Wir alle, die wir meinen, erwachsen zu sein, wissen doch, wie das läuft, oder? Wenn man jung ist, meint man plötzlich, alles (besser) zu wissen, den absoluten Durchblick zu haben. Man hat das System verstanden, alle anderen sind wahlweise verblödet oder verbohrt, man selbst hat Nicolas Flamel-mäßig den Stein der Weisen gefunden, so will es das Gesetz. Ganz wichtig dabei: Die Eltern haben keinen Plan und gelten ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr als verlässliche Informationsquelle. Nun kommt aber das Problem, denn welches sind denn nun eigentlich diese verlässlichen Informationsquellen? Im Gespräch mit der ZEIT (ich hatte im gestrigen Blog bereits darauf verwiesen) erläutert PR-Experte Richard Edelman die aktuelle Situation und gibt ein Bild auf eine vollkommen zerrüttetet Informations-Gesellschaft preis, in der eigentlich niemand mehr weiß, auf wen und worauf der sich eigentlich nicht verlassen kann. Ich zitiere einige Passagen und kommentiere diese.

Richard Edelman ist der Präsident und CEO von Edelman PR, einer globalen Kommunikationsfirma, die 1952 von seinem Vater gegründet wurde. Er trat dem Unternehmen 1978 bei und wurde 1996 zum CEO ernannt. Unter seiner Leitung ist Edelman zur weltweit größten PR-Agentur mit rund 6.000 Mitarbeitern in 28 Ländern geworden. Seit 25 Jahren veröffentlicht Edelman das „Trust Barometer“, das das Vertrauen der Menschen in Institutionen misst.

 

DIE ZEIT: Verlieren junge Menschen das Vertrauen in traditionelle Medien?

Richard Edelman: Ja. Sie verlassen sich viel mehr auf peergetriebene Validierung, also auf die Einschätzung und Bewertung von anderen, und auf Onlinecommunitys als auf traditionelle Medien. Es begann vor 15 Jahren mit dem Aufstieg sozialer Netzwerke, verlief aber in Phasen. Die Pandemie und die lange Isolation führten zwangsläufig dazu, dass man eher von Gleichaltrigen lernte und eine allgemeine Skepsis gegenüber staatlichen Institutionen entwickelte, aber auch gegenüber den Medien. Es ist sehr bedenklich, dass fast zwei Drittel der jungen Menschen nicht mehr einschätzen können, ob Nachrichten von einer zuverlässigen Quelle stammen oder Desinformation sind.

Kommentar: Hier beginnt der Wahnsinn, denn welche Auswirkungen hat es, wenn man sich, gezwungenermaßen, eher auf die Meinungen und Äußerungen in sogenannten Onlinecommunitys verlässt als auf klassische Medien? Man hat keine Ahnung, woher die Meinungen und Einschätzungen stammen, ob ein echter Mensch oder ein Rechner dahintersteckt, ob es von einem bezahlten Troll oder einen berufsmäßigen Lügner verbreitet wird, aber man glaubt es und stützt die eigenen Entscheidungen darauf.

 

ZEIT: Wie ist das Lebensgefühl der jungen Menschen?

Edelman: Junge Menschen setzen keine Hoffnung mehr in die Zukunft. Wenn man sich Deutschland, die USA oder Frankreich ansieht, findet man überall die gleiche Desillusionierung: Nur wenige glauben noch, dass sie mal einen festen Job, ein höheres Einkommen als ihre Eltern oder gar ein eigenes Haus besitzen werden. Das hat zu einem Vertrauensverlust in die Institutionen und auch die Verantwortlichen geführt. Wenn zwei Drittel der jungen Menschen sagen, dass Journalisten, Regierungs- oder Wirtschaftsführer sie belügen, ist das ein echtes Problem

Kommentar: Aus meiner Sicht eine unmittelbare Folge von 1. dem Niedergang des herkömmlichen Journalismus und 2. dem Einzug des Internets respektive der sogenannten sozialen Medien. Wenn einem die Katastrophen dieser Welt 24/7 um die Ohren gehauen werden und man nicht mehr einschätzen kann, wem oder was man eigentlich trauen kann, schwindet die Hoffnung auf Besserung.

 

ZEIT: Das ist ziemlich schockierend.

Edelman: Es herrscht ein unumstößlicher Glaube, dass alles, was ich im Netz finde, gut genug ist. Die Universität Cambridge hat herausgefunden, dass junge Menschen, die journalistische Erzeugnisse konsumieren, zuerst die Schlagzeile lesen, dann die Kommentare und erst dann den Artikel. Sie machen also von der Zustimmung der anderen abhängig, ob sie sich mit der Geschichte beschäftigen, statt sich auf die journalistische Marke oder den Verfasser des Textes zu verlassen.

Kommentar: Fataler geht es nicht mehr. Bekanntermaßen ist das Internet und besonders die sogenannten sozialen Medien voll von Verschwörungen, Märchen, Erfindungen, Lügen und Meinungsmanipulation und aus diesem Fundus nehmen die jungen Menschen ihre Erkenntnisse und leiten ihre Entscheidungen ab. 

 

ZEIT: Gibt es eine Verbindung zwischen dem Vertrauen in Regierungen und in die Medien? Differenzieren junge Menschen da?

Edelman: Es geht auch darum, dass die Medien immer auf der Jagd nach Klicks sind und daher immer mehr über umstrittene Politiker berichten, um mehr Aufmerksamkeit, mehr Klicks, mehr Abos zu generieren – aber damit sprechen sie eher die Menschen an den politischen Rändern an als die in der Mitte.

Kommentar: Auch hier, das von mir mehr als einmal angesprochene Versagen der Medien. Es zählen die Klicks, es zählt der Geld und nicht die Recherche, der Inhalt, die Realität. Warum wird man medial mit Milliarden von Informationen über Trump zugeschissen? Weil es angeklickt wird, entsprechende Aufmerksamkeit erhält diese Kreatur. 

 

Und nun kann man das alles bequem auf den KSV runterbrechen. Was zählt, sind die Schlagzeilen, nicht der Inhalt. Es wird manipuliert, es wird gelogen, es werden (bezahlte) Kampagnen gegen unbeliebsame Menschen geführt. Es wird eine Scheinwelt erfunden und die gläubigen Sektenmitglieder fressen es wie die Trüffelschweine.