€ 30 Mio. soll der kleine, dünne Mann einmal wert gewesen sein, Arsenal London von der britischen Insel, wo Transfers unter € 50 Mio. mittlerweile als Schnäppchen gelten, legte sogar € 35 Mio. auf den Tisch. Unglücklicherweise ging die Wette nicht auf, Fabio Vieira kam für die Londoner in seiner ersten Saison auf 22 Einsätze mit durchschnittlich 22 Spielminuten, in seiner zweiten Saison noch auf 11 Einsätze mit durchschnittlich 26 Spielminuten und wurde anschließend zurück zu seinem Stammverein FC Porto verliehen, wo er mit 26 Einsätzen wieder zum Stammpersonal gehörte, aber die Liga Portugal ist nunmal nicht die Premier League. Wahrscheinlich hätten ihn die Herren aus Porto sogar gern wieder zurückgekauft, aber dafür fehlte mit Sicherheit das Kleingeld, also Ende der Leihe nach nur einer Saison. Wenn der schmale Fabio nun aber gedacht hatte, er würde im Emirates Stadium eine zweite Chance erhalten, sah er sich getäuscht, denn die Engländer leiteten den mittlerweile 25-Jährigen in den deutschen Abstiegskampf um. In St. Ellingen nun muss der angebliche Zauberfuß nun an der Seite von Stolperjochen wie Bimbo Romburg, Turnbeutelbringer und Rotzfisch Königstiger um Abstiegspunkte kämpfen und anstatt auf seiner angestammten Position als 10er spielen zu dürfen, muss sich ein Spieler, der in seiner besten Zeit soviel wert war wie der halbe Kader des FC St. Pauli, nun auf irgendwelchen Außen- oder Halbpositionen versuchen. Bisherige Ausbeute: Ein Assist, eine rote und eine gelb/rote Karte, der Mann fiebert erkennbar dem Mai entgegen, aber nicht, weil er dann 26 wird, sondern weil dann dieses komplett vergeudete Jahr für ihn endet. 

Normalerweise müsste man doch davon ausgehen, dass ein 25-jähriger portugiesischer Nationalspieler (25 Einsätze für die U21) mit einem (ehemaligen) Marktwert von € 30 Mio. die Gegenspieler aus Augsburg, Heidenheim, St. Pauli oder Berlin im Alleingang aus den Schuhen spielen müsste, aber das Gegenteil ist der Fall, Vieira macht keinen Unterschied und dafür gibt es im Grunde nur zwei Motive. 

a. Er ist bei Weitem nicht so gut, wie man erwartet hatte

b. Er ist in höchstem Maße frustriert und schenkt dieses Jahr in St. Ellingen ab, weil er genau weiß, dass er im Juni nicht mehr im Volkspark sein wird.

 

Ich persönlich tendiere zu einem Mix aus beiden Motiven und die Hauptschuld an der Situation trägt wieder einmal der KSV. Wie kann ich einen 10er holen (leihen), wenn ich im bevorzugten System gar keinen 10er brauche? Wieder einmal war bei den Transferplanungen des KSV der Name des abgebenden Vereins (mit dem man Stimmung machen konnte) wichtiger als die Qualität und die Kompatibilität des Spielers. „Wenn wir die Chance haben, einen Spieler wie Vieira zu leihen, dann müssen wir das machen, ob er nun ins System passt oder nicht. Die Fans werden denken, der KSV kann bereits wieder ins oberste Regal greifen“, nur darum geht es. Darum ging es in den vergangenen 20 Jahren so oft beim KSV, aber sie lernen einfach nicht bzw. sie sind nicht gezwungen, aus ihren Fehlern zu lernen, weil ihnen keiner aus der Abteilung Hofbericht diese Fehler vor die Nase hält. Wichtig ist der Schein, nicht die Leistung. Man muss einfach mal versuchen, sich in die Situation des Portugiesen zu versetzen. Man ist 25 Jahre alt, hatte mal einen Marktwert von € 30 Mio., der sich mittlerweile bei € 18 Mio. hält, aber sich eigentlich im freien Fall befindet. Man hat zwei Spielzeiten in der Premier League gespielt, dann wieder eine Saison in Portugal und man merkt selbst, dass die Karriere ins Stocken geraten und eine WM-Teilnahme in weite Ferne gerückt ist. Dann muss man sich in den bundesdeutschen Abstiegskampf verleihen lassen und glaubt, man sei allein aufgrund seines Marktwertes und seiner Vorgeschichte mindestens gesetzter Schlüsselspieler, doch was passiert? Man merkt, dass es die bevorzugste Position gar nicht gibt und dass einen ein rotbäckiger Trainernovize hin- und herschiebt oder gleich ganz draußen lässt. Das Resultat ist Frust, der sich in überhartem Spiel, ständigem Lamentieren und diversen Platzverweisen ausdrückt. Sollte Doofy Gilmore an seiner taktischen Ausrichtung festhalten (wovon auszugehen ist), ist das Projekt Vieira gescheitert und es war garantiert nicht günstig.

 

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