Wer ist eigentlich Bob Hanning?

Bob Hanning ist Handballtrainer und Sportfunktionär, der unter anderem durch seine bunten Pullover und Napoleon-Karikaturen aufgefallen ist. Dieser Typ präsentiert heute um 11:00 im Berliner Theater Wintergarten Varieté seine Autobiografie „Hanning. Macht. Handball.“ Das Buch soll reichlich Zündstoff bergen, denn der scheidende Vizepräsident des Deutschen Handballbundes und frühere Trainer des HSV Handball berichtet dort über die Machenschaften im DHB und über seine persönlichen Konflikte mit diversen Protagonisten während seiner zahlreichen Stationen in der deutschen Handball-Landschaft. Bezug zum HSV Fußball? Eine halbe Seite im Buch. Der 53-jährige Hanning schreibt über seine Zukunft nach dem DHB, die er nicht unbedingt nur im Handball, sondern womöglich auch im Fußball sieht, vielleicht sogar beim HSV.

„Wenn mich in Hamburg noch einmal eine sportliche Aufgabe reizen würde, dann tatsächlich im Fußball. Da würde ich niemals nie sagen. Schon zu meiner Zeit bei den Hamburger Handballern habe ich mich immer gewundert, warum dieser Club [die HSV Fußball AG, d. Red.] nicht dauerhaft in der Champions League spielt. Mein Herz blutet, wenn ich sehe, wie der HSV seit Jahren in der 2. Liga herumdümpelt.“

Das alles und noch viel mehr konnte man gestern dem Hamburger Abendblatt entnehmen.

Quelle:  https://www.abendblatt.de/sport/fussball/hsv/article233460895/hsv-news-bob-hanning-buch-podcast.html

Im weiteren Verlauf des Artikels gibt es Auszüge aus dem zugehörigen Podcast, die ich hier ebenfalls zitieren möchte.

„Die Treue der Fans zu diesem Club und die Möglichkeiten in einer Stadt wie Hamburg, wo das Geld auf der Straße liegt, sind unbegrenzt. Doch es waren im Laufe der Jahre so viele Dilettanten am Werk, dass ich sie gar nicht mehr alle zusammenbekomme. Leute, die sich über den Verein profilieren wollten. Und Leute, die von Führung ganz offensichtlich keine Ahnung hatten. Ganz grausam.“

Namen nennt Hanning nicht. Angesprochen fühlen dürften sich aber viele HSV-Verantwortliche der vergangenen Jahre. Ob es der Handball-Manager besser könnte? Hanning, das weiß jeder in der Handball-Szene, ist ein Mann, der polarisiert, nicht nur wegen seiner bunten Pullover. Ein Macher, der sich nicht nur Freunde macht. Ein Entscheider, der keine unangenehme Entscheidung scheut. Ein Machtmensch, dem trotz seines klaren Führungsstils eines immer wichtig ist: das Miteinander.

„Entscheidend für Erfolg ist, dass jeder bereit ist, ein Stück mehr zu geben, als er sich selbst nimmt. Ein Verein darf nicht zum In­strument von einzelnen Personen werden“, sagt Hanning dem Abendblatt, als er seinen Führungsstil beschreibt.

Dass der HSV seit der Entlassung des Vorstandsvorsitzenden Bernd Hoffmann im März 2020 keinen CEO hat, sondern mit den Vorständen Frank Wettstein (Finanzen) und Jonas Boldt (Sport) eine Doppelspitze, hält Hanning für falsch. „Manchmal ist ein König, wenn er an alle denkt, besser als eine Demokratie. Es hilft, wenn du einen starken Mann an der Spitze eines Unternehmens hast. Aber nur dann, wenn er an alle denkt und alle mitnimmt.“

Ich bin wirklich kein Freund von Podcasts und eigentlich geht mir dieses Format richtig auf den Sack, aber das Interview hat mich fasziniert und regelrecht angetriggert. Wer erfahren möchte, wie Bob Hanning tickt, sollte sich den Podcast vollständig reinziehen. Die Podcasts aus dieser Reihe sind frei verfügbar und ich kann die aktuelle Ausgabe wirklich empfehlen. Einfach mal reinhören!

https://www.abendblatt.de/podcast/hsv-podcast/article233460120/Bob-Hanning-ein-Mann-fuer-die-HSV-Fussball-AG.html

Am Ende des Tages 🤭 stellt sich unvermeidlich die Frage: Präsentiert sich dort ein potentieller Rulebreaker und zukünftiger Hoffnungsträger für den niedergegangenen Verein oder handelt es sich um eine weitere billige PR-Aktion der Abteilung Hofberichterstattung, die sich auf Kosten eines Machers selbstoptimieren möchte. Da ich Bob Hanning noch nicht selbst kennenlernen durfte, werde ich mir auf jeden Fall das Buch reinziehen und seinen Weg aufmerksam weiterverfolgen.

Stefan Kretzschmar, der auch ein Kapitel zum Buch beigesteuert hat, schreibt im kicker:

„Früher dachte ich: ein Egoist. Schlimmer noch, ein Egozentriker. Einer, der sich für den Nabel der Handballwelt hält, heute denke ich: Bob Hanning ist ein ganz Großer. Trotz der Pullover.“

 

Von | 2021-10-03T08:21:04+02:00 1. Oktober 2021|Allgemein|6 Kommentare

6 Comments

  1. Gravesen 1. Oktober 2021 um 15:07 Uhr

    Not bad. Ein Blog ohne einen einzigen Kommentar. Das gab es das letzte Mal im Jahr 2012.

  2. Demosthenes 1. Oktober 2021 um 17:23 Uhr

    Der blog ist super. Kannte den Herren gar nicht, klingt aber vielversprechend.

  3. atari 1. Oktober 2021 um 18:10 Uhr

    Der Blog ist interessant! Man muss ja nicht immer zu allem seinen Senf dazu geben. Weniger ist manchmal mehr 🙂

  4. Ex-HSVer+im+Herzen 1. Oktober 2021 um 20:27 Uhr

    So viel Glück nach so einer katastrophalen Leistung kann nur der HSV haben. Ohne Worte…

  5. Ralf Schulz 1. Oktober 2021 um 20:31 Uhr

    Die Reißleine muss sofort gezogen werden, 98 Minuten beim Tabellenletzten, davon 25 Minuten in geschenkter Überzahl mit sage und schreibe 0 Torchancen, einen fußballerischen Offenbarungseid abgeliefert, sorry dafür gibt es keine Entschuldigung!!!!!
    Lieber Gott schlechter geht gar nicht, da kann jede Kreisliga-Mannschaft mehr, also wenn der Trainer weiter arbeiten darf dann verstehe ich die Welt nicht mehr!!!

  6. Bidriovo 1. Oktober 2021 um 21:43 Uhr

    Bob Hanning übernehmen sie. Allerdings weiß ich gar nicht in welcher Funktion. Trainer, VV, AR…

    Allerdings wirken Quereinsteiger aus anderen Sportarten auf mich so, als ob sie im Galopp gemerkt haben, dass es im Fußball deutlich mehr Geld/Aufmerksamkeit/Ruhm zu verdienen gibt, als in der Sportart wo sie derzeit tätig sind und sie meistens sehr gut sind. Oder was hat damals Herr Peters so an Fußball begeistert, dass er die Sportart gewechselt hat, wo er als Olympiasieger doch so ein gutes Standing hatte? Reich gemacht hat ihn sicherlich nur der Fußball.

    Eine harte Hand würde trotzdem dem HSV gut tun. Egal wo die her kommt.

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