Was vom Abend übrig blieb – Strukturmodell(e) in der Diskussion

Eine Beobachtung von Trapper Seitenberg

 

Auf Einladung des Berliner Fanclubs „Sitzkissenfraktion Auswärts“ waren gestern Abend Otto Rieckhoff (in Begleitung seiner Frau) und Thomas von Heesen in Berlin, um das Modell HSVPlus vorzustellen. Leider musste ein Vertreter des SCs, der gleichzeitig das Reform-Modell erläutern sollte, aus privaten Gründen kurzfristig absagen. Wer meine bisherigen Beiträge zur Sache gelesen hat, der wird wissen (oder zumindest ahnen), dass ich persönlich das Konzept von HSVPlus für alternativlos halte.

Dennoch möchte ich an dieser Stelle ausdrücklich bedauern, dass aufgrund widriger Umstände kein namhafter Unterstützer der Reformer anwesend sein konnte. Im unmittelbaren Widerstreit der miteinander konkurrierenden Modelle, in Rede und Gegenrede, lassen sich m.E. Unklarheiten und Verständnisprobleme bei Mitgliedern und Fans des HSV leichter aufspüren und wird deren eigene Meinungsbildung erleichtert. Um so dankbarer bin ich den zwei, drei gestern Anwesenden, die sich (mehr oder minder) dem Konzept von HSVPlus gegenüber skeptisch zeigten, bzw. als erklärte Unterstützer des Reform-Konzepts auftraten. Respekt.

Ich verzichte an dieser Stelle bewusst darauf, den gesamten Verlauf des Abends exakt zu protokollieren. Die Angaben zu den Personen, Otto Rieckhoff und Thomas von Heesen, sowie die Grundzüge des Konzepts von HSVPlus dürften inzwischen hinlänglich bekannt sein. Ich will mich stattdessen auf das beschränken, was die gestrige Veranstaltung auszeichnete, bzw. was mir berichtenswert erscheint. Los geht es:

Veranstaltungsort war eine Fußball-Kneipe, die FC Magnet Bar. Im oberen, größeren und gut gefüllten Gastraum wurde zeitgleich das Bundesligaspiel VfB Stuttgart gegen Borussia M’gladbach gezeigt, so dass die Veranstaltung in einem fensterlosen Raum im Untergeschoss stattfinden musste und bisweilen durch laut jubelnde Anhänger der siegreichen Gladbacher ein wenig gestört wurde. Ich erwähne dies nur, um dem geneigten Leser eine Vorstellung davon zu ermöglichen, unter welchen bisweilen erschwerten Bedingungen derartige Veranstaltungen stattfinden können.

Nach meiner überschlägigen Zählung erschienen ca. 30 interessierte Zuhörer. Nach kurzer Vorstellung zur eigenen Person durch Otto Rieckhoff und Thomas von Heesen selbst, gaben beide einen Überblick über die Entstehungsgeschichte des Konzepts, ihre und die Motivation ihrer prominenten Mitstreiter. Otto Rieckhoff erläuterte, dass der HSV e.V., also der Universalsportverein in seiner bisherigen Struktur, in absehbarer Zeit mit beachtlichen steuerlichen/juristischen Risiken konfrontiert werden wird. Stichworte in diesem Zusammenhang sind: Verlust der Gemeinnützigkeit/Entzug der Rechtsfähigkeit in Folge Rechtsformverfehlung. Punkte, auf die ich noch zurückkommen werde.

 

Als EOR die 24,9 Prozent ansprach, die nach dem Konzept von HSVPlus zukünftig als Anteilsverkauf an der AG vorgesehen sind, wurden offenbar verbreitete und hartnäckige Missverständnisse deutlich:

 

24,9 Prozent nur den Anfang des Ausverkaufs, und was hat der HSV davon?

Offenbar glaubt(e) mancher irrtümlich, dass die 24,9 Prozent nur an einen einzigen Interessenten verkauft werden sollen. Auch deswegen wird dann fälschlich geschlussfolgert, dieser Anteilsverkauf sei ja nur der Beginn eines weiter folgenden Ausverkaufs. Außerdem kann man doch für „nur“ 25 Millionen nicht den Verein verscherbeln, oder?

