Das Leben eines Fußball-Profis

Ferrari, Rolex, Armani oder wahlweise Gucci hier, Gucci da. Villa in Bogenhausen oder Luxuswohnung in der Hafencity. Berater, die einem das Denken (und das Verhandeln) abnehmen, in jedem Club und jeder Bar wird man hofiert. Probleme etwas zu bekommen, kennt ein Fußball-Profi nicht. Einmal am Tag, die ätzende Vorbereitungsphase vor der Saison einmal ausgenommen, Training und der Rest des Tages ist Party.

Dieses Bild eines verwöhnten Söldners wird oft und gern in der Öffentlichkeit und auch in den mehr oder weniger meinungsbildenden Medien gespielt und wahrscheinlich gibt es sogar Spieler, deren Leben sich so oder ähnlich abspielt.

Es geht mir heute auch gar nicht darum, um Mitleid oder Verständnis zu werben, sondern vielmehr darum, die Realitäten fernab der Messi’s, Ronaldo’s oder Bale’s aufzuzeigen.

Die Spieler, die es geschafft haben, Profi bei einem Erst- oder Zweitligaclub irgendwo auf der Welt zu werden, haben sich ihren Kindheitstraum verwirklicht, nahezu jeder kleiner Junge auf nahezu jedem staubigen Bolzplatz träumt davon, sein Geld irgendwann einmal mit seinem liebsten Hobby zu verdienen. Sie alle sehen die Ribery’s und die Robben’s jedes Wochenende auf SKY, sehen, wie diese bejubelt werden. In irgenwelchen Magazinen kann man dann nachlesen, welchen Lamborghini sich Herr Wiese in welcher Farbe von seiner Hoffenheimer Abfindung geleistet hat. Und es sieht für die Jungs so einfach aus, man muss doch einfach nur schneller laufen und härter schießen können, als Stefan oder Achmed aus dem Nebenhaus.

Knallharte Selektion

Wenn es doch nur so wäre. Die Realität sieht anders aus, denn auf dem Weg zu Ruhm und Reichtum steht ein nahezu darwinistischer Selektionsprozess.

Insgesamt gibt es in Deutschland ca. 1.000 Lizenzspieler in den ersten beiden Ligen (18 Verein/durchschnittlicher Kader von 28 Spielern), wenn man an dieser Stelle die 3. Liga vernachlässigt.

(Quelle:http://de.statista.com/statistik/daten/studie/5992/umfrage/anzahl-der-lizenzspieler-in-der-bundesliga-1992-2009/)

Der Ausländeranteil in der Bundesliga liegt je nach Verein zwischen 50 und 60%, gehen wir also der Einfachheit halber davon aus, dass nur jeder zweite Profi in Deutschland ein Deutscher ist, wir sind also bei 500 Fußballern in diesem Land.

In diesem Land leben zur Zeit 80,8 Millionen Menschen, davon sind ca. 39 Mio männlich. Ungefähr 20% dieser Jungen sind unter 18 Jahre alt, also 7.8 Mio. Geht man davon aus, dass vielleicht jeder dritte Junge davon träumt (in meiner Kindheit träumte mindestens jeder Zweite davon), seinen Lebensunterhalt später als Bundesliga-Profi verdienen zu können, so reden wir hier von knapp 2,5 Millionen Menschen. Am Ende bleiben pro Jahr 500 übrig, ignoriert man das Verhältnis zwischen Fluktuation (Karriere-Ende, Abwanderung ins Ausland etc) und der Geburtenrate.

Um sich als einer dieser 500 gegen die restlichen 2,5 Millionen durchzusetzen, muss ein junger Fußballer auf vieles verzichten und er muss darauf verzichten, ohne die Garantie zu bekommen, dass er irgendwann tatsächlich in München, Dortmund, Bremen oder Mainz auf dem Platz landet. Es sind Tausenden und Aber-Tausende, die trotz Talent, Engagement, Hingabe und Fleiß auf der Strecke bleiben und die irgendwo in den Niederungen zwischen Regional – oder Kreisliga kicken, ohne davon wirklich leben zu können.

„Verletzungen gehören zum Fußball dazu“

Hat man es dann trotz aller Widrigkeiten geschafft, kann es schneller vorbei sein als man schießen kann. Ein falscher Schritt, ein blödes Foul und eine ganze Saison kann von einer Sekunde auf die andere im Eimer sein. Ein Spieler wie Holger Badstuber beispielsweise, der mit größter Wahrscheinlichkeit am 13.07.2014 mit der deutschen Nationalmannschaft Weltmeister geworden wäre, kann jetzt nach knapp 19 Monaten das erste Mal wieder in Testspielen mitwirken. Dieses Damokles-Schwert schwebt über jedem Profikicker und er muss es jeden Tag ignorieren – wenn er denn kann. Was im Kopf eines Spielers vor sich geht, der mit Anfang 20 seinen ersten Kreuzbandriß hatte, kann kein Büroangesteller ermessen, aber der Büroangestelle kann den Spieler im Internet als „Scheiß-Söldner“ oder „Nichtskönner“ abkanzeln. Das geht.

