Sprachlosigkeit aufgrund Ignoranz

€ 16,9 Mio. Das muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen. € 16,9 Mio. Der Retter und sein Gefolge schreiben Geschichte, noch nie hat der Hamburger Sportverein ein solches Minus erklären müssen. Aber was heißt denn hier „erklären“, sie müssen es ja gar nicht erklären. Ein paar lapidare Sätze von wegen „Neuaufbau“ und „Altlasten“ und das bekloppte Stimmvieh ist beruhigt. Keine Frage Richtung Aufsichtsrat (Gernandt: „Ich habe noch nie ein Bilanzminus abgegeben“), wie sowas unkontrolliert passieren kann. Ich stelle mir an dieser Stelle einmal Bernd Hoffmann auf dem Sessel des Vorstandsvorsitzenden und Manfred Ertel als Aufsichtsrats-Boss vor, alter Schwede, was wäre das für eine „mediale“ Hetzjagd geworden.

King-Düdü aber tritt am Abend nach der Katastrophe locker beim NDR auf und tut so, als wäre nichts passiert. Und was noch viel schlimmer ist: Es gibt sogar einige Strahlungsopfer, die finden das alles gar nicht schlimm. Oder sie tun zumindest so, weil sie Beiersdorfer und Gernandt auch in die Hölle folgen würden, nur, um nicht zugeben zu müssen, dass sie komplett in die Tonne gegriffen haben. Der Mann kam, um zu sanieren (jedenfalls war das mal das erklärte Ziel derer, die ihm ins Amt geholfen haben) und er macht genau das Gegenteil. Wer all die hohlen Phrasen, die gestern seitens des Vereins abgesondert wurden, tatsächlich glaubt, der hat auch genau den Verein verdient, den er zur Zeit sieht.

Aber – das Fußballvolk ist nun mal reichlich dünn angerührt. Zwei Siege in Folge, dabei sogar der Derbysieg in Bremen und die Exzellenzen können verkünden was sie wollen. Ich frage mich immer wieder, wie man derart dämlich sein kann. Hätte der HSV gegen den BVB verloren und in Bremen nicht gewonnen, wäre die Luft für Düdü wohl wesentlich dünner geworden, aber es kann doch nicht angehen, dass man sich wegen 6 Punkten mehr plötzlich alles erlauben kann.

€ 16,9 Mio. Und dann diese Erklärungen.

Der Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer ergänzt: „Der HSV hat in vier Jahren dreimal gegen den Abstieg gespielt und in vielen Bereichen seine Wettbewerbsfähigkeit verloren. Unsere Investitionen, unter anderem in den Kader, den gesamten Trainerstab, auch dem des Nachwuchses, die medizinische Betreuung und die Infrastruktur, beispielsweise bei der Neuplanung des Campus, waren unumgänglich. Alle diese Maßnahmen sind als Investition in die Zukunft zu verstehen, um den HSV konkurrenzfähig zu machen.“

Ja Wahnsinn. Ich könnte jetzt damit anfangen, jede dieser vorgeschobenen Entschuldigungen auseinander zu nehmen, aber die Mühe mache ich mir nicht mehr, ich hab’s oft genug gemacht. Wer es bis jetzt nicht begriffen hat, wird es auch in Zukunft nicht mehr begreifen. Nur eines noch dazu:

Hätte Herr Beiersdorfer auf die Verpflichtungen der Herren Behrami, Olic und Diaz verzichtet, hätte er gestern wohl eine ausgeglichene Bilanz verkünden können. Davon aber kein Wort. Kein Wort davon, dass der Mann und sein Helfeshelfer Knäbel jegliche Expertise im Bereich Spielerverpflichtung und Verhandlungsführung vermissen lassen. Stattdessen Worthülsen wie „Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit“ etc. By the way – der Mann sprach ja auch davon, dass man viel Geld für Abfindungen etc. ausgeben musste. Warum fragt keiner, wer denn einen Trainer Slomka am dritten Spieltag gefeuert hat, um einen Trainer Zinnbauer mit einem extrem erhöhten Vertrag auszustatten, damit man ihn später wieder von seinen Aufgaben entbinden konnte?

Aber nein, bitte nicht solche Fragen. Lieber alles glattbügeln und darauf hoffen, dass man in den nächsten Jahren irgendwelches Geld einnehmen kann.