 Rieckhoff versuchte erneut verständlich zumachen, dass die geplanten 24,9 Prozent insgesamt für mehrere(!) strategische Partner (eben keine Investoren!) zum Erwerb bereit gestellt werden sollen. Seiner Vorstellung nach wären vier bis fünf zukünftige Strategische Partner des HSV realistisch und vorstellbar. Jeder Strategische Partner könnte also (zukünftig) ungefähr anteilig 5-6 Prozent erwerben. Der tatsächliche Prozentsatz je Partner wäre mit dem jeweiligen Gegenüber auszuhandeln.

Bei den strategischen Partnern handelt es sich eben nicht um Investoren. Ein Investor will prinzipiell unmittelbar mit seinem Investment verdienen, während ein strategischer Partner sich langfristig die Nutzungsrechte der Marke HSV sichert. Hier geht es also nicht um den Kauf von Anteilen des Vereins, um aus dem Verein selbst Geld zu ziehen, bzw. Gewinne aus dem Weiterverkauf der Anteile zu erlösen. Hier geht es darum, dass sich z.B. ein Ausrüster langfristig  Marken-/Werbeeffekte des HSV sichert, auch um zu verhindern, dass seine konkurrierenden Mitbewerber ihn dort verdränge können. Beispiel: PUMA erwirbt Anteile und stellt so langfristig sicher, dass alle HSV-Spieler zukünftig mit PUMA-Produkten auflaufen. Gleichzeitig verhindert PUMA durch die Partnerschaft, dass die Firma als Ausrüster durch z.B. NIKE als Ausrüster des HSVs kurz- oder mittelfristig abgelöst werden kann. Auch deswegen ergibt sich der konkret zu erzielende Erlös je Anteil nicht nach dem zu errechnenden „Wert des Vereins“, sondern nach dem, was die Nutzungsrechte an der Marke HSV und der langfristige Werbeeffekt dem interessierten Unternehmen wert erscheinen. Daraus folgt auch, dass Rieckhoffs Vorstellungen zur Folge die gesamten 24,9 Prozent nicht für einmalig „nur“ 25 Millionen Euro verkauft werden. Realistisch zu erlösen erscheint ihm hier ein dreistelliger(!) Millionenbetrag für das Gesamtpaket – aufgesplittet in bspw. mindestens je 25 Millionen bei vier zukünftigen Partnern. Bevor (überhaupt) mehr als die im HSVPlus-Konzept vorgesehenen 24,9 Prozent veräußert werden <i>könnten</i>, bedürfte es einer ausdrücklichen und erneut einzuholenden Zustimmung der Mitglieder. Dieses Szenario, also der Verkauf vom mehr als den 24,9 Prozent, wird aber derzeit nicht angestrebt.

Es ist auch nicht beabsichtigt, dass jeder der Strategischen Partner je eine Stimme in der Hauptversammlung erhält. Vielmehr sollen allen Partner zusammen(!) durch einen Delegierten vertreten werden. Der Prozentsatz von 24,9 wurde auch deswegen ganz bewusst von den Vertretern von HSVPlus gewählt, da dieser unterhalb einer sg. „Sperrminorität“ liegt. Das bedeutet im Klartext: Auch nach dem kompletten Verkauf der 24,9 Prozent an vier bis  fünf Partner könn(t)en die Partner dem Verein (oder seinen Mitgliedern) rein gar nichts aufzwingen. Das Sagen behielten nach dem Modell auch zukünftig allein die Mitglieder des HSV!

 Ok! – wir haben dann viel Geld, aber das ist schnell verbrannt und dann ?

Mancher Redner äußerte die Sorge, dass nach einem Anteilsverkauf das Geld inkompetent „verbrannt“ werden könne. Diese Gefahr, nämlich dass man bspw. Spieler überteuert einkauft, besteht allerdings immer und bei jedem der derzeit diskutierten Modelle, auch beim Reform-Konzept! Schließlich behauptete Ertel (als Reform-Unterstützer),  das Stadion, der Stadionnamen oder der noch zu errichtenden Campus sei hoch attraktiv für Mäzene oder Investoren. Reichert, in Sachen Reform sein Bruder im Geiste, hält sogar eine Orientierung am „Schalker Modell“ [Anm. d. Verf.: Anleihe im Vorgriff auf zukünftige Einnahmen] für vorstellbar. Alle diese Vorschläge liefen prinzipiell auf hohe (Einmal-)Erlöse hinaus, die natürlich bei mangelnder Sachkunde in Theorie und Praxis schnell verschwendet werden könnten. Wenn aber dieser Einwand gegen jedes Modell anzubringen wäre, dann kann er nicht allein gegen das Konzept von HSVPlus durchschlagen.

