Zwei Schicksale

Joao Felix hatte einmal einen Marktwert von € 100 Mio. , der FC Chelsea kaufte den angeblich legitimen Nachfolger von Christiano Ronald für € 52 Mio. von Atletico Madrid, Madrid selbst hatte noch € 127,5 Mio. bezahlt. Gewonnen hat er in seiner Karriere einmal die spanische Meisterschaft mit dem FC Barcelona, er kam dort pro Spiel 50 Minuten zum Einsatz. 42 Länderspiele für Portugal, keine Titel, einen Titel als portugiesischer Meister mit Benfica. Nun wechselt der Mann zum Weltverein Al-Nassr nach Saudi-Arabien. Joao Felix ist 25 Jahre alt. 

Thomas Müller wurde in seiner Karriere 13 Mal Deutscher Meister, holte zweimal die Champions League, wurde einmal Torschützenkönig einer Weltmeisterschaft und 2014 Weltmeister mit der deutschen Nationalmannschaft. Nun wechselt Müller nach Vancouver. Thomas Müller ist 35 Jahre alt und 131 Mal für Deutschland gespielt

Es gibt wahrlich viele Unterschiede zwischen diesen beiden Spielern, aber der Hauptunterschied ist: Thomas Müller wird eine Legende bleiben, Joao Felix hat man bereits jetzt vergessen. 

Ein weiterer Unterschied: Thomas Müller wäre als 25-Jähriger niemals nach Saudi-Arabien gewechselt, Thomas Müller wollte Wettbewerb, Titel, Siege und eben nicht seine Karriere dann beenden, wenn sie bei nicht wenigen Spielern erst beginnt, aber der Wechsel des Portugiesen zeigt noch etwas anderes – Fußball ist nichts anderes mehr als billiges Geschäft. Wenn Weltmeisterschaften in Katar und Saudi-Arabien stattfinden können, weil Öl-Scheichs ungehindert und vom korruptesten FIFA-Präsidenten aller Zeiten (und das will nach Blatter schon etwas heißen) unterstützt Sports-Washing betreiben können, dann hat dies alles mit Sport ungefähr soviel zu tun wie eine Club-WM in den USA, bei der Preisgelder in Höhe von € 1 Millarde ausgespielt werden. Wenn sogenannten „Experten“, als Kommentatoren verkauft, aber als Verkäufer eingestellt, bei Bezahlsendern wie SKY Zweitliga-Rumpelfußball als Weltklasse bekreischen, dann bin ich raus und zwar seit Jahren. Wer als vollkommen verblödeter Hüpfer € 100 für ein Spiel zwischen den Stolperjochen des KSV und dem SSV Ulm bezahlt, hat komplett die Kontrolle über sein Leben verloren.

Fakt ist: Der Fußball als Sport, als Volkssport ist tot, es lebe das Event, das Entertainment, die Show, das Spektakel. Es ist kein Wunder, dass die tropfende Volksparkruine trotz sportlicher Magerkost ständig gefüllt ist, denn der Sport selbst ist dort nur noch eine Randerscheinung, es lebe die Party. Event-Publikum, welches sich selbst feiert, aber die meisten Namen der Spieler des eigenen Teams nicht mehr kennt, Pyro und (pseudo-politische) Banner sind inzwischen wichtiger als Aufstiege und rote Karten. „Ich gehe heute zum KSV“ heißt nicht mehr „Ich hoffe, mein Team gewinnt heute“, sondern „Ich nehme an der Party teil und Fußball wird auch noch gespielt“.  Wenn man es erst so sieht, sind dauerhaftes sportliches Versagen und Niederlagen gegen Underdogs spielend zu ertragen, ist doch eigentlich egal, Hauptsache, das Event war cool. 

 

 

Schaut man sich diesen potthäßlichen Lappen an, begreift man, worum es geht. Es geht mitnichten um die „Farben des Vereins“, es geht nicht um Tradition, Identifikation oder Ähnliches, es geht darum, diese Augenkrankheit zu verkaufen und besonders jüngere Sympathisanten finden das Ding unter Garantie endgeil. Mit dem Verein, mit dem KSV hat dieses Ding ungefähr soviel zu tun wie Daffeh mit der Weltauswahl, aber darum geht es nicht und das Gejaule von ein paar Traditionalisten federt man locker ab, wenn die Verkaufszahlen stimmen. Bezeichnend, dass sich ein Mann wie der schmierige Selbstdarsteller J. Edgar Huwer als heimlicher Star positionieren kann, dabei ist der brechreizerregende Selbstoptimierer Schatzmeister, in früheren Jahren wussten 90% der Mitglieder nicht einmal, wie der Mann heißt, der diese Position innehat. Aber Huwer hat mit Geld zu tun und nichts ist wichtiger im Fußball 2025 als Geld, es ist sogar das Einzige, was noch zählt. Zum Glück bin ich schon längst raus.