Nein, verdammt nochmal, nein. Es sind nicht die Altlasten, die dieses Minus ermöglicht haben, jedenfalls nicht nur. Es ist der vollkommen unverantwortliche Umgang mit Geld, den Herr Beiersdorfer pflegt und der von Herrn Gernandt gedeckelt wird. Es wurde Kohle verpulvert, als gebe es kein Morgen und das Ergebnis war eine Relegation in Karlsruhe. Lustigerweise macht so gut wie niemand diese Herren für ihr Versagen verantwortlich, es wird lediglich um den heißen Brei gelabert. Und es ist so herrlich leicht zu erklären, dass ja die Vorgänger die Versager vor dem Herren waren, deren Müll man jetzt mühsam aufkehren muss. Das Gleiche hat Schweber Jarchow gemacht und das Gleiche wird mit großer Wahrscheinlichkeit auch der Nachfolger von Verbrennungs-Didi machen.

Nur die Verantwortung für das eigene Versagen, die übernimmt irgendwie keiner.

Komplettes Versagen auf dem Transfermarkt

Verhökern von eigenen Spielern inkl. Abfindungszahlungen

Kauf von überteuerten Alt-Stars.

Nicht ein strategischer Partner akquiriert

Öffentliche Zurschaustellung der hausgemachten Peinlichkeiten (Rucksack etc.)

„Kaderschmiede“ U23 schmiert komplett ab

 Beständiger Vorgriff auf zukünftige Zahlungen (Köpi, Aramark etc.)

Ich könnte stundenlange weiterschreiben, aber ich habe die Schnauze so dermaßen voll davon, immer und immer wieder belogen zu werden.

Von | 2015-12-03T07:55:22+01:00 3. Dezember 2015|Allgemein|32 Kommentare

32 Comments

  1. Webgolfer101 3. Dezember 2015 um 08:59 Uhr

    Da gibt es nichts zuzufügen.
    Und das Hamburger Abendblatt von heute fasst die Herren immer noch mit Samthandschuhen an.

  2. Zuschauer 3. Dezember 2015 um 09:29 Uhr

    Dumme Nachfrage meinerseits: Ist die Rückzahlung der Fananleihe da schon irgendwo mit drinn?

    • Gravesen 3. Dezember 2015 um 09:30 Uhr

      nein.

      • Arnold 3. Dezember 2015 um 10:05 Uhr

        Die Rückzahlung seitens des Vereins ist auch nicht verpflichtend, oder ?

      • Andi 3. Dezember 2015 um 12:02 Uhr

        Wieso NEIN? Siehe Seite 6 / Verbindlichkeitenspiegel des LETZTEN Konzernberichtes: http://www.hsv.de/fileadmin/redaktion/Verein/14-06-30_KA_HSV_Fussball_AG.pdf
        Die Frage ist einzig allein aus welcher Liquidität man diesen Posten zum Stichtag der Fananleihe bedienen will. Dazu trägt entscheidend das sportliche Endergebnis bei.

        Die Transferpolitik, bzw. deren Ergebnis ist bisher ein Desaster, keine Frage. Aber nicht erst seit Beiersdorfer und Co. Trotzdem muss sich die aktuelle Führung diesen Schuh anziehen und nicht einfach darüber hinweggehen als wäre nichts gewesen! 9,5 Mio Transferminus in der laufenden Saison sind dann schon mal Grundlage des nächsten Minus.

        Das EBITDA gibt jedoch Grund zur Annahme, dass das rein operative Geschäft des HSV recht stabil ist. Die EBITDA-Marge der FC Bayern München AG betrug im GJ14/15 ca. 16%. (Quelle: Statista.de) Die der HSV Fußball AG im gleichen Zeitraum 18%. (Quelle: gestrige Pressemeldung)
        Die heftige Kritik hinsichtlich „Wasserkopf“ und „aufgeblähter Verwaltungsapparat“ lässt sich damit zumindest in Frage stellen.

        Aber bevor nicht ein finaler Geschäftsbericht vorliegt sind alle Spekulationen hinsichtlich des vorläufigen Konzernergebnisses wenig zielführend und Millionenbeträge immer irgendwie periodenübergreifend zu addieren und zu kommunizieren sorgt maximal für anregenden Gesprächsstoff und Emotionen.

