Qualität ohne Ende

Ja mei, da dachte man doch gestern 45 min. lang, dass die Bayern-Serie ohne Niederlage ein Ende haben könnte. Weltrainer Tuchel hatte Spezialbeton anrühren lassen, agierte mit einer 5er-Abwehrkette und die Bayern hatten offenbar keine richtige Einstellung zum Spiel. Was dann kam, war die logische Folge eines solchen Fußballspiels.

Langer Ball, Boateng verfällt in den fast schon vergessenen Überheblichkeitsmodus und Parker macht aus der 1. Chance das 1:0 für Mainz.

Selbstverständlich muss auch zu diesem Zeitpunkt beachtet werden, dass eine linke Seite mit Contento und Müller eben nicht eine linke Seite mit Alaba und Ribery ist, aber Mainz ist auch nicht Real.

Dachte man zu diesem Zeitpunkt, dass Bayern eben doch maßgeblich abhängig von der individuellen Klasse eines Franck Ribery ist (was tatsächlich auch so ist, aber welche Mannschaft wäre nicht von der individuellen Klasse eines europäischen Fußballers des Jahres abhängig?), so hatte Guardiola eben die Möglichkeit, einen kurzen Blick auf seine Bank werfen zu können.

Bis zur 42. Minute saßen dort:

Alaba (Marktwert: € 28 Mio.), Götze (€ 45 Mio.), Pizarro (€ 2,75 Mio.), van Buyten (€ 1,5 Mio.), Kirchoff (€ 4 Mio.) und Starke (€ 1 Mio.)

Die verletzten Ribery (€ 42 Mio.) und Shaqiri (€ 20 Mio.)  Thiago (€ 25 Mio.), Javi Martinez (€ 37 Mio.) fehlten aus bekannten Gründen, von Holger Badstuber (€ 10 Mio.) redet aktuell keiner.

Also brachte Guardiola Alaba für den angeschlagenen Dante (42. min.) und später Götze für Rafinha und Kirchhoff für Mandzukic. Den wundgespielten Mainzern wurde in den 20 min nach der Halbzeit mal kurz gezeigt, wo das Bartl den Most holt und Thomas Tuchel sprach nach dem Spiel von einem Käfer der an einem Formel 1-Rennen teilnehmen möchte. Das Spiel endete 4:1 und man kann sich ungefähr ausrechnen, wie es ausgegangen wäre, wenn die Bayern mit Ribery, Alaba und Götze begonnen und 90. min. Vollgas gegeben hätten.

Was ich damit sagen will ? Qualität schießt eben doch Tore, Geld schießt Tore. Mit Sparpolitik wird man den Anschluss allein an die deutsche Spitze mit jeder Saison mehr verlieren und mit jedem verschwendeten Jahr wird der Abstand größer und unaufholbarer.

Ein Blick zum zukünftigen Vizemeister, der Borussia aus Dortmund. Diese Mannschaft könnte, wenn alle Leistungsträger gesund, fit, ausgeruht und in Topform sind, den Bayern an einem Spieltag Probleme bereiten. Aber auch nur dann.

Meiner Meinung nach resultiert die momentane Verletzungsmisere der Dortmunder (Piszczek, Schmelzer, Kehl, Gündogan fehlten teilweise dauerverletzt, Sahin, Reus und Bender gingen angeschlagen in die Partie) aus der Spielweise und eventuell dem dafür notwenigen intensiven Training unter Jürgen Klopp.

Die Dortmunder müssen, wollen sie ihr Spiel zu 100 % durchbringen, ein sogenanntes Amokpressing spielen. Sie müssen früher angreifen als alle anderen Mannschaften, sie müssen für diese Spielweise mehr laufen und wesentlich mehr offensive Zweikämpfe führen, wobei diese außerordentlich kraftraubend sind.

Beispiel Sven Bender. Er kam 2009 zu Borussia Dortmund, spielt auf der anstrengenden Position der Doppel-6. Seine Verletzungsbilanz seit 2010:

http://www.transfermarkt.de/de/sven-bender/profil/spieler_29993.html

Anderes Beispiel: Ilkay Gündogan.Er wechselte 2011 aus Nürnberg nach Dortmund.

http://www.transfermarkt.de/de/ilkay-guendogan/profil/spieler_53622.html

Ähnliches gilt für die Außenverteidiger Schmelzer und Piszczek, die unglaubliche Wege gehen müssen.

Warum spielt ein Sebastian Kehl als 33jähriger nur noch maximal jedes 2. oder 3. Spiel für den BVB ? Weil diese Art Fußball zu spielen für einen Spieler jenseits der 30 kaum mehr möglich ist, jedenfalls nicht kontinuierlich und auf einem Top-Niveau.

http://www.transfermarkt.de/de/sebastian-kehl/profil/spieler_410.html

Was bedeutet dies grundsätzlich ?

Zuerst einmal, dass man sich als Verein entscheiden muss. Möchte ich mitspielen (oben) oder möchte ich zugucken ? Wenn ich mitspielen will, muss ich investieren, daran geht kein Weg vorbei.

Spieler wie Götze, Thiago, Martinez, Reus, Gündogan, Kroos oder Müller kann kein Verein der Welt aus der eigenen Jugend „züchten“, selbst Barcelona kann das nicht.

Holt man aber nur 5 oder 6 solcher Spieler, muss diese Mannschaft bei nahezu jedem Spiel an ihre Leistungsgrenze gehen, was auf Dauer zur Folge hat, dass entscheidende Spieler mittel- oder langfristig verletzungsbedingt ausfallen, weil die Beastung des heutigen Powerfußballs einfach zu  groß ist.

Für den HSV bedeutet das ?

Möchte man tatsächlich irgendwann mal wieder in die Tabellenregionen zwischen 1 und 4 vorstoßen (und zwar dauerhaft), dann reichen Investitionen von € 25 Mio oder ähnlich eben nicht aus, vielmehr könnte man eine Null anhängen.

Auf ein schönes Spiel gegen den VfB.

Von | 2013-10-20T12:36:14+02:00 20. Oktober 2013|Allgemein|3 Kommentare

3 Comments

  1. Pascal 20. Oktober 2013 um 09:42 Uhr

    dazu kann ich eigentlich nichts mehr ergänzen. Wie immer hast du das auf den Punkt getroffen.

  2. Gravesen 20. Oktober 2013 um 18:06 Uhr
  3. Gravesen 20. Oktober 2013 um 18:14 Uhr

    Matz

    :“Der HSV wie die Nationalmannschaft“

    „Calhanoglu wie Özil..“

    etc.

    Was ein Glück, dass der Vogel endlich Rentner ist…

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