Nichts Halbes und nichts Ganzes…

Immer wieder stellt man sich die Frage: „Wohin geht der Weg des HSV bzw. wohin soll der gehen?“ Im Grunde stellt man diese Frage schon seit mehr als 30 Jahren und die Antworten fallen wohl unterschiedlich aus. Während die Einen (vielleicht die Jüngeren) schon damit zufrieden wären, wenn man endlich einmal modernen oder zeitgemäßen Fußball zu sehen bekommt, würden die Älteren gern an ruhmreiche, internationale Zeiten anknüpfen und so geht es mir als „Älteren“ wohl auch. Allerdings stellt sich noch eine ganz andere Frage im allerdings gleichen Zusammenhang und die lautet: „Wohin muss der Weg des HSV eigentlich gehen?“ Denn, was viele immer noch gern vergessen oder verdrängen: Der HSV gönnt sich ein Team, welches nach Maßstäben gekauft und bezahlt wird, was auf Dauer Bundesliga-Durchschnitt einfach nicht erlaubt.

Ein guter Indikator für die Überbezahlung seiner Profis ist in jedem Jahr der Transfermarkt und hier die Bilanz der Exzellenzen, was VERkäufe betrifft. Mit Ausnahmen junger Hochtalente wie Son, Calhanoglu oder Tah, die aufgrund ihrer Jugend noch nicht zu den Großverdienern gehörten, war man nicht in der Lage, auch nur einen irgendwie vernünftigen Preis zu generieren. Das letzte (abschreckende) Beispiel war nun Kerem Demirbay, den man für alberne € 1,7 Mio. nach Hoffenheim verscherbelte, während man auf der anderen Seite für Spieler, die ebenfalls aus der 2. Liga kamen, jeweils € 3,5 Mio. auf den Tisch legte. (Wood, Gregoritsch). Und genau bei diesen Spielern beginnt dann der Teufelskreis, weil sowohl der US-Amerikaner wie auch der Österreicher mit großzügigen Verträgen ausgestattet, nur schwer wieder zu veräußern sein werden, weil der nächste Arbeitgeber nicht bereit sein wird, einen ähnlichen Vertrag anzubieten.

So gesehen bei Spielern wie Lasogga, Holtby, sogar einen EM-Teilnehmer wie Stieber wird man nicht los, absolut erschütternd. In Hamburg verdient man dermaßen gut und woanders möchte man sich halt nicht einschränken. Also: Man gönnt sich einen Kader, der bereits jetzt die € 50 Mio.-Marke durchbrochen haben wird, gleichzeitig sind die sportlichen Aussichten nach wie vor überaus überschaubar. Oder glaubt ernsthaft jemand, dass man mit der gleichen Mannschaft wie in der letzten Saison, bei der ein Kostic einen Ilicevic ersetzt, plötzlich um die Plätze 2-4 mitspielen wird? Natürlich nicht, aber genau das sind die Sphären, in die ein HSV in allernächster Zukunft kommen muss, um irgendwann einmal das Pendel zur anderen Seite ausschlagen zu lassen.

Nur mit der Teilnahme an der Champions League wäre es möglich, nachhaltige Qualität zu garantieren und nicht nur Durchschnitt überproportional zu bezahlen. Dafür aber reichen die lächerlichen € 25-30 Mio. pro Saison nicht aus, die Klaus-Michael Kühne als „Projekt Q“ verstanden haben möchte, damit garantiert man nicht einmal mehr als Platz 14. Tatsache ist: Möchte man wirklich etwas bewegen, so müsste man alle Stellschrauben anfassen und man müsste ganz oben anfangen. Ein Vorstand, der von einem Zauderer wie Beiersdorfer angeführt wird, steht für langweiligen, biederen Durchschnitt, das Gleiche gilt für einen Arbeits-Trainer wie Bruno Labbadia. Würde man tatsächlich etwas verändern wollen, dann müsste Kühne auch nicht € 25 Mio., sondern vielleicht € 125 Mio. lockermachen und selbst dann wäre man noch nicht nicht auf Dortmund- oder Leverkusen-Niveau. Genau da aber muss man hinkommen, um tatsächlich etwas zu ändern.

Oder denkt man ernsthaft, man wird diese Saison 9., dann vielleicht 7, irgendwann in den nächsten 10 Jahren mal 5. Dann spielt man eine Saison Europa-League, fliegt, wie die Hertha, in der Vorrunde raus, macht Minus und das war’s dann wieder für die nächsten 10 Jahre? Wenn es das ist, was Herr Kühne will, dann kann er sich seine € 25 Mio. pro Saison auch sparen oder er kann sie spenden. Dann aber muss man sich auch keinen Vorstand und kein Direktorium gönnen, die bereits jetzt auf CL-Niveau verdienen. Dann braucht man sich auch keine Spieler zu gönnen, die auf CL-Niveau abkassieren (Holtby, Lasogga, Hunt etc.)

Das, was der HSV unter Beiersdorfer und mit Unterstützung von Kühne betreibt, ist nichts Halbes und nichts Ganzes. Es ist wie „irgendwie gewollt und nicht gekonnt“. Es ist wie der halbherzige Versuch, den Anschein zu erwecken, im Grunde aber nur sich selbst die Taschen vollzustopfen, so lange der Vertrag läuft. Das, was beim HSV seit zwei Jahren betrieben wird, ist Augenwischerei auf sportlich niedrigen, finanziell aber höchstem Niveau und das passt absolut nicht zusammen.