        Punkte in der Liga müssen her. Der Vorstand muss jetzt auf sportlicher Ebene liefern. Sollte der Fall nicht eintreten, ist dann auch der aktuelle Vorstand, zumindest in Teilen, Geschichte.
        Vorzugsweise abfindungsfrei.

  3. Südfan 3. Dezember 2015 um 09:46 Uhr

    Ich glaube, es gab zwei wesentliche Gründe: 1. der sportliche Misserfolg und damit verbundene Mindereinnahmen bei zu hohen Gehältern und 2. die zu teuren und oft schlechten Transfers von DB im Jahr 2014. Hinzu kommen noch die zahlreichen Trainerwechsel, die auch immer wieder den Martkwert von Spielern gesenkt haben, die auf einmal nicht mehr gesetzt waren. Ich galube dennoch, dass es jetzt falsch wäre, die Führungsspitze auszutauschen. Denn was würde das bringen? Der Nachfolger würde wieder ähnliche Fehler machen, neue und zu teure Spieler kaufen und die Schuld auf die Vorgänger schieben. Von daher denke ich, dass Kontinuität, auch wenn sie für den einen oder anderen schmerzhaft ist, das bessere Mittel ist. Man erkennt ja gerade, dass einige ursprüngliche Transferflops doch so langsam anfangen zu zünden (Holtby, Müller). Der so langsam einsetzende sportliche Erfolg senkt zumindest den Druck in Bezug auf Neuverpflichtungen. Vielleicht lernt man ja auch aus den Fehlern der Vergangenheit und hält sich mal mit Transfers, die man sich nicht leisten kann, zurück. Eine finazielle Engpasssituation kann ja auch mal disziplinierend wirken und somit auch was gutes haben.

    • bastian 3. Dezember 2015 um 14:23 Uhr

      Allerdings gab es diesen Engpass bereits, als Didi seinen Job antrat. Der einzige Unterschied ist, dass nun bereits die ersten Anteile verkauft wurden und Didi vermutlich darüber informiert wurde, dass es so nicht jedes Jahr gemacht werden kann.

      • Südfan 3. Dezember 2015 um 17:48 Uhr

        Man darf aber auch nicht unterschätzen, dass es eben neben dem finanziellen Niedergang auch einen sportlichen Niedergang gab. Diese beiden Entwicklungen verstärken sich gegenseitig und führen zu einer Abwärtsspirale. Didi hat damals den etwas waghalsigen und letztlich unglücklichen Versuch unternommen, aus dier Abwärtsspirale auszubrechen, indem er durch den Kauf neuer Spielerden sportlichen Abwärtstrend stoppt.
        Die Alternative wäre gewesen, keine neuen Spieler zu holen oder sehr viel günstigere. Dazu muss man sagen, jede Investition in neue Spieler ist immer eine Spekulation. Grundsätzlich kann man aber das Risiko einer Nichtverstärkung veriingern, indem man etwas teurere Spieler einkauft, die schon in der BuLi bewiesen haben, dass sie es können.

        Was wäre alternativ gewesen, wenn Didi seinerseits nur sehr wenig Geld ausgegeben hätte, z.B. für junge oder unerfahrene Spieler, die die Mannschaft im Vergleich zum Vorjahr nicht verstärkt hätten. Was wäre gewesen, wenn man mit diesem Weg letztes Jahr bereits geschietert und abgestiegen wäre. Alle hätten Didi wegen seines Sparkurses dafür verantwortlich gemacht, dass er den ersten Abstieg ja regelrecht provoziert hätte.

        Hier ist oft die Rede davon, dass die meisten Fans bereit wären, einen Weg mitzugehen, der den HSV in die zweite oder gar dritte Liga führt, wenn man dafür nur etwas weniger Geld ausgibt und mehr auf die Jugend setzt. Ich bezweifle, dass die meisten Fans das wollen… Sie haben schlichtweg keine Lust darauf, den HSV vielleicht Jahrelang gegen Aalen oder Sandhasuen spielen zu sehen.

        Ganz abgesehen davon, dass es auch nichts bringen würde. Denn ein Verein kann sich am besten immer schrittweise reformieren. Auch darf man Lerneffekte nicht unterschätzen. Ich glaube schon, dass Personen in ihren Ämtern wachsen können. Gleichzeitig glaube ich auch nicht, dass jeder neue es immer automatisch besser macht. Diese Hire and Fire Mentalität, die hier oft gepredigt wird, führt doch eben auch zu finanziellen Problemen, weil man permanent Ablösen oder Gerichtskosten zahlen muss, nur um dann festzustellen, dass der Nachfolger es ja auch nicht besser macht.

