird in die Bresche springen.
          Ich sehe das ganze mittlerweile nur so pragmatisch, dass der HSV weder absteigen wird noch dass die Lizenz verweigert wird. Es wird einfach so weitergehen wie bisher.

  9. Ex-HSVer im Herzen 12. Mai 2017 um 11:45 Uhr

    Wieder hervorragend geschrieben! Kurz und knackig aufn Punkt!

    Was ich einfach nicht verstehen kann und vielleicht mal Thema einer sozialpsychologischen Untersuchung sein sollte: Wie kann man bitte „Fan“ einer Mannschaft sein, die mit dem Geld eines Spenders zusammengekauft wird? Ohne langsam zusammengewachsenes Team aus Talenten und „ehrlichen Fußballern“, die über Jahre eine Einheit gebildet haben. 17 Mio für zwei Brasilianer ohne jegliche Zukunft (und Gegenwart). Wo ist da die mentale Verbundenheit?

    Die einzigen, die der HSV in diese Richtung hat sind Diekmeier und Adler. Der Rest: zusammengekaufte Grütze.

    Versteh ich einfach nicht.

    • Gravesen 12. Mai 2017 um 12:00 Uhr

      Ich denke, das ist relativ einfach zu erklären. Die rosa Hüpfer und die Patienten mit den Vereinsbrillen feiern nicht den Verein oder einzelne Spieler, sie feiern sich. Sie gehen ins Stadion, um sich zu amüsieren, Freunde zu treffen, ein Gemeinschaftsgefühl auszuleben, zu saufen, zu zündeln, aber mit Sicherheit nicht wegen des Sports, der dort betrieben wird. Dieser ist im Grunde nur noch eine Randerscheinung, quasi die Begründung dafür, warum man am Samstag nach St. Ellingen pilgert. Deshalb sind auch die Spieler mittlerweile komplett austauschbar und nicht einer taugt zum Idol oder Vorbild, sie spielen im Gesamtkontext des Events einfach keine große Rolle mehr.
      .
      In der Folge ist diesen Vögeln auch vollkommen Latte, wer die Party bezahlt oder wie tief „ihr“ Verein im Dreck steckt. Hauptsache, das Ereignis findet statt, es gibt genug zu saufen und die Kumpels sind auch da.

      • atari 12. Mai 2017 um 12:19 Uhr

        so ist es. Es ist regelmäßig in der Einöde zu lesen: „Wie soll ich nur meinen Arbeitskollegen aus Bremen unter die Augen treten. Das wird wieder die Hölle im Büro“.
        Für diese Art von Fans spielt der HSV nur, damit sie Montags im Büro die Fresse aufreissen können!

      • abausb 12. Mai 2017 um 12:56 Uhr

        Ich kann nur für mich sprechen. Ich bin weder ein rosa Hüpfer noch (hoffe ich zumindest) ein Patient mit Vereins Brille, und dennoch gehe auch ich aus vielen der aufgeführten Gründe ins Stadion (sowohl um ein Gemeinschaftsgefühl auszuleben, Freunde zu treffen, mich zu amüsieren, saufen tue ich da eher selten, zündeln nie), aber ich frage mich, was daran falsch ist? Bzw. was genau daran ist jetzt ein spezielles „Problem“ eines HSV-Fans? Die sportliche Leistungen der Bundesligamannschaft des HSV ist tatsächlich in den letzten Jahren häufig nicht besonders erbaulich (und im Verhältnis zum finanziellen Aufwand auch besonders zu kritisieren). Aber dass die Spieler austauschbar sind, das ist aber doch ein Problem fast aller Bundesligavereine. Wenn man das nicht will, muss man eben Bezirksligafussball gucken, kann auch Spaß machen. Die Bayern mal außen vor fallen mir noch Dortmund und dieses Jahr eventuell noch Leipzig und Hoffenheim ein, wo regelmäßig guter Fussball zu sehen ist,. Aber ich habe schon relativ viele Spiele anderer Vereine dieses Jahr und auch in den letzten Jahren live im TV gesehen (das Sonntag Nachmittagspiel passt z.B. oft in meinen Terminkalender zum Hemdenbügeln), und ich kann Dir versichern, da ist die sportliche Leistung auch nicht das gelbe vom Ei.

        Das bedeutet aber nicht (jedenfalls nicht für alle, die aus den o.g. gründen dennoch ins Stadion gehen), dass ihnen egal ist, ob „ihr“ Verein im Dreck steckt. Mir zumindest ist das nicht egal.

        Und wo gibt es denn noch die totale Identifikation der Spieler mit dem Verein?

        • abausb 12. Mai 2017 um 14:07 Uhr

          ok, ich verstehe zwar Deinen Ansatz, aber dann müsste man sich konsequenterweise (meiner Meinung nach) komplett vom Profifussball verabschieden (sprich auch Sky kündigen, nur noch zum Amateurfussball gehen oder eben lieber ins Kino oder in den Garten). Dazu bin ich aber aus den oben angeführten Gründen (Spaß, Zusammenhalt, Freunde treffen) nicht bereit. Ich nehme dann eben in Kauf, dass einige Leute dies missverstehen.

