Ganz oder gar nicht, geh’n oder bleiben…

Als hätte der Hamburger Sportverein in diesen Tagen keine anderen Probleme (Abstiegskampf), so beschäftigen sich Medien, „Experten“ und Foren eigentlich nur noch und nahezu ausgeschlossen mit einem Thema:

Sollen die Verträge mit den Spielern, deren Verträge nach Ende dieser Spielzeit auslaufen, verlängert werden oder nicht? Und wenn nicht, warum nicht?

Bei der Betrachtung der unterschiedlichsten Gründe für eine Vertragsverlängerung bzw. eine ablösefreie Trennung, spielt bei jedem „Urteiler“ natürlich auch die persönliche Note eine Rolle, ein Luxus, den sich der Verein nicht leisten kann. Dieser muss sich ausschließlich nach harten Fakten richten, muss beurteilen, welche Rolle ein Spieler für die Ausrichtung des Vereins, das zukünftig zu spielende System und natürlich auch die Rolle des Spielers innerhalb des Mannschaftsgefüges spielt, ein Argument, welches Außenstehende nicht im Mindesten beurteilen können, welches aber eine gravierende Rolle spielt.

Nicht leiten lassen dürfen sich die Verantwortlichen von den Auffassungen der Presse und von den Befindlichkeiten der Anhänger, denn diese sind und werden immer subjektiver Natur sein. Die Medienvertreter und auch die Fans haben ihre Lieblinge, es gibt Spieler, die sind „zugänglicher“, wirken auf die Fans aufgeschlossener, betreiben geschickte Eigen-PR. Mit ihrer Funktion innerhalb der Mannschaft hat das absolut gar nichts zu tun, aber das können wirklich nur Insider beurteilen.

So gesehen, stellt der Verein respektive seine Verantwortlichen ein Katalog von Kriterien zusammen, die dem einen oder anderen Fanatiker unlogisch erscheinen mögen, weil dieser sich lieber an Fakten wie „Westermann raus“ halten möchte, es macht das Leben so viel einfacher, wenn man seine Feindbilder bedienen kann.

Welches aber können diese Kriterien sein, anhand derer sich der Sportchef (und auch der Finanzchef) orientieren müssen?

1. Alter des Spielers

2. Gehalt des Spielers

3. Vereins-Vergangenheit des Spielers (wie hat er sich während seiner Zeit beim HSV verhalten)

4. Verletzungs-Historie des Spielers

5. Verwendbarkeit des Spielers (ist er nur auf einer oder auf mehreren Positionen zu gebrauchen)

6. Passt der Spieler in das zukünftige Gehaltsgefüge?

7. Gibt es für den Spieler eventuell kostengünstigere Alternativen?

8. Möchte der Spieler überhaupt bleiben?

Dies soll nur ein grober Überblick sein, es gibt unter Garantie noch zahlreiche weitere Punkte, die in die Überlegungen einfließen werden.

Nehmen wir jetzt einmal die gesamten subjektiven Aspekte wie Sympathie, Ansehen in der Öffentlichkeit oder Auto des Spielers aus und betrachten die Spieler, die zur Disposition stehen.

1. Heiko Westermann (31). Beidfüßig. Im Verein seit: 01.07.2010. 161 Spiele, 5 Tore.

Verpasste in knapp 5 Jahren insgesamt 13 Spiele wegen Verletzungen (104 Tage)

Einsetzbar als: Innenverteidiger, Außenverteidiger (links und rechts), defensiver Mittelfeldspieler.

Stärken: Zweikampf, Kopfballspiel, Antizipation

Geschätztes Gehalt: € 2,5 Mio.

2. Slobodan Rajkovic (26). Linker Fuß. Im Verein seit: 23.08.2011. 36 Spiele, 1 Tor

Verpasste in 3 1/2 Jahren insgesamt 68 Spiele wegen Verletzungen (426 Tage)

Einsetzbar als:Innenverteidiger, Außenverteidiger (links)

Stärken: Zweikampf, Kopfballspiel

Geschätztes Gehalt: € 2 Mio.