Von | 2016-08-08T08:10:55+02:00 8. August 2016|Allgemein|6 Kommentare

6 Comments

  1. Mosche 8. August 2016 um 07:48 Uhr

    und es reicht ja schon ein Testspielsieg gegen die Truppe um den grossen J.Farfan und ein nie für möglich gehaltenes 1:0 gegen die 170 Mio Truppe von Stoke, damit JA, richtig …

    SELBSTZUFRIEDENHEIT AN ALLEN ECKEN erreicht ist. UNFASSBAR, diese EHRGEIZ 🙂 🙂 🙂

    noch zum gestrigen Blog, teilweise auch zum heutigen. Platz 14 Garantie sehe ich in der aktuellen Kaderzusammenstellung nicht einmal.

    Mir sind auch einige Spieler positiv aufgefallen. Cleber, Porath, Waldschmidt, zählen wir mal die bisher unauffälligen Kostic und Halilovic dazu. Jung darf man ja schon fast als Invaliden nicht mehr aufzählen.
    Nun lasst drei von den Spielern sich in einer Saison mal verletzten … Hilfe … Dann sehen wir wohl wirklich bald Holtby neben seinem Bruder kicken. Hahahahaaaa

    Traurig Alles, nur Ende August wird abgerechnet 🙂

  2. alfa 8. August 2016 um 10:16 Uhr

    Moin Grave,
    Wie gesagt es ist wohl die einzige Chance Erfolg zu erzwingen, wenn Herr Kühne die üblichen 30,40,50 Millionen für Transfers an die Hand nimmt. Ich glaube gar nicht mal dass er abgeneigt ist. Vielmehr liegt wohl die Zurückhaltung in dem Direktorium und Trainerteam begründet denen er wohl die Betreuung eines solchen Kaders nicht zutraut. Bin gespannt wann Herr Kühne seinen Ansprüchen entsprechend beim Wasserkopf Umpersonalisiert!!

    • Gravesen 8. August 2016 um 10:32 Uhr

      Am Ende ist doch die Frage (wie ich bereits geschrieben habe): Wo will man eigentlich hin? Will man auf Dauer um die Plätze 8-15 spielen, dann reicht das wohl, was man jetzt macht. Möchte man aber tatsächlich nochmal oben angreifen, da, wo das große Geld zu holen ist, dann muss man bereit sein, zumindest ein Gerüst (Erstklassiger Torhüter wie ter Stegen, Horn, Karius etc./erstklassigen Innenverteidiger (hatte man mit Tah bereits), mindesten zwei erstklassige ECHTE 6er (keine umfunktionierten 10er wie Hunt oder Holtby/einen Top-Spielmacher und einen Topstürmer, der für mindestens 15 Tore pro Saison gut ist) zu bauen. Das allein würde fast € 80 bis € 100 Mio. kosten.
      .
      Hat man dieses Gerüst, kann man auch jüngere Perspektivspieler wie Halilovic oder Kostic drum herum bauen, aber nicht vorher. Wenn man aber ein krankes Gerüst wie aktuell hat, braucht man auch nicht zu versuchen, neue Stars zu züchten. Es sei denn, man möchte (wie gesagt), weiterhin im Mittelfeld der Liga dümpeln und jede Saison weitere € 10 Mio. Miese machen, weil der Kader fürs Mittelfeld einfach zu teuer ist. Vom Vorstand mal ganz zu schweigen

  3. leonardo63 8. August 2016 um 10:39 Uhr

    Moinsen,

    ich bleibe dabei. Der Kader ist in seiner Zusammensetzung als Team ein einziger Trümmerhaufen, obwohl die meisten von denen tatsächlich Fußball spielen können.

    Spätestens um und beim 10.Spieltag gibt es die erste Zäsur, weil die Mannschaft auf dem letzten Platz der Tabelle stehen wird –> BL fliegt !!! und der Abstieg wird m.E. nach unabwendbar sein

  4. Mosche 8. August 2016 um 15:09 Uhr

    @Grave, Du wirst ja noch richtig sachlich 🙂 top argumentiert um 10:32 … gefällt mir richtig gut
    (nicht, dass Du sonst nicht sachlich bist. die ein oder andere Emotion taucht verständlicher Weise auf)

    apropos, wie geht es Dennis D. eigentlich … HAHA

  5. Sebastian 8. August 2016 um 21:54 Uhr

    Ich glaube, man muss generell nicht unbedingt die von Dir genannten 80-100 Millionen investieren. Man muss eher in ein funktionierendes Konzept bestehend aus Trainer, Führungskräfte und Vorstand investieren. Sich überlegen wofür der HSV steht und nicht einfach sinnlos Geld in zwei, drei Spieler investieren. Sicher, die Mannschaft ist am Ende der letzten Saison auf Platz 10 gelandet, aber war es so sicher wie es aussieht? Nein! Bremen hat drei Punkte weniger und hat sich in der 88. Minute gerettet. Unterschied also drei Punkte. Schaut man dann jedoch die Transferausgaben und Erlöse an, liegt der HSV jedoch meilenweit hinter Bremen, Augsburg, Mainz und diversen anderen Vereinen. Diese Vereine generieren im Vergleich zum HSV jedes Jahr Transfererlöse, kaufen mit eigenen Mitteln und holen auch mal Spieler ablösefrei.
    Wieso gelingt das dem HSV nicht? Wieso schafft es der Verein nicht seine Kosten zu senken? Gehaltsgefüge zu reduzieren? Ganz einfach. Kein Konzept! Keine Ruhe! Es wird immer versucht mit dem Kopf durch die Wand zu gehen. Millionen nehmen, Spieler kaufen, schauen was passiert. Bauernopfer im Führungskreis suchen und entlassen. Zack von vorne und hoffen einmal Glück zu haben.
    Mit dem Glück ist das nur so eine Sache – das muss man sich auch erarbeiten.
    Sorry, aber ich glaube es gibt im ganzen Profibereich in Deutschland kein schlechtestes Management! Egal ob dritte, zweite oder erste Liga.

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