Soviel dazu…

So sehen Sieger aus? 

Es ist ja nicht so, als hätte ich euch nicht gewarnt. Schon wieder. Es hatte eben seinen guten Grund, warum ich mich aus der Präsidentenwahl raus gehalten und keine Wahlempfehlungen oder Ähnliches abgegeben habe.

Bernd Hoffmann ist NICHT Vorsitzender des Aufsichtsrates geworden

„Unser Aufgabenfeld ist umfangreich, die Arbeitsteilung in einem starken Team finde ich sinnvoll. Wir müssen unsere Kräfte bündeln“, sagt der Präsident. Das Interesse des Vereins als Hauptgesellschafter der HSV Fußball AG sieht Hoffmann durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Krall gut vertreten.

Har Har.

Hörte sich bis zur Wahl noch ganz anders an, gell?

Um größeren Einfluss zu nehmen, will Hoffmann neben Präsident auch Aufsichtsratschef werden. Der Rat muss den Vorstand kontrollieren, auf Fehlentwicklungen reagieren. Das dies in den vergangenen vier Jahren erfolgt ist, muss bezweifelt werden. Der Aufsichtsrat sei «entscheidend an der aktuellen Situation beteiligt», klagt Hoffmann

Ich bin nicht einer von 6.

Der Chef des größten Anteils-Eigners muss automatisch Vorsitzender des AG-Aufsichtsrats sein.

Und so weiter. Und so weiter.

Nun kann man sich die Frage stellen, was diese 180 Grad-Wende eingeleitet hat? Hat Hoffmann möglicherweise keine Mehrheit im 6er-AR bekommen, um seinen Vorsitz durch zu kriegen? Möchte der Ex-Vorstandsvorsitzende nicht das Gesicht des Abstiegs sein, in dem er einen Teil der Verantwortung für das Desaster auf sich nehmen würde?

Fakt ist jedenfalls eines: Von den großen (Wahlkampf)-Sprüchen ist nicht viel geblieben, aber das kennt man beim HSV ja nicht anders. Erstmal raushauen, damit man wieder mitspielen darf und anschließend kontrolliert zurückrudern, um das Gesicht zu wahren.

Ist irgendwie ein wenig so, als würde der neue Trainer vor der Vertrags-Unterschrift erklären, dass er für offensiven Fußball steht und am ersten Spieltag lässt er mit Fünferkette und 3 Sechsern mauern.

Mich macht das alles nur noch müde.

 

Von | 2018-02-28T07:21:22+01:00 28. Februar 2018|Allgemein|54 Kommentare

54 Comments

  1. Bietmar Deiersdorfer 28. Februar 2018 um 07:33 Uhr

    Ich glaube tatsächlich, dass Hoffmann den Karren erst absaufen lässt um dann völlig freie Hand zu haben.
    Würde er schon jetzt der „starke Mann“ werden, wäre sein Gesicht auf ewig mit dem Abstieg verbunden, diese Ehre obliegt nun anderen und er kann dann, wenn alle (mal wieder) nach einem Retter schreien, die Satzung so umbauen wie er lustig ist. Machtpolitisch gesehen ist das mit Sicherheit nicht die dümmste Variante, mehr aber auch nicht.

    • Gravesen 28. Februar 2018 um 07:38 Uhr

      Also in etwa so wie der erklärte Offensiv-Trainer, der am Tag nach der Vertrags-Unterschrift erklärt, man müsse erstmal die nötigen Punkte holen, erst dann kann man auch nach vorn spielen und Talente einbauen? Bis dahin müssen die bewährten Stammkräfte helfen, die den Karren in den Dreck gefahren haben. So in etwa?

      • Bietmar Deiersdorfer 28. Februar 2018 um 07:54 Uhr

        Richtig.
        Hoffmann ist ein Strippenzieher und mit allen Abwassern gewaschen. Des weiteren weiß er, dass der Abstieg nicht mehr zu vermeiden ist.
        Meine Theorie: Er lässt das Unvermeidliche passiere, klärt im Hintergrund die Finanzierung für die nächste Saison (Anteile verscherbeln…) um dann als der Messiahs in die Klubhistorie einzugehen, indem er den Verein in die erste Liga führt.
        Findest Du das zu abwegig?

        • Michael 28. Februar 2018 um 08:36 Uhr

          Kann sein. Kann aber auch sein, dass der Aufsichtsrat gemauert hat. Ich kann und konnte mir auch vorher nicht vorstellen, dass der AR ihn wählt.
          Nun muss er den Weg über die Dörfer gehen.

