Der Hauptmann von St. Ellingen

In jungen Jahren ist Wilhelm Voigt auf die schiefe Bahn geraten und landet hinter Gittern. Nach seiner Entlassung beschließt er, endlich ein ehrliches Leben zu führen. Doch Wilhelm Voigt hat keinen Pass. Seine ständigen Versuche, sich Papiere zu beschaffen, bringen ihn immer wieder in Schwierigkeiten. Zufällig stöbert er eines Tages in einem Trödelladen und findet dort eine alte Hauptmanns-Uniform. Er gibt einer Garde den Befehl, ihm nach Köpenick aufs Rathaus zu folgen. (Wikipedia)

Ungefähr 3,4 Sekunden lang habe ich mich gefragt, woran mich die Inhaltsbeschreibung dieses Films aus dem Jahr 1956 erinnert. Natürlich, denn auf der Stelle schreibt der Spiegel: 

HSV-Sanierer oder Scharlatan? Die grandiosen Versprechen des Thomas Wüstefeld

Dabei ist die Chronologie der KSV-Karriere des Prof. Dr. Desertfield eigentlich bereits jetzt Heinz Rühmann Hoch 10, nimmt man all die lustigen Späße aus den letzten Monaten zusammen. Ich erlaube mir, zu zitieren.

  • Trotzdem dürfte bald ein Gerichtsvollzieher an Wüstefelds Villa klingeln, um 275 000 Euro einzutreiben. Die Summe schuldet der 53-jährige Manager einem früheren Geschäftspartner, wie das Landgericht Hamburg im Mai feststellte. Wüstefeld, so die Richterin, habe sich nicht an eine notarielle Vereinbarung gehalten
  • In Medien zeigte sich der Medizinunternehmer im weißen Kittel in seinem Labor, ständig gab es neue Sensationen zu verkünden: Wüstefeld hat angeblich das schnellste Coronatestgerät der Welt erfunden. Er hat einen eigenen Coronaimpfstoff entwickelt. Er weiß, wie man bald Krebs Jahre vor seiner Entstehung diagnostizieren kann.
  • Doch nicht nur die Auseinandersetzung mit dem früheren Investor nährt Zweifel daran, dass Wüstefeld der ehrbare hanseatische Kaufmann ist, für den er gern gehalten wird. Die Staatsanwaltschaft muss sich zudem mit zwei Strafanzeigen gegen ihn wegen Betrugs und Untreue befassen. Vor dem Landgericht werden bald mehrere Millionenklagen gegen ihn und seine Firmen verhandelt. Und zu allem Überfluss geht auch noch die Justizbehörde der Stadt der Frage nach, ob Wüstefeld illegal Arzneimittel verscherbelt hat.
  • Parallel zeichnete Wüstefeld ein dramatisches Bild der wirtschaftlichen Lage. Dem HSV fehlten bis zu 40 Millionen Euro für die Sanierung des Volksparkstadions, klagte er. Womöglich müssten die Spiele der EM 2024 abgesagt werden. Immerhin wusste er Rat: Er werde rasch einen Kredit beschaffen, versprach er. Dazu kam es bisher nicht.
  • Laut Wüstefeld fehlen jetzt zehn Millionen weniger, weil er »zielstrebig« gewirtschaftet habe
  •  Wüstefeld möchte alleinverantwortlicher CEO werden. Im Juni schrieb er streng vertraulich an Gesellschafter und Aufsichtsrat, er habe »einen Prozess zur Restrukturierung der Prozesse aufgesetzt«, der »stringent« fortgeführt werden müsse. Das gehe freilich nur, wenn er die Gesamtverantwortung bekomme: »Ich stehe auch nur in dieser Funktion und Rolle zur Verfügung.«
  • Meist sind die ehrenamtlichen Aufsichtsräte und Vereinspräsidenten mit ihren Kontrollaufgaben überfordert. Lokalgrößen, so scheint es, geht es vor allem ums Repräsentieren. Sie wollen aus den Logen schöne Spiele sehen und nicht das Kleingedruckte in Verträgen studieren
  • Als der schillernde Wüstefeld beim klammen HSV nach dem Posten des Finanzvorstands griff, hielt er ein vergiftetes Geschenk bereit: Er verzichtete auf Gehalt. Danach interessierte sich offenbar niemand mehr für seine Geschäftsmethoden, seine juristischen Auseinandersetzungen und die Frage, wie er an sein Geld gekommen ist. Selbst Kühne zuckte nicht.
  • Besonders beeindruckt ist HSV-Präsident Marcell Jansen, ein ehe­maliger Nationalspieler, vom neuen Finanzchef. Die beiden sollen auch privat miteinander harmonieren. Jansen ließ sich für den Vertrieb von Wüstefelds Medizintechnik einspannen