Rieckhoff sagte, dass er ohnehin dagegen wäre, wenn man das Geld aus dem Anteilsverkauf in teure Spielertransfers stecken würde. Dieses Geld solle vordringlich zum Schuldenabbau verwendet werden, damit der HSV überhaupt wieder (nennenswert) handlungsfähig wird. Er wies zugleich aber darauf hin, dass z.B. eine vorzeitige Ablösung der Stadionfinanzierung aufgrund günstiger Raten/Zinsen durchaus unsinnig sein könne. Es wäre also ein (weiteres) Missverständnis, wenn jemand  immer noch annehmen würde, der HSV sei nach einem Anteilsverkauf umgehend und absolut frei von allen Verbindlichkeiten. Das (übrige) zu erlösende Geld soll nach Rieckhoffs Prioritätenliste in zweiter Linie in den Nachwuchsbereich fließen, um hier einen nachhaltigen Effekt zu Gunsten des Vereinst zu bewirken.

 

HSVPlus bietet nichts, was man nicht auch in der bestehenden Struktur als e.V. erreichen könne, oder?

Eine Behauptung, die auch am gestrigen Abend wiederholt von den Skeptikern/Gegnern sinngemäß geäußert wurde. Sie übersehen dabei bewusst oder unbewusst zwei erhebliche Risiken:

1.)der Gesamtverein in seiner gegenwärtigen Struktur könnte in absehbarer Zeit die Anerkenntnis seiner Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt verlieren, da man u.a. aus Sicht der europäischen Wettbewerbshüter argumentieren kann, dass die mit der Gemeinnützigkeit einhergehenden steuerlichen Vorteile tatsächlich eine verdeckte und verbotene staatliche Subventionierung der deutschen Profivereine (im Vergleich zu den ausländischen Konkurrenten) darstellen. Angesichts der nicht gerade üppigen finanziellen Ausstattung der Amateurabteilungen würde eine Aberkennung der Gemeinnützigkeit ein finanzielles Loch in den Etat reißen, dass dann unmittelbar den Fortbestand der diversen Abteilungen akut gefährden würde.

2.)nach der derzeit bereits herrschenden Meinung unter Juristen verfehlt ein unternehmerisch und mit Gewinnerzielungsabsicht operierender Verein (wie der HSV durch seine Lizenzspielerabteilung) die Rechtsform des s.g. Idealvereins im Sinne von § 21 BGB. Ihm wäre daher grundsätzlich die Rechtsfähigkeit (§ 43 II BGB) zu entziehen. Dies hätte ebenfalls fatale Folgen für den Verein. Man muss hier betonen, dass diese ernsten Folgen in absehbarer Zeit tatsächlich eintreten werden. Entsprechende Hinweise liegen (längst) vor.

Fazit: eine gravierende Strukturveränderung des HSVs erscheint auch dann unumgänglich, wenn man eine andere Rechtsform als die von HSVPlus favorisierte AG für den HSV bevorzugen würde. Ein „weiter so als e.V.“ kann es nicht geben. Wer die beiden Eisberge namens „Aberkennung der Gemeinnützigkeit“ und „Rechtsformverfehlung“ heute noch nicht auf dem Radar hat, der erweist sich als inkompetenter Kapitän des Universal-Tankers namens HSV. Wer glaubt, man könne doch wenigstens bis zur Meldung des Sichtkontakts mit beiden Eisbergen durch den Ausguck unverändert weiter als e.V. schippern, der wird seiner Verantwortung auch und gerade für die Amateurabteilungen des Universalsportvereins nicht gerecht.

Über „Europa“und mit dem nötigen „Glück“ zum nachhaltigen Erfolg?

Ein hartnäckiger Irrglauben, auf den ich hier schon in einem anderen Gast-Beitrag eingegangen bin. Auch gestern Abend war er in einzelnen Diskussionsbeiträgen herauszuhören. Tatsächlich sind dem HSV aus der Halbfinalteilnahme (immerhin!) an der Europa-League ganze 4 (in Worten: vier!) Millionen Euro seinerzeit übrig geblieben. Wenn die an der CL teilnehmende nationale Konkurrenz zu selben Zeit jedoch mindestens zweistellige (im mittleren Bereich) Beträge dort generiert hat, dann sollte auch der Letzte verstehen, dass eine Teilnahme an der EL prinzipiell und nicht einmal im Falle des relativ unwahrscheinlichen Gewinns derselbigen dem HSV die Erlöse bringen kann, die er grundsätzlich bräuchte. Der HSV könnte nur über die CL im nationalen Vergleich aufholen. Für beides, EL und CL, müsste man aber zudem den Kader tendenziell vergrößern (nicht reduzieren), bzw. in die Qualität des Kaders investieren (statt Kosten zu reduzieren!). Wer glaubt, dies schriebe ich allein aus der Sicht eines Befürworters von HSVPlus, der frage derzeit nach z.B. beim SC Freiburg, was Doppelbelastung bedeutet.

