Ich lebe knapp 17.000 km von Deutschland entfernt, bin mittlerweile australischer Staatsbürger und im Grunde könnte mir alles, was an Elbe, Rhein, Mosel und Donau abläuft, herzlich am Arsch vorbeigehen, aber mir macht die Entwicklung Angst, mit macht die gesamte Entwicklung Angst. In den USA sitzt ein dementer, geisteskranker, inkontinenter Pädophiler im Oval Office und sperrt die Teile der Presse aus, die nicht in seinem Sinne berichten. „Fake News“ nennt der orange Idiot diejenigen, die auf die zahllosen Katastrophen und die offenkundige Korruption seiner Amtstzeit hinweisen und man wird automatisch an die Zeit zwischen 1925 und 1945 erinnert. In Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern siegt eine rechtsradikale, unwählbare Partei, in Berlin der exakte Gegenentwurf, hier gewinnt eine linksradikale, unwählbare Partei. Die traditionellen Volksparteien werden durch die Bank abgestraft, die FDP beispielsweise existiert eigentlich gar nicht mehr. Und was lese ich am Wahlabend in der brechreizerregenden BILD? „Merz zieht die CDU weiter nach unten“. Im australischen Busch gucke ich mir immer noch jeden Morgen die deutschen Medien an und würde ich all das, was mir dort präsentiert wird, für bare Münze nehmen, müsste ich annehmen, der deutsche Bundeskanzler hat die 2. Klasse der Grundschule nicht bestanden und das ist genau das, worauf ich in diesem Blog hinaus will.

 

Denn sein wir doch mal ehrlich, woher beziehen 98% von uns ihre Informationen über Politik, Sport, Gesellschaft etc.? Aus den Medien und hier täglich intensiver, aus dem sogenannten „sozialen Medien“. Wer von uns hat einen direkten, unmittelbaren Einblick auf das, was die Bundesregierung jeden Tag tut? Wer ist bei Sitzungen, bei internen Gesprächen anwesend? Keiner, alles was wir meinen zu wissen, wurde uns zuvor von den Medien präsentiert und so traurig, wie es ist – diese Nachrichtenübermittlung wird von Tag zu Tag extremer. Warum? Ganz einfach: Weil nur noch extrem verkauft. Um sich in der Welt der Medien finanziell überhaupt noch über Wasser halten zu können, muss man jeden Tag tiefer in die extreme Schublade greifen, muss jeden Tag die Welt noch ein wenig dunkler malen. Resultat einer solchen kreischenden, tendenziösen und zersetzenden Berichterstattung sind dann am Ende Wahlergebnisse wie zuletzt im Osten der Republik. Um es einmal ganz deutlich zu sagen: Die Wahlerfolge von AfD und den Linken sind nicht der angeblich so desaströsen Bundespolitik zu verdanken, sondern dem, was über eben diese Politik flächendeckend über das gesamte politisch-mediale Spektrum übermittelt wird. Wenn ich den Menschen im Land seit 1 1/2 Jahren jeden Tag erzähle, wie Scheiße alles ist, fangen sie irgendwann an, nicht aus Überzeugung, sondern aus Protest zu wählen. Bevor sich an dieser Stelle der Eine oder Andere bemüßigt fühlt, sich dazu zu äußern gebe ich einen Tipp: Das Ganze nochmal von vorn lesen und nachdenken.

 

 

Aus Kontrahenten wurden Gegner, aus Gegnern wurden Feinde, aus Feinden wurden Todfeinde.

 

Nun könnte man denken, es existiere ein Widerspruch in dem, was ich hier schildere. Auf der einen Seite die US-Medien, die im Grunde die amerikanische Gesellschaft vor dem Kollaps bewahren sollen, auf der anderen Seite die deutschen Medien, die mit ihrer tendenziösen Berichterstattung eine immer extremer werdende Gesellschaft befeuern, doch dem ist nicht so, denn es geht um die Extreme. Auf der einen Seite des Atlantiks ein extremer Diktator, der versucht, die Demokratie abzuschaffen, auf der anderen Seite eine extreme mediale Landschaft, die alles dafür tut, dass genau das passiert. Getrieben sind Beide von einer Sache: Geld. Für Geld werden alle Werte, alle alten Gesetze, jede Form von Anstand und Moral über Bord geworfen, was am Ende für Andere, für das Gros der Bevölkerung dabei herauskommt, spielt keine Rolle mehr.

