„Honeymoon is over“ sagte einmal Bernd Paul Hoffmann und er lag falsch, denn „Honeymoon“ im Volkspark ist nicht over, war nie over und wird nie over sein, „Honeymoon“ gehört mittlerweile zur DNA des KSV wie die kaputte Liebessekte, die widerliche Arroganz, die Garantie zum Versagen und die ungehemmte Selbstbeweihräucherung. Wäre „Honeymoon“ nämlich over, würde man irgendwann einmal die detailversessene Analyse, die Judas Boldt weidland versprach, nicht nur herbeilabern, sondern auch vollziehen und diese Analyse würde ergeben, dass Hilfssheriff und Kindertreter Stefan „The Honigkuchenpferd“ Cunts sich lieber auf Koch-Events rumtreibt, dass Rotbäckchen Doofy Gilmore ein dauerquatschender Doofspacken und Klaus Kroster ein arroganter Berufsversager ist. Aber um diese Analyse zu erzwingen, bedürfte es Druck von außen, sprich medialen Druck und den gibt es nicht (mehr), es wird ihn nie wieder geben. Ich habe es schon oft geschrieben und ich schreibe es erneut: Die gekaufte Hofberichterstattung von BILD, Mopo, Kampagnenblatt, Kicker und Co. hilft mit Sicherheit beim Verkauf von Dauerkarten, bei der Erhöhung der Mitgliederzahl, beim Füllen der tropfenden Volksparkruine, aber unter Garantie hilft sie nicht bei der Leistungsverbesserung, bei einer (offenbar gar nicht erwünschten) sportlichen Entwicklung, bei der Steigerung der eigenen Mannschaft. Wenn man als Vorstand, als Sportchef, als Trainer und auch als Spieler genau weiß, dass man im Grunde machen kann was man will, es gibt es keine Kritik und wenn, wird diese leise Kritik am nächsten Tag mit der nächsten Jubelmeldung verdrängt, warum sollte man sich entwickeln und verbessern wollen? Wenn jeder 21-jährige Stolperjochen mt einer gekrickelten Unterschrift und ohne einmal einen Ball gespielt zu haben, automatisch zum „KSV-Star“ mutiert, warum sollte er sich bemühen, einer werden zu wollen? Wenn unterdurchschnittlich begabte Maltafüße bereits als Zweitliga-Bolzer mit Bundesliga-Gehältern ausgestattet werden, warum sollten sie um jeden Preis in die Bundesliga wollen? 

Nur die Beispiele der letzten Tage.

KSV-Aufsteiger Bimbo Romburg mit DFB-Perspektive. Soll das Witz sein? Allein in der Bundesliga laufen garantiert 15 Spieler mit ganz anderen Qualitäten als dieser eingeschränkte Holzfuß herum, der als reiner Zerstörer die Mittellinie im Grunde ebensowenig übertreten sollte wie Nobbie Stiles. Allein dieses Faß aufzumachen, ist an Lächerlichkeit nicht zu übertreffen, aber es passt zum Plan.

Daffeh’s Traumcomeback. Der greise Alt-Gambier wird in der 99.!!!! Minute eingewechselt, was weder Planung noch Taktik, sondern genauso einer Verzweiflung entspringt, wie wenn man Innenverteidiger Ramos kurz vor Schluss reinwirft, um ihn irgendwie in eine Kopfballsituation bringen, weil es einmal funktioniert hat. Dann stolpert der Flankengott einen fehlgeschlagenen Schussversuch von Muh Miroheim über die Linie, der KSV verliert anschließend das Pokalspiel und scheidet im Achtelfinale aus. Und das Kampagnenblatt schreibt tatsächlich TRAUMCOMEBACK!!!

