Es wirkt so verzweifelt, so bemüht und gleichzeitig so lächerlich, weil absolut alle Fakten das Gegenteil aufzeigen. Dabei sind die Parallelen zwischen der rechtsradikalen MAGA-Sekte aus den Verunreinigten Staaten von Amerika und der hüpfenden Liebessekte aus dem Volkspark eigentlich unübersehbar. In beiden Lagern werden die „Feinde“ verteufelt, werden Entwicklungen gesehen, die nicht existent sind, in beiden Sekten hält man sich selbst für die Spitze der menschlichen Evolution und merkt nicht, dass man tatsächlich der Abschaum der Welt ist. Man verkauft Rückschritte als Sensationen, fälscht Fakten und Tatsachen nach belieben und sowohl an der Müllverbrennungsanlage wie auch in Washington DC sind grundsätzlich die Anderen schuld, wenn irgendwas schiefläuft, denn die Sekte selbst ist unfehlbar, der Joe Biden der Liebessekte ist die DFL, der DFB, der Kölner Keller oder der Sonnenaufgang. Und: Absolut jede durchschnittliche Normalität wird politisch genutzt und wie die Auferstehung des Herrn verkauft. Die roten „Make America great again“-Kappen werden im Volkspark durch Daffeh- und Vuskovic-Trikots ersetzt, man zeigt Haltung und sei sie noch so beschissen. 

Und noch eine Gemeinsamkeit: Man nutzt die „Macht der Medien“ gnadenlos aus, um seine Ziele zu erreichen, nur leider sind die Ziele nicht Erfolg, Entwicklung oder Titel, sondern maximale Bereicherung einiger weniger. Die gekauften Hofberichterstatter versündigen sich dabei nicht nur an ihrem über Bord geworfenen Berufsethos, sondern auch an den Leser/Hören/Sehern, denen sie eigentlich per Definition die Realität übermitteln sollten, die sie aber mit dümmlichster Propaganda dauersedieren. Beispiele

 

 

 

 

 

Velleicht an dieser Stelle eine kurzer Erinnerung. Der KSV stolperte durch die Saisonvorbereitung wie ein Besoffener in der Herbertstraße, verkackte jedes Vorbereitungsspiel gegen Gegner, die nicht in der Bezirksliga spielten. Dann ermauerte man sich bei komplett indisponierten Gladbachern einen Punkt, ohne eine eigene Torchance zu kreieren. Man blamierte sich bis auf die Knochen im Pokal gegen einen Fünftligisten, erst in der Verlängerung gelangt der Glückstreffer. Dann ließ man sich vom Stadtrivalen im eigenen Stadion demütigen und von Bayern im Trainingsmodus abschlachten. Und dann besiegte man einen ersatzgeschwächten Tabellenletzten, der ohne Sturm antrat, überglücklich mit 2:1, wobei man 6 km weniger lief als der Gegner und 20 Tormöglichkeiten eines Team zuließ, das ohne seine beiden besten Angreifer spielte.  Das Echo in den Medien: Weltklasse! Der KSV ist wieder da!!! Ein langsamer, hüftsteifer, irrlichternder 18-Jähriger ist DER Leader, Feuer Hernandes sollte Manuel Neuer beerben und Leihgabe Vieira ist jetzt schon besser als der junge van der Vaart (habe ich tatsächlich gelesen). Und die Kirsche auf der Torte: Wer etwas anderes behauptet, ist wahlweise ein Hater, Pester, meint es schlecht mit dem KSV und will ihm nur schaden – genau wie den USA. 

Dabei begreifen weder die gekauften Hofberichterstatter (aber denen ist es auch scheißegal) noch die Sektierer, dass sie mit dieser „Haltung“ exakt das verhindern, was sie sich eigentlich wünschen sollten. Entwicklung. Erfolg. Siege. Titel. Pokale. Wenn man jedesmal mit erfundener Scheiße überglücklich ist, verlangt man auch nie nach mehr. Wenn man sich über katastrophale Auftritte wie gegen Heidenheim einen schleudert, wird man sich nie weiterentwickeln. Wie man’s macht, zeigt der Stadtteilverein. Kleine, aber logische Schritte. Keine finanziellen Stunts. Selbstkritik nach Niederlagen. Analyse. Kluges Scouting. Und: St. Pauli wird als sympathisch und vor allem authentisch wahrgenommen und mit Respekt betrachtet. Die gestörte Liebessekte aus St. Ellingen hingegen erntet außerhalb ihrer Blase eine Mischung aus Ablehnung, Verachtung und Mitleid. 

Eben genau wie Amerika.

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