Schöne heile Welt

Hach, wie schön könnte die Welt und wie leicht könnte das Leben sein, wenn man Sportjournalisten-Simulant wäre. Man könnte die faulste Sau auf Gottes Erden sein, man müsste von wirklich absolut nichts eine Ahnung oder gar einen Plan haben, man könnte ständig umsonst Fußball gucken, man wird von Vereins-Funktionären hofiert, bekommt am Wochenende trockene Schnittchen serviert und das Geilste: Die vollkommen bescheuerten Lesern, Hörer und Zuschauer glauben auch noch, dass man ansatzweise weiß, wovon man redet oder schreibt. Die absolute Perversion im Hinblick auf sportliche Berichterstattung findet zur Zeit wo statt? Natürlich in den Verunreinigten Staaten von Amerika. Bekanntermaßen gibt es da einen Mann, der ist inzwischen zwar fast Mitte 40, aber er kann das Ei nunmal besser schmeißen als alle anderen. Tom Brady, aktueller Quarterback bei den Tampa Bay Buccaneers, gewann mit den New England Patriots insgeamt sechsmal den Superbowl, danach noch einmal mit den Bucs, kein Zweifel, er ist der GOAT (Greatest of all Time). Brady, der im Jahr 2000 in der 6 Runde als 199. Pick gedraftet wurde, befindet sich im Spät-Winter seiner Karriere, aber zum Glück ist für die Zeit danach alles geregelt. TB12 verdiente  während seiner aktiven Zeit (die ja noch andauert) insgesamt $ 330 Mio, in 22 Jahren als Profi also € 15 Mio. pro Jahr, was gegenüber dem, was er nach der Karriere von Fox Sports als Kommentator und Analyst einstecken wird, ein Trinkgeld ist. In Zukunft wird Brady nämlich mit Anzug und Krawatte im Studio sitzen und den Zuschauern erklären, warum der Pass von Patrick Mahomes seinen Wide Receiver verfehlte. Salär dafür: $ 375 Mio. in 10 Jahren. Cool, oder? Keine Saisonvorbereitung mehr, keine Edge Rusher, die ihm die Knie brechen wollen. Einfach nur sitzen und schnacken. 

Nun möchte ich Tom Brady garantiert nicht nachsagen wollen, dass er nichts vom Football versteht, aber wie krank ist das bitte? Ungefähr genauso krank wie die Verhaltensweisen der Journalisten-Darsteller, die sich hauptberuflich mit dem KSV beschäftigen. Es ist fast exakt einen Monat her, da verlor der KSV vollkommen zu Recht mit 0:1 in Kiel und der Abgesang begann. Walter würde die Mannschaft nicht entwickelt, es gebe keinen Plan B, der Mann ist beratungsresisent. Und auch die Herren Boldt und Mutzel wurden massiv in Frage gestellt, sogar am Denkmal Hrubesch wurde gesägt. Alles zu Recht. Was dann folgte war ein sang- und klangloses Ausscheiden im Halbfinale des DFB-Pokals gegen den SC Freiburg, wobei besonders dieses Spiel zeigte, was Walter kann bzw. was er eben nicht kann. Die Stimmen, die radikale Veränderungen in der sportlichen Führung forderten, wurden immer lauter, zum Teil sogar schrill. 

Dann folgten die Spieltage 30, 31, 32 und 33. Man spielte gegen den Tabellen-10. KSC (3:0), gegen den Tabellen-10. Regensburg (4:2), gegen den Tabellen-18. Ingolstadt (4:0) und gegen den Tabellen-14. Hannover 96 (2:1). Allesamt sportliches Fallobst, allesamt Mannschaften, für die es zum Zeitpunkt der Begegnung um nichts mehr ging, die bereits abgestiegen waren oder gerade dem Trainer erklärt hatten, dass sein Vertrag nicht verlängert werden würde. Nun kann man sagen, dass der KSV ausgerechnet gegen solche fußballerische Bückware in der Vergangenheit oft Federn gelassen hatte, aber eines kann man ebenfalls sagen: Tim Walter hat wegen dieser Ergebnisse nicht besser oder schlechter gearbeitet als in den 29 Spielen davor und Boldt und Mutzel haben deshalb nicht besser oder schlechter geplant und eingekauft als in den 3 Jahren davor. Wer der Meinung ist, dass man aufgrund dieser Ergebnisse den Rest der Saison bzw. die letzten Jahren einfach mal unter den Tisch kehren sollte, hat weniger als nichts verstanden. Oder er ist halt Hofberichterstatter in Hamburg. 