  •  Dafür spendete der an ein gemeinnütziges Unternehmen Jansens.
  • Es passt ins Bild, dass der Tausendsassa auch von der Politik umgarnt wird. Im vergangenen Oktober besuchten Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank und Wirtschaftssenator Michael Westhagemann Wüstefelds Firmen. Sie zeigten sich begeistert. »Was hier geleistet wird, ist Wahnsinn«, lobte Westhagemann.
  • Wüstefeld weiß, wie man Leute beeindruckt: Er habe eine PCR-Testfabrik in Katar aufgebaut für die Fußball-WM, tönte er. Zudem werde er gemeinsam mit den Biontech-Anteilseignern Andreas und Thomas Strüngmann forschen – was diese dementierten. Bei Thomas Wüstefeld lassen sich Schein und Sein nie wirklich auseinanderhalten.
  • Er gilt als umtriebig, hat große Pläne, hielt aber oft nicht lange durch. »Er gründet ständig neue Unternehmen und schiebt Geld hin und her«, sagt jemand, der mit ihm zusammengearbeitet hat
  • Ähnlich dreist soll Wüstefeld mit den Vertretern eines internationalen Konzerns umgegangen sein, mit denen er im Dezember 2020 ein Joint Venture gründete. Die neuen Partner hatten PCR-Tests entwickelt und wollten damit auf den deutschen Markt. Wüste­feld sollte seine Vertriebserfahrungen einbringen und eine Produktionsstätte aufbauen. Daraus sei nichts geworden, heißt es in der zweiten Strafanzeige. Stattdessen, so der Vorwurf, habe Wüstefeld das Konstrukt genutzt, um sich selbst billig Produkte zu beschaffen, die er dann über eine eigene Firma teuer weiterverkaufte. Dem Joint Venture entgingen so in einem Fall angeblich fast drei Millionen Euro, bei einem Gewinn von fünf Euro pro Test für Wüstefeld.
  • Laut Wirtschaftsprüfern von PwC soll der Manager zudem hohe Beträge aus dem Joint Venture an eigene Unternehmen abgezweigt haben, darunter im September 2021 knapp eine Million Euro an Wüstefelds CaLeJo, die Gesellschaft, die kurze Zeit später die Anteile am HSV erwarb.
  • Vor drei Jahren stieg er in die Herstellung von Cannabisprodukten ein. Aus Hanfpflanzen lassen sich nicht nur Drogen gewinnen, sondern auch ein Stoff wie Cannabidiol (CBD), dem eine medizinische Wirkung nachgesagt wird.
  • Er erklärt das mit einer seltsamen Theorie: Das CBD in seinen Produkten wirke »biophysikalisch im kolloidalen System«. Es sende elektromagnetische Signale aus, die im Körper »von nanoskalierten Hohlraumresonanzen« empfangen würden, heißt es auf Internetportalen. Grund sei ein »quantenpunktphysikalisches Wirkprinzip«. Hokus­pokus oder nicht – die Präparate gelten nach Meinung von Wüstefeld nicht als Arzneimittel, sondern als Medizinprodukte. Für deren Zulassung sind keine langwierigen Studien notwendig, es genügt, sie bei den Behörden anzumelden. Dazu schaltete er ein Unternehmen in Luxemburg ein, das offiziell als Hersteller auftrat.
    Einigen Behörden aber kam das Gebräu verdächtig vor. Die Schweizer Swissmedic glaubt Wüste­felds Theorie nicht; die Produkte würden »nicht den grundlegenden Anforderungen für Medizinprodukte entsprechen«, urteilten die Beamten im Oktober 2020. Tausende Fläschchen mussten aus den Regalen genommen werden – und verstauben seither bei Wüstefelds damaligem Partner in der Schweiz.
  • Die Luxemburger wiederum kamen zu der gleichen Einschätzung wie ihre Schweizer Kollegen. Auch sie verboten die Produkte, ordneten einen Rückruf an. Und was macht Wüstefeld? Verkauft seine Wunderöle jetzt aus den Niederlanden. Die dortige Niederlassung heißt PharmaSAN, was sich gut merken lässt, denn der Name ist eine Ableitung seiner deutschen SanPharma. Die Hamburger Kontrolleure haben sich in dieser Woche der Sache erneut angenommen (Spiegel)

