Es muss so gewesen sein, es geht gar nicht anders. 

Es ist schon einige Jahre her, da kam Chef-Intrigant Judas Boldt auf einen teuflischen Plan. Man steckte seit mehreren Jahren in der Hölle der zweiten Liga fest, es ging nicht vor und nicht zurück, aber irgendwas musste sich fundamental ändern, vor allem musste man eines auf ein Minimum reduzieren: Den Druck. Den Druck, aufsteigen zu müssen. Den Druck auf die Spieler und Trainer, besonders aber den Druck auf die Vereinsverantwortlichen. Denn man hatte auf die harte Tour lernen müssen, dass man in St. Ellingen mit Druck nicht besonders gut umgehen konnte. Also beschloss man, mit Sicherheit auch mit tatkräftiger Unterstützung einschlägiger (unt teuer) Beratungsagenturen, eine Transformation zu initiieren – Weg vom Verein mit Mitgliedern, hin zu einer familiären Community, am Besten zu einer Sekte. Denn man hatte sich zuvor angesehen, wie die Welt heute funktioniert. Man hatte sich besonders auch das Verhalten in den sogenannten „sozialen Medien“ angeschaut, die Welt dieser sogenannte „Influencer“ und man hatte verstanden, wie diese Welt geht. Es geht nicht mehr um Wahrheiten, um Realitäten, um Siege, um Erfolge, es geht um Emotionen und Emotionalität. Wenn es dir gelingt, dein Produkt (und etwas anderes ist Kühnes Werte Verein nicht mehr) über alle Grenzen der Vernunft zu emotionalisieren, dann wird dir am Ende des Tages alles verziehen oder noch besser: Der Kern des Produktes, im Falle eines Fußballvereins der sportliche Erfolg, spielt nur noch eine untergeordnete Rolle. 

Gelingt diese Transformation, dann entkoppelt man sich gänzlich von rationalen und messbaren Werten und das war das Ziel. Auf dem Weg zur Transformation braucht es jedoch verschiedene Faktoren und diese wurden im Verlauf der Zeit implementiert. Da war zuerst einmal das Gottesgeschenk Daffeh. Ein weit unterdurchschnittlicher Fußballer, der auch des Identitätsbetrugs überführt war, aber man konnte etwas daraus machen. Man konnte der neu erschaffenen Family demonstrieren, dass diese Community anders funktioniert als der alte, erfolgsbasierte HSV. Diese Familie, diese Sekte hält zusammen, sie lässt keine der Ihren zurück. Hat sich das Subjekt auch diverser Vergehen schuldig gemacht und hat es auch nur einen mehr als begrenzten (sportlichen) Wert für den Verein, der emotionale Wert ist unübertroffen. Denn man kreiert mit dieser Figur nicht nur ein armes Opfer, dem die Familie zur Seite steht, man kreiert auch gleichzeitig den Feind und das ist jeder, der diese unsägliche Geschichte so sieht, wie sie wirklich ist. Denn auch hier greift das bekannte Prinzip: Jede Sekte braucht auch den Endgegner, den Feind, den man gemeinsam bekämpfen kann. 

Desweiteren braucht man glaubwürdige Identitätsfiguren und die fand man in Gestalten wie Tom Mickel, Robert Glatzel und dem nächsten Glückfall für die Sekte: Mario Vuskovic. Als die Dopingaffäre um den Kroaten hochkochte, war die Sekte durch den Fall Daffeh bereits so vollendet, dass man das Spiel einfach nur fortsetzen musste. Armes Opfer, fiese Gegner, helfende Sekte. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns, keiner hat diese Parole so perfide gespielt wie der sensible Regenjogger, der sich als niedlichen Nebeneffekt auch gleich noch mit einer Vertragsverlängerung belohnen durfte, obwohl er mehrere Male den angstrebten Wiederaufstieg verpasste, aber wen interessiert denn noch der sportliche Erfolg? Wichtig ist das Event, das Zusammensein, das Zusammenstehen gegen Feinde und Widrigkeiten, „uns bringt nichts auseinander“. Parellelen zur MAGA-Sekte des gestörten Pädophilen sind übrigens nicht zufällig, sie folgen dem gleichen Muster. Lügenmärchen in Serie, Verleugnung der Wahrheit, tatsächliche Erfolge (z.B. Wirtschaft oder Kriege) sind nur noch zweitrangig, wichtig ist, dass die Sekte geschlossen zusammenhält. Und mindestens so wichtig wie das Sektenkonzept selbst ist die Sicherung der Verbreitung und dafür braucht es die Unterstützung durch bestimmte Medien. Was in den Verunreinigten Staaten von Amerika Rupert Murdochs Fox News ist, ist in Hamburg das Kampagnenblatt, die Mopo, die Bild und der Kicker, die hat man sich gleich zu Beginn der Transformation gekauft.

Hier funktioniert St. Ellingen genau wie Washington DC,  Niederlagen werden entweder verschwiegen oder relativiert, im besten Fall sind andere Schuld. Auf der anderen Seite wird jeder noch so unwirkliche und unwichtige Sieg wie die Auferstehung des Herrn zelebriert, die Sekte muss schließlich mit positiver Energie gefüttert werden. Ab einem gewissen Punkt ist man so weit, dass man sogar Niederlagen als Sieg verkaufen kann, denn die eingeschworeren Community kauft alles.  

Das Problem an Sekten ist nur eines: Sie alle gehen irgendwann unter und meistens passiert das mit einem lauten Knall. Und dann wird es interessant, denn dann muss man beobachten, wie sich diejenigen verhalten, die dieser Sekte gefolgt sind und die, die sie mit Artikel und Berichten unterstützt haben. Wird sich dann einfach lustig distanziert und so getan, als wäre nichts gewesen? Oder gibt es eine Abrechnung, vergleichbar mit den Nürnberger Prozessen, um zu garantieren, dass so etwas nie wieder passieren kann? Werden die Sektierer zur Verantwortung gezogen oder dürfen sie einfach weitermachen? 

Es wird überaus interessant zu beobachten sein, ich freue mich drauf.

 

Zum Schluss der gespielte Witz. Viel Vergnügen…

 

Nach dem in der zweiten britischen Liga gescheiterten Paris Dakar hat Blechauge Klaus Kroster nun offenbar den nächsten Vereinslosen gefunden, diesmal aus Marseille. Eigentlich seltsam, wenn ein 22-Jähriger mit einem angeblichen Marktwert von € 8 Mio. keinen neuen Verein bzw. keinen Anschlussvertrag findet, bei genauerem Hinsehen jedoch….

Zum einen zog er sich im Januar 2024 einen Kreuzbandriss zu und fiel acht Monate aus. Zum anderen brach Nadir im vergangenen Oktober im Ligaspiel gegen SCO Angers zusammen und blieb regungslos auf dem Platz liegen. Danach wurde er einer „umfassenden medizinischen Untersuchung“ unterzogen, wie sein Club anschließend mitteilte. Rund drei Wochen später stand er schon wieder auf dem Platz. Nun könnte sein Weg zum HSV führen.

Großartig, Kroster. Dann erweitert doch am besten gleich das Pleite-Klinikum 😀 😀 😀  Ericksen 2.0