Möglich, dass ich im Mai/Juni dieses Jahres zum ersten Mal wieder in meiner Heimatstadt aufschlagen werde und ich habe einen immer wiederkehrenden Traum: Ich gehe zum KSV-Training an die Müllverbrennungsanlage, was ich früher sehr oft gemacht habe, und spucke den Kotztüten von der Abteilung Hofbericht kollektiv mit Anlauf in die bestechlichen Fressen. Meine Verachtung für dieses Pack ist derart fundamental, wenn ich eines auf diesem Planeten hasse, dann ist es diese Verlogenheit, diese Unaufrichtigkeit, diese widerwärtigen Charakter der Kreaturen Nosferatur Hesse, Bubak Meloni, Schiller, Jacobs, Walther, Rebbin, Wolff und wie die ganzen Arschlöcher auch heißen mögen. Der politische Journalismus in Deutschland ist schon runtergekommen genug, doch was sich im Umfeld dieses Wichservereins abspielt, ist ohne Beispiel. Inzwischen nicht mehr auffällig, sondern gewohnt und gelernt: Jedes Drecksmedium, welches in Hamburg erscheint, haut in die gleiche Arschkriecherkerbe, möchte man etwas Objektives oder Neutrales lesen, muss man zu einer Publikation greifen, die nicht in Hamburg sitzt oder dessen „Berichterstatter“ nicht zur Horde der schmierenden Fanboys gehören. Man nehme aktuell das Beispiel „Cunts“ und die mehr als einseitige Schreibe der Hofberichterstatter (zuletzt dieser widerliche Artikel aus dem „Stern“) und schaue sich im Gegenzug dazu eine Arbeit der SZ an. Ich zitiere…

 

Die Affäre um Stefan Kuntz, der zum Jahreswechsel seinen Job als Sportvorstand des Fußballbundesligisten Hamburger SV verloren hat, nachdem ihm intern schwerwiegendes Fehlverhalten vorgeworfen worden war, tritt dank des Stern in eine neue, detailreichere Stufe. Das Magazin zitierte am Mittwoch eine namentlich nicht genannte Anwältin, die einige der Frauen vertrete, die Kuntz eines Verhaltens beschuldigt hätten, das als Belästigung am Arbeitsplatz gewertet werden könne. (SZ)

Diese Anwältin also habe dem Stern „mitgeteilt“, dass „mir meine Mandantinnen im Zusammenhang der internen Aufklärung der HSV Fußball & Co. KGaA betreffend deren ehemaligen Mitarbeiter, Stefan Kuntz, von unangemessenen Berührungen, Sprüchen (insbesondere über die Brüste einer der Mitarbeiterinnen), sexuellen Anspielungen und wenig zweideutigen Aufforderungen zu sexuellen Handlungen des Mitarbeiters berichtet haben“. (SZ)

An dieser Stelle möchte ich das erste Mal reingrätschen, denn das, was der „Stern“ an dieser Stelle macht, ist nichts ins anderes als vollendeter Rufmord. Eine namentlich nicht genannte Anwältin erhält in dem Blättchen die Möglichkeit, unbewiesene Anschuldigungen zu erheben, die Feinheiten dabei bleiben die Amateurleser verborgen, für ihn gilt dieses Geschmiere als Wahrheit und so ist es auch beabsichtigt. 

 

Ist ein prominenter Mann von 63 Jahren nur vom Zug der Zeit gefallen – eine Art Thomas Gottschalk der Fußballkommunikation? Oder hat auf der Geschäftsstelle eines der stolzesten Vereine des Landes („Nur der HSV!“) ein lüsterner Verantwortungsträger bevorzugt junge Frauen mit „wenig zweideutigen Aufforderungen“ sexuell belästigt, also eher wie so eine Art Rothosen-Reichelt? (Rothosen nennen Sportreporter die HSV-Spieler, weil sie in roten Hosen antreten. Julian Reichelt war Bild-Chefredakteur und wollte gelegentlich wissen, ob seine Mitarbeiterinnen noch wach sind.) Oder ist es irgendwas dazwischen und außerhalb, was aber längst vollkommen egal ist, weil der erste Eindruck in der Öffentlichkeit eh nicht mehr zu korrigieren ist? (SZ)

