Der Raumdeuter

In Zeiten, in denen sich beim HSV alle(s) um sich selbst dreht, in denen die Initiative HSV PLUS einen auf Adventskalender macht und seine Unterstützer häppchenweise hinter dem nächsten Türchen präsentiert, um eine Art Spannungsbogen zu erzeugen, widme ich mich heute einem meiner Lieblingsthemen: Thomas Müller.

Als bekennender Thomas Müller-Fan sauge ich jeden Artikel und jedes Interview dieses außergewöhnlichen Fußballers auf, ich ergötze mich bei jedem Länderspiel an den Bewegungen und Ideen eines Fußballers, der sich eben nicht wie ein Fußballer bewegt. Würde Müller in einer anderen Mannschaft als bei Bayern München und nicht dermaßen erfolgreich spielen, jeder Möchtergern-Experte würde wohl meinen, der Verein sollte ihn zum 3000m-Hindernisläufer umschuien und ihm den Ball wegnehmen.

Müller hat Storchenbeine, die Frisur eines 16jährigen Realschülers und keine Unterarm-Bemalungen. Müller hat klare Ansichten und hat mit 24 Jahren mehr als einen „Sportjournalisten“ im Interview verarscht. Müller hat keine Muskeln, aber kein anderer Spieler sucht das „dahin, wo es wehtut“ so wie er. Müller hat im Grunde eine für einen Bundesligaspieler durchschnittliche Technik und keinen wirklich harten und präzisen Schuss.

Aber Müller ist der Fußball-Australier. Er kann nichts wirklich perfekt, aber alles irgendwie gut. Seine Kopfbälle sehen unbeholfen aus, aber genau deshalb gehen sie rein. Müller verwirrt nicht nur Gegen-, sondern auch Mitspieler, aber wenn diese ihn verstanden haben, ist er eine Waffe. Wobei ich bezweifel, dass er sich selbst immer und zu jeder Zeit versteht.

Müller ist der fleischgewordene Instinkt. Das kann man nicht lernen und das macht ihn so gefährlich. Gegenspieler, die anfangs über seine komischen Laufbewegungen geschmunzelt haben, mussten nach Müller’s 2. Tor im Spiel anerkennen, dass sie ihn nicht verstanden haben.

Würde ein Thomas Müller in einem anderen Verein funktionieren ? Ich bezweifel das und deshalb denke ich, dass Müller bei zum Karriereende bei den Bayern spielen wird. Die Glücklichen.

Hier noch ein anderer Kommentar zu Thomas Müller, den ich für sehr gelungen halte.

http://www.spox.com/myspox/group-blogdetail/Thomas-Mueller,202022.html

Von | 2013-10-14T07:28:58+02:00 14. Oktober 2013|Allgemein|2 Kommentare

2 Comments

  1. Daywalker 14. Oktober 2013 um 12:12 Uhr

    Oh, da ist jemand verliebt 😉
    Ich muß aber auch sagen das ich Müller gerne mag. Sowohl auf dem Platz, als auch und insbesondere daneben, was für einen Bayern-Spieler nicht selbstverständlich ist.

    Mich erinnert das etwas an Hrubesch als er zum HSV kam.
    Nette Anekdote von Netzer, der ihn ohne jemals spielen gesehen zu haben, aufgrund seiner 42 Tore in der Saison 77/78 für RW Essen verpflichtete. Als er Hrubesch das erste Mal trainieren sah dachte er sinngemäß, wen hat er da bloß geholt, er hat noch nie einen schlechteren Fußballer gesehen 🙂 Was daraus geworden ist weiß jeder.

    Wenn es paßt, dann paßt das. Man braucht auch kein Super-Techniker zu sein um erfolgreich spielen zu können. Instinkt-Fußballer wie Müller oder eben auch Hrubesch haben den Filigran-Technikern einiges voraus, sie denken nicht nach. Auch ein Gerd Müller war ja nun nicht gerade für seine feinen technischen Fähigkeiten berühmt. Er war aber immer da wo er sein mußte und sowas kann man nicht lernen, man hat es oder eben nicht.

    Ob Thomas Müller bei einem anderen Verein nicht auch gut spielen könnte, würde ich gar nicht anzweifeln wollen. Nur warum sollte er zu einem anderen Verein wechseln? Er ist so tiefverwurzelt mit Region und Verein, das es gar keinen Grund gibt. Ich kann mir auch gut vorstellen, das er bis zum Karriereende bei Bayern bleibt. Gleiches gilt für mich übrigens auch für Lahm oder Schweinsteiger. Vorausgesetzt sie bleiben auf ihrem Niveau natürlich. Wie ist es immer zu vernehmen: Ein Spieler muß sich wohlfühlen und zufrieden sein. Das ist die Grundlage für Erfolg im Leben, nicht nur im Fußball. Auch ein Messi oder Ronaldo wären nicht zu ihren Leistungen fähig, wenn sie jeden Morgen kotzen müßten bevor sie zum Training fahren. Das enorme „Schmerzensgeld“ was monatlich überwiesen wird spielt dabei auch keine Rolle.
    Ich mache auch lieber einen Job in dem ich glücklich bin und weniger verdiene, als einen hochbezahlten bei dem ich immer Magenschmerzen habe oder genervt bin.

    Was ich bei Bayern beispiellos finde ist, das es ihnen gelang, gleich 4 Spieler (ich zähle Badstuber dazu) in der 1.Mannschaft zu etablieren. Und zwar aus frühester Jugend heraus, das auch noch langfristig, das ist wirklich sensationell. Ich würde mich totfreuen wenn das beim HSV auch mal gelingen würde. Mir kann jedenfalls keiner erzählen, das bayrische Jungs von Haus aus besser Fußball spielen können als Hamburger und Umgebung. Auch hier gibt es die Müller, Lahm, Schweinsteiger und Badstuber. Man muß sie nur finden und fördern.
    Um das mit Bayern auch enden zu lassen, ich bin gespannt wie sich das weiterentwickelt. Der Nachwuchs wurde bislang in der UEFA-Youth League ja böse verhauen. 0:2 gegen ZSKA Moskau und eine fettes 0:6 gegen ManCity.

    Ach wie wäre das schön sowas mal über den HSV schreiben zu können…

  2. dergoettlichemueller 15. Oktober 2013 um 20:46 Uhr

    Der Tempel der Müllerverehrung: dergoettlichemueller.wordpress.com

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