 

Ernsthaft, wer sich mit diesem Mann noch an einen Tisch setzt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren, dies gilt für mögliche Geschäftspartner und Investoren genauso wie für Politiker und Senatoren der Freien und Hansestadt Hamburg. Würde es jetzt um einen Fall gehen, bei dem sich der Erfinder 😀 😀 mit einem Geschäftspartner über Kreuz liegen würde, aber es sind offenbar Dutzende. Wer wirklich noch mit dem Gedanken spielt, als Bürge für irgendeinen Kredit einzuspringen, gehört sofort mitverklagt. Andererseits – ich würde es gut finden, wenn der coole Aufsichtsrat Desertfield zum CEO ernennen würde, was hätten wir für einen Spaß in den nächsten 6 Monaten. Wahrscheinlich würde er Mbappè für € 656 Mio. aus Paris kaufen und anstatt Euronen, würde er wahlweise Erdnüsse oder Container-Ladungen mit Cannabis-Öl nach Katar schicken. Wenn sich die verwirrten Scheichs dann beschweren, würde er sowohl die Araber wie auch die FIFA wegen Rufschädigung verklagen. Gegen den Vogel ist der Jordanier Ismaik ein Friedensrichter 😀 

Judas Bildt ist ein elender Versager, Betrüger und Intrigant und sein einziges Glück ist der Umstand, dass Wüstenmaus der wohl größte Luftschloßarchitekt ist, den dieser Verein je gesehen hat. Bildt sollte jeden Tag eine Kerze anzünden, dass Wüstenschiff dem KSV noch möglichst lange erhalten bleibt. 

 

 

Von | 2022-09-17T00:43:27+02:00 17. September 2022|Allgemein|5 Kommentare

5 Comments

  1. Maddin 17. September 2022 um 06:32 Uhr - Antworten

    Und während die Hamburger Justiz gemütlich ermittelt bringt Mama Christina als neue Geschäftsführerin erstmal ein paar Millionen in Sicherheit.😁
    Übrigens erstaunlich wie oft im Wüstefeld Imperium auf Schriftstücken die Namen falsch geschrieben und später wieder notariell geändert werden.
    Christine/Christiane, Fadim/Fadime, Thomas/Dr.Thomas/Prof.Dr.Thomas.
    Ich hoffe die 100 Mio´s für seine eine Firma hat er sich von der Chinesischen Mafia geliehen. Dann sind wir, der Gerechtigkeit halber, nicht auf die Hamburger Justiz angewiesen.😁

  2. Hein Blöd 17. September 2022 um 12:37 Uhr - Antworten

    “Er erklärt das mit einer seltsamen Theorie: Das CBD in seinen Produkten wirke »biophysikalisch im kolloidalen System«. Es sende elektromagnetische Signale aus, die im Körper »von nanoskalierten Hohlraumresonanzen« empfangen würden, heißt es auf Internetportalen. Grund sei ein »quantenpunktphysikalisches Wirkprinzip«.”

    Früher hat man Hexen vebrannt, dann waren Zuckerkugeln en vogue, nun also Cannabis Öl.
    Da kann man mal sehen was die quacksalberische Medizin in den letzten Jahren doch für Fortschritte machte.

  3. Fohlenstall 17. September 2022 um 12:56 Uhr - Antworten

    Mahlzeit Zusammen,
    hier noch etwas zum Professor-Doktor-Doktor-Lügenmaul…
    https://hsv24.mopo.de/2022/09/17/bericht-zweifel-an-doktor-und-professorentitel-vom-hsv-boss.html
    Meine Fresse nochmal, was braucht der AR denn noch für , zumindest , eine Freistellung von seinen Ämtern…??

  4. Demosthenes 17. September 2022 um 13:45 Uhr - Antworten

    Hallo Herr Ringelband,

    die von Ihnen “recherchierte” Dissertation von Thomas Wüstefeld mit dem Titel “Konzeption und Bedeutung der Markentradition” ist nicht vom HSV-Vorstand Wüstefeld verfasst worden.

    Es handelt sich um einen anderen Thomas Wüstefeld.

    Das hätten Sie leicht am Alter bzw. an dem auf der Titelseite abgedruckten Geburtsdatum rückschliessen können. Der HSV Wüstefeld ist am 20.12.1968 und nicht am 22.9.1982 geboren.

    “Prof.” “Dr.” Thomas Wüstefelds Titel sind also nach wie vor fragwürdig.

    • Fohlenstall 17. September 2022 um 13:48 Uhr - Antworten

      👍😉!

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