Der HSV gehört in die 1. Liga!

Herrgott, wie oft haben wir den Spruch in den letzten 2 1/2 Jahren schon hören müssen? Zuerst von Verantwortlichen des Vereins selbst, dann von irgendwelchen Knalltüten, die sich bei SKY oder Sport1 in irgendwelchen „Experten-Runden“ die Klinken in die Hände geben und auch immer wieder vom Übungsleiter des nächsten Gegners. Diesmal ist es Heidenheims Trainer Frank Schmidt, der beinahe schon automatisch diese lächerliche Floskel zum Besten gibt, will man denn den üblichen Hofberichterstattern glauben. 

„Es wäre schön, wenn einer wie er, nachdem es ein paar andere Versuche beim HSV gab, es schaffen würde, den Verein dorthin zu bringen, wo er hingehört, nämlich in die erste Liga.“

Ja, das wäre unendlich schön, aber leider beantwortet der freundliche Trainer aus Heidenheim nicht die Frage, warum denn dieser Verein nun in Deutschlands höchste Spielklasse gehört. HSV-Arena versucht Frank Schmidt bei der Beantwortung hilfreich zur Seite zu stehen und die Frage, warum der HSV denn nun unbedingt in die Bundesliga gehört, zu klären. 

Weil er den besten Fußball spielt!

Nein, tut er nicht. Wer sich die Spiele tatsächlich und im besten Fall ohne Vereinsbrille angeguckt hat, dem wird aufgefallen sein, dass dieser Verein eben nicht den besten Fußball der Liga spielt, im Gegenteil. Der HSV war und ist über die Distanz einer Spielzeit maximal von der Treffsicherheit Simon Teroddes abhängig, darüber hinaus spielte man viele Partien überaus uninspiriert, schematisch und gähnend langweilig. Mannschaften wie Bochum, Kiel, Fürth, aber auch St. Pauli spielen mit geringeren Mitteln den attraktiveren, schnelleren und technisch besseren Fußball. 

Weil er die besten Spieler hat!

Nein, hat er nicht, wurde in diesem Blog durch Analyse der Kickernoten auch bewiesen. Vielleicht hat der HSV für seine eigenen Fans die bekannteren Spieler und garantiert bezahlt der HSV für seine Maltafüße wesentlich mehr, als es bei den anderen Aufstiegsanwärtern der Fall ist, aber qualitativ besser sind die Spieler deshalb nicht. 

Weil er finanziell in der Bundesliga mithalten könnte!

Schön wär’s, aber die Zeiten sind endgültig vorbei. Selbst Vereine wie Augsburg, Mainz, Union Berlin und ganz bestimmt der SC Freiburg sind dem Verein von der Müllverbrennungsanlage inzwischen um Lichtjahre enteilt und uneinholbar davongezogen. Transfers wie Santamaria (€ 10 Mio.) oder Grifo (€ 7 Mio.) in Freiburg, St. Juste (€ 8 Mio.), Fernandes (€ 7 Mio.) in Mainz oder Uduokhai (€ 7 Mio.) in Augsburg sind für den HSV in den nächsten Jahren absolut unerschwinglich, von Vereinen wie Hertha etc. muss man gar  nicht erst anfangen. Der HSV ist aktuell in finanzieller Sicht in der zweiten Liga wettbewerbsfähig, was in der nächsten Saison schon nicht mehr der Fall sein muss. 

Weil man den HSV in der Bundesliga vermisst!

Einen Scheißdreck tut man, man vermisst den HSV ungefähr so, wie man Kaiserslautern, Duisburg oder 1860 München vermisst, nämlich überhaupt nicht. Einem Profi von Bayer Leverkusen oder Leipzig ist es vollkommen Latte, ob er in Hamburg oder in Bielefeld spielt, vielleicht würde der eine oder andere Auswärtsfan lieber nach Hamburg als nach Köln fahren, aber das war es dann auch. Die Legende, dass die Bundesliga ohne die Hamburger nicht attraktiv wäre, sollte dringend zu Grabe getragen werden, sie existiert nur als feuchter Traum in der Gedankenwelt von zurückgebliebenen rosa Hüpfern. 