Und genau hier haben wir das Grundproblem. „You never get a second chance to make a first impression!“ Das, was die Abteilung Hofbericht, BILD,Mopo, Kampagnenblatt, Kicker und inzwischen auch Stern hier gemacht haben, war aktive Vorverurteilung, einzig und allein darauf ausgerichtet, für die Zukunft Goodwill-Kapital anzuhäufen („Lieber KSV, erinnert ihr euch, wie ich euch im Fall Cunts unterstützt habe? Dafür seid ihr mir etwas schuldig“) . Die Wahrheit, das, was tatsächlich passiert ist bzw. passiert sein könnte, interessiert dieses Dreckpack dabei genausowenig wie tatsächliche Ablösesummen oder echte Leistungsdaten, es geht darum, für den Medienpartner Kühnes Sport Verein zu liefern. Wenn dann eine Person (in diesem Fall Cunts, in anderen Fällen Hoffmann, Jansen, Wüstefeld etc.) dabei gesellschaftlich über die Planke gehen muss – was soll’s?

 

Deswegen wollte Stefan Kuntz sprechen. Die SZ hatte seine Anwälte kontaktiert, um „die andere Seite“, wie man das gerne nennt, zu hören. Kuntz haderte in diesem Gespräch durchaus mit sich und seiner umarmenden Art, wies und weist den Vorwurf sexueller Belästigung aber strikt von sich. Er redete, trotz drohender Vertragsstrafe, offen, der HSV nicht. Zumindest mit der SZ führte der Verein, begleitet von Anwälten, mehrere Hintergrundgespräche, aus denen Inhalte später aber weder direkt noch indirekt
noch in der Sache zitiert werden durften. (SZ)

Interessant, oder? Der KSV verbreitet zwar bei jeder Gelegenheit eigene Stellungnahmen über das Thema via eigene Kanäle und erlaubt „ungenannten Anwältinnen“ und eigenen Mitarbeiterinnen (deren Persönlichkeitsrechte man doch so hingebungsvoll schützen wollte) den Kontakt zu den eigenen Medienpartnern, aber die SZ, die eine neutrale Position einnimmt, durfte den juristisch begleiteten Verein weder direkt noch indirekt zitieren. Warum wohl nicht?

 

Für eine öffentliche Berichterstattung über einen konkreten Verdacht braucht es einen „Mindestbestand an Beweistatsachen“; für eine Verurteilung vor Gericht, wenn es um strafbares Verhalten geht, in der Regel: Beweise. So ist das geregelt im Rechtsstaat. Der Aufsichtsrat des HSV wiederum setzte sich umgehend gegen den Instagram-Post von Stefan Kuntz zur Wehr, indem er in einem Statement die Compliance-Untersuchung bestätigte und auf die „erfolgte Berichterstattung auf bild.-de“ verwies. Der Verein musste also selbst gar nichts von sexueller Belästigung schreiben, denn das stand ja auf Bild.de. Man konnte den Eindruck gewinnen, der HSV bestätige halt nur die Berichterstattung aus dem Springerkonzern. (SZ)

Was für ein Irrsinn. Der Verein verteidigt seine Vorgehensweise mit einem Verweis auf Artikel in einem mehr als zweifelhaften Medium, welches er selbst mit den Informationen gefüttert hatte. 