3. Marcell Jansen (29), Linker Fuß. Im Verein seit: 27.08.2008. 183 Spiele, 24 Tore

Verpasste in 6 1/2 Jahren insgesamt 51 Spiele wegen Verletzungen (313 Tage)

Einsetzbar als: Außenverteidiger (links), offensiver Mittelfeldspieler (links)

Stärken: Laufstark, offensiver Zweikampf, Kopfball

Geschätztes Gehalt: € 2,5 Mio.

4. Gojko Kacar (28), rechter Fuß. Im Verein seit.: 01.07.2010, 78 Spiel, 13 Tore

Verpasste in 4 1/2 Jahren insgesamt 58 Spiele wegen Verletzungen (472 Tage)

Einsetzbar als: Defensiver Mittelfeldspieler, Innenverteidiger

Stärken: Übersicht, Technik, Zweikampf (offensiv/defensiv), Kopfball

Geschätztes Gehalt: € 2 Mio.

5. Rafael van der Vaart (32), linker Fuß. Im Verein seit: 31.08.2012, 189 Spiele, 66 Tore

Verpasste in zusammen 5 1/2 Jahren insgesamt 31 Spiele wegen Verletzungen (154 Tage)

Einsetzbar als: Spielmacher, hängende Spitze, defensiver Mittelfeldspieler

Stärken: Übersicht, Technik, Erfahrung, Standards

Geschätztes Gehalt: € 3,5 Mio.

6. Ivo Ilicevic (28), rechter Fuß. Im Verein seit: 31.08.2011, 51 Spiele, 7 Tore

Verpasste in 3 1/2 Jahren insgesamt 60 Spiele wegen Verletzungen (349 Tage)

Einsetzbar als: Linksaußen, hängende Spitze

Stärken: Dribbling, Schnelligkeit, Abschluss mit rechts

Geschätztes Gehalt: € 1,8 Mio.

Dies ist nun die rein auf Fakten basierte Betrachtung der Spieler, deren Verträge auslaufen. Die „weichen“ Faktoren wie Verhalten, Anpassungsfähigkeit, Stellung im Team etc. können selbstverständlich nicht dargestellt werden, weil wir sie schlichtweg nicht kennen. Nichtsdestotrotz spielen sie eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Was bisher überhaupt nicht beachtet wurde, sind die Faktoren, die mit diesen Spielern nur unmittelbar zu tun haben.

Welche Alternativen tun sich auf dem Markt auf?

Wenn es Alternativen gibt, sind sie für den Verein finanziell überhaupt zu realisieren oder macht es vielleicht doch mehr Sinn, mit einem Spieler zu verlängern, weil einfach nichts vergleichbares und zu finanzierendes auf dem Markt ist?

Welche Rolle spielen Akteure, die eventuell noch laufenden Verträge besitzen, die aber den Verein verlassen wollen oder vielleicht müssen/sollen (Tah?)

Welche Rolle spielen Profis, die aktuell an andere Verein verliehen sind und die nach Hamburg zurückkehren werden/wollen/müssen?

Man sieht an dieser oberflächlichen Betrachtung, dass es sehr viele Punkte gibt, die beachtet werden müssen und dass es eben nicht damit getan ist, den Rechner anzuwerfen, Bundesliga-Manager 2015 anzuklicken und dann zu meinen

„Ich verkaufe Lasogga für € 10 Mio. nach England, hole dafür Harry Kane für € 7 Mio. aus Tottenham und spare € 3 Mio.“

Solche Gedanken können sich wirklich nur in Köpfen abspielen, deren Besitzer auf dem Baum und nicht im Bett schlafen.

++++++++Ergänzung++++++

HSV-Ikone Uwe Seeler (78): „Dass ein Umbruch kommen muss, darüber sind sich alle einig. Wir müssen für die nächste Saison eine schlagkräftigere Mannschaft aufbauen. Aber im Moment haben wir noch viel damit zu tun, den Abstieg zu verhindern.“

Sorry, aber wenn ich sowas lese, fällt mir das Frühstück aus dem Gesicht. „Der Umbruch muss kommen“ meint also der Seel(er)-Sorger. Dann frage ich: „Der wie vielte Umbruch denn noch?“ Es gab einen „Umbruch“ unter Arnesen, einen Zweiten unter Kreuzer und jetzt wieder einen unter „Didi“. Vielleicht sollte man einfach mal ein tragfähiges Konzept aufstellen, aber im Halbjahres-Rhythmus umzubrechen. Das ist ja nicht mehr zum aushalten.

