Ich stelle mir die Szene vor meinem geistigen Auge vor: Da sitzt der Vorstand eines Fußballvereins in seinem Büro. Der Mann war Nationalspieler (25 Länderspiele), Europameister, deutscher Meister, deutscher Pokalsieger, Fußballer des Jahres (1991), Bundesliga-Torschützenkönig (2 mal), deutscher U21-Nationaltrainer, türkischer Nationaltrainer – und dann kommt da in Begleitung von Oppa Hoppenstedt ein kahlköpfiger Logistik-Sachbearbeiter rein, dessen vorrangigste Aufgabe es jahrelang war, mit dem Rücken zum Spielfeld Parolen wie „Scheiß St. Pauli“ in ein Megaphon zu kreischen und Fans anderer Vereine krankenhausreif zu pügeln und dieser eröffnet dem Fußballer dann, dass man ihn feuern würde. Es werden Anschuldigungen erhoben, aber diejenigen, die diese Anschuldigungen erhoben haben, werden namentlich nicht genannt (aber mit dem „Spiegel“ reden können sie dennoch), weil der großartige KSV selbstverständlich die Persönlichkeitsrechte dieser gequälten Seelen schützen muss, der einzige, dessen Persönlichkeitsrechte mit Füßen getreten werden, ist der in Ungnade gefallenen Vorstand. Es werden keine deeskalierenden Maßnahmen wie Gespräche zwischen den Parteien angeboten, es wird nicht in Erwägung gezogen, dass sich Cunts für mögliches Fehlverhalten entschuldigen könnte, es werden vor dem Gespräch zwischen Aufsichtsrats-Simulation und Vorstand Legionen von Anwälten konsultiert.

 

 

Wer immer noch nicht versteht, dass dieser sogenannte „Verein“ die Gunst der Stunde nutzen und sich des Mannes durch die kalte Küche entledigen wollte, dem ist nicht mehr zu helfen, sorry. Es hätte soviele Möglichkeiten gegeben, eine weitere Zusammenarbeit in Erwägung zu ziehen, aber man wollte nicht, man wollte Cunts loswerden. Ich denke, ich bin gänzlich unverdächtig, ein übermäßiger Fans des Kindertreters zu sein, aber dieser Umgang ist nicht nur unterirdisch, er ist symptomatisch für den Klub von der Müllverbrennungsanlage. Es wird moralisiert, wenn’s ins Konzept passt (Persönlichkeitsrechte), es wird nicht nur weggeguckt, sondern proaktiv unterstützt, wenn Polizei-Uniformen verbrannt werden, wenn Fußballfans durch Pyro gefährdet werden, wenn eindeutige Transparente nicht unterbunden werden. In solchen Fällen greift die Arbeit der KSV-Moralbehörde nicht, die wird immer nur dann aktiv, wenn man die eigenen Sektenrechte zu verteidigen gedenkt. Und mal ehrlich, wie bezeichnend ist es bitte, dass ausgerechnet ein Volkspark-fernes Blatt wie die Süddeutsche bereit ist, die Geschichte aus der Sicht des Saarländers zu erzählen, während durch die Bank sämtliche KSV-Medienpartner bereits das Karriere-Fallbeil haben fallenlassen und den Mann, der bis vor Kurzem noch der Aufstiegsheld war, zum Abschuss freigegeben haben, allen voran die Kotzteufel von BILD, Mopo und Kampagnenblatt.

 

Die Frauen, die Kuntz im Rahmen einer vereinsinternen Compliance-Untersuchung schwerwiegendes Fehlerverhalten – angebliche sexuelle Belästigung – vorgeworfen hatten, durften ihre protokollierten Aussagen nur in einem geschützten Datenraum gegenlesen, es sollten keine Dokumente kursieren. Die HSV-Belegschaft wurde per Mail darauf hingewiesen, sich nicht gegenüber der Presse zu äußern. Und Stefan Kuntz wurde im Aufhebungsvertrag ausdrücklich verpflichtet, keinerlei Gerüchte zu lancieren, er könnte „Opfer einer Intrige innerhalb des HSV“ geworden sein. (Süddeutsche)

Wahnsinn. Vor allem, weil sich zumindest eine der Damen nicht an die Maßgabe des Vereins halten wollte und sich dem „Spiegel“ als willige Gesprächspartnerin anbot. Gibts für die jetzt eigentlich auch vereinsinterne Konsequenzen? 