  2. Mosche 28. Februar 2018 um 07:37 Uhr

    🙂
    1.) jetzt ist der Zeitpunkt der Zusammensetzung für die frisch gewählten Aufsichtsratsmitglieder wieder „Gold“ wert gewesen
    2.) kann man sich vorstellen, welche Themen in den letzten 14 Tagen dort besprochen wurden…
    – Was machen wir mit Bernd Hoffmann oder Wie stellen wir den HSV für die Zukunft auf ?
    3.) Mich macht das Alles auch ziemlich müde

    @Kerberos
    welche Erklärung hat Wettstein für diesen Kursverlauf ?
    https://www.finanzen.net/anleihen/a1pgvn-hamburger-sport-verein-ev-anleihe

  3. Volli 28. Februar 2018 um 07:50 Uhr

    Es wird keinen starken Mann geben! Warum erst das Schiff absaufen lassen? Wartet man, bis man rechnerisch abgestiegen ist? Sollte man sich nicht schon jetzt für die 2. Liga aufstellen, und das auch öffentlich kommunizieren. Agieren, statt reagieren, ist das nicht Hoffmanns Credo?

  4. Gravesen 28. Februar 2018 um 08:02 Uhr

    Unabhängig davon, was ich für abwegig oder nicht halte.
    .
    Das, was vor der Wahl erklärt und „versprochen“ wurde, wird nicht umgesetzt. Fakt.
    Aus welchen Gründen dies passiert oder nicht passiert, spielt keine Rolle, denn man kannte die Gegebenheiten im Aufsichtsrat bereits vor der Wahl. Anders ausgedrückt: Man hat mit falschen Karten gespielt.
    .
    Wenn jetzt der eine oder andere mit einer logischen Erklärung für Taschenspieler-Tricks oder politische Manöver um die Ecke kommen, dann kann ich das verstehen, aber nicht teilen. Dann es waren genau diese „politischen Manöver“, die den HSV dahin geführt haben, wo er heute steht und nur, weil mir diese „politischen Manöver“ jetzt plötzlich in mein Weltbild passen, werden sie nicht ehrlicher. Ich kann nicht bei den einen (Meier) solche Manöver verteufeln (z.B. Hrubesch) und bei den anderen billigen, so funktioniert das nicht.

    • Bietmar Deiersdorfer 28. Februar 2018 um 08:13 Uhr

      Da bin ich völlig bei dir, absolut.
      Nun ist die Personalie Hoffmann im Volkspark hinlänglich bekannt, von daher war mit diesen Winkelzügen irgendwie zu rechnen, diese waren wohl auch ein Grund, warum Du dich (zu Recht wie ich finde) nicht für eine Wahlempfehlung zu Gunsten Hoffmanns durchringen mochtest, oder?
      Sei es wie es sei, diesem Verein ist nicht mehr zu helfen. Ich freue mich schon auf spannende Begegnungen im Landespokal. Mein Favorit für die erste Runde wäre Welat Spor. Klar, spiel- und kampfstarke Truppe aber auf dem Weg zum Titel muss nun mal jeder geschlagen werden. Sonntags. Um 11.30. Auf Grant… Wer bringt Bier mit…?

  5. Olaf B. 28. Februar 2018 um 08:18 Uhr

    Hoffmann auch nur ein Papiertiger? Das kommt dabei heraus, wenn der Kopf wieder klarer und das „Aufmischen“ als euphorische Phrase bedauert wird. Hoffmann kann und vor allem..will.. nicht übers Wasser gehen. Grave hat auch diese Personalie von Anfang an richtig eingeschätzt.
    Steigt doch endlich ab !

  6. Arnold 28. Februar 2018 um 08:24 Uhr

    War was anderes zu erwarten ? Der Verein ist in seinen ganzen Strukturen und seiner hochnäsigen Mentalität durch und durch verseucht, als dass sich durch den Austausch der einen oder anderen Personalie im „Top“-Management grundlegend was ändern würde, das haben die letzten Jahre bewiesen….
    Diese hochnäsige Arroganz behindert auch einen z.B. einen Freiburger oder Augsburger „Weg“ (die dem HSV mittlerweile den Rang abgelaufen haben), akribisch arbeitend, demütig bleiben und nie zufrieden sein….
    Vielleicht hilft noch irgendwie der Abstieg in Liga 2, selbst das bezweifel ich mittlerweile.
    PS : Droht eigentlich eine Massenentlassung in der Geschäftsstelle ?