Bleibt der Stürmer, der bis zum Spiel gegen den VfB kaum eine Rolle beim HSV spielte, in Hamburg? „Ja, das ist der Plan“, antwortete Glatzel auf ebenjene Frage. Sämtliche Wechselspekulationen dürften damit vorerst vom Tisch sein. (Kampagnenblatt). Ja, meine Fresse nochmal, was soll er auch anderes tun? Der Mann ist verletzt, er ist als 31-Jähriger ungefähr sooft verletzt wie Käpt’n Ahab Foulsen, er bekommt beim KSV mehr als eine Million pro Jahr, wohin sollte er denn gehen? Wer wollte ihn denn haben? Angebote für Glatzel haben ungefähr den gleichen Wahrheitsgehalt wie Angebote für Daffeh aus Saudi-Arabien.

Wie gesagt, dies sind nur die kleinen Beispiele der letzten 2 Tage, aber die Show läuft inzwischen mehr als ein Jahrzehnt. Ein Jahrzehnt, in dem der KSV jahrelang um den Abstieg gebettelt hat, dann endlich abgestiegen ist, 7 Jahre in der Blindenliga rumgestolpert ist und nun in der Bundesliga unansehnlichen Scheißfußball spielt. Man erkenne den Zusammenhang! Spiele wie ein 1:2 in Leipzig werden hochgejubelt, aber die Punkte fehlen. Lächerliche und absolut unverdiente Glückspunkte wie gegen Dortmund (97. Minute) oder gegen die B-Elf aus Stuttgart werden gnadenlos überhöht, peinliche Pleiten wie Wolfsburg, St. Pauli, Bayern oder Augsburg werden schöngelabert. Am Ende schadet die Hofberichterstattung dem KSV deutlich mehr, zumindest perspektivisch, als sie ihm nützt. Kurzfristig erkauft man sich vielleicht Ruhe und Geld, mittel- und langfristig wird man wieder in die 2. Liga zurückkehren, was deutlich mehr kosten wird. Ein Bärendienst. Aber ich möchte den Blick meiner Leser für etwas anderes schärfen, achtet mal bitte auf die Art und Weise des Torjubels. Ich bin wirklich weit davon entfernt, den Spielern das feiern und jubeln nach einem Treffer zu verbietet, schließlich sind KSV-Tore selten genug. Aber achtet mal auf die Veranstaltungen nach dem Daffeh-Tor. Nach dem 1:1 Ausgleich gegen Dortmund durch Rotzfisch Königstiger. Nach dem 2:1 durch Oscar-Anwärter Vieira gegen Stuttgarts B-Elf und ich meine damit nicht diese arroganten Gesten mit Finger hinter dem Ohr oder Finger vor der Fresse, gemeint als „Haltet das Maul, Kritiker“, ich meine diese völlig außer Kontrolle geratene Traubenbildung an irgendeiner Eckfahne. Ich habe vergleichbare Szenen schon mal gesehen. 1990, als Andi Brehme den Elfmeter gegen Argentinien verwandeltet. 1999, als Teddy Sheringham Manchester United mit seinem 2:1 gegen Bayern zum Champions League-Sieger machte. Nicht mal 2014, als Mario Götze den „mach ihn, mach ihn, er macht ihn“ machte. Beim KSV fällt ein Tor zu einem Last Minute-Ausgleich in einem Heimspiel und die gesamte Mannschaft reißt sich den Clownslappen vom Körper, die gesamte Bank sprintet zur Eckfahne, man hat den Eindruck, als wurde gerade ein wichtiger Titel gesichert. Für mich wirkt diese Jubel-Arie derart inszeniert, derart gestellt, es hat den Eindruck, als gebe es seitens der sportlichen Leitung eine ganz klare Ansage, sich im Fall der Fälle genauso zu verhalten. Alles beim Hamburger Show Verein ist komplett überzogen und übertrieben, der Effekt ist wichtiger als das Ergebnis. Es gibt keinen unechteren und unehrlicheren Verein als den KSV.

 

Wie oft muss der KSV eigentlich noch Stadtderbys, Nordderbys, Pokalspiele gegen Zweitligisten verlieren, bis die dümmsten Fans der Welt realisieren, dass der Verein aus St. Ellingen in nur einer Kategorie die Nr. 1 ist: Im Produzieren von oberpeinlichen Dokumentationen.

 

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