Der fehlende Schlüssel

Liebe Leser,

um gleich zu Anfang etwas klarzustellen: Nein, ich habe mich gestern nicht über die Niederlage gegen Mainz gefreut, ich freue mich nie über eine Niederlage meines Vereins. Selbstverständlich könnte man argumentieren, dass das Ergebnis des letzten Liga-Spiels vor der richtigsweisenden Mitgliederversammlung am 19.01.2014 der Initiative HSVPLus in die Karten gespielt hat und eventuell doch noch einige wankelmütige Mitglieder animiert hätte, für eine drastische Veränderung innerhalb des Vereins zu stimmen, aber ich denke, wer es bis gestern nicht begriffen hat, der hat es heute auch nicht begriffen.

Insofern bedurfte es dieser fatalen Niederlage im Grunde nicht.

Das „Problem HSV“ hat meiner Auffassung nach nicht einen Grund (Mannschaft) oder nicht zwei Gründe (Mannschaft und Trainer), es hat zahlreiche Gründe, die sich gegenseitig ergänzen und befruchten und den fehlenden Schlüssel für die Lösung dieser Probleme zu finden, übersteigt die Fähigkeiten eines einzelnen Mannes (van Marwijk).

Meiner Auffassung nach stinkt es nicht nur im gesamten Verein, nein, es stinkt im gesamten Umfeld des Vereins und damit meine ich die Medien, die sogenannten „externen vereinsinteressierten Kreise“, die Ehemaligen. Alle.

Der Verein hat selbstverständlich Probleme innerhalb der Mannschaft, aber eben nicht nur dort. Wer denkt, dass die fürchterliche Gesamtkonstellation in und um den Verein das Leistungsvermögen der Spieler nicht beeinflußt, sollte zum Nonnenhockey gehen.

Wie bereits erwähnt, es hakt überall.

Der Aufsichtsrat

Eine Ansammlung von mittlerweile 11 „Räten“, die untereinander derart zerstritten sind, dass sie sich im Monats-Rhythmus mit Klagen drohen. Hier gönnt der Eine dem Anderen das schwarze unter’m Fußnagel nicht, hier wird um mediale Aufmerksamkeit gekämpft. Es gibt diverse Lager, es werden temporäre Allianzen gebildet, die dann auch gern wieder aufgekündigt werden. Es gibt nicht einen Maulwurf, es gibt Diverse.

Das Schlimme ist: Dieser Aufsichtsrat kontrolliert nicht, dieser Aufsichtsrat regiert. Der tatsächlich starke Mann beim HSV ist nicht Carl-Edgar Jarchow, der starke Mann ist Manfred Ertel. Er hat es geschafft, nach Jahren der Anstrengungen, der aktiven Politik (wenn ich das schreiben würde, was ich wirklich meine, bekomme ich mal wieder einen Anruf) sich selbst an die Spitze eines Gremiums zu „befördern“, welches die Geschicke des Vereins in der Hand hält.

Der Aufsichtsrat sucht, findet und ernennt den Vorstand. Wenn man die Besetzung des Rates betrachtet, stellt man sich die Frage, wer zur Hölle hier qualifiziert ist, einen geeigneten Sportchef zu finden ? Herr Klüver ? Herr Eghbal ? (Namen sind willkürlich ausgewählt). Diese Herren plus Dame sind auf ihren Fachgebieten teilweise bestimmt qualifiziert, aber was sportliche Kompetenz betrifft, befinden sie sich in der Kreidezeit.

Und damit beginnt nicht etwa das Dilemma, nein, wir sind mittendrin.

Wer wählt denn diesen „Experten“ ?

Der Supportes Club

Ich bin weit davon entfernt, jeden „Supporter“ über einen Kamm zu scheren, aber die Führung der Fan-Abteilung ist meiner Meinung nach eines der Grundübel dieses Vereins. Hier werden AR-Kandidaten ausgewählt, hier wird entschieden, welche Kandidaten unterstützt und welche sabotiert werden. Am Ende des Tages kann man sagen, dass hier über die Zusammenstellung des Rates entschieden wird/wurde, der den Verein führt. Wer also „führt“ tatsächlich ?