  7. Kerberos 28. Februar 2018 um 08:30 Uhr

    @ Mosche
    .
    Die Fan-Anleihe des HSV droht in den freien Fall überzugehen. Aktuell versucht jemand dringend 20.000 Stück (bei Emission € 125 je Stück – mithin also € 2.5 Mio) zu 90% los zu werden – Käufer gibt es aber nur für 6.000 Stück bei 80%. Die Fan-Anleihe ist seit der letzten Sitzung des AR in Mitte Dezember 2017 auf dem Weg zum Ramschpapier bei aktuell 15% Rendite. Der Markt hat offenbar erhebliche Zweifel, dass der HSV die Anleihe wird zurückzahlen können.
    .
    F. Wettstein muss Du schon selbst fragen. Wie groß ist aber ein Erkenntnisgewinn durch die Befragung eines notorischen Lügnerns?
    .

    • Flanders 28. Februar 2018 um 09:15 Uhr

      Was ist denn die Quelle für die angebotenen und nachgefragten Anleihen? Jedenfalls ist die Fälligkeit zum Ende der kommenden Saison – in der zweiten Liga? – eine echte Ironie des Schicksals. Würde ich eine Anleihe halten, ich würde zu 80% verkaufen. Die Differenz würde sich mit den Kupons immer noch mehr als ausgleichen und ich könnte ruhiger schlafen. Es ist jedenfalls abgefahren, dass eine Anleihe mit einem Kupon von 6% überhaupt einen Kurswert von unter 100 haben kann. Beim HSV ist scheinbar wirklich alles im Eimer.

      • Kerberos 28. Februar 2018 um 09:42 Uhr

        .
        Die Anleihe wird an der Börse gehandelt unter WKN: A1PGVN / ISIN: DE000A1PGVN0 – den Handelsverlauf kannst Du online verfolgen. „Geld“ (aktuell jetzt nur noch 5.000 zu 80%) bedeutet zum Kauf gesucht und „Brief“ (aktuell immer noch 20.000 zu 90%) ist zum Verkauf gestellt. Gestern wurden 1.000 Stück noch zu 89,75% gehandelt.
        .

        • Flanders 28. Februar 2018 um 11:57 Uhr

          So richtig habe ich es nicht gefunden, aber die „Bid“ und „Ask“ Kurse sind ja da. Ich will mich damit auch gar nicht ewig beschäftigen. Dennoch ist es interessant, dass in der Timeline sportliche Höhepunkte immer eingepreist wurden, so z.B. die Relegation oder eben Platz 10. Bin mal auf die Bewertung gespannt, wenn am Samstag nicht gewonnen wird.

    • Arnold 28. Februar 2018 um 09:48 Uhr

      Kerberos, soweit ich mich erinnern kann, ist der HSV auch nicht verpflichtet, das Geld zurückzuzahlen, ist das korrekt ?

      • Kerberos 28. Februar 2018 um 09:59 Uhr

        Aber hallo! Die Fan-Anleihe wurde zwar auf die AG übertragen, aber der Verein haftet neben der gesetzlichen Haftungsgrundlage bei Ausgliederung auch noch aus einem Bürgschaftsvertrag zwischen AG und Verein betreffend der Fan-Anleihe. Dieser Vertrag war notwendig, da die gesetzliche Haftung lediglich 5 Jahre (also bis zum 30.06.2019) beträgt, die Rückzahlung der Fan-Anleihe jedoch erst am 29.09.2019 fällig wird. Dieser Vertrag ist Bestandteil der Ausgliederungsvereinbarung – Alles von der legendären Mitgliederversammlung 2014 beschlossen!

        • Arnold 28. Februar 2018 um 10:05 Uhr

          Danke, sehr schön !!

        • Cokie 28. Februar 2018 um 10:28 Uhr

          Dann ist das ja eine klare „Kaufen“ Empfehlung. Denn da der Verein die Anleihe absichert, wird mit Sicherheit zurückgezahlt. Frage nur, wieviel 🙂 (ironie off)

        • Ex-HSVer im Herzen 28. Februar 2018 um 11:14 Uhr

          Vielen Dank für diese Erklärung. Das sind ja diese Leichen im Keller, die richtig Zündstoff sind. Das hat glaube ich kaum einer auf dem Zettel beziehungsweise versteht es.

