Meinung

 

Also schön, die Hinrichtung des Julian Nagelsmann ist abgeschlossen, die gewetzten Messer der sogenannten und selbsternannten „TV-Experten“ und Journalisten-Simulanten können wieder eingepackt werden, jetzt wird gehandelt. Der Pöbel will Klopp, die Medien wollen Klopp, also wird es (wohl) Klopp. Aber warum eigentlich? Weil jemand in grauer Vorzeit mit einer exzellenten Dortmunder Mannschaft zweimal und einer noch besseren Liverpooler Mannschaft einmal Meister und einmal Champions League-Sieger werden konnte? Oder vielleicht doch eher, weil sich der Mann in der Öffentlichkeit optimal verkaufen kann? Mit Klopp verbindet der deutsche Michel coole Sprüche aus der medialen Hüfte, emotionale Kurzstreckenläufe an und über die Seitenlinie, Geknuddel mit Lieblingsspielern, also in erster Linie Emotionen, aber reicht das aus, um aus Ackergäulen Rennpferde oder anders gesagt – aus deutschen Mittelklassefußballern eine Weltklasse-Elf zu machen? Denn machen wir uns nichts vor: Auch Klopp kann der geplagten deutschen Fußballseele keine Olise’s, Mbappe’s oder Dembele’s zaubern, von deutschen Messi’s oder deutschen Ronaldo’s ganz zu schweigen, er muss mit dem gleichen „Material“ arbeiten, welches Nagelsmann in Nordamerika im Regen stehen ließ. 

Und was passiert eigentlich, wenn der Bundes-Kloppo in den nächsten Länderspielen nicht mehr auf Neuer, Rüdiger, Sanè und Goretzka, sondern auf El Mala, Bischof, Karl und Tresoldi setzt, man aber Spiele gegen Bulgarien und Bosnien verliert? Ist dann die allerletzte deutsche Bundespatrone verschossen, das allerletzte deutsche Bundespulver verknallt und man meldet sich aus purer deutscher Selbstvernichtungs-Demut vom weiteren Spielbetrieb ab? Klopp als Allheilmittel für die deutsche Fußballzukunft zu sehen ist ungefähr so, als würde man Muddi Merkel reaktivieren wollen, um einen Trump ungeschehen zu machen. Einer allein soll das richten, was in den letzten 15 Jahren falsch gemacht wurde, das kann und das wird nicht funktionieren und auch Klopp weiß das. Nur – kann er eigentlich noch zurück. Was würde passieren, wenn  Jürgen K. den ihm angebotenen Job als der oberste der 83 Millionen deutschen Bundestrainer ablehnen würde, weil er selbst genau weiß, was ihm blüht? Wird er dann ob seines bequemen Jobs bei RB als Vaterlandsverräter und Fahnenflüchtiger gebrandmarkt und von den gleichen Kanaillen zum Teufel gewünscht, die ihn nun ins Amt labern und schreiben wollen?

Der deutsche Fußball steht zur Zeit genau da, wo er hingehört, im internationale Mittelfeld. Er steht da, wo ihn die deutsche Selbstgefälligkeit, die neue deutsche Trägheit und die ebenfalls neue deutsche Art der Selbstaufgabe geführt hat und daran werden weder Medien-Kloppo noch Muddi Merkel etwas ändern. Sicher, Klopp würde Niederlagen gegen Belgien und Klatschen gegen England souveräner moderieren als der spröde Nagelsmann oder der autistische Löw, aber an den Tatsachen würde sich trotzdem nichts ändern. Will man in Deutschland, und ich habe erhebliche Zweifel, dass man es wirklich will, in Zukunft wirklich wieder im Kreis der ganze Großen mitspielen, muss man deutlich mehr ändern, als einfach nur einen fast 60-Jährigen mit gebleichten und überkronten Zähnen zu installieren und mit Millionen zuzuscheißen. Und was kommt eigentlich nach Klopp? Tom Laszlo Walter?

Jürgen Klopp als Sargnagelsmann des deutschen Fußballs – mehr Symbolik geht nicht. 

 

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