Die Deutschen geben pro Jahr insgesamt rund 6,1 Milliarden Euro für Tageszeitungen aus. Auf einen einzelnen Haushalt umgerechnet belaufen sich die Ausgaben auf etwa 35 bis 37 Euro im Monat für Zeitungen, Zeitschriften und Bücher. (Quelle: Wikipedia)

Wie oft habt ihr selbst schon gehört bzw. es selbst gesagt: „Ich kaufe Zeitung X nur wegen des Sportteils“? Nur – was steht denn eigentlich noch drin in diesem sogenannten Sportteil? Beziehen wir es heute, weil dies ja auch überwiegend ein KSV-Blog ist, auf die „Berichterstattung“ über Kühnes Werte Verein. Erste Frage sollte eigentlich lauten: Warum kaufe ich diese Zeitung bzw. lese das Online-Angebot dieser Zeitung und was erwarte ich? Normalerweise würde ich davon ausgehen, dass man ein Presseerzeugnis erwirbt, um Neuigkeiten zu erfahren, Hintergründe, Einschätzung der aktuellen Situation, eventuell sogar Zukunftsausblicke. Nur, wo lese ich sowas heute noch? Ich lese diese Geschichten allein aus Gründen der Entfernung natürlich online und ich merke jeden Tag mehr, dass ich mir das eigentlich schenken könnte. Denn das, was dort geschrieben steht, ist entweder

a. uralt

b. frei erfunden

c. schon tausendmal geschrieben

d. gähnend langweilig

Sogenannter Investigativ-Journalismus findet nicht mehr statt, man bekommt von Woche zu Woche mehr den Eindruck, dass sich BILD, Mopo, Kampagnenblatt und Kicker ihre KSV-Teile der Sportredaktion einfach nur wegsparen können, denn die Artikel stammen nicht nur gefühlt aus der Feder der KSV-Medienabteilung. Wenn ich lese, wie Mongo-Tom im Insolvenzblog behauptet, „Warum der KSV immer attraktiver für Talente wird“, dann kann ich inzwischen nicht mal mehr den Kopf schütteln, weil diese Behauptung derart lächerlich und absurd ist, dass man mit ihr nur einen Zweck verfolgen kann: Dem Verein nach dem Mund zu schreiben und sich bei den Hüpfern beliebt zu machen. Als Blogger würde ich ins Grübeln kommen, wenn ich solch wirre Kacke verzapfen würde und im Anschluss 98% meiner Leser an meinem Verstand zweifeln. Dass dies keinerlei Auswirkungen auf diesen Blog-Simulanten hat, sagt im Grunde alles, er ist auf einer Mission. 

Doch zurück zum Kernthema – warum kaufe/lese ich Artikel, von denen ich bereits vor dem Studium der Übeschrift weiß, was drinsteht? Um mich selbst zu bestätigen? Für mich muss Journalismus andere Kriterien erfüllen, ein Artikel muss mich schlauer machen, muss mich zum Denken und Überlegen anregen, muss mich dazu bringen, dass ich mich selbst hinterfrage. Lese ich heute eine Headline in Mopo oder Kampagnenblatt, kann ich ohne den Artikel gelesen zu haben, 90% des Inhalts wiedergeben, nur bräuchte ich dazu diese Geschichten nicht lesen und schon gar nicht zu kaufen und zu bezahlen. Die Verlagshäuser (und ich habe mehr als 25 Jahre Jahre für verschiedene Verlage gearbeitet)  beklagen sinkende Auflagen, wegbrechende Leserschaften, ausbleibende Anzeigenumsätze, aber die hinterfragen nicht, was neben dem Einfluß des Internets ein weiterer Grund geworden ist. (Sport)-Journalismus ist derart seicht, inhaltsfrei, schleimig, schlecht recherchiert und oberflächlich geworden, dass viele Leser einfach nicht mehr interessiert sich, selbst wenn diese lancierten „Artikel“ ihre eigene Meinung jeden Tag reflektieren.

Ich erinnere mich an eine Begebenheit aus dem Jahr 2012 oder 2013, ich hatte ein Gespräch mit dem damaligen Mediendirektor Jörn Wolf in irgendeinem Büro in der tropfenden Volksparkruine. Jörn war nicht immer begeistert über meine Begrifflichkeiten, aber er sagte etwas Bedeutsames. Sinngemäß: „Ach weiß du, die Vögel schreiben doch eh alle von einander ab. Du bist mit deinem Blog vielleicht alles andere als bequem, aber ich erinnere mich an meine Zeit als Sportjournalist, da war ich auch so bzw. ich wollte so sein. Ich finde, du bist wichtig für diesen Verein, weil du uns zwingst, besser zu werden bzw. es besser zu machen. Wenn mir jemand immer nur Beifall klatscht, brauche ich mich nicht zu entwickeln.“ 

 

 

Im Grunde könnte man sagen, dass sich der (Sport)-Journalismus jeden Tag ein Stückchen mehr selbst abschafft, denn Propaganda können Fans und Anhänger auch auf HSV.de oder den Social Media-Seiten des Vereins abgreifen. 

 

 

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