  8. Julia 28. Februar 2018 um 09:03 Uhr

    Aus dem Hamburger Käseblatt (https://www.abendblatt.de/sport/fussball/hsv/article213573623/Hoffmann-plant-im-Abstiegsfall-personelle-Tabula-rasa.html ):
    „Nach Abendblatt-Informationen soll sich Hoffmann auf der Sitzung ab 18 Uhr dafür stark gemacht haben, dass neben Vorstandschef Bruchhagen auch Sportchef Jens Todt gehen muss. Doch damit nicht genug: Im Falle des verfehlten Klassenerhalts dürfte auch der gerade erst von Bruchhagen und Todt verpflichtete Trainer Bernd Hollerbach, der genau wie Vorgänger Markus Gisdol im Abstiegsfall weiter bezahlt werden müsste, ersetzt werden.“

    Das sind nicht erste, sondern finale Auflösungserscheinungen. In den letzten entscheidenden 2 Monaten wird der Kader schon jetzt von selbst zersetzt, und die sportliche Leitung weiss auch schon, daß sie komplett entsorgt wird, so oder so. Übrig bleiben je ein Ex-Wirtschaftsprüfer als Vorstand bzw. AR-Vorsitzender ohne relevante Expertise oder Kontakte. Das sind genau die Leute, die von Sportfunktionären inhaliert werden, ohne es selbst zu merken, weil sie glauben, einfach mal eben so eine Manschaft auf die grüne Wiese stellen zu können. Was für ein Irrsinn.

  9. alterplusser 28. Februar 2018 um 09:08 Uhr

    Morgen,

    zum Glauben gehe ich in die Kirche !

    Aber mal im Ernst.

    Was würde ich mir für den HSV erhoffen ?
    Also mal angenommen, der HSV bekommt die Lizenz für Liga 2.
    Und da es wie immer um das liebe Geld geht, wird dieser die Lizenz
    auch bekommen, versprechen doch Spiele gegen den „großen“ HSV
    volle Stadien und hohe Einschaltquoten am TV.

    Zuerst würde ich mir einen unverbrauchten Sportdirektor.
    (Qualitätsmerkmal: Nie einen Ansatz der Raute wo auch immer !!!)

    Dieser sollte dann einen neuen Trainer suchen und einstellen.
    (Qualitätsmerkmal siehe oben !!!)

    Den Herren Todt bis zum Vertragsende freistellen !
    Herrn Hollerbach als Co – Trainer für die U 21.

    Gruß

    • Ex-HSVer im Herzen 28. Februar 2018 um 11:16 Uhr

      Genauso ist es! Der HSV wird die Lizenz zu 100 % bekommen. Und wenn die DFL dafür ihre Lizenzierungs-Grundlagen ändern muss

  10. alterplusser 28. Februar 2018 um 09:13 Uhr

    Habe da aber noch `ne Frage.

    Wie hoch sind den die Durchschnittgehälter bei Vereinen wie beispielweise Düsseldorf oder Nürnberg ?

    Danke und Gruß

  11. Matthias 28. Februar 2018 um 09:15 Uhr

    Moin,
    war die Aufsichtsratssitzung eigentlich öffentlich?

  12. Calcetin 28. Februar 2018 um 09:18 Uhr

    Vielleicht ist er einfach nur schlau 🙂

    ———————schnipp——————–

    Pflichtwidriges Handeln des Aufsichtsrats ist z.B. gegeben, wenn er rechtswidriges Verhalten des Vorstandes duldet, etwa bei Kenntnis von der Überschuldung bzw. der Insolvenzreife der Gesellschaft. Dann hat er darauf hinzuwirken, dass der Vorstand rechtzeitig einen Insolvenzantrag stellt und keine Zahlungen leistet, die mit der Sorgfalt eines ordentlichen und gewissenhaften Geschäftsleiters nicht vereinbar sind. Verstößt der Aufsichtsrat hiergegen schuldhaft, kann er der Gesellschaft gegenüber zum Schadensersatz verpflichtet sein. Ein anderer denkbarer Haftungsfall ist das Dulden von Geschäften des Vorstands, die den satzungsgemäßen Unternehmensgegenstand der Gesellschaft überschreiten. Auch ist eine Haftung des Aufsichtsrates im Zusammenhang mit Personalmaßnahmen denkbar, etwa wenn ungeeignete Personen vom Aufsichtsrat als Vorstand bestellt oder unvertretbar hohe Zahlungen an den Vorstand vom Aufsichtsrat festgesetzt werden.

