An der Müllverbrennungsanlage stand man vor der anstehenden Saison vor einem massiven Dilemma oder sagen wir – vor dem nächsten. Mit Torwart-Legende Tom Mickel (9 Ligaspiele in gefühlten 400 Jahren) ging das Maskottchen in Rente, Wüstenkriecher Daffeh wurde laut Kampagnenblatt mit Mitte 20 immer langsamer (damit dürfte er weltweit der einzige Profi sein) und konnte zum Abschuss freigegeben werden, Dopingsünder Vuskovic steht noch weitere 1 1/2 Jahre nicht zur Verfügung (Ich sehe schon die Schlagzeile nach seinem ersten Einsatz: „Als wäre er nie weg gewesen…“), wo nimmt man also auf die Schnelle jemanden her, der für tränenreiche Mitleids-Headlines herhalten kann? Okay, man hätte Ersatzkeeper Matheo Raab halten können, aber nur ein italienischer Vorname zieht selbst im Volkspark keine weggeflankte Stadionwurst vom Teller. Und da bietet sich wie von Geisterhand die Chance, der aufkeimenden Gleichgültigkeit ein Schnippchen zu schlagen, man leiht einfach mal Daniel Perez aus München. Okay, man konnte keine Kaufoption aushandeln und okay, man hat bestimmt noch dringende Baustellen im miesen Kader, aber Perez hat etwas, was andere nicht haben: Er ist Jude. Das Kampagnenblatt liefert umgehend.

Nur bei einem Thema wird er relativ ernst: bei Hasskommentaren im Internet. Seit der KSV bekannt gegeben hat, Peretz bis Saisonende vom FC Bayern auszuleihen, reihen sich in den sozialen Netzwerken immer wieder Beleidigungen in den Kommentaren ein. Wegen des rigorosen Vorgehens Israels im Gazastreifen, attackieren mutmaßlich propalästinensische Aktivisten den israelischen Nationaltorwart. „Zionist“ ist noch eine der harmloseren Diffamierungen.  Die Kritik an ihm von einigen wenigen Internetusern bezieht sich also ausschließlich auf seine Herkunft und ist damit rassistisch motiviert.

Na E-N-D-L-I-C-H. Ich war schon ganz entwöhnt in den letzten Tagen. Endlich wieder ein armer KSV-Profi, der sich gemeiner Hetze ausgestetzt sieht, der Verein und die Liebessekte stehen wie eine Mauer hinter 10 Monats-KSVer Perez. Die ersten rührenden Schlagzeilen können nur noch eine Frage der Zeit sein, denke ich.

„Ließ Perez den Ball durch die Beine rutschen, weil hinter ihm ein Dortmund-Fan eine Palästina-Flagge schwenkte?“

„Gerücht: Schiri, der Elfer gegen Perez gab, hat Faschisten in der Verwandtschaft“

„Cunts: Was der Junge ertragen muss, ist unmenschlich“. 

 

Endlich kann man wieder vom Wesentlichen, dem Sport ablenken, endlich hat man jemanden gefunden, der aufgrund seiner Herkunft und seines Glaubes das hinterlassene Opfer-Vakuum ausfüllen kann. Ihr erinnert euch? Israel? Gaza? Palästina? Libyen? Iran? Man hat also im Volkspark zwei weinerliche Fliegen mit einer zusammengerollten Stadionzeitschrift erschlagen können. Man hat einen Ersatztorhüter und man hat ein Opfer, das das nächste 3/4 Jahr dafür sorgen soll, dass die Liebessekte nicht verkümmert. Echt, das hätte sich Judas Boldt nicht besser ausdenken können. Chapeau.

 

Wie seht ihr das Ganze? Pommes mit Mayo oder Bolle Ketchup? Lieber Putin oder Trump? Ist Waldmeister-Eis erträglich? Und was sind eure Argumente dafür?   Schreibt das gerne in die Kommentare.

Eurer Mongo-Tom