 

Es hat also ganz offenkundig ein Leck gegeben. Irgendjemand wollte, dass Stefan Kuntz nicht aus „privaten familiären Gründen“ und als Aufstiegsheld des HSV gehen durfte.  (Süddeutsche)

Ja, wer könnte das wohl gewesen sein? Sowohl als Polizist wie auch als Jurist ist die erste Frage grundsätzlich: Wer profitiert davon? Also – wer profitiert? J. Edgar Huwer, bei dem schon seit langem überliefert ist, dass er das Amt des Vorstandsvorsitzenden anstrebt? Klaus Kroster, den Cunts bereits vor einem Jahr feuern wollte? Doofy Gilmore, der weder Cunts‘ A-, noch B- oder C-Lösung war und der bei nächster Gelegenheit über die Trainer-Planke gegangen wäre? Und natürlich der Hintergrund-Intrigant Judas Boldt, der trotz all der unzähligen Top-Angebote aus dem In- und Ausland immer noch arbeitslos ist und prompt von einem befreundeten Auftragsschreiber ins Spiel gebracht wurde? 

 

 

 

 

Stattdessen hatten die Aufsichtsräte Michael Papenfuß und Henrik Köncke eine ganz andere Nachricht: Es habe Vorwürfe von Frauen gegen ihn gegeben, die habe der Verein untersuchen lassen, so hätten sie es ihm da erstmals offenbart, sagt Kuntz. Ihm werde sexuelle Belästigung vorgeworfen. Draußen wartete schon ein Rechtsanwalt jener Kanzlei, die die angeblichen Vorwürfe gegen Kuntz ermittelt, gesammelt und als so glaubhaft eingestuft hatte, dass die schnellstmögliche Trennung von Kuntz erfolgen solle. Anklage und Urteil in einem Aufwasch, so könnte man das sehen (Süddeutsche)

Das, liebe Freunde, ist weder Deeskalation, noch Compliance oder der Schutz von Persönlichkeitsrechten, das ist ein Tribunal. 

 

Gegen die Berichterstattung der Bild am Sonntag geht Kuntz inzwischen gerichtlich vor. Dort heißt es, eine der Frauen habe sich von Stefan Kuntz „zum Oralsex gedrängt“ gefühlt – ein Vorwurf, den nach SZ-Recherchen keine Frau innerhalb des HSV-Kosmos oder gegenüber den Compliance-Ermittlern jemals erhoben hat. Es ist überdies der einzige Vorwurf, der in dem Artikel konkret ausgeführt wird (Süddeutsche)

Bitte genau lesen. Dies ist der einzige Vorwurf, der während der sogenannten Berichterstattung und der BILD-Inquisition jemals konkretisiert wurde und nun wurde er erwiesenermaßen nie erhoben? 

 

Was bleibt am Ende? Es bleibt eine ekelhafte Schmierenkomödie, die noch nicht zu Ende geschrieben ist. Es bleibt ein Verein, der immer dann zu moralisieren bereit ist, wenn’s ihm in den Kram passt. Es bleibt eine schändliche Herde von gekauften Hofberichterstattern, die jeglichen journalistischen Anspruch im Zwick ertränkt haben. Und es bleibt ein ehemaliger Nationalspieler, der versucht, die Reste seiner Reputation aufzukehren, was ihm zu 100% niemals gelingen wird. 

Eine solche Widerlichkeit schafft NUR DER KSV!

 

Jetzt wieder möglich – spenden via Paypal

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Zum gestrigen Spiel..