    ———————schnapp—————–
    Quelle: http://www.roedl.de/themen/organhaftung/aufsichtsrat-persoenliche-haftung

    • Ex-HSVer im Herzen 28. Februar 2018 um 11:25 Uhr

      Das ist relevant in der normalen Gesellschaft und nicht im Parallel-Universum des Fussball-Business. Sonst müssten schon einige Ex-AR und Ex-Vorstände im Knast sitzen

  13. Ex-HSVer im Herzen 28. Februar 2018 um 11:22 Uhr

    Hoffmann entpuppt sich als das, für das ich ihn schon seit Jahren halte: Einen durchschnittlichen Schnacker, der nur irgendwie wieder mitspielen will, weil er in der freien Wirtschaft keinen Erfolg hat.

    Er hat es sich einfacher vorgestellt als es jetzt Realität ist. Wenn er ein wirklich guter Stratege wäre, hätte er seine Kandidatur zurückgezogen als klar war, dass eine Woche vorher der neue Aufsichtsrat zusammengestellt wird

    Eine alte Weisheit wird sich auch hier bewahrheiten: Wer einmal in einem Unternehmen scheitert, wird auch beim zweiten Versuch keinen Erfolg haben, solange sich an der grundlegenden Struktur und Philosophie nichts geändert hat.

  14. Raschi 28. Februar 2018 um 14:31 Uhr

    (Sorry, hab einfach mal laufen lassen, ist ein bisschen lang…)