 TvH wies darauf hin, wie bedeutend u.a. fachliche Kompetenz (der sportlich Verantwortlichen), eine frühzeitige, kontinuierliche und sachgemäße Betreuung von Talenten und die allgemeine sportliche Perspektive (und natürlich auch Verdienstmöglichkeiten) für deren Bindung an den Verein sind. Die allgemein verlangte nachhaltige Entwicklung des Vereins ist also nicht zuletzt auch mit dessen finanziellen Möglichkeiten in einem Zusammenhang zu sehen. Wer Nachhaltigkeit fordert, aber Spieler verkaufen will/muss (um überhaupt handlungsfähig zu sein/zu werden/zu bleiben), wie es Reformunterstützer vorgeschlagen haben, der konterkariert seine eigene Forderung. So lange der HSV auf schwachen sportlichen (auch im Sinne der Kompetenz im Verein) und finanziellen Beinen steht, so lange werden ihm die Talente von der Fahne gehen.

 Ich hoffe, dieser Beitrag trägt dazu bei, einige Fragen bzw. Missverständnisse, wie sie auch am gestrigen Abend in der angeregten Diskussion unverändert zu Tage traten, zu beantworten oder auszuräumen.

Wer auf Aussagen zu dem von Huhnke beworbenen Modell „Zukunft mit Tradition“ oder dem Modell von Rautenherz.de vergeblich gewartet hat, dem sei gesagt, dass beide Modelle gestern praktisch keine Rolle spielten, d.h. weitestgehend ohne Interesse beim Publikum blieben. Abschließend möchte ich mich bei den Initiatoren des gestrigen Abends, dem Fanclub mit seinen beiden Vorsitzenden, ausdrücklich allen Diskutanten und  natürlich bei Otto Rieckhoff, seiner Frau und Thomas von Heesen für einen kurzweiligen und interessanten Abend bedanken

Von | 2013-11-25T08:21:27+01:00 25. November 2013|Allgemein|100 Kommentare

100 Comments

  1. oldiehamburg 25. November 2013 um 08:52 Uhr

    Danke für diesen – wie immer – sehr informativen Beitrag.
    Da in diesem Blog ja auch viele User aus anderen Blogs mitlesen, wird dem einem oder anderen Leser (hoffentlich) klarer geworden sein worum und wie es geht.
    Also, nochmals vielen Dank Trapper.

  2. Wolfgang 25. November 2013 um 09:24 Uhr

    Danke für den Beitrag.
    Ich weis zwar was ich möchte und welchen Weg ich gehen werde, aber Information kann man nie genug bekommen 🙂
    Interessant fand ich die Aussagen zu diesen Themen:
    „Aberkennung der Gemeinnützigkeit“ und „Rechtsformverfehlung“

    Dies war mir persönlich bis heute nicht bekannt. Dafür nochmal danke.

    • Trapper Seitenberg 25. November 2013 um 10:09 Uhr

      In der Vergangenheit wurden die unternehmerischen, auf Gewinnerzielung orientierten Aktivitäten der Lizenspielerabteilungen innerhalb der eingetragenen Vereine durch das Finanzamt toleriert, obwohl diese ansich dem Gedanken der Gemeinnützigkeit widersprechen. Man kann sich leicht vorstellen, warum. Man denke nur an den Aufschrei, der quer durch die Republik zu hören gewesen wäre. Da aber die große Mehrheit der Vereine jedoch zwischenzeitlich ihre Lizenzspieler ausgeliedert hat, bzw. inwzischen nur noch eine kleine Minderheit der Vereine unverändert als e.V. (wie der HSV) existiert, dürfte sich der Aufrur in Grenzen halten, sollte das Finanzamt zukünftig eine andere Linie fahren. Man muss auch beachten, dass die Gemeinnützigkeit grundsätzlich für 3 Jahre festgestellt wird. Wird sie entzogen, bzw. nicht gewährt, dann fehlen also auch steuerliche Vorteile nicht nur für ein Jahr, sodern gleich für mehrere Jahre! Wenn man nun ebenfalls berücksichtigt, dass bei der Finanzierung der Amateurabteilungen im Regelfall bei den Vereinen keine dicken Speckpolster vorliegen, dann kann man sich vielleicht vorstellen, welche ernsten und unmittelbaren Folgen diese Problematik für den Amateursport haben wird.