  4. Zuschauer 3. Dezember 2015 um 09:57 Uhr

    Ich bin kein Buchhalter, aber wenn sich nicht urplötzlich und unvorhersehbar ein gewaltiger Geldseegen über diesen Club ergießt, dann sieht es zumindest mittelfristig nach zahlungsunfähigkeit aus. Bitte, stellt mich für meine Unwissenheit in die Ecke. Ich bin mit meinem Latein am Ende. (Die Exzellenzen ja wohl auch und das seit geraumer Zeit).

  5. UngebetenerGast 3. Dezember 2015 um 10:46 Uhr

    Moin,

    der Punkt ist leider sehr ambivalent. Als die Fans noch Einfluss hatten lief es leider auch nicht besser, sonst hätte es die Jahre mit Jarchow wohl nicht gegeben. Kann man nur sagen: selbst Schuld. Die Fans haben das Grab für den HSV geschaufelt indem sie nennen wir es mal die Machtübernahme durch einige „auserwählte wenige“ nicht verhindert haben und haben sich dann in letzter Verzweiflung ihrer Einflussmöglichkeiten auf den Verein beraubt indem sie – aufgrund berechtigter Hoffnung – für HSVPlus gestimmt haben. Lief halt beides scheisse …

  6. Saschas Alte Liebe 3. Dezember 2015 um 11:07 Uhr

    Normalerweise gibt es in Krisenzeiten immer eine Menge kontrovers zu diskutieren, Engagement und Teilhabe lässt die Blogs brummen – doch m Falle HSV ist nichts mehr kontrovers. Es ist alles gesagt. Und es tut sich garnichts, hohles Dahinblubbern tagein tagaus. Lähmendes Entsetzen oder Realitätsflucht lassen Fans hilflos erstarren.
    Koma-Krise !
    Und diese Club-Herren richten sich in solcher Athmosphäre gemütlich ein – das ist gruselig !
    Dieses Dahinsiechen ist bei weitem übler als ein dramatischer Relegations-Abstieg.

  7. Gravesen 3. Dezember 2015 um 12:30 Uhr

    Extrem lesenswert für alle, die immer noch glauben, es wäre ja alles nur halb so schlimm:

    Kerberos sagt:
    3. Dezember 2015 um 11:09
    .
    Unfassbar diese Verlautbarungen zum Thema “Finanzen des HSV”. Die Verantwortlichen des HSV, die Blogautoren und ein Großteil der Kommentare hier scheinen in stetem Wettstreit zu stehen, wer wohl den größten Blödsinn von sich zu geben vermag. Bei so viel komprimiertem Unfug kann man einfach nicht die Füße still halten, waren es doch am Ende wie üblich nur wieder einmal die ach so böse Vergangenheit und epochale Naturkatastrophen, welche für diese verheerende Bilanz ursächlich sein sollen.

    .

    Was dieser Vorstand gerne verschweigt und stattdessen verbale Nebelkerzen wirft, steht bereits explizit mit unmissverständlichen Erläuterungen in der vom HSV selbst veröffentlichten Ausgliederungsbilanz der AG sowie den Folgebilanzen und ist die Grundlage für ein nun anhaltendes finazielles Fiasko. Mit der Ausgliederungsbilanz haben die Finanzjongleure des HSV mal so kurzer Hand ein „AG-Vermögen“ durch „Aufdeckung von stillen Reserven“ (stille Reserven von 69 Mio Euro) hervorgezaubert und so bei der „Geburt“ der AG ein „pralles“ Eigenkapital von 26 Mio Euro in der Ausgliederungsbilanz darstellen können. Wie funktionierte dieser geniale, vermeintlich aber auch nicht ganz legale, Finanz-Trick.

    .