Wie die Auswertung der Fragebögen und zusätzlicher Daten der Verwaltungsberufsgenossenschaft (VBG) der Fußballer ergab, kam kein einziger der Kicker in der Saison 2005/2006 ohne Verletzung davon. Durchschnittlich erlitten die Fußballer eine leichtere und eine schwere Verletzung pro Jahr.

„Umgerechnet auf einen Mannschaftskader bedeutet dies, dass 13,5 Prozent der Spieler permanent nicht einsetzbar sind“, berichtet der Bochumer Sportmediziner Dr. Thomas Henke.

Das heißt: Bei jedem Bundesliga-Verein fallen im Schnitt pro Saison drei komplette Spieler aufgrund von Blessuren aus.

So oder so ein teures Dilemma. Denn die Behandlungs- und Personalkosten für lädierte Waden, Knie oder Muskeln belaufen sich auf mindestens 90 Millionen Euro – pro Saison.

(Quelle: http://www.scinexx.de/dossier-detail-403-9.html)

 

Bei männlichen erwachsenen Fußballspielern wird die
durchschnittliche Verletzungsrate mit 6 – 10 pro 1000 Spielstunden angegeben. Verletzungen treten im Spiel drei- bis zehnfach häufiger auf als im Training (z.B. englische Liga im Training 3,4, im Spiel 25,9 Verletzungen pro 1000 Spielstunden) (29). Durchschnittlich verletzt sich ein Spieler pro Saison ca. zweimal (34). Ca. 10 – 20 %
der Verletzungen führen zu einem Trainingsausfall von mehr als vier Wochen (37).
(Quelle: http://www.zeitschrift-sportmedizin.de/fileadmin/content/archiv2013/Heft_1/20_%C3%9Cbersicht_Schmitt.pdf)

Ich kann mir gut vorstellen, was bei einigen jetzt kommt. „Ja gut, aber dafür verdienen sie ja auch Millionen“. Tun sie das?

Die durchschnittlichen Gehälter der Fußballspieler werden in der 1. Bundesliga auf ca. 20.000 bis 25.000 Euro monatlich geschätzt (plus Bonus), was allerdings immer noch deutlich über dem Gehalt eines herkömmlichen Arbeitnehmers liegt. Ein Zweitligaspieler liegt mit 7.000 bis 15.000 Euro aber schon sehr weit entfernt von den Summen eines Weltstars und ein Spieler der dritten Liga kann mit ca. 3000 bis 6000 Euro pro Monat deutlich weniger als ein Pilot verdienen.

(Quelle: http://www.fussballspieler.de/gehaelter-der-fussballspieler.html)

Lizenzspieler in Deutschland verdienen gut, sie verdienen sogar sehr gut. Allerdings sollte man vor Beginn der Neiddebatte bemerken, dass Spieler wie Lahm, Ribery, Müller oder Robben die absolute Spitze der Nahrungskette sind. Diese Spieler verdienen auch nicht soviel Geld, weil sie sooo viel besser sind, als anderen. Sie verdienen soviel Geld, weil es der Markt hergibt und weil die Vereine es zu zahlen bereit sind.

Man könnte noch endlos weiterschreiben, wenn man wollte. Über die Angst, des 27-Jährigen Ex-Nationalspielers, demnächst vom 18-Jährigen Newcomer ersetzt zu werden. Von dem Spieler, der sich für „seinen“ Verein entschieden hatte, um dann in den nächsten 3 Jahren an drei verschiedene Vereine in drei verschiedenen Ländern mit drei verschiedenen Sprachen verliehen zu werden. Über Spieler, die im Juli mit zahlreichen Versprechungen geholt wurden, um dann im Dezember zu hören, dass sie unerwünscht sind. Über Spieler, die wegen eines bestimmten Trainers zu einem Verein wechselten, um dann am ersten Arbeitstag zu realisieren, dass der Trainer nicht mehr da ist und ihn der neue Trainer gar nicht will. Und man könnte über die Rolle der Medien schreiben, bei denen sich Typen, die es selbst nicht zum Profi gebracht haben, über die Spieler das Maul zerreißen, weil sie vor Neid zerfressen sind. Wo Typen, die von dem Spiel weniger als Null Ahnung haben, im Anschluss an ein Spiel Schulnoten verteilen, augrund derer die Spieler dann niedergemacht werden. usw usw

Gestern wechselte beispielsweise ein 1,80 m großer Kolumbianer namens James Rodriguez für geschätzte € 80 Mio von Monaco nach Madrid. Die Frage, ob dieser Spieler, ob überhaupt irgendein Spieler solche Summen wert ist, stellt sich überhaupt nicht. Solange Vereine wie Real € 100 Mio für Bale oder Barcelona mehr als € 100 Mio für Neymar bezahlen können und wollen, solange wird das passieren.

