Ich hatte es ja schon mal angedeutet, mittlerweile bin ich sicher, dass es sie gibt. Diese eine Agentur, bei der sich Ex-Spieler, Ex-Trainer, Ex-Offizielle, Ex-Journalisten etc. registrieren lassen können, um dann bei Bedarf und gegen eine Gebühr eine, selbstverständlich mehr als positive, Einschätzung eines Kandidaten abzusondern. Denn das Procedere ist immer das gleiche: Der KSV interessiert sich angeblich für einen bestimmten Spieler und nur kurz danach erscheint im Kampagnenblatt ein Artikel, in dem ein ehemaliger Fahrensmann diesen Kandidaten in den höchsten Tönen lobt. Diesmal handelt es sich um Herrn Bornauw aus Leeds, der dort nach seinem Wechsel kein Bein auf die Erde bekommt, was seinen ehemaligen Trainer Friedhelm Funkel natürlich nicht davon abhält, den Mann in eine Kategorie mit Virgil van Dijk zu heben.

 

„Ich drücke dem HSV die Daumen“, sagte sein ehemaliger Trainer Friedhelm Funkel am Donnerstag im Gespräch mit dem Kampagnenblatt.

„Sebastian ist ein Vorzeigeprofi mit einer hundertprozentigen Einstellung. Das wird er heute auch noch sein. Er ist ein toller Mensch und war für uns ein ganz wichtiger Faktor“, sagt Funkel.

„Sebastian ist sehr zweikampf- und kopfballstark und sehr zuverlässig. Seine Worte in der Mannschaft wurden immer sehr ernst genommen.“

„Im Spielaufbau hat er Verbesserungspotenzial, aber er entwickelt sich noch weiter“, sagt Funkel über Bornauw.

„Der HSV würde keinen Fehler machen. Er hat zuletzt etwas weniger gespielt, aber sonst würde ihn der HSV auch nicht kriegen“, sagt Funkel.

 

Ich verstehe, Friedhelm, der 27-jährige Belgier ist eine absolute Atomrakete und es ist ein Wunder, warum Real und PSG diesen Mann verpasst haben. Nur: Warum konnte sich der Vogel dann nicht beim 14. der letztjährigen Premier League-Saison durchsetzen? Hat eigentlich einer von euch jemals einen Artikel aus der Abteilung Hofbericht gelesen, in dem möglicherweise so etwas steht wie: „Der Spieler hat seine besten Zeiten hinter sich“ oder „Für den KSV ein extremes Risiko, diesen Spieler zu verpflichten“? Mitnichten, jeder potenzielle Neuzugang hat per se Ballon d’Or-Qualität und wurde von seinen vorherigen Vereinen maximal verkannt. Lustig auch, dass das Kampagnenblatt „im Gespräch mit Friedhelm Funkel“ stand, man hat also auf Vermittlung besagter Agentur die Nummer des Ex-Trainers in Erfahrung bekommen, um dann die Lobeshymnen einzufangen. Wenn man sich allerdings fragt, was diese Aussagen wert sind, braucht man nur auf die Transferbilanz des KSV und hier auf die Abgabenseite zu gucken. Alles klar?

Aber vielleicht bin ich auch einfach ungerecht und Dumpfbacke Henrik Jacobs ist nur ein wenig traurig, weil er das Liebeserklärungsbuch nicht schreiben durfte.