    Eigentlich recht einfach. Bei einer Ausgliederung darf das zu übernehmende Ausgliederungsvermögen in der Ausgliederungsbilanz wirtschaftlich neu bewertet werden; zu diesem Vermögen gehören unter Anderem eben auch die Spieler und das Stadion als Anlagevermögen.
    Bei der Übernahme der Spieler erhöhte nun die AG den Wert des zu übernehmenden Spielerkaders in der Ausgliederungsbilanz nach dem Gießkannenprinzip (gleichmäßig über den gesamten Kader) um fast 6 Mio Euro, da die Spieler – damals von einer Vielzahl Fans zwar schon nur noch als „Kernschrott“ bezeichnet – nach dem maßgeblichen Fußballverstand der Exzellenzen mit den bis dahin 30 Mio einfach unterbewertet schienen. Die Spieler waren mit einem Federstrich dann in der Ausgliederungsbilanz fast 6 Mio Euro mehr wert; basta. Die Tatsache, dass bereits absehbar für die Mehrzahl der Spieler (auch auf Grund auslaufender Verträge) gar keine Ablöse mehr zu erzielen war, schien man dabei offenbar erfolgreich ignoriert zu haben. Ganz zu schweigen davon auch die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, dass der Wert der Spieler in Wirklichkeit deutlich geringer war als noch in der Bilanz des e.V. ausgewiesen.
    Den Wert des Stadions erhöhten die Verantwortlichen in der Ausgliederungsbilanz dann gleich einmal um satte 22 Mio. Warum? War es doch das gleiche Stadion wie Tags zuvor; nicht modernisiert und noch nicht einmal neu gestrichen. Ja, aber nun doch mit der Aussicht auf eine baldige Europapokalteilnahme des HSV durch eine blühende AG. Dann würde das Stadion künftig schließlich ja wirtschaftlich viel besser nutzbar sein und daher sei eine höhere Bewertung des Sachvermögens „Stadion“ durchaus gerechtfertigt. Aha; da war es also wieder das Unwort der Demut und Geduld – Europapokal!
    Na und als Krönung wurde noch der Wert der Marke „HSV“ mit über 40 Mio in der Ausgliederungsbilanz aktiviert. Dieser undefinierbare Markenwert hatte bisher noch gar keinen Eingang in die Bilanz des e.V. gefunden, „schlummerte“ nach maßgeblicher Auffassung der Verantwortlichen noch als stille Reserve und wollte nur von den “Exzellenzen” noch wachgeküsst werden. Und getreu dem Motto: wenn keiner so richtig weiss, was der Wert der Marke „HSV“ eigentlich ist und wie sich dieser eigentlich nachvollziehbar berechnet, kann auch keiner an diesem geschaffenen „Vermögenwert“ in der Ausgliederungsbilanz zweifeln.

    Einfach clever; denn so erschafft man aus einem Pleiteverein nur mit Papier und Bleistift ein zumindest vordergründig prosperierendes Unternehmen einer Fußball-AG. Das ist eben jenes Handeln, was so gerne von den Protagonisten des HSV den dummen Fans und unbelehrbaren Mitgliedern als „exzellent“ verkauft wird. Und wir lernen: „Exzellenz“ ist ein Begriff in der deutschen Sprache der auch häufig als Synonym für einen Taschenspielertrick verwendet wird.

    .

    Denn dumm nur, dass die ganze schöne „Vermögensbildung ala Exzellenzen“ einen gewaltigen Haken hat. Zumindest die 28 Mio zusätzlicher „Vermögenswert“ für Spieler und Stadion müssen in den Folgejahren über die nun verbleibenden, nur noch recht kurzen, Restlaufzeiten abgeschrieben werden – und somit fällt einem dieses „genial erschaffene Vermögen“ in den Folgejahren gleich wieder als überproportionale (Abschreibungs-)Verluste in der Bilanz auf die Füße (der Markenwert wird nicht geregelt abgeschrieben). Damit haben die Verantwortlichen also bereits in der Ausgliederungsbilanz mit dieser „Schaffung von Vermögen“ als Eigenkapital einen zusätzlichen Bilanz-Verlust durch zusätzliche Abschreibung von 28 Mio auf die Folgejahre generiert. Ganz gleich wie und wo der HSV denn Fußball spielen wird. Tja…. und das Dilemma steht erst ganz, ganz am Anfang…

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    Ob diese „geniale Wertschöpfung“ in der Ausgliederungsbilanz des HSV noch legal ist oder bereits im Bereich der Bilanzfälschung liegt, ist umstritten. Denn der eigentliche Sinn solcher bilanztechnischen Maßnahmen wie der Neubewertung des Anlagevermögens bei Ausgliederung liegt primär nicht darin, ein positives Eigenkapital zu kreieren. Sinn und Zweck dieser Neubewertung soll es sein, in der Ausgliederungsbilanz die tatsächlichen wirtschaftlichen Unternehmensfaktoren möglichst realitätsnah abzubilden. Viele gewinnreiche Unternehmen nutzen so natürlich diese grundsätzlich durchaus legale Möglichkeit einer Neubewertung bei Ausgliederung, um bewusst und gewollt mit dem Ziel der Steuerersparnis die Abschreibungsverluste auf die Zukunft zu erhöhen.

