Der Zeitpunkt ist erreicht, an dem es einfach genug ist…

Wisst ihr was? Ich kann mit Kritik wirklich gut leben. Wenn sie berechtigt ist, wenn sie sachlich vorgetragen und begründet ist. Überhaupt kein Problem. Womit ich nicht (mehr) leben kann, ist asoziales Verhalten und deshalb wird sich ab heute in diesem Blog etwas ändern. Erste Maßnahme: Es werden keine Kommentare mehr möglich sein. Ich betreibe diesen Blog seit nunmehr 5 Jahren und unglücklicherweise habe ich nebenher noch einen Beruf. Mittlerweile bin ich jedoch mehrere Stunden pro Tag damit beschäftigt, zu überwachen und zu kontrollieren, was einige Individuen hier absondern möchten. Das ist es mir nicht mehr wert und ich kann es mir auch nicht mehr leisten. Von den paar Spenden, die einige Wenige (herzlichen Dank nochmals dafür) geleistet haben, kann ich diesen Blog nicht betreiben, ich zahle jeden Monat drauf. Und das alles, um ein kostenloses Informations-Medium zur Verfügung zu stellen, in dem man Sachverhalte, Zusammenhänge und Informationen erhält, die man nirgendwo anders lesen, hören oder sehen kann? Bin ich eigentlich bescheuert?

Dafür lasse ich mich dann von anonymen, primitiven und feigen Arschlöchern bepöbeln, bedrohen und beleidigen? Es wird nun Leute geben, die der Meinung sind, dass man damit leben muss, aber nein, das muss ich garantiert nicht. Dieser Blog ist keine Publikation eines Massenmediums, es ist sozusagen mein eigenes Wohnzimmer und in dem bestimme ich allein, wer eintritt und wer sich wie äußern kann. Wer sich daran nicht hält, fliegt raus. Wie macht ihr das in euren eigenen vier Wänden? Lasst ihr da jeden Proleten mit dreckigen Schuhen noch dreckigeren Manieren rein und lasst euch anschließend von dem Wichser bepöbeln, weil ihr die falschen Bilder an der Wand hängen habt? Sicher nicht.

Zweite Maßnahme: Es wird keine Möglichkeit mehr zum direkten Kontakt mit dem Blogbetreiber mehr geben. Wer meine E-Mail-Adresse hat, der hat sie, weil ich es möchte. Alle anderen können diesen Blog, wenn ich denn mal Lust verspüre, etwas zu schreiben, lesen oder nicht, es ist mir scheiß-egal. Ich bin mir sehr wohl darüber im Klaren, dass mich das Abschalten der Kommentar-Funktion Klicks und Visits kosten wird, aber auch das ist mir komplett Latte. Was habe ich davon, ob ich nun 300 oder 3.000 Leser am Tag habe? Habe ich davon einen Cent mehr? Ich brauche weder Lob noch Bestätigung, ich brauche auch keine Schulterklopfer. Hätte ich das gebraucht, wäre ich im Laufe der Jahre auf einige der zahlreichen Einladungen eingegangen und hätte mich via Radio, Web-TV oder Fernsehen für meine Erkenntnisse abfeiern lassen. Drauf geschissen!

Ich habe inzwischen einiges verstanden, ich habe beispielsweise verstanden, dass ein Großteil der Menschen nicht nur komplett verblödet ist, ich habe auch verstanden, dass diese Menschen in einer Welt leben wollen, in der sie sich wohlfühlen, von der sie aber, wenn sie ehrlich sind, wissen, dass es sie gar nicht gibt. Was nicht sein darf, das ist auch nicht, ganz einfach. Entsprechend wird das, was nicht sein darf, gnadenlos niedergeknüppelt. Was nicht sprechen kann, kann auch nicht die Wahrheit sagen. Könnt ihr euch vorstellen, dass es mehr als einen Journalisten von renommierten Medien gibt, der mich kontaktiert und mich bittet, diesen Blog am Leben zu erhalten? Es gibt sie. Ich frage dann immer, warum sie nicht selbst die Eier haben, das zu schreiben oder zu sagen, was ihrer Meinung nach ja offenbar gesagt werden muss. Als Antwort erhalte ich dann grundsätzlich verschwommene Aussagen wie „Das kann ich nicht, du weißt ja, warum“.