Denn diese Herren haben es tatsächlich (wieder einmal) verstanden, die Pferde im Galopp zu wechseln. Vor 4 Woche noch wurde Walters Kopf und Boldts Arsch gefordert und nach 4 Spielen gegen bock- und hilflose Gegner ist nicht nur wieder alles in bester Ordnung, oh nein. Denn nun erklären ausgerechnet diejenigen, die im April noch mit brennenden Kreuzen durch Hamburg gelaufen waren, dass Walter und Boldt aufgrund der unfassbaren Veränderung, der erkennbaren Mentalität und der messbaren Weiterentwicklung des Teams quasi unkündbar sind, das Leben kann so einfach sein. Plötzlich und wie von Geisterhand sehen die Hofschranzen Entwicklungen und Veränderungen, die es gar nicht gibt, denn das Einzige, was es gab, sind die Gegner und die hatten sich mehrheitlich bereits vor dem Anpfiff ergeben. Das Erschütternde daran: Die Scheibfehler müssen nicht mal einen Beweis für ihre Kehrtwendung erbringen, sie können einfach das tun, was sie immer machen – behaupten. Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern, sagte Konrad Adenauer einmal und nach genau diesem Motto verfährt die niederträchtigste Gruppe dieses Berufsstande. Der abgefuckteste von allen ist wie üblich Insolvenzblogger Marcus “de Vrij van Gaal Rajkovic Eidgenossen Relaunch Spendenbeschiss 24/7 try-and-error Rickman Drongelen Tin Walter” Münchhausen Scholz. Der lässt nämlich immer dann, wenn sein Blog mal wieder die Fähnchen schwenkt, andere für sich schreiben, damit er später, wenn’s mal wieder in die Hose gegangen ist, behaupten kann, es wäre nicht seine Meinung gewesen. Was für ein eierloser Schwachstruller.

Das Alles wäre zwar peinlich und ärgerlich, aber es wäre zu verschmerzen, wenn da nicht noch ein klitzekleines Detail wäre. Die Entscheidungsträger im Kontrollgremium aka Aufsichtsrat sind unglücklichweise ebensowenig Fachleute wie ihre zahllosen Vorgänger und als solche richten sie ihre Entscheidungen allzu oft an der medialen Berichterstattung aus. Wenn also plötzlich Auftragsblatt und BILD davon schreiben, dass Walter doch einen Plan B hat (was erwiesenermaßen nicht stimmt), dann glauben die das. Wenn ihnen Boldt bei der Saisonanalyse einen vom Pferd erzählt und zuvor drei Tage lang Pro-Boldt und Pro-Walter Artikel in diesen Schmutzblättern erschienen sind, dann hat das gravierende Auswirkungen auf Personalentscheidungen. Denn die wenigsten Aufsichtsräte stecken tief genug in der Materie, um sich ein unabhängiges Urteil bilden zu können. Ich erinnere mich an eine Zeit, als ich einmal einen dreiteiligen Blog über die “Erfolge” von Zauderschlumpf Düdü Beiersdorfer geschrieben habe. Alle Daten für diese Blogs stammten aus Angaben von Transfermarkt.de und sind für jeden zugänglich, aber einige Tage danach rief mich ein damals aktueller Aufsichtsrat an und war merklich geschockt. Dies seien ja grausame Daten, das hätte er so nicht erwartet. Auf meinen Hinweis, dass man einfach nur mal bei Transfermarkt.de klicken und ein wenig selektieren könnte, reagierte der Mann mit Unverständnis, er hatte von diesem Portal noch nie etwas gehört. 

In diesem Zusammenhang ein unvergessener der Ausspruch von HSVPLUS-Gründer Ernst-Otto Rieckhoff (Friede seiner Asche). Als ich ihm während eines HSVPLUS-Meetings einmal vorschlug, die üblichen Medien rauszulassen und nicht zu informieren, meinte der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende: “Das können wir nicht machen, die schreiben uns alle zwei Wochen das Stadion voll”. Mein Bemühen, ihn vom Gegenteil zu überzeugen, blieb erfolglos, aber es zeigt deutlich, wie diese Leute ticken. Wenn die Hamburger Presse Walter, Boldt und Mutzel plötzlich heilig spricht, wird sich kaum ein Rat trauen, deren Köpfe zu fordern, selbst wenn es noch so richtig wäre, angesichts der letzten Monate und Jahre. Aber niemand möchte am nächsten Tag namentlich in den Medien erwähnt werden und müsste dann bestenfalls noch eine Erklärung für seine Entscheidung liefern. Anders könnte es aussehen, wenn man am Ende der Saison doch wieder nur Vierter wird oder in der Relegation scheitert, denn dann werden mit großer Wahrscheinlichkeit wieder die medialen Messer gewetzt und ein Aufsichtsrat, der dann den Daumen senkt, bekäme mehr mediale Unterstützung. Die Tatsache, dass diese letzten 5 Spiele einen Scheißdreck über Boldts letzten 3 Jahre oder Walters eindimensionale Idee vom Fußball, spielt nur eine untergeordnete Rollen. Wichtig ist, was geschrieben wird und noch wichtiger ist, dass man selbst gut dabei aussieht. 