Die „Begleiterscheinungen“

Aber – zu welchem Preis? Rodriguez führte bisher in Monaco ein halbwegs unerkanntes Leben, damit ist es jetzt vorbei. Ab sofort wird jeder Schritt unter die mediale Lupe genommen, der Mann kann keinen Schritt mehr ohne Überwachung aus dem Haus machen. Im Internet kann man mit größter Wahrscheinlichkeit binnen Minuten nachlesen, in welchem Restaurant er gerade gegessen hat und jeder Fehlschuss wird ihm via WWW Verachtung, Häme und Hass einbringen. Seine Kinder können nur noch in Begleitung von Bodyguards zu Schule und sollte Papa einen Elfmeter verschießen, haben die Kleinen dort eine Woche lang wenig Spaß am Leben.

Das alles wollte der damals 9-jährige James garantiert nicht, der wollte kicken. Vielleicht wollte er auch etwas von der Welt sehen und garantiert wollte er reich werden. Jetzt aber bezahlt er einen Preis, den Fußballer bis vor ca. 10 Jahren in dieser Form nicht zahlen mussten.

Natürlich wurden auch die Breitners und Netzer’s auf der Straße angemosert, aber das direkte Anmosern fällt dem geneigten Pöbelfan in der Regel schwerer, als seinen Lebensfrust via Internetmedien in drittklassigem Deutsch abzusondern.

Hier wird geledert, was das Zeug hält. Es gibt Vögel (als normale Menschen würde ich sie nicht bezeichnen wollen), die leben im Netz. Täglich bis zu 18 Stunden wird jede schwachsinnige Seite durchwühlt, weil – man könnte ja etwas verpassen.

Ich denke, allzu häufig wird der Fehler begangen, einen professionellen Fußballer mit irgendeiner anderen Berufsgruppe zu vergleichen. Im Grunde sind es Künstler, die anders bewertet werden müssen, nicht als Menschen, aber als Berufstätige. Es gibt nur sehr wenige von ihnen, gemessen an der Masse der Bevölkerung. Sie sorgen für Unterhaltung und Entertainment und sie füllen die Kassen von zahlreichen Unternehmen. Nicht umsonst engagieren sich zahllose Firmen im Fußball-Business, sie machen das, weil es sich für sie lohnt.

Außerdem bin ich der Meinung, dass man den Jungs oder jungen Männern ein wenig mehr Respekt und deutlich mehr sozialen Freiraum gewähren sollte. Zumindest soviel, wie man selbst für sich in Anspruch nehmen möchte.

By the way: Begriffe wie „Ladenhüter“, „Altlasten“ oder auch „Säuberungen“ sagen nicht nur im Zweifelsfall mehr über den asozialen Autoren aus, als über diejenigen, die er damit meint.

 Dieter Matz: „Ob das in diesem Jahr schon gelingt, ist fraglich, aber spätestens im nächsten Sommer darf von einer Säuberungswelle geschrieben werden…“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von | 2014-07-24T12:15:27+02:00 24. Juli 2014|Allgemein|29 Kommentare

29 Comments

  1. Martin D. 24. Juli 2014 um 11:00 Uhr

    Das Statement von D.Matz lässt mich sprachlos zurück!!!
    Allein der Begriff „Säuberungswelle“ ist eine nicht zu überbietende Frechheit!!!
    So redet ein Mann,der sich selbst als einen der größten HSV-Fan ansieht,über die Spieler seines Vereins.
    Wenn ich was zu sagen hätte,würde der Typ Stadionverbot auf Lebenszeit bekommen….

    Sorry Grave,das ich deinen mühevollen Beitrag nicht genug würdige,aber der letzte Satz,der haut dem Fass den Boden raus…..

    • Bernd 24. Juli 2014 um 11:17 Uhr

      Wundert dich das wirklich?
      Der ehemalige Mutterkonzern Springer mit seinem Kampfblatt „BLÖD-Zeitung“ leitet doch schon traditionell die Hetzkampagnen gegen Unterprivilegierte, wie Migranten oder Hartz-IV Bezieher.
      Und damit denen das nicht irgendwann mal auffällt muß dann ab und zu auch mal ein Promi notgeschlachtet werden, wie seinerzeit Kachelmann, oder ein Matz faselt in bester stalininistischer Manier von einer „Säuberungswelle“.

  2. Hoobs 24. Juli 2014 um 11:18 Uhr

    Ganz großes Kino!