    Der HSV ist wie er ist. Das muss man nicht gut finden, kann man aber auch nicht ignorieren. Wer den aktuellen HSV, der sich gerade am Boden, im Schmutz und in Gräben befindet, verändern und auf ein anderes Level heben will, der muss sich auch mal bücken, um da unten, wo er sich derzeit leider befindet, greifen, packen und hochhelfen zu können. Wer ein Müllmann sein will, der darf nicht nur die Nase rümpfen und sich über den ganzen Gestank beschweren, wer ein Müllmann sein will, der darf kein Saubermann sein, wer ein Müllmann sein will, der muss sich dem Müll nähern, die Handschuhe anziehen und zupacken, auch wenn er den Schmutz dabei berührt. Nur so werden Straßen und versiffte Vereine wieder sauber.
    Ob mir das gefällt? So lala, aber das ist ja ohnehin komplett unerheblich! Natürlich würde ich mir wünschen, dass man mit offenen und ehrlichen Karten spielt, seine Ziele nennt und womöglich sogar noch einen kurzen Einblick in seinen Plan und Ausblick auf die zu erwartenden Schritte gewährt. Natürlich kann man das tun, aber es geht hier um den Ist-HSV und nicht um den Wunsch- bzw. Ziel-HSV. Und der Ist-HSV ist wie er ist. Ein solches Verhalten, eine solche Offenheit und Ehrlichkeit würde sofort als Schwäche ausgelegt, als Dummheit, Angriff, Provokation, Konfrontation. Man würde sofort der Eindringling und Feind sein, der alles durcheinanderwirbeln will, der die Lebensleistung und das Wirken einiger Alteingesessener in Frage stellen und minimieren will. Der HSV ist wie er ist und Ehrlichkeit würde momentan zu nichts anderes als zu mittlerweile automatisierten Abwehrmechanismen führen, die den nächsten vereinspolitischen Gegenzug einleiten. Mit Hauruck- und Haudrauf-Methoden werden wir aus diesem Teufelskreis nie ausbrechen können. Gegenseitige Schuldzuweisungen und Vorwürfe, das übliche „Ihr seid doof, wir gut“ hat den HSV nicht weiter, sondern in die zweite Liga gebracht. Wer beim HSV etwas bewirken will, etwas zum Guten verändern will, der muss diese Verhaltensmuster überwinden.
    Nehmen wir doch zum Beispiel mal Peter Gottschalk, der Hunke und Ertel aktuell als Sinnbild für die „Blockierer“ abgelöst hat und zum größten Feindbild der „Modernisierer“ aufgestiegen ist. Auch ich habe Gottschalk hier gestern als „Schmutzbeutel“ bezeichnet, muss heute aber eingestehen wie dumm das war und ist. Auch das war wieder nur dieser übliche Reflex, dieser Lagerstreit, diese sich ewig hochschaukelnde Spirale an Vorwürfen und Anfeindungen, Schmähungen, Beleidigungen und Verunglimpfungen, die den HSV durchzieht und Erfolg ausschließt. Wir kommen nur weiter, wenn wir wissen, wer Peter Gottschalk ist, was ihn antreibt, leitet und zu seinen Handlungen bewegt, sind aber noch nicht soweit, dass er uns das unaufgeregt und ruhig sagen und mitteilen könnte, ohne das man auch ihm das wahlweise als Schwäche, Rückwärtsgewandtheit, Nostalgie, Senilität, Dummheit, Eitelkeit, Profilierungssucht, Dreistigkeit oder sonstwas auslegt. Natürlich agiert Herr Gottschalk impulsiv, unbeholfen und plump, und natürlich muss sich Herr Gottschalk den Vorwurf gefallen lassen, „ein schlechter Verlierer“ zu sein – aber was steckt dahinter? Was treibt den Mann? Ich kann nur spekulieren, ich habe mich noch nie persönlich mit ihm unterhalten, aber genau das ist der Punkt. Herr Gottschalk hat sein ganzes Leben im HSV verbracht, ihm seine Zeit, Aufmerksamkeit und Kraft gewidmet. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er auch ein wenig stolz auf seine Leistung und sein Engagement ist und gerne zurückblickt. Wenn er aber um sich schaut und nach vorne guckt, dann sieht er, wie sich alles immer und immer schneller verändert. Er sieht, wie „sein“ HSV ihm fremd wird und befürchtet, dass er gerade dabei ist, so etwas wie Lebenssinn, Lebensinhalt zu verlieren. Für Gottschalk geht es um wesentlich mehr als um Tore und Punkte und ich kann den Mann verstehen, auch wenn ich hier gestern in der ersten Wut über seine Wahlanfechtung noch schrieb, dass sich doch irgendein Grund finden lassen müsse, ihn aus dem Verein rausschmeißen zu können. Mal wieder einer dieser dummen Reflexe, die uns bzw. den HSV taumeln lassen und verseuchen und erst dahin gebracht haben, wo er jetzt ist. Ich kann und will mich von dieser Mitverantwortung nicht freisprechen. Wenn wir, ganz unabhängig welchem „Lager“ wir angehören, so weiter machen, dann ist der HSV, wenn er es nicht schon ist, tot. Wir müssen einen anderen Weg gehen. Wenn Herr Gottschalk merkt, dass auch ein moderner und professionellerer HSV ihn willkommen heißt und Platz für ihn bietet, wenn er das erfährt, spürt und aufrichtig glauben kann, dann muss er keine Verlustängste haben und dann muss