 

Natürlich fragt sich alle Welt, was er denn genau angestellt haben soll, der Stefan Kuntz, und da ist das Anwältinnen-Zitat aus dem Stern der bisher am konkretesten formulierte Vorwurf, und schon da ist es heikel, ihn wiederzugeben. Denn Details dürfen Medien nicht kolportieren, sofern sie den damit verbundenen Verdacht nicht hinreichend belegen können. Dazu müsste man mindestens den Compliance-Bericht im Wortlaut kennen. Oder, im besten Fall, mit betroffenen Frauen ausführlich sprechen können (SZ)

Tja, so sollte es eigentlich sein, bei der Abteilung Hofbericht aber gelten diese Regeln nicht. Hier werden einer „namentlich nicht genannten Anwältin“ Räume gegeben, unbewiesene Vorwürfe wie Tatsachen und Fakten zu verkaufen, die betroffenen „Damen“ selbst kommen wieder einmal nicht zu Worte, von vorgelegten Beweisen ganz zu schweigen.

 

Der Kampf um die Deutungshoheit wird mit bisweilen abenteuerlich anmutenden Moves ausgefochten. Hier nun geht es um einen Chat, der nach Ansicht des HSV so belastend ist für Stefan Kuntz,
dass der Verein ihn der SZ gezeigt hat. Was daraus zu lesen sein soll, hat die Anwältin der Frauen im Stern nun so zusammengefasst: Ihr sei „Chatkommunikation zwischen einer meiner Mandantinnen und Herrn Kuntz bekannt, aus welcher sich ergibt, dass Herr Kuntz während eines Urlaubs auf Mallorca dreimal Treffen mit ihr anregte, als sich diese zeitgleich ebenfalls im Urlaub auf Mallorca befand. Insbesondere schlug Herr Kuntz vor, sich auf einen Gin Tonic am Abend zu verabreden. Zu den Treffen kam es nicht.“ Das ist, sofern die Anwältin den Chat in Gänze kennt, stark verkürzt und könnte wie ein Nachstellungsversuch gelesen werden, dem die Frau am Ende glücklicherweise entronnen ist. Tatsächlich aber ist der gesamte Chat von Kuntz mit der Frau eine vollkommen harmlose Kommunikation zweier Menschen, die offenbar ganz gut miteinander auskommen. (SZ)

Nun könnte man sich natürlich die Frage stellen, warum die „namentlich nicht genannte Anwältin“ diesen doch ach so verhängnisvollen Chat im Gespräch mit dem „Stern“ derart verkürzt darstellt, dass er einen bestimmten Eindruck erwecke sollte. 

 

Genau das gibt der Chatverlauf, so wie er der SZ als Kopie auf sechs Seiten vorgelegt wurde, dann auch wieder: Man schreibt sich übers Wetter und übers Golfspielen, Kuntz erkundigt sich zweimal, wann sie denn Zeit hätten auf einen Kaffee, – im Plural, also die Frau und mutmaßlich deren Mutter. Sie schreibt,
es würde sie freuen, wenn es klappt. Tut es dann aber nicht. Kuntz fragt noch einmal, ob es mit einem „Kaffee oder Gin“ passe. Sie ist es dann schließlich, die an einem Abend eine konkrete Bar vorschlägt, das „Rocabeach“ nahe Palma – und Kuntz ist es nun, der schreibt, er liege schon auf der Couch und würde jetzt lieber Fußball schauen. (SZ)

Klingt irgendwie anders als die verkürzte Darstellung der „namenlich nicht genannten Anwältin“, oder? 

Vorläufiges Fazit: Ich habe absolut keine Ahnung, was Stefan Cunts in Hamburg gesagt, getan oder geschrieben hat, aber mich machen sowohl Vorverurteilungen ohne Beweisvorlage, sowie einseitige, tendenziöse Berichterstattung krank. So krank wie der gesamte KSV, insofern passt alles zusammen zumal es grundsätzlich so läuft. Man selbst ist stets frei von jeder Schuld, macht alles richtig, ist der letzte Verfechter der Moral etc. Alle anderen wollen dem KSV grundsätzlich Böses und nur mit der Errichtung der gestörten Wagenburg-Liebessekte ist es überhaupt möglich, dem zu widerstehen. 

 

P.S. Ich muss immer wieder lachen, wenn ich das Blogbild aus dem Insolvenzbolg vom 23.11.2015 sehe. An nur einem Bild sieht man die gesamte Verkommenheit dieses Vereins und seines Umfelds.

 

 

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