Das hatten sie sich irgendwie anders vorgestellt, oder? Sie hatten Kampagnen gefahren (natürlich auch und im Kampagnenblatt), sie hatten ein Komitee gegründet, um nach der Niederlage im Klimaentscheid diesmal gewinnen zu können, sie hatten viel Geld und noch mehr „Prominente“ aufgefahren und dann das.

 

Die zweitgrößte Stadt Deutschlands, die schönste Stadt der Welt aus Sicht vieler, die hier leben: Das reicht. Die mangelnde internationale Bekanntheit der Stadt Hamburg, die dabei deutlich hinter Berlin, München oder Frankfurt liegt, scheint viele Hamburgerinnen und Hamburger nicht zu stören. Im Gegenteil. Sie möchten anscheinend nicht, dass die Stadt bekannter wird, dass sie versucht, eine Weltstadt zu werden. Sie möchten vielleicht sogar nicht, dass noch mehr Touristen hierherkommen oder Hamburg weiterwächst. (Lars Haider im Kampagnenblatt)

 

Ach, da schwingt Enttäuschung mit, gell Lassi? 

Ich bin ganz ehrlich, ich sehe diese zweite (gescheiterte) Bewerbung neutral und bestenfalls leidenschaftslos, bei der ersten Niederlage im Jahr 2015 war ich noch deutlich emotionaler. Eine Abstimmungsbeteiligung von 49,5 % finde ich als Hamburger ebenso peinlich wie die Tatsache, dass eine klinisch tote Partei wie die SPD dort immer noch die Regierung stellt. Was ich aber ebenso bemerkenswert wie bedenklich finde, ist die Tatsache, dass sich die Regierungsparteien SPD und Grüne, ebenso wie die Oppositionspartei CDU ausdrücklich für eine Bewerbung ausgesprochen hatten, während nur die radikalen Linken und die radikalen Rechten auf Verweigerung setzten und am Ende damit erfolgreich waren. Für die Stadt Hamburg und die Hamburger selbst ist das ein verheerendes Zeichen. Dabei kann ich viele Standpunkte verstehen. Natürlich bringen Olympische Spiele vielfach neue Sportstätten, Tourismus, Geld und eine Möglichkeit einer Stadt, sich der Weltöffentlichkeit zu zeigen, andererseits sind besonders sportliche Großveranstaltungen in den letzten Jahrzehnten immer mehr zu reinen Kommerznummer mutiert, das muss man nicht gut finden. 

 

Sein politisches Schicksal hatte der Hamburger Innen- und Sportsenator nicht mit dem Votum der Bevölkerung verknüpft. Persönliche Konsequenzen schließt der 57 Jahre alte SPD-Politiker und Jurist aus, wie auch alle anderen Senatsmitglieder; allen voran Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD), die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) sowie Finanz- und Bezirkssenator Andreas Dressel (SPD), die ebenfalls in den vergangenen Wochen und Monaten unablässig für Olympia warben.

Nein, natürlich nicht. Wäre auch das erste Mal, dass ein SPD-Politiker freiwillig sein Amt aufgibt. Was 1 Pimmel-Andy jetzt wohl mit dem Steuer-finanzierten neuen Stadion für Kühnes Werte Verein macht?

 

Bedenklich für die Stadt Hamburg ist aber noch etwas anderes: „Hamburg will Olympia nicht, ganz anders als Kiel (Zustimmung 63 Prozent), Köln/Rhein-Ruhr und München (jeweils 66 Prozent), und es ist Zeit, sich zu fragen, woran das liegt“. Woran mag das liegen? Denken die Hamburger, sie wäre so viel schlauer als der Rest der Republik? Oder ergötzen sich besonders die Hamburger an der neuen deutschen Königsdisziplin, dem Verweigern und die Lust an der eigenen Zerstörung? Wie gesagt, mir ist es Latte, ich habe Olympische Spiele 2032 in Brisbane und wenn ich meine, ich müsste mir das antun, dann fahre ich dahin. Die Wahrscheinlichkeit tendiert allerdings gen Null. 

Jetzt wieder möglich – spenden via Paypal

 

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