 

Nicht zufällig erreichen wir in einem Blog, in dem es vornehmlich um Kühnes Werte Verein geht, die Klammer zum Thema, denn wenn sich irgendwer die Tendenz zum Extremen auf die Fahne geschrieben hat, dann ist es der KSV. Ein ehemaliger Verein, der eben auch und besonders durch jahrelange extreme Berichterstattung zur (Liebes)-Sekte und dann zur Weltanschauung mutierte, eine Welt, in der es nur noch Gute und Böse gibt („Gemeinsam gegen Alle“), wo der faktenbasierte Kritiker als Endgegner identifiziert wird, den man mit allen Mitteln mundtot zu machen hat. Eine Sekte, die langjährige Mitglieder, die sich kritisch geäußert haben, zwingt, aus dem Verein auszutreten und Dauerkarteninhabern das Ticket entzieht, weil sie nicht im Takt mithüpfen wollten und nicht etwa, weil sie Polizeiuniformen verbrannt oder Fans des eigenen Vereins zusammengeschlagen haben. Auch in St. Ellingen existiert nur noch die Extreme, wer nicht für uns ist, ist gegen uns und hat unseren Hass mehr als verdient. Das Schlimme ist: Obwohl ich meine, diese Prozesse verstanden zu haben, kann ich mich selbst nicht davon befreien, dass sie Einfluss auf mein Denken und Handeln haben und das erschreckt mich noch mehr. Denn ich erkenne an mir selbst, dass ich diese geisteskranke Sekte, diesen Werteverein, der von Werten labert, sie aber mit Füßen tritt, umso mehr verachte, je extremer er/sie wird. Anstatt Idioten, die wochenlang abgetaucht sind, wenn „ihr“ Verein in Serie verkackt und nach dem ersten Punktgewinn wieder auftauchen, um die Rechnungen der letzten drei Wochen zu begleichen, zu bedauern und zu belächeln, keimt in mir pure Verachtung für diesen Abschaum auf.

 

Dabei habe ich weniger als Null Problem damit, für die ehemaligen Fans und jetzigen sektierenden Fanatiker als Feindbild Nr. 1 herzuhalten, im Gegenteil, es adelt extrem. Wenn ich allerdings sehe, wie ein Kapitäns-Darsteller wie der blinde Bimbo Romburg nach dem ersten Sieg kreischend durch die Katakomben der tropfenden Volksparkruine rennt und sich über eine kritische Berichterstattung beschwert, die es zwar hätte geben müssen, die es aber nicht gab, dann wächst meine Verachtung für diesen gestörten Haufen erneut und ich finde Motivation, weiterzumachen. Das Gute daran: Ich lasse mich nicht kaufen, weil ich mich nicht kaufen lassen muss. Ich schreibe nicht monetär getrieben, sondern aus Überzeugung. Und ich weiß, dass ich nicht mehr in den Spiegel gucken könnte, wenn ich während einer KSV-PK mit den Worten „Merlin, ich traue mich kaum etwas zu fragen“ beginnen oder mit Sahne-Mäusen aufhören würde. In diesem Sinne…

 

P.S. Das ist exakt das, was ich meine. Man stelle sich vor, vor 20 Jahren hätte Sefan Beinlich nach einem unverdienten Stümpersieg gegen Köln getwittert: „Me and Ronaldinho“ und dazu ein Foto von sich und Ibiza Olic. Die Leute hätten gesagt: „Junge, hast du eigentlich noch alle Latten am Zaun? Heute aber ist das in der Sekte Standard.

 

 

 

 

 

 

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