    .

    Warum aber hat sich der HSV, der seit langem genauso weit von der wirtschaftlichen Gewinnzone wie sportlich vom Europapokal entfernt war, eigentlich einer Methode bedient, in der künftig erhöhte Verluste durch Abschreibung untrennbar zum „Programm“ gehören. Ganz einfach: man hatte zum Start der AG eben schlicht keinen Investor und konnte nun schlecht die AG mit einem negativen Eigenkapital starten. Faktisch hätte die Methode (die rechtliche Bewertung einmal ausser Acht lassend) als kurzfristige Interimsmaßnahme auch tatsächlich Sinn machen können. Denn man hatte so mit einem bilanziell „gesunden“ Unternehmen (hier mit 26 Mio EK) die Möglichkeit, nun mit weniger Druck etwas leichter Investoren im Nachgang einzuwerben und dadurch mit der daraus resultierender (zusätzlich durch Anteilsverkäufe zufließender) Liquidität dann eine tatsächliche Unternehmenskonsolidierung durch einen strikten Sparkurs und Reduzierung von Verbindlichkeiten umsetzen können (eben HSV+). Die sich aus der Ausgliederungsbilanz ergebenden höheren Abschreibungsverluste der Folgejahre hätten natürlich mittels des Zufluss aus Anteilsverkäufen durch Ablösung von Verbindlichkeiten sozusagen „substituiert“ werden müssen. Ja, das wäre tatsächlich eine Chance zur Sanierung für den HSV gewesen.

    .

    Leider aber wurde dann wirtschaftlich wirklich Alles von den Protagonisten mit herausragender Exzellenz vor die Wand gefahren, was diese gerade noch in Richtung Wand bewegen konnten. Weder konnten Investorrmen mit der dringend notwendigen Liquidität im angedachtem Umfang eingeworben werden noch wurde der zwingend erforderliche wirtschaftliche Konsolidierungskurs eingeleitet. Stattdessen wurden auch die allerletzten Reserven mit Karacho aus dem Fenster geworfen, unsagbare Dauerschuldverhältnisse auf Jahre hinaus neu begründet und auf dem Transfearkt wild (ver-) gezockt.

    .

    Was nun? Um die dringlichsten Löcher zu stopfen wurden bereits in der Vergangenheit die vielversprechenden jungen Spieler verkauft. Und dennoch aktuell fast 17 Mio Verlust. Schlimm; denn eigene Nachwuchsspieler zu veräußern ist lukrativ, weil hier jeder Euro an Ablöse auch als Gewinn in die Bilanz einfließt (da kein Restwert als Vermögensabgang für diese Spieler in der Bilanz gegengerechnet werden muss). Anders leider bei Spielern, die selbst mittels Ablöse erworben wurden und noch in der Bilanz einen Vermögenswert darstellen. Hier lässt sich nur ein Gewinn um einen Differenzbetrag bilanzieren – nämlich Ablöse minus Restwert. Ein Verkauf von Spielern zur Reduzierung der laufenden Kaderkosten unter dem buchhalterischem Restwert eines Spielers verbietet sich daher von selbst, würde ein solcher Verkauf doch einen weiteren Verlust in der Bilanz generieren (Vermögensabgang). Und bei allen Gedanken zu einer Kaderreduzierung kommt natürlich noch hinzu: man spart laufende Kosten ein – wer aber soll denn künftig für den HSV noch gegen den Ball treten.