Von | 2015-02-25T09:20:47+01:00 25. Februar 2015|Allgemein|17 Kommentare

17 Comments

  1. Andi Pie 25. Februar 2015 um 09:15 Uhr

    Tja, und ich dachte, dass an erster Stelle ein Konzept stehen würde/sollte/müßte, eine Spielweise, die der Trainer und die Verantwortlichen fordern und fördern.
    Dann an zweiter Stelle stehen die Spieler, die müssen da ja schliesslich reinpassen, sonst wird das nix.
    Allerdings in der derzeitigen Lage… Mal am Bsp. HW4. Als Defensivallrounder einsetzbar. Durch wen könnte er ersetzt werden? Wer auf dem Markt ist kurzfristig oder mittelfristig bzw. mit bekannter Ablöse verfügbar? Welcher Spieler passt (besser) in ein (hoffentlich vorhandenes) Spielkonzept?
    Dann muss ich rechnen. HW4 kostet derzeit Gehalt x ggf. zzgl. Handgeld für eine Verlängerung. Ein anderer Spieler kostet Gehalt y zzgl. Ablöse. Und dann habe ich die nackten Zahlen.
    Nur: agiert so das HSV Management?
    Ich bin mal gespannt…

  2. Pascal Jarosch 25. Februar 2015 um 12:33 Uhr

    Ich finde diese Auflistung der Fakten (auch wenn es nur ein Auszug ist bzw. nur das ist, was du dir da an Gedanken gemacht hast, zeigt aber schon auf, dass hier nicht einfach nach Gehalt und Sympathie gegangen werden darf (was viele ja glaube ich denken, oder das vielleicht gewürfelt wird)

    Was sagst du übrigens zu den Gerüchten, dass VdV, HW4 und Jansen wohl gehen dürfen und Kacar und Rajkovic bleiben dürfen, wenn sie Gehaltseinbußen in kauf nehmen?

  3. jorgo 25. Februar 2015 um 12:58 Uhr

    ZITAT : „Wenn es Alternativen gibt, sind sie für den Verein finanziell überhaupt zu realisieren oder macht es vielleicht doch mehr Sinn, mit einem Spieler zu verlängern, weil einfach nichts vergleichbares und zu finanzierendes auf dem Markt ist?“

    Vergleichbares ist m.E. gar nicht einmal so erstrebenswert. Dabei gehe ich von den Spielern aus, deren Verträge per 30/6/15 auslaufen. Bei geringeren Bezügen ist Boban für mich ein gute Option. Wenn Boban versteht, daß die Zeit der großen Gelder Geschichte in Hamburg ist, dann bitte gerne und zeitnah. Kacar….. ich bin der Meinung, daß eben wir bei Raikovic die Bezüge heruntergefahren werden müssen. Bei Kacar ein Salär ggf. mit Zielvorgaben, die sich an Einsätzen richten.
    Bei diesen beiden Spielern sehe ich nicht, daß uns andere und vor allen Dingen, finanzierbare und selbst interessierte Akteure, helfen könnten. Wir wären also gut beraten mit diesen Spielern Gespräche zu führen.

    Ob nun Tah wiederkommt oder nicht, darf nicht an den Verbleib von Westermann geknüpft sein. HW4 muß bitte per 30/6 Geschichte sein. Ebenso wie Sobiech, der beim Tabellenletzten der 2. Liga nicht einmal der Einäugige unter den Blinden ist. Demirbay wird hoffentlich dann wieder bei uns sein.

    Über Ivo I. spreche ich gar nicht erst. Jansen, vdV und Westermann wurden gegen Gladbach nicht wirklich vermisst. Diese 4 Spieler zzgl. dem geliehenen Haudegen J. Green und dem wiederkehrenden Zoua würde ich ersatzlos streichen. Bei Sobiech und Zoua vermag man ggf. noch einige Euro Transfersumme generieren.