er sich auch nicht mehr gegen Veränderungen stemmen und sich ihnen mit allem, was er hat, in den Weg werfen. Auch wenn es Gottschalk vornehmlich um die Gemeinschaft, um seine „HSV-Familie“ geht, die für ihn viel mehr als Floskel ist, wird auch er nichts gegen eine erfolgreiche Bundesligamannschaft „seines“ HSV haben, im Gegenteil, ich glaube, darüber würde auch er sich freuen. Hier schließt sich nichts gegenseitig aus, die Ziele passen zusammen, Gottschalks Ziel schließt Hoffmanns Ziel nicht aus. Die Ziele der Amateure und die Ziele der Profis schließen sich nicht gegenseitig aus. Im Grunde genommen sind die Ziele deckungsgleich. Ein Verein wie der HSV muss nicht kalt und unnahbar sein, um im Profifußball mithalten zu können, vielmehr ist es die aktuell frostige Stimmung im Verein, die uns das Genick gebrochen hat und erstmals absteigen lässt.
    Und genau hierin ist die Beliebtheit eines Dietmar Beiersdorfers begründet. Der konnte eine falsche Entscheidung nach der anderen fällen und die AG finanziell ruinieren, so what!, er hat die Gottschalks im Verein gesehen und ihnen auf die Schulter geklopft, hat dafür gesorgt, dass es im Verein schön warm blieb, hat nie an dem Status eines Gottschalks gekratzt.
    Ich bin skeptisch, ob ihm das gelingt, aber wenn Hoffmann die Skepsis ihm gegenüber, wenn er die Verachtung, die ihm entgegenschlägt, nicht bricht, dann ist und bleiben seine Veränderungen in erster Linie Angriffe auf das, was jemand wie Gottschalk am HSV so liebt. Genauso wenig wie ich Herrn Gottschalk persönlich kenne, kenne ich Herrn Hoffmann, aber wer weiß, vielleicht hat er ja wirklich verstanden, vielleicht hat er wirklich gelernt und sich entwickelt, vielleicht bekommt er, wenn sich die erste Aufregung über seine Wahl gelegt hat, wenn sich die ersten Wogen geglättet haben, ja doch noch so etwas wie eine zweite Chance. Wenn alle in sich gehen, wenn wir uns eingestehen, dass „Hoffmann raus!“ der gleiche selbstzerstörerische Mist wie „So sehen Sieger aus!“ ist, wenn wir erkennen, dass unsere Ziele, egal wie unterschiedlich sie auch sein mögen, keine Widersprüche sind und sich eben nicht gegenseitig ausschließen, dann, und nur dann, ist der HSV doch noch nicht tot.
    Wir haben keine andere Wahl als uns zuzuhören und anzunähern, wenn wir das machen, dann erkennen wir ziemlich schnell wie blöd wir eigentlich waren. Der HSV, auch der moderne HSV, das Profifußballunternehmen HSV, kann weiterhin allen eine Heimat sein, es kann Gottschalks Verdienste aus der Vergangenheit genauso würdigen wie kluge Managemententscheidungen, die uns wieder auf- und überholen lassen können. Die Grundlage für dieses geänderte Verständnis, dieses neue Miteinander und diese neue Unternehmenskultur ist aber Vertrauen.
    Vertrauen aber kann man nicht kaufen, es ist das Produkt eines langen Prozesses, den man gemeinsam gegangen ist. Und vielleicht beginnt dieser Prozess, indem man weniger auf etwas beharrt und pocht, sich zunächst einmal etwas zurücknimmt und auf Teamarbeit und Teamentscheidungen setzt. Vertrauen ist die Grundlage für alles, ohne Vertrauen gibt es kein Miteinander, ohne Miteinander keine zukunftsweisenden Veränderungen, die von einer breiten Mehrheit getragen werden.
    Aber auch wenn Vertrauen die Grundlage jeglicher Erneuerung ist, so ist es doch kein Verkaufsschlager. Auf dem Marktplatz und im Wahlkampf musst Du wohl mit markanteren Sprüchen kommen, wenn Du wahrgenommen und nicht überhört werden willst. Da ist leider keine Zeit für langwierige Erklärungen, da präsentiert man sich als starker Mann, der eine echte Alternative ist, da greift man Stimmungen auf, wenn man eine Chance haben will. Mag ja sein, dass das bereits der Anfang vom Ende ist bzw. das Ende vom Anfang, mag sein, dass einmal mehr alles auf falschen Versprechungen und Vorzeichen beruht, das wieder nur Taktik im Vordergrund stand, die Wahrheit verschleiert wurde und damit auch hier, gleich zu Beginn, ein Vertrauensbruch stand, der zukünftigem Vertrauen im Wege steht. Es ist absolut berechtigt , das so zu sehen. Hoffmann ist nicht fehlerfrei und er ist ganz bestimmt auch nicht der Messias und Jesus, dem alle an den Lippen kleben, wenn er verkündet „Seid lieb!“ Aber wer ist das schon? Und selbst wenn beim HSV genau so einer auftreten würde, dann hätte er doch keine Chance. Man würde ihn nicht erkennen, stattdessen aber in kürzester Zeit als Eindringling und Störenfried enttarnen, der nichts als Unruhe bringt.