    Ich weiß Du magst es ja nicht so gern, wenn man nur Einzeiler als Kommentar hinterlässt… aber was soll man noch groß schreiben? Das ist wirklich extrem gut geschrieben und inhaltlich ganz ganz wertvoll! Respekt!

    Wenn man das Haar in der Suppe finden will, dann wäre der Hinweis erlaubt das so manche Spieler mit ihren Privilegien nicht umgehen können und total fremdgesteuert und verblendet werden (Beispiel HC). Daher mein Wunsch an dieser Stelle, dass es irgendwann noch einmal solch einen großartigen Beitrag über Spielerberater gibt. Wie viele gibt es? Wie sind die organisiert? Welche Querverweise und Machenschaften zwischen Beratern und Vereinen/Trainern existieren? Das von Dir einmal recherchiert wäre wirklich mal ein Wunsch für die Zukunft. 🙂

  3. aos 24. Juli 2014 um 11:18 Uhr

    Hm da bin ich aber überrascht: was ist denn an dem Begriff „Säuberungswelle“ so ungewöhnlich, dass Martin D. Dieter mit Stadionverbot belegen würdest?
    Fakt ist doch, dass in den letzten bitteren Jahren aufgrund des ständig wechselnden Sport-Personals an der Spitze des HSV und den sehr mangelhaften Fachkenntnissen des alten Aufsichtsrates zu viele Spieler mit wenig Potential verpflichtet wurden. Und leider sind diese teilweise absolut überbezahlt. Wenn ich die von Grave genannte Zahl von ca. 25 TEuro pro Monat hochrechne, komme ich auf 300.000 TEuro/Jahr. Diese Summe erhält beim HSV wahrscheinlich der Greenkeeper und Zeugwart etc.
    Wenn z.B. Mancienne geschätzte 2 Mio. pro Jahr erhalten hat, spricht das doch Bände…. Warum ist Tesche z.B. geblieben bis zum Vertragsende – nun er hat gutes Geld (sh. Mancienne) erhalten, was er nirgendwo anders verdienen würde. Und die Beispiele ließen sich locker quer durch die Mannschaft fortsetzen. Ergo ist die „Säuberungswelle“ doch nur konsequent – wenn ich auch die Wortwahl nicht angemessen finde.

    • NeilYoung 24. Juli 2014 um 11:45 Uhr

      aos,
      guckst Du hier, kommst Du drauf (oder auch nicht).
      http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%A4uberungswelle

    • Janosch 24. Juli 2014 um 12:02 Uhr

      Najaaa – die Wortwahl geht meines Erachtens gar nicht! Wir sprechen hier immer noch von Menschen und auch Profis sollten als solche behandelt werden. Sicherlich ist es richtig, dass z.B. ein Mancienne oder Tesche gemessen an ihrem Leistungsvermögen überdurchschnittlich gut bezahlt wurden. Nur hat das der Markt oder in diesem Falle der HSV hergegeben und die Jungs können nichts für die Unfähigkeit von den oberen Herrschaften.

      Wenn der liebe Herr Matz hier in Bezug auf den Kader statt „Säuberungswelle“ von „neu aufstellen“, „konsolidieren“ oder ähnlichem gesprochen hätte… aber die Wortwahl und dann noch von einem Journalisten, der sich als seriös bezeichnet – geht gar nicht! So wird extrem Stimmung gemacht und das eigentlich permanent. Von daher sollte sich der HSV zukünftig schon überlegen, ob man solche Schreiberlinge noch zulässt….

      Übrigens – klasse Blog, Gravesen! 😉

    • Martin D. 24. Juli 2014 um 12:41 Uhr

      Horch zu,es geht mir einzig und allein um die Wortwahl. Das ein Hamburger Urgestein aus der Presse zu solchen Wörtern greifen muss oder sogar darf,ist mehr als bedenklich.
      Das Spieler kommen und gehen,ist ein völlig normales Geschäft.kein Problem…
      Aber das es Journalisten gibt,die auf eine „Säuberungswelle“ hoffen damit Spieler gehen die hier nicht mehr erwünscht sind. ist ein absolutes No GO.
      Womöglich Spieler,die DM bei der Ankunft noch in höchsten Tönen gelobt hat….

      Und zum Zweiten.Nicht die Spieler sind für ihre teils horrenden Verträge verantwortlich…..nicht allein die Spieler!
      Statt sich mal mit den wirklich Schuldigen der kompletten Krise zu beschäftigen,säuselt der da nur dummes Zeug!!!

      Das es auch anders geht zeigt ja dieser Blog hier!!!
      Ich bin auch nicht immer einverstanden mit der Art und Weise wie Grave schreibt,aber er trifft den Nagel fast immer auf den Kopf….
      Ein D.Matz kann doch noch nicht mal den Hammer gerade halten!

