Es war die 77. Minute im wohl einseitigsten Stadtderby ever, der Gerorgier Glubschaugenwilli hatte sich gerade in dümmlichster Art und Weise die zweite Gelbe abgeholt und durfte entsprechend vorzeitig duschen gehen, als die SKY-Kameras auf die Tribüne schwenkten und dort einen Bacardi Daffeh einfingen – Daffeh lachte. Während sich seine Mannschaftskamerade gerade vom verhassten Stadtrivalen demütigen lassen mussten, strahlte der greise Gambier über’s ganze Gesicht, ihm ging die Schmach erkennbar am Arsch vorbei. Symbolischer gehts nicht mehr, denn die größte Personalkatastrophe seit PML10Maschine killt den KSV auf Sicht jeden Tag ein Stückchen mehr. Dabei wird jeden Tag deutlicher, was Menschen, die nicht nur von 12 bis Mittag denken, seit Jahren wussten: Daffeh war nie zum Fußballspielen nach Deutschland gekommen, er war gekommen, um zu kassieren. Mit dem Talent eines ungelenkten Verbandsligaspielers ausgestattet, hat er das absolute Optimum aus seiner Karriere herausgeholt, der KSV schuldet dem Mann bis 2029 noch knappe € 4 Mio., das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Das Beste, was dem untalentierten Stolperjochen passieren konnte, war die Geschichte um seine Identität, denn ohne das von Judas Boldt bis zur Besinnungslosigkeit ausgeschlachtete Rührstück würde Daffeh bereits seit Jahren irgendwo in der 3. Liga in Botswana den Fans die Elefantensülze aus der Hand flanken. 

An den Fällen Vuskovic (plus Junior) und Daffeh kann jeder eindrucksvoll erkennen, was Shy Killer damit meinte, als er erklärte, das Kampagnenblatt kann nicht „an den Lesern vorbeischreiben“. In Ermangelung von sportlichen Geschichten (6 mal den Aufstieg in Serie verkackten ist irgendwie keine Erfolgsgeschichte) müssen halt andere Geschichten die Sekte zusammenhalten und was passt dort in AfD-Zeiten besser als ein armer, armer minderjähriger Flüchtling, der von einer großherzigen Fußballfamilie aufgenommen und gegen alle Angriffe verteidigt wird. Daffeh wurde zwar nie zum Leistungsträger, aber er wurde zum Symbol und ein Symbol schlachtet man nicht wie einen Hoffmann, Mutzel, Jansen oder Wüstefeld. Hat die Abteilung Hofbericht auch nur eine Träne vergossen, als es den „Aufstiegshelden“ Schönlauch, Silke, Poreba an den Kragen ging? Als „verdiente“ Spieler wie Glatzel, Meffort, Hefti und Co. aufs Abstellgleis geschoben wurden? Nicht die Bohne, bei denen hat man noch kräftig Stimmung gemacht, bei Daffeh nicht, da schweigen die Schmierlappen und das Schweigen ist dröhnend. Dabei könnte man durchaus die Frage stellen, wo denn jetzt eigentlich die Saudis sind, die Daffeh im letzten Jahr unbedingt in die Wüste locken und mit € 5,4 Mio. netto für zwei Jahre zuscheißen wollten. Jetzt ist der Mann zum Nulltarif zu bekommen, aber die Scheichs schweigen? Man könnte ebenfalls die Frage stellen, welchen Anteil der Mann an 6 Nicht-Aufstiegen hatte, denn diverse Trainer haben den Maltafuß aus PR-Gründen jedes Mal wieder spielen lassen (müssen), was am Ende bedeutet, dass die notwendigen Punkte fehlten. Erst als Daffeh nicht mehr spielte, gelang die Rückkehr ins Oberhaus. 

Heute nun tun Kampagnenblatt and enemies so, als würde es den blinden gambischen Opa gar nicht mehr geben, ein Millionenabgang über den Tribünenplatz in 4 Akten/Jahren. Aber – bloß keine Fragen, bloß keine Analysen, wir wollen doch das Kartenhaus nicht vollends zum Einsturz bringen. Apropos Einsturz, denn eintürzen tut aktuell jegliche Argumentation hinsichtlich Entwicklungen, Prozesse etc. 