    Schön wäre ein Gedankenspiel auf der Torhüterposition.: Ein Adler in die MLS oder England, dafür TW mit Perspektive.
    Ein Innenverteidiger, falls Tah und/oder Raikovic nicht mehr dabei sind.
    Ein Stürmer, der Lars Okker mal Dampf macht.

    • Kai Arne 25. Februar 2015 um 13:22 Uhr

      Bei allen Überlegungen zu Verlängerungen fehlt mir ganz oft Option, die ich derzeit am wichtigsten finde: Erst einmal abwarten. Die Gefahr, dass uns auch nur einer der Kandidaten weggeschnappt wird, ist wirklich nicht akut. Die Gefahr, dass wir einer Eintagsfliege aufsitzen oder der notorischen Leistungssteigerung vor auslaufenden Verträgen dagegen viel größer. Außerdem muß klar sein, dass der Preis dafür vielleicht zwei der Verträge zu verlängern bedeuten muß, dass alle anderen auch auslaufen. Klingt selbstverständlich, wird aber schon noch interessant, wenn Medien und Handelnde erst einmal ihren Protegees beispringen.

  4. Kai Arne 25. Februar 2015 um 13:01 Uhr

    Tja, die Weisheiten der Fußballmanager. Nach dem letzten EA Manager von 2011 oder 2012 habe ich tatsächlich vor ca. 4 Wochen diese Saison mal wieder einen Manager angedaddelt, diesmal von Sega. Und die Sorgen, Nöte und Geschichtchen, die sich da im Kopf abspielen, sind doch irgendwie lehrreich. Zumindest auf meinem Management-„Niveau“.
    Als erstes mußte man während der ersten Saison die 6,5 Mio für die vereinbarte Holtby-Ablöse generieren. Denn der spielte gut, wie auch Behrami. Die Hälfte davon konnte der Verkauf von Adler bringen, nachdem er ein paar Spiele hatte. Aber der laufende Etat musste unbedingt runtergefahren werden, und nicht erst zum Ende der Saison, damit überhaupt noch Brötchen in der Kantine stehen. Ilicevic und Kacar waren in der Winterpause absolut unverkäuflich, eine Ver-Leihe habe ich verpaßt. Das Spiel kennt die einfache Formel: spielt nicht regelmäßig = läßt sich nicht verkaufen. Green wurde fast gegen meinen Willen immer besser, aber Müller hielt auf der linken Seite mit, war nur mal verletzt. Beister rechts ein Traum, die Mitte mit dem nie verletztten Arslan eher gruselig, Holtby und vdV ok, und genau abwechselnd verletzt.
    Das Ende vom Lied war: Die 6,5 Mio für Holtby kamen zusammen. Er machte trotzdem mit Tottenham einen neuen Vertrag mit einem noch phantastischeren Gehalt, wo ich nicht mithalten konnte — beim Sega Manager wird das Gehalt offenbar vom Präsidenten (der man nicht selbst ist) begrenzt und alle Zusatzzahlungen mit denen man das umschiffen möchte, werden stattdessen gnadenlos vom Transferbudget abgezogen.
    In diesem Punkt trennte sich das Spiel fast schmerzhaft für den Spieler von der HSV-Realität: Zugunsten des Realismus. Darüber darf jeder selbst urteilen.
    Daher musste vdV am letzten Transfertag verlängert werden, was aber zu ungefähr 2/3 der alten Moneten abging (Stieber war im Spiel nicht OM einsetzbar und entwickelte sich leider nicht so gut). Green wollte ich gar nicht behalten, aber die Leihe wurde von Bayern sofort verlängert. Westermann war der wichtigste Ersatzspieler der Saison, weil ihn das Spiel von links bis rechts überall passabel spielen läßt — allerdings nicht als DM. Um ihn als Reservist zu ersetzen, bräuchte man zwei andere Spieler – wie es sich oben ja auch andeutet.
    Nach der Saison kam Tah und spielte sofort gut. Nach einer halbjährlichen Behrami Verletzung (!) rutschte das Team dann etwas ab, aber das kann daran liegen, dass ich zu selten taktisch variiert habe, was das Spiel wohl abstraft (ich hätte wohl aus taktischen und personellen Gründen vom OM abrücken müssen).
    Aber ich hatte dann auch keine Lust mehr, weil die Livespiel-Highlights (die wohl das große Plus der Segareihe sind) wirklich extrem viel Zeit fressen. Insgesamt jedoch eine interessante Erfahrung – angesichts der realen Verhältnisse neben dem Platz und der wenigen investierten Stunden fast zu schade für die übliche Polemik, daß es nur ein Spiel ist und dort jeder automatisch Erfolg haben kann.