    • TurnbeutelVergesser 24. Juli 2014 um 12:48 Uhr

      Vielleicht ist das Wort „Säuberungen“ seit Erdogan im deutschen Journalismus wieder modern geworden. Es assoziiert abgesehen von dem Holocaust unter Hitler und Stalin im Allgemeinen politische Unterdrückung, Verfolgung und Tot. Gesteigert wird das ganze durch das Beiwort „Welle“. Matz beschreibt also eine ganze Anhäufung von Unterdrückung, Verfolgung und Tot.

      Matz vergleicht diese menschenverachtenden Vorgänge mit dem demokratischen Recht auf zeitlich befristete Arbeits-Verträge: „… im nächsten Sommer darf von einer Säuberungswelle geschrieben werden. Dann laufen elf Verträge aus.“

      Darüber hinaus schafft Matz einen Kontext auf einige HSV-Angestellten: „Das würde aber auch bedeuten, dass noch einige Durchschnitts-Fußballer, die viel zu gut beim HSV verdienen, vor die Tür gesetzt werden. Ob das in diesem Jahr schon gelingt, ist fraglich, aber spätestens im nächsten Sommer darf von einer Säuberungswelle geschrieben werden.“

      „Jemanden vor die Tür zu setzten“ ist schon eine sehr uncharmante Beschreibung dafür einen ungeliebten Mitarbeiter zu entlassen. Aber eine „Säuberungswelle“ spottet jeder Beschreibung. Matz setzt die historischen Ereignisse, die unter einer Säuberungswelle zusammengefasst wurden, in einen falschen geschichtlichen Kontext und verhöhnt damit die Opfer. Das ist zusammenfassend betrachtet so dermaßen menschenverachtend, dass ich mir nicht mehr sicher bin, ob Matz damit öffentlich gegen das Recht auf Menschenwürde verstößt.

      • Julaxx 24. Juli 2014 um 16:21 Uhr

        „Wenn z.B. Mancienne geschätzte 2 Mio. pro Jahr erhalten hat, spricht das doch Bände…. Warum ist Tesche z.B. geblieben bis zum Vertragsende – nun er hat gutes Geld (sh. Mancienne) erhalten, was er nirgendwo anders verdienen würde.“

        Und das ist jetzt die Schuld der Spieler? Wie stellst du dir Verhandlungen denn vor?

        HSV: „Lieber Spieler, wie würden ihnen gerne 2 Mio pro Jahr geben.“
        Spieler: „Nee sorry, das ist mir zuviel“???????

        Wenn der Spieler einen fähigen Berater hat, der das Maximum rausverhandelt, dann ist das nicht seine Schuld – sondern die Schuld der Verantwortlichen des Vereins, dass sie nicht das Maximum für sich rausverhandeln konnten. Ergo: Auch ein überbezahlter Profi hat das Recht, wie ein Mensch und nicht wie ein Insekt behandelt zu werden.

  4. julaxx 24. Juli 2014 um 11:43 Uhr

    Grave,
    ich muss dir endlich einmal ein Kompliment machen: Dein Blog ist so erfrischend durchdacht, unaufgeregt und auf den Punkt, dass es ein Genuss ist, ihn zu lesen. Auch wenn ich nicht jede deiner Meinungen teile. Oder gerade deswegen. Es ist heutzutage selten, dass Menschen reflektieren. Danke dafür.

    j.

  5. Andymax 24. Juli 2014 um 12:22 Uhr

    Da kommen einem ja fast die Tränen wenn man hört wie schlecht es so einem Fußballer geht, ich bin drauf und dran mich ehrenamtlich um diese Berufsgruppe zu kümmern. Denen geht es bedeutend schlechter als zum Beispiel einem deutschen Arbeitnehmer in einer LKW-Werkstatt, der dort für 14-15 € BRUTTO ! tagtäglich seine Knochen hinhält, sich dort auch mehrmals im Jahr verletzt um sich danach in ein überfülltes Wartezimmer eines Kassenarztes zu setzen und dann nach 1-2 Minuten Behandlungszeit mit einem „gelben“ Schein für eine Woche und einem Rezept für die Apotheke nach Hause geht. Der sich von Vorgesetzten und Kunden anmaulen lassen muss und wenn der Rücken nicht mehr mitmacht seinen Job verliert, aber da springt ja sofort die Agentur für Arbeit ein, gut es gibt ein Drittel weniger Geld, aber mit ein bisschen Sparsamkeit reicht es vielleicht bis zum 20ten-25ten eines Monats und wenn er erst das Rentenalter erreicht hat geht der Spaß und Reichtum ja erst richtig los. Mit so einem sorglosen Leben würden bestimmt alle Profifußballer tauschen. ( Ironie )

    Fußballer führen mit Sicherheit nicht das süße Leben, was der gemeine Durchschnittsbürger so denkt, aber Mitleid muss man nicht haben.