Aber innerhalb dieser recht kleinen Gruppe werden auch andere Fäden gezogen. Hier werden Dinge wie die Fernwahl verhindert, hier wird Politik im tiefsten Sinne betrieben. Nicht selten werden abtrünninge Mitglieder, die die Meinung der SC-Führung nicht teilen und sich eine eigene Meinung bilden, mit gewissen Mitteln versucht, wieder „auf Linie“ zu bringen.

Es wird jetzt Leute geben, die sagen:

„Naja, es sind ja nur Ertel, Klüver, Floberg und Hunke, die direkt dem SC zugeordnet werden können…“

Weit gefehlt, Freunde. Hier sind noch ganz andere Mitglieder aktiv, die „die Sache“ des SC maßgeblich unterstützen.

Wenn man es nicht schafft, diese unsäglichen Strukturen zu durchbrechen, wird

jeder Trainer, jeder Sportchef und jede Mannschaft scheitern !

 

Hinzu kommt, dass der SC ein Mitglied direkt im Vorstand platzieren konnte. Einen „Vorstand für Mitgliederbelange“ gönnt sich wirklich nur der HSV. Wer ein wenig Phantasie mitbringt, kann erraten, wie auf dieser Ebene die Kommunikation verläuft.

Der Vorstand

Ein zum großen Teil von der SC-Führung oder den Hardcore-SC’lern gewählter Aufsichtsrat ernennt einen Vorstand. Was für ein Wunder, dass der Vorstandsvorsitzende selbst von 1998 bis 2001 stellvertretender Abteilungsleiter des SC war.

Jarchow selbst wurde auf den Posten des Vorstandsvorsitzenden gesetzt, um in der Nacht-Hoffmann-Ära für Ruhe im Verein zu sorgen. Der HSV galt als in sich zerrissen und Jarchow sollte die Gräben zuschütten.

Inwieweit ihm der gelungen ist, kann jeder für sich beantworten, aber wenn ich mir den aktuellen Wahlkampf anschaue, habe ich den Eindruck, dass der Verein noch nie dermaßen kurz vor der ultimativen Zerreißprobe stand.

Was erwarte ich von einer Geschäftsführung, von einem Vorstand, von der Leitung eines Unternehmens ?

Zuerst einmal erwarte ich Führung. Eine klare Linie. Die Formulierung von ambitionierten, aber erreichbaren Zielen. Motivation. Eine Idee. Eine Vision davon, wo das Unternehmen in 5 oder in 10 Jahren stehen soll. Die Schaffung einer Identität. Die Entwicklung bzw. die Schaffung einer Marke.

Dann erwarte ich eine gewissen Integrität, eine Verschwiegenheit.

Und ich erwarte, dass man, sollten die ausgegebenen Ziele verfehlt werden, nicht grundsätzlich den Vorgänger dafür verantwortlich macht.

„Wir wollen in den nächsten 3 Jahren unter die ersten 4 gelangen“

 

„Wir peilen die schwarze Null an“

 

„Ich korrigiere das Saisonziel nicht“

 

Keine weiteren Kommentare.

Der Sportchef

Wenn ich mir heute anschaue, dass der HSV für Herrn Kreuzer eine Ablösesumme an den KSC bezahlt hat, könnte ich schreien. Meiner Auffassung nach hat Kreuzer in seinen wenigen Monaten in Hamburg bisher alles falsch gemacht, was man falsch machen konnte.

Ich möchte mir eigentlich ersparen, jeden einzelnen Punkt erneut aufzulisten, aber allein die täglichen 14 Interviews, mit denen man sich selbst Ruhe vor der Presse-Meute erkauft, machen mich krank. Kreuzer hat wirklich alles getan, um die Mannschaft mental zu destabilisieren. Er spricht den Spielern bei jeder Gelegenheit die Qualität ab, gibt sie teilweise der Lächerlichkeit preis („Bei den Bayern müssen wir mit 13 Spielern und zwei Torhütern antreten“). Nach meiner Auffassung agiert der Mann teilweise vereinsschädigend und ich habe wenig Verständnis dafür, dass über eine Abmahnung seitens des Aufsichtsrats nichts bekannt wurde.