Braun-Weiß war, und das dürfte in all den 112 Duellen der beiden Hamburger Vereine erstmals überhaupt der Fall gewesen sein, fußballerisch turmhoch überlegen. Fußte das Gros der bisherigen Derby-Siege noch auf Kampf, Leidenschaft, Einsatz, also all den Basis-Tugenden, die auf St. Pauli unabdingbar sind, so kam diesmal für alle Welt ersichtlich die spielerische Komponente dazu. Es hat Spaß gemacht, den Schützlingen von Alexander Blessin beim Kicken zuzuschauen, weil Abläufe und Spielidee erkennbar sind, weil sich die Mannschaft als eine eben solche präsentiert. Und nein, dass dem so ist, ist mitnichten selbstverständlich. Wie schon gegen den BVB standen fünf Neuzugänge in der Startformation, ein sechster, erst am Vortag verpflichtet, wurde noch eingewechselt. Wenn man das nicht wüsste, es würde niemandem auffallen – vieles wirkt schon so eingespielt. Und es zeigt neben dem Fakt, dass es Blessin und seinem Trainerteam gelungen ist, die durch die vielen Abgänge durchaus gefährdete interne Hierarchie ad hoc wieder zu stabilisieren: Sportchef Andreas Bornemann hat in der aktuellen Transferphase vermutlich sein Meisterstück gemacht. (Mopo)

 

Pyrka, Fujita, Oppie, Perreira Lage, Houtondji, Sands (kam am 1.1.2025) – diese Spieler standen in der Startaufstellung des FC St. Pauli, mit anderen Worten: 50% der Mannschaft bestand aus Neuverpflichtungen. Omari, Turnbeutelbringer, Glubschaugenwilli, Bimbo Romburg, Capacchio, Rössler-Lilifee – gleiche Anzahl, anderes Bild. Wie bitte kann es sein, dass St. Pauli genauso viele Neuzugänge in der Startaufstellung hat, aber wie ein eingespieltes Team wie aus einem Guss spielt, während der „fleissigste Verein der Welt“ als erster in die Vorbereitung einsteigt und wie ein willkürlich zusammengewürfelter Flickenteppich wirkt? Wie kann es sein, dass ein Team mit einem Marktwert von € 52 Mio. eine Mannschaft mit einem Marktwert von € 80 Mio. nach Belieben aus deren Stadion demütigt? Wie kann es sein, dass das Kampagnenblatt ernsthaft behauptet, St. Pauli hätte die besseren wirtschaftlichen Voraussetzungen, wenn der KSV im letzten Winter für zwei unbekannte Luftpumpen € 6 Mio. durch den Schornstein rauchen lässt? Wie kann es sein, dass Anzeigenhauptmeister Doofy Gilmore immer noch von „Entwicklung und Prozessen“ labern darf und ihn nicht ein Journalisten-Simulant auf den Kontrahenten von der Reeperbahn hinweist? Ach verdammt, ich hatte es schon wieder vergessen, „wir können ja nicht gegen unsere Leser schreiben“. 

 

P.S. Ich frage mich gerade, wie sich wohl ein Glatzel/Mützel fühlen muss, wenn er sich mittlerweile hinter einem Ramschfisch-Königstiger, Foulsen und Stangel anstellen muss und gar nicht mehr im Kader ist. Wie fühlt sich wohl ein Schnecke-Schneidezahn Meffort, wenn er dieses Mittelfeld sieht? 

Zum Schluss, der gespielte Witz – viel Vergnügen

Ahmed Foulsen (ab 56.): Der Teilzeitkapitän wollte viel, schaffte aber wenig bis nichts. Ihn in Kopfballduelle gegen Wahl zu schicken war sinnfrei. (Speckschorle Münchhausen im Insolvenzbolg)

Stimmt. Einen Ahmed Foulsen/31 (192 cm) gegen einen Hauke Wahl/31 (189 cm) in Kopfballduelle zu schicken ist der absolut Schwachsinn. 

 

Holt endlich Klaus Kroster, ihr Hohlköpfe