    • Gravesen 24. Juli 2014 um 12:26 Uhr

      Nicht das erste Mal, dass du offenbar intellektuell nicht in der Lage bist, einen Blog auch nur ansatzweise zu verstehen. Einfach nur erschütternd, dass du damit dann auch noch hausieren gehst.

      • Andymax 24. Juli 2014 um 16:25 Uhr

        Ich verzichte auf einen intellektuellen Schwanzvergleich, komisch ist nur das du immer nur dann so reagierst wenn man dir nicht nach dem Mund redet, hätte ich angefangen mit „Super Blog Grave“ wäre das intellektuelle Niveau von dir nicht kommentiert worden, egal ob es Laterne ganz unten, oder genial ist.
        Fazit : Nicht jeder kann so eine Intelligenzbestie sein wie du. Tschüss

        • Gravesen 24. Juli 2014 um 17:44 Uhr

          Herzlichen Dank für den neuerlichen Beweis deiner analytischen Fähigkeiten. Weißt du was? Ich werde dich nicht vermissen 😉

    • Jorgo 24. Juli 2014 um 13:07 Uhr

      @Andymax,
      sicherlich sind viele Berufsgruppen bei, im Verhältnis zu den Top500 Lizenzspielern, mit verhältnismäßig geringem Salär und unterdurchschnittlicher medizinischer Versorgung in den Mors gekniffen. Streiche bei möglichen 500 Lizenzspielern aus 2,5 Mio Kandidaten jeweils die Nullen weg. Du hast dann 5 Kandidaten aus 25.000 Mann,
      (etwas weniger als die halbe Arena an Zuschauern fasst)
      Und wenn Du Dir dann bitte einmal die Statistiken zu Rate führst, die Gravesen als Quelle benannt hat, dann kommst Du zum Ergebnis, daß die 5 keine 5 mehr sind, sondern weniger als 1. So gesehen führt der Weg in den Bereich eines Volltreffers im Lotto, um ein Lizenzspieler zu werden. Und die Volltreffer der Volltreffer werden eben auch als solche vergütet/bezahlt.

      Die in diesem Blog ins Gespräch gebrachten Mancienne und Tesche hatten Verträge, die nicht die Regel hinsichtlich der Vergütung darstellten. Mache Dir die Mühe und multipliziere deren Salär mit der Anzahl der Lizenzspieler, dann passt es nicht zum Gehaltsetat. Gehe mal von Spitzen aus, wobei ich mir im Fall Mancienne gar nicht so sicher bin, daß in dieser Größenordnung etwas dran ist. (Oder hatte Hunke das mal getwittert)?

    • Frank 24. Juli 2014 um 17:29 Uhr

      Andymax, du hast scheinbar keine Ahnung, was im Fußballerleben so alles abgeht.
      Ich selber konnte nur bis zum 23. Lebensjahr hochklassig spielen.
      Wenn sich Freunde verabredet haben, habe ich abgesagt, weil Training anstand, und nicht direkt um die Ecke bei einem Dorfverein, sondern mit längerer Anfahrt.
      Vom 9. Lebensjahr an 3 bis 4x pro Woche plus bundesweite Spiele/Turniere mit Übernachtungen.
      Dazu später Stützpunkttraining vom DFB, U-Länderspiele usw.
      Nebenbei noch Abi.
      Sprung in Liga 2 geschafft, mit 4000DM Brutto und einem brutalen Alltag. Der besteht nicht nur aus 3 kleinen Einheiten auf der Wiese, wie es gerne verbreitet wird.
      Ein Jahr später aufgestiegen und weiterhin weit von den Millionen Entfernt.
      Dann mit 22 Jahren Knie kaputt getreten bekommen.
      6 OPs ohne Erfolg. Karriere vorbei mit 23. und immer noch ganz weit von den Millionen entfernt.

      So durfte ich dann noch mal von vorne Anfangen, mit mittlerweile 24 und bis dahin einem Kind.

      Heute mit knapp über 40 spüre ich noch jedes Training, jedes Spiel in meinem Knochen und bin bei körperlichen Tätigkeiten eingeschränkt.

      Und da kenne ich unzählige Beispiele, die ihre gesamte Kindheit dem Fußball untergeordnet haben, und gescheitert sind.
      Entweder am sportlichen, physischen oder eben am psychischen Druck.