Weil er als Verein professionell aufgestellt ist!

Zum totlachen, wenn es nicht so traurig wäre. Zwar beschäftigt man als Zweitligist immer noch knapp 300 Mitarbeiter (Wahnsinn!), aber der Rest des Vereins und besonders die Führung erinnert mehr an einen Karnickelzüchterverein als an einen Bundesligisten. Ein Sanierer, der alles tut, aber sanieren tut er nicht. Einen selbstoptimierenden Heimschläfer mit Football Leaks-Vergangenheit, der bei jeder sich bietenden Gelegenheit seinen Namen bei jeder halbwegs interessanten Planstelle eines anderen Klubs ins Spiel bringt. Dann einen Aufsichtsrat, dem Rat der Durchwinker, dem ein Pinselreiniger vorsteht, der überhaupt keine Legitimation mehr besitzt. Und als Mehrheitsanteilseigner einen e.V. ohne Präsidium, dafür aber einen Ex-Gönner ohne Ahnung und Plan, dafür aber mit dem Hang zu eigentümlichen Interviews. In der Tat, das klingt professionell.

Weil es sich die HSV-Fans wünschen!

Der einzige Punkt, der tatsächlich zutrifft. Natürlich wünschen sich die Anhänger des Ex-Dinos eine Rückkehr ihres Vereins ins Oberhaus, aber das Ganze ist nun mal kein Wunschkonzert. Hinzu kommt, dass die Fans inzwischen Corona-bedingt begriffen haben sollten, dass sie für den Klub nichts anderes sind als Kunden. Zahlende Kunden, aber auch Kunden, auf die man verzichten kann. 

Weil man in Hamburg ein Erstliga-taugliches Stadion hat!

Hat man das? Meines Wissens nach muss die marode Höhle für die EM kernsaniert werden, deshalb hat man ja auch (angeblich) das Gelände am Volkspark an die Stadt Hamburg verkaufen müssen. Außerdem haben Düsseldorf (Merkur Spielarena/54.600 Zuschauer), Nürnberg (Max-Morlock-Stadion/50.000 Zuschauer), Hannover (HDI-Arena/49.200 Zuschauer) und Bochum (Vonovia Ruhrstadion/27.600 Zuschauer) auch nette Spielstädten, das kann also kein Argument sein. 

Nun, was ist übriggeblieben von „Der HSV gehört in die 1. Liga“? Nichts. Der HSV gehört genau so in die 1. Liga wie Bochum, Kiel, Fürth oder der KSV, aber nicht mehr. Natürlich ist es nett von Herren wie Frank Schmidt, wenn sie sowas quasi als Gastgeschenk von sich geben, aber das Gleiche sagt er auch vor den Spielen in Düsseldorf, Hannover und Nürnberg, also sollte man nicht allzu viel darauf geben. Zur Zeit jedenfalls ist der HSV genau da, wo er hingehört und es müsste sich unglaublich viel tun, damit sich das ändert. Erstklassig am HSV ist und bleibt einzig und allein die Stadt Hamburg, aber das kann nun wirklich kein Grund sein. 

 

 

Von | 2021-03-20T14:19:08+01:00 20. März 2021|Allgemein|1 Kommentar

Ein Kommentar

  1. Freundchen 20. März 2021 um 08:58 Uhr

    Die Größe und die Strahlkraft einer „Weltstadt“ Hamburg sprechen sicherlich für eine Mannschaft in der ersten Liga – zumal der Verein den Namen der Stadt trägt. Aber was willste machen, wenn sich hier jahrzehntelang nur inkompetente Menschen die Klinke in die Hand geben und sich auf Kosten des Clubs bereichern wollen bzw. können und Medien, Fans etc. so supiendgeil finden?

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