    Der HSV ist in einem so desaströsen Zustand, so zerstritten, zerrissen und zerfressen, so voller Missgunst, Skepsis, so auf der Lauer, dass er gar kein Gespür und kein Blick mehr für gut und böse, richtig und falsch, Wahrheit und Lüge haben kann. Aber vielleicht ist das ja ohnehin nur eine Illusion, vielleicht gibt es dieses schwarz-weiß ja gar nicht. Vielleicht haben alle ein wenig Recht und vielleicht geht es zunächst einmal darum, genau das zu erkennen. Andere Meinungen, andere Prioritäten, andere Ziele machen noch keine Erzfeinde, und schon gar nicht, wenn die relativ einfach unter einen Hut zu bringen sind. Wer das aber will, der muss sich zunächst einmal von seinen Rachegelüsten trennen.
    Wer beim HSV jetzt von oben herab kommt und von der Kanzel predigt, der hat schon verloren. Ich gebe Bernd Hoffmann Recht, wenn er sagt, dass es im Sportbereich momentan wohl keine spannendere Aufgabe gibt. Diese Aufgabe ist ein Mammut- und Langfristprojekt, das niemand alleine bewältigen kann. Es wird nur gelingen, wenn Vertrauen entsteht, alle mit einer Stimme sprechen, die Knüppel, die man sich zwischen die Beine wirft, durch die Friedenspfeife ersetzt werden, wenn man geschlossen zu Entscheidungen steht, die man voller Überzeugung trifft und treffen kann, weil man das nötige Fachwissen hat, um sie zu treffen. Das Langfristprojekt, den HSV wieder auf die Beine zu helfen, kann nur dann funktionieren, wenn a) fähige Leute die entscheidenden Posten besetzen und b) die Arbeit dieser Leute auf Rückhalt trifft und Unterstützung findet anstatt torpediert, ausgehöhlt und untergraben zu werden. Man kann Bernd Hoffmann ja jetzt vorwerfen, dass er mit falschen Versprechungen und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen an den Start gegangen ist, sich das Amt des Präsidenten erschlichen hat, wenn man aber die wenigen Punkte, die er im Wahlkampf als seine dringlichsten Ziele dargestellt hat, anguckt und mit den übergeordneten Langfristzielen abgleicht, dann kann man auch sagen, dass dieser Vorwurf zum jetzigen Zeitpunkt vielleicht auch in die Kategorie Knüppel gehört.
    Ich denke nicht, dass Hoffmann sich von seinem Ziel, fähige Leute zu installieren, verabschiedet hat, dafür aber glaube ich, dass er von der Massivität der Verachtung, dem Hass, der ihm auf der MV entgegengeschlagen ist, überrascht, beeindruckt und getroffen war. Wie also soll er den HSV jemals einen und die vereinsinternen Abnutzungskämpfe beenden, wenn er jetzt auf Konfrontation statt auf vertrauensbildende Maßnahmen setzt? Ich will jetzt ja gar nicht Hoffmanns Anwalt und Fanboy spielen, aber für mich ist das keine Schwäche, wenn man in dieser Situation nicht auf den Ratsvorsitz pocht. Ich weiß, er hätte es ohnehin nicht tun können, das wussten und wissen wir alle, aber das ändert ja vielleicht nichts an dem Ziel. Ein Ziel, das er nur mit Unterstützung seiner Ratskollegen erreichen kann, ein Ziel, das momentan vielleicht nicht erreichbar ist, ein Ziel, dem er aber vielleicht näher kommt, wenn er sich erstmal einreiht und zeigt, dass es ihn vor allem um die Sache und nicht sich selbst geht, womit er auch wieder ein Stück weit Vertrauen schaffen kann.
    Wie gesagt, ich kenne Hoffmann nicht, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass er, wenn er merkt, dass er der Sache im Weg steht, das seine Person vielleicht doch zu sehr polarisiert und schon per se alles falsch ist, von dem er überzeugt ist und was er vorschlägt und er allein schon mit seiner Anwesenheit das übliche reflexartige HSV-Knüppelgeschmeiße auslöst, lieber wieder geht. Wenn er aber merkt, dass er sich nur etwas zurücknehmen muss, um doch etwas zu bewirken, dann kann ich mir auch vorstellen, dass er das im Sinne der Sache erstmal tut. Entscheidend ist nicht, ob Hoffmann den Vorsitz hat, entscheidend ist, ob der Rat als Ganzes neue und fähige Leute in den AG-Vorstand beruft und einen Vorstand-Sport installiert. Wenn dieses wichtige Ziel nicht gefährdet ist, warum sollte Hoffmann es dann gefährden? Exakt das wären die Eitelkeiten, die beim HSV schon viel zu lange über der Sache standen und ihn zur Strecke gebracht haben.
    Der HSV ist wie er ist und wenn man ihm helfen will, dann muss man ihm da begegnen, ihn da abholen, wo er sich gerade befindet. Wie will man jemandem, der am Boden liegt, helfen, wenn man starr und fest stehenbleibt und er die ausgestreckte Hand genau deshalb nicht erreichen kann?

    • Micha 28. Februar 2018 um 15:54 Uhr

      Ich habe fast Dreifünftel deines Kommentars gelesen und bin dann zu dem Schluss gekommen, dass der HSV von innen heraus wohl nicht mehr reformierbar, also tot ist!

    • HamburgerJung70 28. Februar 2018 um 18:54 Uhr

      Tja, vielleicht werden künftig alle mehr wie Gänseblümchen sein… ODER es wird ganz anders kommen. Ich würde jedenfalls nach dieser Wahl auf kein versöhnliches Miteinander wetten.

      Nun, im