Die Presse

„Ach, hör‘ doch auf. Was kann denn die Presse dafür, dass die Spieler nicht laufen ? Die schreiben doch nur das, was sie sehen….“

 

Nein, eben genau das tun sie nicht. Sie machen Politik. Sie schreiben Trainer von der Bank, sie entlassen Sportchefs, bevor der Aufsichtsrat es tut. Sie manipulieren Meinungen, weil sie sich für die wahre Macht im Lande halten. Und warum tun sie das ? Weil sie es können. Man hat Angst vor der BILD, man möchte es sich nicht mit Herrn Hesse oder Herrn Milani verscherzen. Wer weiß, was die erfinden, wenn man nicht so spurt, wie sie es möchten. Am Arsch geleckt !

Ein Freund (Australier) sagte mal zu mir:

„Der HSV braucht die Medien nicht, die Medien brauchen den HSV..“

 

Und er hat Recht. Ich war einmal dabei, als Ernst-Otto Rieckhoff sich bei den Herrn des Abendblatts mit den Worten bedankte:

„Vielen Dank, dass sie uns immer das Stadion vollschreiben“

 

Irrtum. Das Stadion macht die Mannschaft mit ihrer Leistung voll.

Sollte es der Führung des HSV auf Dauer nicht gelingen, sich von dieser fatalen Allianz mit dem Haus Springer zu lösen, sollte es nicht gelingen, sich dieser Epressungs-Spirale zu entziehen, kann man auf den Vorstandsposten setzen, wen man möchte.

Die „externen vereinsinteressierten Kreise“

Sie sind die Stippenzieher im Hintergrund und sie machen gewaltig Stimmung und Politik. Sie besetzen zwar keine offiziellen Posten, aber sie haben ihre Verbindungen in die Gremien. Sie tauchen öffentlich selten auf und wenn doch, geben sie sich nicht zu erkennen. Eingeweihte wissen, um wen es sich handelt. Sie waren es, die Sportchef Arnesen auf dem Gewissen haben und Gott weiß, welche Personalien sie sonst noch (mit)-entschieden haben.

Dabei sind die Motive für ihr Handeln vielschichtig. Einige agieren aus purer Eitelkeit, andere deshalb, weil ihrer Meinung nach ihre Stimme nicht erhört wird. Wieder andere haben einfach nur Lust an der Intrige.

Dabei vernachlässigen sie eine wichtige Sache bzw. sie ignorieren sie :

Mit ihrem Treiben schaden sie dem Verein weit mehr, als sie ihm nützen.

Nimmt man nur all diese verschiedenen Gruppen zusammen, betrachtet man das Gesamtbild, dann erkennt man, woran es beim HSV krankt. Es ist ein Zusammenspiel aus Eitelkeiten, Intrigen, Unvermögen, Seilschaften, Manipulationen, alten Rechnungen, Ängsten, nicht vorhandenen Fähigkeiten.

Dieser Verein muss komplett „auf links“ gedreht werden, mit dem einfachen Austausch von zwei oder drei Personalien ist es nicht getan. Ebenfalls ist es nicht damit getan, die Gremien ein wenig zu ändern bzw. zu verkleinern.

So lange die Zusammensetzung des Vereins so ist, wie sie ist, geht es weiter bergab.

So lange Mitglieder darüber bestimmen, wie gearbeitet wird, geht es weiter bergab.

So lange Amateure das machen, womit sich Profis schwertun, geht es weiter bergab.

 

Oder anders gesagt:

Bis auf Hermann Rieger, alle raus !

 

 

 

Von | 2013-12-22T12:06:07+01:00 22. Dezember 2013|Allgemein|6 Kommentare

6 Comments

  1. humorbaer 22. Dezember 2013 um 11:01 Uhr

    So gut alles geschrieben ist,
    so traurig ist alles.
    Ich hoffe das meine Simme am 19.01.14 etwas zum Guten bringt!