  5. Goldfather 25. Februar 2015 um 14:22 Uhr

    Zu den dargestellten Ausfallzeiten kann man getrost Faktor 2 hinzufügen, wenn man es gut meint mit den Spielern, ansonsten wäre Faktor 3 hinzuzufügen. Denn solange dauert es bis ein Bundesligaspieler wieder bei den berühmten 100% ist, sozusagen wettbewerbsfähig, vorausgesetzt der Trainer arbeitet mitlerweile nicht mit einer ganz anderen Besetzung.
    .
    Ohne Vertrauen und somit Spielpraxis wird ein Spieler, der sich regelmäßig verletzt, langfristig keine Verstärkung darstellen. Anders als bei einem normalen Arbeitnehmer, der nach überstandener Grippe nach ungefähr 2 bis 3 Tagen wieder bei 100% im Homeoffice ist, stellt sich die Angelegenheit bei einem Profi gänzlich anders dar.
    .
    Hinzu kommt die Fragestellung, ob der „junge“ Mann jemals wieder seine ursprüngliche Leistungsfähigkeit erreicht, da es selbst nach geglückter OP häufig so ist, dass eine gewisse Einschränkung erhalten bleibt, die in der Folge zu weiteren Verletzungen, speziell im Bänder- und Muskelapparat, führen kann.
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    Fußballprofis sind physiologische Grenzgänger. Extremsportler, die sich gegenseitig zu Höchstleistungen pushen und das bisweilen sogar bis in die Todeszone.
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    Nicht nur im Schwergewichtsboxen gilt die Regel: They never come back!
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    Ausnahmen bestätigen selbstverständlich die Regel.
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    Einmal abgesehen von drastischen „Charakterschweinen“ die mir innerhalb des HSV-Kaders aktuell nicht bekannt sind, gehe ich davon aus, dass der HSV im wesentlichen ein Problem mit häufig verletzten Spielern sowie fußballerisch Minderbegabten und taktischen Analphabeten hat.
    .
    Fußballerische Minderbegabung sowie taktisches Analphabetentum wären durch die richtigen Trainingsmaßnahmen in den Griff zu bekommen, wie das intensive Verschieben der Viererketten im Training vor dem Gladbachspiel gezeigt hat. Und selbst Flipper (Rudnevs) müsste nicht zum lettischen Messi mutieren, um aus ihm einen anspielbaren Stürmer zu machen.
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    Franz Beckenbauer machte eindrucksvoll vor wie ein Trainer mit einem Stürmer wie Jürgen Klinsmann (mannschaftsintern angeblich Flipper genannt) umgehen muß, um aus einem willensstarken, jedoch fußballerisch nur durchschnittlich begabten Spieler, eine echte Waffe zu formen.
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    Ausgehend davon, dass die taktisch strategischen Ansprüche immer höher werden und die Räume noch mehr verdichtet werden, muß es um Spieler gehen, die selten verletzt auf engstem Raum mit gutem Antizipationsvermögen agieren können.
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    Schaut man sich die Performance des HSV innerhalb der letzten Jahre an, stehen selbstverständlich sämtliche Spieler mit auslaufenden Verträgen unter Generalverdacht und zwar unabhängig davon ob sie gerade einen Lauf haben oder nicht. Mit mehr als 10-20% derjenigen deren Verträge demnächst auslaufen sollte keinesfalls verlängert werden.
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    Manchmal kann man sich die Details sparen, wenn man sich das Große und Ganze anschaut.
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    Eine der wichtigsten Kennziffern des Bayernscoutings sollen die gewonnen Spiele und Titel sein. Und erst danach geht es in die Detailbetrachtungen. Gemessen daran würden die Bayern mit keinem HSV-Spieler verlängern, der die letzten fünf Jahre dabei gewesen ist.
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    Eher würden die Bayern erfolgreiche Spieler aus der eigenen Jugend sowie der zweiten und dritten Liga, verstärkt mit ein bis zwei hochkarätigen Ausländern, verpflichten.

