Und sie laufen! Nass und nässer
wird’s im Saal und auf den Stufen.
Welch entsetzliches Gewässer!
Herr und Meister! hör mich rufen! –
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist gross!
Die ich rief, die Geister,
werd ich nun nicht los.

(Johann Wolfgang von Goethe, der Zauberlehrling)

 

Hach, wie oft könnte man dieses literalische Wunder auf den KSV anwenden? Wie oft hat man in St. Ellingen Dinge großartig angekündigt, die sich kurz darauf als Boomerang erwiesen? Wie oft hat man die Fresse aufgerissen und anschließend kam nichts mehr außer heißer Luft und Bahlsenkekse? Wie oft meinte man, besonders innovativ unterwegs zu sein, um dann wenig später zurückrudern zu müssen? Sie lernen einfach nicht dazu, weil die großen Sprüche, die wahnsinnigen Ankündigungen, das Geprahle, die Selbstbeweihräucherung ebenso zur DNA dieses Vereins gehört, wie das beständige sportliche Versagen. Ein aktuelles Beispiel

 

Vor wenigen Tagen verkündete der Hamburger SV die Zusammenarbeit mit einem neuen Sponsor, dem Wettanbieter BET365. Dies löste innerhalb der Anhängerschaft den nächsten Unmut über die jüngsten Entscheidungen des HSV aus. Der Supporters Club veröffentlichte nun ein Statement, in dem er die Kooperation massiv kritisiert und den Verein an seine gesellschaftliche Verantwortung erinnert. 

Der HSV Supporters Club kritisiert entschieden die Exklusiv-partnerschaft des Hamburger SV mit dem Sportwettenan-bieter bet365. Diese Partnerschaft widerspricht den Werten unseres Vereins und sendet ein fatales Signal an junge HSV-Fans, die durch Sportwettenwerbung besonders gefährdet sind. Als Dachorganisation zahlreicher HSV-Fans – darunter auch der Young Ones – sehen wir uns in der Pflicht, diese Fans zu schützen und ihre Interessen zu vertreten. 

(https://www.faszination-fankurve.de/news/107742/der-hsv-muss-seiner-gesellschaftlichen-verantwortung-gerecht-werden-statement-des-supporters-club-zur-partnerschaft-des-)

 

Schon witzig, aber nicht verwunderlich, dass diese Hohlbirnen den unmittelbaren Zusammenhang nicht begreifen. Denn durch ihren „bedingunglosen Support“, durch ihre Unterstützung der Mannschaft selbst bei übelsten Minusleistungen, durch eine immer gefüllte tropfende Volksparkruine machen sie diese Kooperationen mit Unternehmen wie bet365 überhaupt erst möglich. Desweiteren kritisieren die Fernzug-Scheißer den Einfluss von Kühne (ohne den der KSV heute wahrscheinlich in der Oberliga bolzen würde), den Einstieg der Spardabank und alles andere, was auch nur entfernt nach Kommerz riecht. Doch warum entscheiden sich diese Unternehmen/Personen für ein Engagement an der Müllverbrennungsanlage? Ganz einfach, weil diese Firmen Reichweiten einkaufen. Es geht einzig und allein darum, mit der Verknüpfung an den Verein möglichst viele Konsumenten einzufangen, die dann bei der Spardabank ein Konto eröffnen, über bet365 Sportwetten platziern oder die beliebte Autopolitur erstehen (okay, das war jetzt fies). Der Verein selbst, ob gut geführt oder nicht, ob erfolgreich oder nicht, spielt dabei bestenfalls eine sekundäre Rolle, er ist nichts anderes als der Transporteur für die Produkte. 

Wenn einem das nun nicht passt, hat man durchaus eine Alternative: Einfach nicht mehr hingehen. Denn wenn nicht mehr 57.000 die Klatsche gegen Mainz abfeiern wie den Ostermontag, sondern nur noch 30.000 den Weg nach St. Ellingen finden, dann überlegen sich Unternehmen wie bet365 zweimal, ob sie den KSV als Überbringer ihrer Werbebotschaft nutzen oder doch lieber nach Bremen wechseln. Das aber wird nicht passieren, denn viel zu sehr gefallen sich die Frauenschläger und Uniformverbrenner in ihrer Rolle als moralische Instanz, wer an dieser Stelle einen Widerspruch entdeckt, kann ihn behalten. 

 

Jetzt wieder möglich – spenden via Paypal

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