          Aber im Ernst, klar, wenn (theoretisch) keiner mehr hingeht, müssen die Oberen es merken, aber das trifft doch auf sooo viele Bereiche unserer Gesellschaft zu. Profisport ist Brot und Spiele, und wer das nicht will, soll wegbleiben, kein Problem, aber ich lasse mir sicher nicht vorwerfen (habe Deine Antwort auch nicht explizit als Vorwurf verstanden), ich sei schuld an der Misere des HSV, weil ich Lust habe, TROTZ Beiersdorfer, Kühne etc. und der schwachen Leistungen der Truppe ins Stadion zu gehen. (Mal abgesehen davon, wir hatten vor Darmstadt eine fast schon unglaubliche Serie von siegreichen Heimspielen (und ein 2:2 gegen Freiburg und das dusselige Pokalaus), da hat es richtig Spaß gemacht und die Leistungen waren auch nicht grottenschlecht.

      • Saschas Alte Liebe 12. Mai 2017 um 14:51 Uhr

        Es gibt ja auch noch die nicki-Gruppe, der die vermeintliche „Identifikation“ mit so einem Label den Mangel an Lebensinhalt in den Hohlköpfen ersetzen soll.
        Natürlich sind die Schnittmengen mit den oben beschriebenen auch ziemlich groß.
        Womöglich handelt es sich um die Gleichen und ich kann das nicht präzise genug identifizieren; das ist mir allzu fremd, das ganze.

      • Ex-HSVer im Herzen 12. Mai 2017 um 15:38 Uhr

        Yo man! Exakt so sehe ich das auch.

    • Sven 12. Mai 2017 um 15:35 Uhr

      „Konkurrenz ist eine Ureigenschaft des Sports. Rivalität geht noch darüber hinaus. Sie ist Teil der Kultur und der Identität. Die Anhänger definieren sich nicht nur darüber, wer sie sind, sondern insbesondere auch darüber, wer sie nicht sind. Das stärkt unter anderem das Gemeinschaftsgefühl.“

      http://m.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/fan-rivalitaet-bei-eintracht-frankfurt-und-sv-darmstadt-98-14846080.amp.html – Leicht anderer Zusammenhang, aber sollte die gleiche Erklärung sein. Hatte ich vor Monaten schon mal gepostet, aber ich denke, das passt hier auch.

      • Ex-HSVer im Herzen 12. Mai 2017 um 15:40 Uhr

        Korrekt! Guter Artikel!

  10. ausgegliedert 12. Mai 2017 um 11:49 Uhr

    Und sollte der Gönner seinen letzten Weg beschreiten, sind sich die geneigten Fans vollkommen sicher, daß er seinen Verein im Testament ausreichend bedacht hat.
    Es ist einfach nur erschütternd.

  11. Micha 12. Mai 2017 um 12:32 Uhr

    Merken – Todt im Mopo-Interview:

    „Wir wollen smarte Transfers machen. Damit meine ich: Wir brauchen im besten Fall Spieler, die ihren sportlichen Höhepunkt noch nicht erreicht haben und sich bei uns entwickeln können. (…) Freiburg und Gladbach zeigen doch Jahr für Jahr, wie es geht. So ein Spieler kann dann auch mal viel Geld kosten, muss er aber nicht. Doch zunächst mal müssen wir ohnehin die Klasse halten.“

    • atari 12. Mai 2017 um 12:44 Uhr

      Todt ist auch bekannt dafür, dass er immer solche Spielertypen gefunden und verpflichtet hat. Das macht mir Mut.

  12. Tim Schultz 12. Mai 2017 um 13:15 Uhr

    Ich finde das alles gar nicht so schlimm
    Jetzt soll Interesse an dem nächsten Brasilianer geben?
    Ach, kaufen wir den auch noch für 10 Millionen und setzen ihn auf die Bank, bis sich der Marktwert halbiert hat.

    DAS sind genau die „smarten“ Transfers, die wir brauchen

    Ich habe mittlerweile einen riesigen Respekt vor dem KSC.
    Irgendwie haben sie es geschafft Todt als verspätete Rache bei uns zu installieren!?

    • Gravesen 12. Mai 2017 um 13:21 Uhr

      Glaubst du denn tatsächlich, dass es der Tod ist, der solche genialen Transfers einfädeln will? Denke mal von Kühne bis Struth und du der Wahrheit ein Stück näher. 😉

      • Micha 12. Mai 2017 um 16:12 Uhr

        Ich glaube einem Phrasendrescher wie Todt gar nichts. Ich habs nur als Protokoll hier zitiert – zum Merken! Aus dem Mund von Todt kann auch der zutreffende Gladbach-Satz eine pure Phrase sein.

    • Ex-HSVer im Herzen 12. Mai 2017 um 15:41 Uhr

      Sehr guter Ansatz! Die späte Rache des KSC! ???

  13. Tim Schultz 12. Mai 2017 um 13:50 Uhr

    Nee nee, um Gottes Willen!
    Das glaube ich nicht wirklich

    Aber er wird sicherlich wie düdü ein „hervorragender Sportchef sein, der leider etwas Entscheidungsschwach ist“
    „Manchmal“?