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    Und Investoren? Die müssten mit dem Klammerbeutel gepudert sein oder zu viel Ammoniak im Stall geschnüffelt haben um in dieser Situation mit dieser Führung auch nur 1 Euro für den HSV locker zu machen. Das Eigenkapital von 26 Mio Euro ist bereits substanzlos in Verlusten aus Abschreibungen und in vielen Fehlentscheidungen „verbrannt“ (knapp 4 Mio Verlust wirtschaftlich zugerechnet vor Gründung, gut 6 Mio Verlust in der letzten Bilanz und nun fast 17 Mio Verlust); der HSV ist definitiv wieder an der Schwelle der Überschuldung – Dank an die Exzellenzen; denn einzig sie sind es, die hierfür die alleinige Verantwortung tragen.

    .

    Es bleibt nur zu hoffen, dass die Fans und Mitglieder jetzt endlich aufwachen und nicht weiter bräsig vor sich hindösen. Und das Thema ist keineswegs „abgefrühstückt“ mit der Verkündung durch die Exzellenzen und einem kurzen Aufschrei der Fans und Mitglieder. Es bleibt auch noch die Frage nach der Bilanz des Vereins; was kommt da noch obendrauf für den e.V.? Auch darf nicht vergessen werden, dass der e.V. noch über Jahre für die AG in der Haftung steht.

    .

    Nein – dieser Vorstand muss schleunigst weg! Sämtlichst und ausnahmslos alle Vorstände mitsamt allen Direktoren. Ein „Insolvenzverwalter“ mit Kompetenzteam ohne die Raute im Herzen, aber mit dem Vertrauen von Investoren in ein „echtes“ Sanierungskonzept ausgestattet, muss auf die Kommandobrücke der HSV AG! Man kann es drehen und wenden wie man will – der HSV ist nun wirklich für JEDEN (eigentlich auch für Sportjournalisten und auch selbst den debilsten Fans) erkennbar ein Sanierungsfall. Ohne Stolz sei hier angemerkt, dass die aktuelle Situation bereits vor langer Zeit in einigen Kommentaren hier im Blog prognostiziert worden war; jetzt wurde aus der Prognose die nicht mehr weg zu leugnende krachende Wirklichkeit. Wer jetzt immer noch wegschaut und meint „es geht doch eigentlich um Fußball und da stehen wir doch wieder ganz gut dar“, der versündigt sich schlicht am HSV (AG und e.V.) als dessen Totengräber.

    • Saschas Alte Liebe 3. Dezember 2015 um 12:50 Uhr

      und ich dachte, das seist Du gewesen 😉
      aber stimmt, sehr lesenswert.
      Wie entscheidend ist dabei, wer bei der Ausgliederung wann was unterschrieben hat – 1. Juli/ 9. Juli ?

    • Carsten Hae 3. Dezember 2015 um 14:08 Uhr

      Vielen Dank für das teilen dieses lesenswerten Beitrages Grave. Ich bin immer wieder höchst erschrocken wie es ernsthaft Leute geben kann die die Augen vor diesen katastrophalen Zahlen verschließen und behaupten alles sei Tutti. Aber Hey wir sind doch fast Europa ! Ole Ole Ole !

    • NeilYoung 3. Dezember 2015 um 14:23 Uhr

      Zweifellos ist den Anmerkungen zur Ausgliederungsbilanz zuzustimmen. Allerdings handelt es sich um legale Bewertungswahlrechte und dient auch der legalen Bilanzgestaltung. Diese ohne Beweis in die Nähe einer Bilanzfälschung zu rücken ist ebenso unseriös, wie zu suggerieren, ohne die Exzellenzen und mit einem Sanierer („Insolvenzverwalter“) würde es besser werden.

  8. Gravesen 3. Dezember 2015 um 14:39 Uhr
    • Saschas Alte Liebe 3. Dezember 2015 um 15:21 Uhr

      ich hatte es im andern Blog so verstanden, als sei es eine pädagogisch sinnvolle Maßnahme gewesen, um der „Pussy-Gang“ mal Beine zu machen.
      Vielleicht könnte Spahic ab und an auch mal im Führungs-und Verwaltungstrakt zum Einsatz kommen ?

      • Gravesen 3. Dezember 2015 um 15:30 Uhr

        Was für ein Wahnsinn, oder? Da stellt sich ein sogenannter Journalisten-Darsteller hin und meint, es wäre doch ganz ok, wenn man dem einen oder anderen Spieler ab und zu auf’s Maul haut, immerhin wurden einige nach Spahic-Prügel ja besser. Ich möchte lieber nicht wissen, welche Meinung solche Amöben zu anderen Themen haben, „Wenn sie nein sagt, meint sie ja und wenn sie ja sagt, meint sich auch ja“, oder was?