      Und der ganze Spaß ist heute noch härter, noch gnadenloser, als zu meiner Jugendzeit (ich arbeite bei meinem letzten Verein im Jugendbereich als Coach).
      Einmal von der Vereinsseite, aber die meisten Eltern sind nur noch bekloppt und erhoffen sich das große Geld durch ihren Sprössling.
      Die schleppen ihre zweifelsohne mehr oder weniger talentierten Kinder bei uns zum offenen Training an und tapen diese erst mal komplett oder Kinder sollen schwerer verletzt teilnehmen.
      Wenn ich dann mal genauer hinschaue und hinterfrag, wird mir oft übel, was manche Eltern ihren Kindern antun, nur weil sie das „beste“ wollen. Die verheizen ihr Kinder wirklich gnadenlos, um bei uns oder vergleichbaren Vereinen unter zu kommen. Da hilft auch kein klärendes Gespräch. Die Kinder werden weiter von Verein zu Verein rumgereicht und kaputt gemacht.

    • el_blindo 24. Juli 2014 um 17:53 Uhr

      Jeder ist seines Glückes Schmied ! …und Glück-lich-sein kommt tatsächlich NICHT von Glück. Neide doch anderen nicht was Du nicht kannst.

    • Freischwimmer 24. Juli 2014 um 18:36 Uhr

      Damit geht’s dem deutschen Arbeitnehmer in einer LKW-Werkstatt immer noch deutlich besser als geschätzten 90 bis 95 % der Weltbevölkerung.
      Mitleid muss man nicht haben.

  6. Ned_Rise 24. Juli 2014 um 12:33 Uhr

    Wie immer höchst erfreulich,
    einen reflektierten Text mit Aufruf zur Moral zu lesen.
    Betrachtet man noch den Aspekt, das die Fußball-Ausbildung ein vorzeitiges Dienstende mit ca. 30 Jahren mit sich bringt reduziert sich rechnerisch das Monatsgehalt zusätzlich, da es länger vorhalten muss.
    Der Militär- und 3.Reich-Sprachgebrauch (högste Alarmbereitschaft, Säuberung etc.)
    sollte sich selbst verbieten bzw. Früh genug redigiert werden.

    • Heiliger Bimbam 24. Juli 2014 um 19:18 Uhr

      Das ist es – selbst wenn man es geschafft hat, eine Zweit- oder Drittligakarriere hinzulegen, mit spätestens Mitte 30 ist das vorbei.
      Dann hat man zwar vielleicht 8 bis 10 „gute“ Jahre seine 5000 netto im Monat gehabt, aber dann? Selbst ehemalige Fussballmillionäre haben schon in Scheidungen oder „Finanzanlagen“ ihr Vermögen verloren.

      Von den vielleicht insgesamt 100.000 oder 200.000, die man als kleiner Fisch mit Glück beiseite legen konnte, kann man jedenfalls keine weiteren 30 oder 40 Jahre leben.

      Deswegen habe ich auch noch nie Neid verspürt – es gibt schlicht keinen Grund dazu.

  7. Jan B 24. Juli 2014 um 13:43 Uhr

    Klasse Blog Grave
    und zum Geld…… Wir alle, die wir Fußball und alles was damit zu tun hat konsumieren, bieten den Markt , der es ermöglicht horrende Ablösesummen und Gehälter zu zahlen. Es ist keinem Fußballer übel zu nehmen sich sein Stück vom Kuchen zu nehmen auf Grund seines Ausnahmetalents. Einzig den Beratern gönne keinen Krümel. Aber das ist meine exklusive Meinung. Würden wir dem Fußball weniger Beachtung schenken, sinken automatisch die Preise. Alles eine Frage des Marktes.
    Bestes Beispiel dafür, ein Ausnahmeathlet wie Timo Boll der zu den 10 Besten der Welt in seiner Randsportart Tischtennis zählt ,kassiert ca. 800.000 Euro. Quelle: http://www.handelsblatt.com/sport/sonstige-sportarten/gehaltsranking-was-spitzensportler-kassieren/3741496.html
    Den Vergleich zu den 10 besten Fußballern der Welt kann jeder selbst ziehen.

  8. profachpersonal 24. Juli 2014 um 14:01 Uhr

    Wohl dem Youngster, bei dem sich Eltern, Jugendbetreuer und Berater frühzeitig um die notwendige Demut kümmern.

    Bzgl. Cyber-Mobbing halte ich Schüler für die deutlich tiefer getroffene Bevölkerungsschicht. U.U. wird einem Teenager damit schon frühzeitig die Möglichkeit genommen, irgendein Hobby zum Beruf zu machen.

  9. Goldfather 24. Juli 2014 um 21:15 Uhr

    Goldfather sagte am 24. Juli 2014 um 20:58 :

    Sehr interessant zu lesender Blog über die Situation von Profispielern. Betrachtet man den Beruf des Profifußballers weltweit ist selbst das Gehalt eines deutschen Drittligaspielers noch hoch. Bis hinunter zum Mindeslohn und der Zahlung in Naturalien gibt es jedes Gehaltsgefüge. Dass Dieter Matz und sein Team mit zweierlei Maß messen, wenn es um das korrekte Verfassen von Kommentaren geht, wurde auch beim gestrigen Blog (23.07.2014) sowie im Kommentarbereich deutlich, als das Mod.Team sich über die Ex-HSVer Pitroipa, Mpenza und Ailton ausließ. Der Informationsgehalt des Matz´schen Schaffens erscheint mir zudem nach der Einsetzung des neuen VV und AR´s immer geringer zu werden.

