Zuerst einmal, weil es sich so gehört – Glückwunsch nach St. Ellingen. Wer nach 32 Spieltagen 34 Punkte gesammelt hat, hat zu Recht die Klasse gehalten. Die Art und Weise, mit beschissenem Anti-Fußball oder mit einer Legion aus Leihspielern, ist absolut legitim, aber sie wirft natürlich ein erschütterndes Bild auf die Bundesliga. Ich hatte es vor einiger Zeit schon einmal geschrieben, die Bundesliga besteht aus Bayern München, die allen anderen um Lichtjahre enteilt sind. Dann kommen ein paar Teams wie Leverkusen, Leipzig, Dortmund, Stuttgart, Frankfurt nicht mehr, die etwas besser sind als der Rest, die aber jederzeit gegen eben diesen Rest verlieren können. Und der besagte Rest hat einfach nur eine abgefuckte Qualität. deshalb auch folgende Punkte:

  • Wenn es reicht, sich einen überdurchschnittlichen 18-Jährigen zu leihen und damit 75% der gegnerischen Angriffsreihen in Schach halten zu können, dann ist das ein Armutszeugnis für die Liga.
  • Im Laufe des Spiels gegen Frankfurt kamen insgesamt 6 Leihspieler zum Einsatz. Was sagt das über die Transferbilanzen der Gegner aus? Wenn es reicht, dass man sich einfach mal 5 oder 6 Typen LEIHT und deshalb in der Lage ist, die Klasse zu halten, sollten sich vielleicht mehr Verein Gedanken darüber machen, ob und warum sie zig-Millionen in neue Lizenzspieler investieren sollten. 
  • Was sagt es über die Liga aus, wenn man mit destruktivem Zerstörungsfußball in der Klasse bleiben kann?
  • Mit 36 erzielten Toren aus 32 Spielen kann man tatsächlich die Klasse halten? Ohne Worte. Nur St. Pauli, die mit 26 Toren im Grunde jedes Spiel ohne Angriff gestalten, schießt seltener aufs Tor. Selbst Heidenheim als Tabellenletzter hat 39 Treffer erzielt. Mit anderen Worten: Destruktivität rechnet sich in der Bundesliga. 
  • Der KSV trat in Frankfurt mit den Spielern Omari, Daffeh, Königstiger und Glatzel gleich mit 4 Spielern in der Startaufstellung an, denen unter normalen Umständen die Bundesliga-Tauglichkeit fehlt und dennoch konnte man bei der SG gewinnen. Was sagt das über Eintracht Frankfurt und den Rest der Liga aus?

 

Der KSV bleibt tatsächlich im ersten Jahr nach dem Wiederaufstieg der Bundesliga erhalten, aber nicht, weil es dort eine sportliche Entwicklung oder ein nachhaltiges Konzept gibt, sondern einzig und allein, weil die Qualität der Liga inzwischen katastrophal ist. Was für einen unfassbar beschissene Job muss man in Bremen, bei Union, in Wolfsburg und in Mönchengladbach gemacht haben, wenn man so viele Jahre in der Liga existiert, soviele Millionen an Werbe- und TV-Geldern generiert hat und dann keinerlei Abstand zu einem Aufsteiger aufbauen konnte, der sich einfach mal eine Truppe zusammengeliehen hat. Heidenheim hat aus den letzten Jahren das Optimum herausgeholt und ist nun an seine Grenzen geraten, St. Pauli wird sich möglicherweise aus der Liga gespart haben, wenn man auf dem Transfermarkt agiert, als wäre man einfach nur glücklich, dass man noch ein Jahr in der Bundesliga mitspielen darf. Die Ambition, ein dauerhaftes Mitglied in Deutschlands höchster Spielklasse zu werden und sich permanent zu etablieren, ist scheinbar nicht vorhanden. 

Nur, nächste Saison wird es deutlich schwieriger für die Großmäuler aus dem Volkspark, wenn nämlich die Erwartungen steigen, wenn der reine Klassenerhalt nicht mehr als das ultimative Ziel akzeptiert wird, wenn Vereine mit finanziellen Möglichkeiten wie Schalke oder Hannover hochkommen werden und wenn man vor allem die Schlüsselspieler Vieiria und Vuskovic verlieren wird. Ein Gutes hat das alles dennoch: Wir werden uns auch in der Saison 2026/27 über mehr Niederlagen als Siege freuen können. 

Ach ja, Haider bettelt mal wieder, vielleicht sollte er höhere Rechnungen an den Medienpartner KSV ausstellen.