        • Saschas Alte Liebe 3. Dezember 2015 um 15:53 Uhr

          Demnächst wird sowas konsequenterweise noch durch Blog-Gebühren aufgewertet werden.

        • Südfan 3. Dezember 2015 um 17:57 Uhr

          Ist ja im Prinzip nichts neues bei Spahic. Kann mir ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass er nächstes Jahr noch beim HSV ist, zumal er auch oft verletzt oder gesperrt ist und die Mannschaft bewiesen hat, auch ohne ihn zu gewinnen (Mgbach, Hoffenheim, Bremen sowie überwiegend Dortmund).Ich finde im Übrigen auch nicht, dass er so viel Sicherheit ausstrahlt. Man denke vor allem an Stuttgart, Bayern, Köln und Hannover, wo für Gegentore verantwortlich war, auch wenn er gegen Köln eigentlich ja unschuldig war.
          Irgendwie finde ich aber schon, dass man da eine Parallele zu Behrami ziehen kann. Wenn die Mannschaft eins braucht, dann ist es doch eine gewissen Form von Harmonie und auch Sympathie in der Mannschaft. Ich glaube, dass Holtby und co. derzeit richtig vür einander fihten und Spaß am Spiel haben, weil sich die Spieler auch mögen und anscheinend miteinander gut können. Inwieweit Spahic da aus dem Rahmen fällt, können wir natürlich jetzt nur vermuten, wissen tun wir es natürlich nciht.

  9. Felix 3. Dezember 2015 um 16:22 Uhr

    Hier ist bald mehr los, als bei den Einfältigen aus dem Ödland.

  10. Zuschauer 3. Dezember 2015 um 16:28 Uhr

    Wenn Einödland dann abgebrannt, müssen die hier bitte auch nicht auftauchen. Wenn ich ne Currywurst will, hol ich sie selber. Die sind irre da drüben.

  11. atari 3. Dezember 2015 um 17:25 Uhr

    wann ist denn endlich Schluss da drüben? Ich klick da nicht mehr drauf…

    • Saschas Alte Liebe 3. Dezember 2015 um 21:36 Uhr

      Noch nicht definitiv benannt.
      Erstmal ist Kerberos Blog-Beitrag vom Vater persönlich zur Lektüre anempfohlen worden !

  12. Germenyfe 4. Dezember 2015 um 07:35 Uhr

    Der Beitrag von Kerberos ist echt klasse und sehr informativ, doch wenn man den nächsten Beitrag von „Der Meller“ dann wieder liest: *Egal. Wir haben gegen Bremen gewonnen. Europapokal, Europapokal….* merkt man, dass es einige noch immer nicht begriffen haben 🙁

    • Gravesen 4. Dezember 2015 um 09:03 Uhr

      Lustig finde ich, dass im Patientenblog jetzt jeder, der schon mal eine Steuererklärung ohne fremde Hilfe ausgefüllt hat, meint, er müsse sich als Atom-Experte zur Bilanz äußern 😀

  13. BerndH60 4. Dezember 2015 um 10:29 Uhr

    Aus der Abteilung „schwarzer Humor“ wie Christian Heidel, Manager bei Mainz 05, unser nächster Gegner, die Lage beim HSV einschätzt, denn er sieht in der Tatsache, dass der Klub offenbar in der Lage ist, diese Zahlen zu verkraften, sogar ein positives Zeichen:
    „Das zeigt eher die Stärke dieses Klubs, denn es geht immer weiter.“
    „Wenn Mainz 05 ein Minus von 16,9 Millionen Euro hätte, weiß ich nicht, ob wir am nächsten Donnerstag noch Pressekonferenz hier hätten“
    Quelle: http://www.kicker.de/news/fussball/bundesliga/startseite/640548/artikel_heidel-zu-hsv-minus_das-zeigt-eher-staerke.html
    .
    Einfach köstlich. 🙂 🙂 🙂

  14. Gravesen 4. Dezember 2015 um 13:35 Uhr

    Was bin ich froh, dass ich diesen Spinner Colt Seavers hier gekickt habe. Nur dumme Sprüche, NULL Ahnung, tut aber so, als würde er mit am Tisch sitzen. Solche Idioten habe ich gern.