  6. Carsten Pio. 25. Februar 2015 um 14:35 Uhr

    Mal eine kurze Nachfrage: Die von Dir benannten „Kriterien“ sind ja nummeriert. Ist dies nur als Aufzählung gedacht oder sogar als DEINE Reihenfolge in Sachen Priorität?

    • Gravesen 25. Februar 2015 um 16:13 Uhr

      Die Reihenfolge ist absolut willkürlich

      • Carsten Pio. 25. Februar 2015 um 22:27 Uhr

        Dann bin ich ja beruhigt, da ich (und allen Anschein nach auch Du) die Prioritäten anders setzen würde. Danke für die Aufklärung. Finde noch das „Kriterium“ wichtig, ob der Spieler zum Trainer und dessen philosophie passt. Damit meine ich natürlich keine Buddy-Geschichten, sondern fußballerische und taktische Gesichtspunkte. Zumindest bei auslaufenden Verträgen sollte man hier aktiv steuern, was so mitten in einer Vertragslaufzeit und möglichen Trainerwechseln natürlich nicht immer geht.

  7. Oberberger 25. Februar 2015 um 17:00 Uhr

    Ein Indikator für das Leistungsniveau eines Spielers ist für mich auch das Vorhandensein von Anfragen anderer Vereine.
    Gute Spieler mit auslaufenden Verträgen, die zur Winter-Transferperiode für kleines Geld gehen können stehen bestimmt bei einigen Vereinen auf dem Zettel. Soweit bekannt gab es nur bei Marcel Jansen eine Anfrage von Benfica Lissabon. Interesse an van der Vaart, Westermann und Ilicevic gab es meines Wissens nicht.
    .
    Wie man den Kader für die kommende Saison plant ist mir bisher unklar. Denn eigentlich sollte sich der Kader am Spielsystem des Trainers / Vereins orientieren und bestenfalls wie ein Maßanzug passen.. Unter Zinnbauer ist bisher aber 1.) kein System zu erkennen und 2.) habe ich die vage Vermutung, dass er ganz schnell ins 2. Glied rücken muss, falls es gelingt einen „namhaften“ Trainer zu verpflichten.

    • Pascal Jarosch 25. Februar 2015 um 18:03 Uhr

      generell hast du natürlich recht aber eigentlich müsste sich ein Verein wie der HSV unabhängig von außenstehenden Meinungen verhalten. Wenn man nicht auf die Presse hört, kann sie einem auch keine unruhe rein reden. Das müsste man dafür aber intern wie extern auch zeigen 🙂

      • Pascal Jarosch 25. Februar 2015 um 18:04 Uhr

        und gleich den falschen Beitrag kommentiert … Schande über mich 🙁

  8. Thomas S. 25. Februar 2015 um 21:15 Uhr

    „Umbruch“ ist auch mein absolutes Unwort in dem Zusammenhang. Ein paar Spieler raus, ein paar Spieler rein, umrühren, fertig – wie oft hatten wir das in den letzten 15 Jahren? „Entwickeln“ muss doch vielmehr die Devise sein.
    .
    Ich finde es übrigens weise, dass du das Wort „Charakter“ in diesem Artikel vermieden hast, denn das ist auch so eine Worthülse – ja wofür? Es sind alles Menschen dort auf dem Rasen und auf der Bank, und je nach Mannschaftssituation zeigt sich mal die gute und mal die problematische Seite der jeweiligen Persönlichkeit. Da kann man doch kein pauschales moralisches Urteil draus stricken. Was hat man z.B. KPB schon alles (nicht immer zu Unrecht) nachgesagt? Und jetzt ist er auf Schalke Musterprofi und Säule der Mannschaft. Da halte ich es doch eher mit Rehhagel: Ein Spieler, der mir Probleme macht, ist nicht unbedingt schlecht, denn so jemand macht in der Regel auch unseren Gegnern Probleme. Oder um es mit anderen Worten zu sagen: Die Mischung macht’s.

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