Werder ❤️❤️❤️

P.S. Ich habe übrigens Namens-Dieb Hirnlosen gefunden, hier eines seiner seltenen Interviews

 

Von | 2022-05-19T23:41:42+02:00 12. Mai 2022|Allgemein|14 Kommentare

14 Comments

  1. Hannover1958 12. Mai 2022 um 11:01 Uhr

    Rostock 1:1, Darmstadt 2:0. 4. Platz ihr Vögel!

  2. jusufi 12. Mai 2022 um 11:14 Uhr

    Jetzt hat sich der einzig interessante Spieler des HSV verletzt. Parane pian, Anssi.

    Das schmälert die Aussichten auf Platz 3 und die Relegation. Ein Verpassen wäre auch bitter für die Presse. Die Schlagzeilen und Teaser für eine ganze Woche drohen verloren zu gehen…

    • Gravesen 12. Mai 2022 um 11:33 Uhr

      Weil sich ein 21-jähriger Finne, den Malle-Timmi 20 Spieltage nicht auf dem Radar hatte, den Arsch bricht, ist jetzt irgendwas in Gefahr? Habe ich irgendwas nicht mit bekommen und der Vogel ist der neue Lewandowski?

      • jusufi 12. Mai 2022 um 11:46 Uhr

        Nein, das ändert nicht viel. Suhonen hat aber in den letzten Wochen frischen Wind ins Offensivspiel gebracht, der nun fehlt. Ein dynamischer Spieler in guter Form, der nun vom Gegenteil ersetzt werden muss (Kinsombi).

  3. Dommie 12. Mai 2022 um 12:42 Uhr

    Ich frage mich, welche grobmotorig kloppender Ochsenfrosch dem kleinen Ansi im Training das Wadenbein brach ?

    War wohl Zug drin ….. 🤮

  4. Kevin allein in Hamburg 12. Mai 2022 um 12:58 Uhr

    Lasst Sie ruhig aufsteigen.
    Wie auf der Bielefelder Alm…..
    1 Jahr Aufstieg, 1 Jahr Abstieg.

    Und der Rekord von Tasmania Berlin wird ohne Probleme vom KSV gebrochen. Das können die, ganz sicher.

  5. uwe twiehaus 12. Mai 2022 um 14:16 Uhr

    Ohne Captain Marcus, den besser sehenden Hamburger Top-Journalisten und Robin den Bildern Rätsel Gaukler und seine Freunde wäre so mancher Weltkonflikt schon lange beendet und der HSV schon lange aufgestiegen! Selbst die zweitklassigen Sprachrohre Hofbericht erstatter haben den Dreh heraus, wie man ohne viel Arbeit zu langfristigen Futter gelangt. Leider wird sich so schnell nichts daran ändern, sodass die Kacke weiter unter Dampf gehalten werden wird!

  6. Gravesen 12. Mai 2022 um 19:53 Uhr

    Die kranke Logik des Behaupters und Bindestrichers Münchhausen:

    Und entgegen der hier mehrheitlich vertretenen Meinung, man müsse mal wieder alle vom Hof jagen, behaupte ich, dass der HSV auf Sicht besser wird, wenn er Jonas Boldt, Michael Mutzel und Co. hält. Und das auch, weil sie verschiedene Fehler schon gemacht haben.

    Ist ja geil. Sie haben jahrelang nichts als Scheisse gebaut, den Verein Millionen gekostet und jetzt soll man sie weiter fuhrwerken lassen, weil sie genauso gehandelt haben? Das kann wirklich nur jemand fordern, dessen Geld nicht betroffen ist. Was für ein Idiot.

    • Gravesen 12. Mai 2022 um 20:02 Uhr

      “Ja, okay, er hat die letzten 20 Jahre kleine Kinder missbraucht, aber ich behaupte, er sollte weiterhin als Kindergärtner arbeiten, denn er hat das ja alles schon gemacht und wird es bestimmt nie wieder tun”

      Münchhausen ist offiziell geistesgestört

      • Sportjournalist Scholz 12. Mai 2022 um 20:39 Uhr

        Er bettelt um Freikarten und Schnittchen. Dieser Depp.
        Ich schreib gut über euch, aber bitte bitte lasst mich weiter rein, ich trag euch auch die Meister-Creme auf..

    • Hein Blöd 13. Mai 2022 um 07:22 Uhr

      In einem Satz fünf Kommas, wohl eher ein Kommastrichler… 😀

  7. Hannover1958 12. Mai 2022 um 20:54 Uhr

    Die BILD hat auch komischerweise ein paar Tage nach meinem Kommentar bezüglich der Parallele zum KSV Hessen Kassel aus den 80ern genau dieses in einem Bericht aufgegriffen. Hab mich schon gewundert.

  8. uwe twiehaus 12. Mai 2022 um 21:25 Uhr

    Der Kartenabreisser lässt Rollenweise die Eintrittskarten verschwinden, aber man kann ihn nicht Herausschmeißen, weil den Job sonst keiner machen will!

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