  10. Martin 25. Juli 2014 um 08:53 Uhr

    Schön, da taucht sogar die Statistik meines Arbeitgebers auf. Gut geschrieben, klassisch aufgebaut, gut belegt – mir fehlt aber eigentlich am Ende der Link zur Aussage von Matze Ab. Von wann ist der Artikel ?

    • Gravesen 25. Juli 2014 um 09:03 Uhr

      Ich glaube, von gestern oder vorgestern. Einen Link zum Primaten-Blog stelle ich hier absichtlich nicht rein

  11. Hardy Erdmann 26. Juli 2014 um 10:56 Uhr

    Presse, Blogger und andere Schreiberlinge bringen Unruhe in den HSV.

    Eine kritische Betrachtung wird von Presse oder Bloggern online gestellt.
    Sofort die mehrheitliche Fanreaktion….Unruhestifter, Spekulation „Ihr wollte den HSV kaputt machen“ – Gebt Beiersdorfer Zeit. So in etwa sind die Reaktionen.
    Löst eine Schlagzeile in der Presse oder im Blog wirklich Unruhe aus? Nein,nicht bei Beiersdorfer ,nicht bei Slomka und sicherlich nicht bei Gernandt.
    Wie sollte so eine Unruhe denn aussehen…alle Fans die sich nun sorgen rufen bei Beiersdorfer an? Nein…da droht keine Unruhe. Ruft die Presse bei Didi an,klar macht sie das aber das kennt Didi das macht Ihn nicht Unruhig.
    Also wo ist dann die Unruhe?
    Bei den Fans im Allgemeinen und nur dort. Die Fans haben Ihren Traum dass es nur noch Bergauf geht und wollen nur noch perfekte Sachen lesen.
    Spieler Müller verpflichtet = Check
    Spieler Behrami verpflichtet = Check usw.
    Kühne gibt dem HSV 25 Mio. = check
    Und dann kommen da Menschen um die Ecke, die wagen es, die Vergangenheit mit einfließen zu lassen, wann, welche handelnde Person welches Interviews gegeben hat und was davon umgesetzt werden konnte.
    Die Traumscheibe bekommt bei den Fans erste Risse.
    Und die Reaktion?
    Anstatt das alles Mal an sich Revue passieren zu lassen und mal zu überlegen ob handelnde Personen den Mund zu voll genommen haben und Ihren Ankündigungen haben Taten folgen lassen, wird nun schnurstracks auf die Presse oder Blogger losgegangen, die es gewagt haben diese kleine Traumwelt in Unruhe zu versetzen. Unruhe deshalb auch bei Didi und seinen Leuten? Nein, Fehlanzeige, diese Unruhe ist nur bei den Fans angekommen, schadet es dem HSV bei Transfertätigkeiten? Nicht im Geringsten .
    Die Reaktion auf Spekulationen seitens der Presse oder Blogger ist die pure Freude „ Ihr tappt im Dunkeln, endlich gibt es keinen Maulwurf mehr beim HSV,nichts kommt mehr vorher raus“ so in etwa sind die Reaktionen . Ist es wirklich so? Fest steht für mich, es ist nur die eine Seite der Medaille, die Seite, die wunderschön glänzt und in deren Glanz sich der Fan als solches gerne sonnt.
    Aber besteht nicht die Möglichkeit unter Berücksichtigung der finanziellen Schieflage des HSV,das keine Informationen mehr durchsickern, weil der HSV in einer finanziellen Schockstarre ist ,wo Handlungen selbst auf vergleichsweiser niedrigster Ebene, von sagen wir mal 5 Mio. schwer oder nicht durchzuführen sind?
    Aber diese andere Seite der Medaille würde für Unruhe sorgen, verursacht von der Presse oder Bloggern . Bei Beiersdorfer? Nein er kennt die Zahlen, er kennt den Istzustand. Einzig und allein bei den Fans sorgt es für Unruhe, bei niemand anderem.
    Also wird sich Tag ein ,Tag aus über die Presse und die Blogger beschwert das alles erfunden ist und für Unruhe sorgt. Unruhe die real nur bei den Fans ausgelöst wird die in Ihrer eigenen Welt sein möchten wo es nur gute Meldungen gibt, denn nur guten Meldungen können sie Glauben schenken und werden ohne nachzudenken gepostet.
    Da frage ich mich dann allerdings warum holen sich