      Die ähnliche Frage der Rechtsformverfehlung ist auch in diesem Zusammenhang zu bewerten. Im Prinzip ist es längst herrschende Meinung unter Juristen, dass eine Rechtsformverfehlung vorliegt. Das ist weitestgehend unstrittig. Normalerweise führt dies zum Verlust der Rechtsfähigkeit. Dass diese für den HSV höchst problematische Konsequenz noch nicht eingetreten ist, das dürfte allein am bisher fehlenden politischen Willen zur Durchsetzung liegen. Man muss aber, will man seiner Veranwortung für den Verein tatsächlich gerecht werden, nicht nur die (bisherige) nationale Praxis sehen. Wir werden eben nicht nur in Berlin, sondern auch in Brüssel und Straßburg regiert. Und die Entscheidungen aus diesen beiden Städten liefern unseren Politikern in Berlin im Zweifel auch die Entschuldigungen gegenüber den Mitgliedern und Fans der Vereine, die von einem zukünftigen Kurswechsel schwerst betroffen wären.

  3. MrsMurphy 25. November 2013 um 09:49 Uhr

    @ Trapper: Well done 🙂 Ansonsten ist ja alles dazu gesagt.

    Ich möchte gerne ein paar Worte zu meinem Nachmittag in der Arena gestern verlieren. Zunächst: Tolles Erlebnis. So ein Heimsieg ist immer großartig, wenn über 45.000 Fans (ich habe von den 52000, die da waren, die H96-Fans mal abgezogen) toben, dann gibt das ein Gänsehautgefühl. Ich habe ein ordentliches (nicht hochklassiges) Spiel gesehen, das der große HSV zu Recht gewonnen hat. Besonders gefreut habe ich mich für Badelj, der mich wieder begeistert hat. Und auch für Heiko Westermann!

    Womit ich beim Thema wäre: Ich saß mal wieder auf der Nordtribüne, und was dort gegen Heiko gepöbelt wird, ist wirklich unglaublich. „Pappnase“ war noch eines der harmloseren Beschimpfungen. „Der muss weg“, „Geht ja gar nicht“ .. so ging das ständig. Ich bin einfach nur entsetzt. Wie kann man über einen Spieler der eigenen Mannschaft so reden?! Und natürlich sind alle blind, die ihn immer wieder aufstellen – Löw sowieso. Unfassbar. Wie ich überhaupt die Stimmung nicht sonderlich toll fand; es wird nur laut, wenn der HSV gut spielt, sich Chancen erarbeitet oder eben Tore schießt. Ansonsten – naja, nicht viel. Es unterscheidet sich sehr von den HSV-Fans, die auswärts dabei sind, da geht eigentlich immer die Post ab.

    Noch eine kleine Randbemerkung: Keiner erwähnte die kleine Pyro-Show von H96, die wohl keinen Schaden anrichtete, aber mich den Kopf schütteln ließ. Das sechsjährige Kind daheim dazu: Ich fand das toll. Ähem …

    • Gravesen 25. November 2013 um 09:58 Uhr

      Das Westermann-Bashing ist nicht nur peinlich, es ist in höchstem Maße unangebracht und widerwärtig.

      Allerdings kann man zur Zeit auch eine ebenso bedenkliche Entwicklung hinsichtlich Rene Adler beobachten. Es stimmt, Adler hat im Moment nicht die Form der letzten Saison und das weiß er selbst am Besten. Das ihn allerdings exakt die Typen, die ihm im letzten Jahr einen Vertrag bis 2072 geben wollten, jetzt niederschreiben und ihn am liebsten nach Wo-auch-immer verramschen möchten, sagt absolut alles über diese Art Zuschauer (ich nenne sie bewußte nicht Fans) aus.

  4. Trapper Seitenberg 25. November 2013 um 10:20 Uhr

    da in meinem Beitrag von „gestern Abend“ die Rede ist: die Veranstaltung fand bereits am Freitag statt.