Man muss sich das einfach mal vorstellen. Der HSV verklagt zur Zeit ein ehemaliges Vorstandsmitglied wegen unsauberer Geschäfte und die Presse posaunt raus, dass beim HSV „endlich Ruhe eingekehrt ist“. Der HSV kündigt fristlos den Vertrag mit einem Unternehmen (MatchIQ) und niemanden interessiert es. Warum? Weil sich diese Skandale nicht gut verkaufen lassen. Entgegen der landläufigen Meinung verkaufen sich Jubelmeldungen und Erfolgsstories doch besser als Katastrophen. Die Leser/Seher/Hörer wollen schlichtweg beschissen werden, denn mit dem Bewusstsein der Realität gehts ihnen schlecht und das wollen sie nicht. Vor einigen Wochen ploppte einer der größten Skandale der Sportgeschichte hoch – Football-Leaks. Und? Interessiert das eigentlich noch irgendeinen? Nein, weil sie es nicht wissen wollen. Sie wollen in einer Welt leben, in der alles gut wird. In einer Welt, in der nur Russen und Chinesen dopen, aber keine Amerikaner, keine Deutschen und keine Sprinter aus Jamaika, denn das wäre schlecht fürs Geschäft und nur darum geht es.

Panama-Papers? Was war das noch gleich?

Olympische Spiele werden vielleicht von Putin oder von Katar gekauft, aber es werden doch keine Fußball-Weltmeisterschaften für ein Sommermärchen aus Deutschland bezahlt. Der Kaiser kassiert? Undenkbar. Und wer etwas anderes behauptet, der ist wahlweise Pester, Hater und Lügenpresse.

Wisst ihr, Leute, wenn ich eines hasse wie die Pest, dann ist es Ungerechtigkeit. Und ich hasse Verlogenheit. Dieser Verein dümpelt seit mehr als drei Jahren am Rande der Klippe und es wäre mehr als gerecht, wenn er endlich die Quittung kriegen würde. Es gibt Medien und andere Blogger, die sind seit vielen Monaten verschwunden, es gab sie einfach nicht mehr. Jetzt plötzlich, der HSV verlässt zum ersten Mal die Abstiegsplätze, sind sie wieder da, wie von Zauberhand. Jetzt sind sie „berauscht“ vom Ereignisse des Köln-Spiels, jetzt haben sie es immer gewusst, dass Didis Arbeit am Ende Früchte tragen würde. Ich bekomme Brechreiz, wenn ich an diese Pharisäer denken, diese verschissenen Trittbrettfahrer. Für euch habe ich weniger als Verachtung, ihr seid der letzte Dreck, denn ich weiß, dass ihr am 32. Spieltag alle wieder verschwunden seid, wenn der HSV auf dem Relegationsplatz stehen sollte. An dieser Stelle meinen ausdrücklichen Respekt an „He luecht“ und seinen Blog. Ich lese dort zwar nicht regelmäßig, aber zumindest versucht der Autor dort, die Wahrheiten zu einem Zeitpunkt abzubilden, an dem die Katastrophen passieren und nicht dann, wenn sie in der Mopo stehen.

Apropos Mopo. Es gab tatsächlich den Sportjournalisten-Preis und es ist tatsächlich kein April-Scherz – die Hamburger Morgenpost war nominiert und zwar für den besten Sportteil. Das ist so dermaßen unfassbar lächerlich, dass man schreien möchte, aber damit wird etwas deutlich: Es geht nicht um Qualität, denn die Mopo hat vor einigen Jahren aus Kostengründen die Schluß-Redaktionen gefeuert, insofern wimmelt es in den schleimigen Artikeln von Rechtschreibfehlern. Es geht darum, dass man funktioniert, im Sinne der Gemeinschaft funktioniert. Eine Nominierung der Mopo ist vergleichbar mit einem Oscar für Mario Barth oder der Berufung von Dick Meyer in die Nationalmannschaft. Absurd.