  5. SM 25. November 2013 um 10:50 Uhr

    Zitat: „1.)der Gesamtverein in seiner gegenwärtigen Struktur könnte in absehbarer Zeit die Anerkenntnis seiner Gemeinnützigkeit durch das Finanzamt verlieren, da man u.a. aus Sicht der europäischen Wettbewerbshüter argumentieren kann, dass die mit der Gemeinnützigkeit einhergehenden steuerlichen Vorteile tatsächlich eine verdeckte und verbotene staatliche Subventionierung der deutschen Profivereine (im Vergleich zu den ausländischen Konkurrenten) darstellen. Angesichts der nicht gerade üppigen finanziellen Ausstattung der Amateurabteilungen würde eine Aberkennung der Gemeinnützigkeit ein finanzielles Loch in den Etat reißen, dass dann unmittelbar den Fortbestand der diversen Abteilungen akut gefährden würde.

    2.)nach der derzeit bereits herrschenden Meinung unter Juristen verfehlt ein unternehmerisch und mit Gewinnerzielungsabsicht operierender Verein (wie der HSV durch seine Lizenzspielerabteilung) die Rechtsform des s.g. Idealvereins im Sinne von § 21 BGB. Ihm wäre daher grundsätzlich die Rechtsfähigkeit (§ 43 II BGB) zu entziehen. Dies hätte ebenfalls fatale Folgen für den Verein. Man muss hier betonen, dass diese ernsten Folgen in absehbarer Zeit tatsächlich eintreten werden. Entsprechende Hinweise liegen (längst) vor.“

    Zu 1). Diese Sau wird seit 20 Jahren regelmaessig durch’s Dorf getrieben, ohne das da irgendetwas dran waere. Es besteht in der Politik ueberhaupt kein Willen dies umzusetzen und den deutschen Sportvereinen (insbesondere den Fussballvereinen) die Gemeinuetzigkeit zu entziehen.

    Zu 2). Der HSV e.V. wird nicht mit Gewinnerzielungsabsicht betrieben, schon gar nicht die Lizenzspielerabteilung.

  6. Trapper Seitenberg 25. November 2013 um 11:30 Uhr

    Natürlich ist das kritikwürdig. Andererseits ist das vielleicht auch die logische, zwingende Folge der Veränderungen, die u.a. mit den Stadion-Neubauten einhergeht. Profi-Fußball ist eben nicht nur (länger) Sache der Fußballverrückten, sondern er ist eben auch Event geworden. Bei Häppchen und Drinks lassen sich auch ganz gut Geschäftsbeziehungen pflegen, bzw. eventuell anbahnen. Profifußball ist auch Teil des allgemeinen Entertainments geworden, das alle Bevölkerungsschichten anspricht. Und natürlich sind alle, auch wenn sie niemals einen Ball stoppen könnten ohne sich dabei die Beine zu brechen, im Grunde die beseren Trainer. Das ist auch Teil unserer Kultur. Davon profitieren die Vereine und letztlich auch die Spieler (über höhere Gehälter). Sicher sollte man immer wieder zu einer gewissen Mäßigung auffordern. Aber man kann sich prinzipiell nicht auf die ganz große Bühne stellen und von der Auslastung eines vollen Hauses profitieren wollen und gleichzeitig erwarten, dass es nur Blumensträuße regnet. Letztlich muss ein buhender Theaterbesucher auch nicht belegen, dass er tatsächlich das Stück oder dessen Inszenierung verstanden hat.

    • Trapper Seitenberg 25. November 2013 um 11:37 Uhr

      der Fehlerteufel… – die BESSEREN Trainer

    • MrsMurphy 25. November 2013 um 13:57 Uhr

      Ein kleiner Einspruch: Die Westermann-Basher müssen nicht zwingend aus dem so genannten „Event“-Publikum kommen, sondern stehen und sitzen inmitten der „klassischen“ Fans, etwa in 22c. Eine Minderheit, jedoch eine hörbare. Und hier sehe ich das Hauptübel.

      Deinen Theater-Vergleich finde ich nicht so optimal:
      1) Als Fan (!) gehe ich nicht ins Stadion, weil ich allgemein an Fußball interessiert bin (zumindest primär), sondern um meinen Verein zu sehen und anzufeuern. Und als Fan bin ich per definitionem ein bedingungsloser Unterstützer.
      2) Die Schauspieler spielen in erster Linie für das Publikum, ihm möchten sie etwas erzählen, ihm gefallen. Fußballer spielen in erster Linie (!) für den sportlichen Erfolg, nicht für die Galerie, wenn ich das so flapsig sagen darf.

      Ich bleibe dabei: Auspfeifen, Bepöbeln geht nicht. Dan