Wenn ich ab und an mit einem ehemaligen 83er telefoniere, dann spricht dieser gern von der sogenannten „Fußball-Familie“ und ich habe lange nicht verstanden, was er damit meinte. Jetzt weiß ich es. Er meinte die Gemeinschaft der Spieler, Trainer, Funktionäre, Berater und Journalisten. Sie alle leben vom Produkt Fußball und deshalb muss dieses Produkt am Leben erhalten werden. Deshalb kommt es auch zu Sendungen wie dem Sport1-Doppelpass, der SKY90 Fußballdebatte und allem anderen.

In dieser Gemeinschaft tut man sich nicht weh, man möchte sich auch weiterhin aus dem gut gefüllten Topf Profi-Fußball bedienen können, deshalb werden offensichtliche Wahrheiten unterdrückt. Sicher, ab und an frotzelt man sich, aber das gehört zum Geschäft dazu. Nimmt man das Beispiel Stefan Schnoor. Jeder, der das fleischgewordene Jeanshemd in seine Sendung einlädt (und bezahlt), weiß, was er bekommt (weil er ja dafür abgedrückt hat). Mit Journalismus, mit Wahrheit, mit Aufklärung hat das alles nichts zu tun.

Zum Schluss noch eines: Seit fünf Jahren betreibe ich diesen Blog und in diesen fünf Jahren habe wie oft daneben gelegen? Richtig. Nicht einmal. Ich habe Dinge beim Namen genannt, als sie eben noch nicht für jeden sichtbar waren. Ich habe Funktionäre kritisiert (Beiersdorfer, Hilke, Gernandt etc.), als sie von Mopo, Bild und Abendblatt noch gefeiert wurden. Ich habe Transfers abgelehnt (Behrami, Lasogga, Kostic etc.) als sie von der Presse noch zu Weltfußballern ernannt wurden. Ich habe Entwicklungen (Kühne, Verschuldung, MatchIQ etc.) genannt, als noch keiner wusste, was das alles sollte. Ich erwarte dafür keinen Dank und keine Belohnung, aber ich erwarte Respekt, verdammte Scheiße nochmal. Respekt dafür, dass ich einer von zweien bin, der die Eier hat, die Dinge als das zu benennen, was es ist. Beschiss und Betrug am Fan, Verarschung der zahlenden Mitglieder.

Und jetzt könnt ihr euch alle an diesem Verein erfreuen, aber mich erreicht das nicht mehr, jedenfalls bis auf Weiteres. Wenn ich der Meinung bin, ich müsste etwas schreiben, werde ich es tun. Wenn ich drei Wochen keine Lust habe, werde ich es lassen. Auf jeden Fall werde ich nicht mehr jeden Monat viele Euros in die Hand nehmen, um mich für etwas beleidigen zu lassen,weil ich etwas geschrieben habe,  was sich zwei Wochen später als traurige Wahrheit entpuppt. Und ich werden nicht mehr morgens um halb 6 aus dem Bett springen, weil ich der Meinung bin, meine Leser erwarten, dass um spätestens halb 8 ein neuer Blog online steht. Ende der Durchsage und viel Spaß mit der Lügenpresse. Werdet glücklich mit all den Münchhausens, Linnenbrüggers und den anderen Mopo-, Bild-, Abendblatt und Kicker-Lutschern (B.K., du bist eine einsame und lobenswerte Ausnahme), die euch eine Welt vorlügen, die nicht existiert, von der sie aber alle wunderbar leben.

Ein ganz großer Dank an Kerberos, der mit seinen Gastblogs zu Finanzen Themen angerissen und erklärt hat, was eigentlich die Aufgabe anderer Medien gewesen wäre, für die man aber hätte zahlen müssen.

Jupp Heynckes über Vereins-TV und Autorisierungs-Wahn: „Wir brauchen einen kritischen, nachdenklichen, unabhängigen Journalismus.“ Danke!

Von | 2017-04-04T10:44:53+02:00 4. April 2017|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Der Zeitpunkt ist erreicht, an dem es einfach genug ist…

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