    • AA 22. Dezember 2013 um 18:12 Uhr

      Mehr kann man nichts sagen. Traurig aber wahr… Und danke dafür, dass es die Leute mit dem gesunden Menscheverstand gibt, die für Zukunft des Vereins kämpfen !

  2. Jakob B. 22. Dezember 2013 um 13:44 Uhr

    Du/Ihr macht Euch sehr viel Mühe. Kompliment. Es trifft den Nagel auf den Kopf wie so meistens deiner/Eurer (Gast-)Beiträge.
    So wahr diese Worte auch sind, so sehr sich auch in anderen Foren/Blogs der Widerstand seitens vieler Fans zeigt, so sehr sich die meisten große Veränderungen wünschen, so haben die „Realsiten“ aber auch ein Problem:
    Die Chosen Few und Co. sind stramm und auf einem kleinen Fleck beinahe schon militärisch organisiert und haben bereits die neuralgischen Stellen fest im Griff. Da es sich um, vor allem junge, Menschen handelt, fällt es mir unglaublich schwer aber ich wähle den Ausdruck von Krebs und Metastasen.
    So lange sich der Unmut „nur“ im Internet äußert, so lange seitens der Realisten kein Druck auf die „(Nichts-)Macher“ (alle von dir Erwähnten)“und Medien, z.B. mit Boykott, erhöht wird, wird sich nichts ändern.
    Im Stadion hätten Banner von HSVPlus sein müssen. Wo sind die Plakate „Ertel, Jarchow raus“? Warum setzt man nicht ein Zeichen, schließt sich mit anderen Fan-Klubs zusammen und sagt: Zum Wohle des HSV sind wir gezwungen einem Heimspiel fernzubleiben?
    Bevor die Frage kommt: Nein, ich bin kein Mitglied. Und inzwischen bin ich auch kein HSV-Fan. Und zwar seid der unsäglichen Demission von Frank Arnesen, der ob er Guter oder nicht Guter war (sympathisch und freundlich aber alle mal), menschlich unglaublich mies behandelt worden ist. Das war unwürdig. Das Gleiche gilt für Spieler, wie Kacar, Tesche, Rajkovic, Mancienne. Rajko hat es sich zwar mit Trainer verschärzt, sich aber auch entschuldigt hat. Die anderen drei haben sich nichts zu Schulden kommen lassen. Ich kann mich damit nicht identifizieren.
    Fussball-Stadien sind schon immer ein Hort für Dummheit gewesen. Aber inzwischen werde ich nicht mehr mit meiner Familie ins Stadion gehen und meinen Neffen so viel Gewalt aussetzen.
    Ich habe inwzsichen eine gesunde Distanz zum HSV. Schade eigentlich, denn ich hatte mit meinem Vater tolle Tage im Stadion gehabt und erhoffte sie mir auch wieder mit ihm und unserem kleinen „Zugang“ in der Familie zu erleben.
    In 3 Jahren wurde aber alles was den HSV für mich ausgemacht hatte – zerstört. HSV-Juve, ja selbst die Bremen-Horror-Wochen. Aber wir geil war das wenn wir Bayern vor Augen hatten und HSV-er keine Angst hatten vor den Bayern. Es hieß HSV ist Angstgegner der Bayern.
    Jetzt heißt es polemisch wir brauchen 13 Spieler und 2 Torleute.
    Ich werde dafür vermutlich gesteinigt, aber geht hsv-plus nicht durch, werden nicht neue normale professionell arebeitende Menschen eingesetzt, werde ich nach vielen Jahren mal ins ST. Pauli Stadion gehen um ein Spiel zu gucken. Und bevor man sagt: der Typ geht garnicht“. Nein. Es geht garnicht was aus einem gemeinnützigem e.V. geworden ist und was man sich da bieten muss.
    Ich zahle nicht 100 EUro für zwei Stunden um DIESEN HSV zu erleben und mich danach schwarz zu ärgern. Bei mir im Umfeld, waren 10 Leute die regelmässig ins Stadion gingen. Nun tut es KEINER mehr.
    Aber vielleicht genau das wollen die Trottel von 22c. Sich selbst feiern in einem leeren Stadion. Krank.

    Und ja ich schreibe und lese trotzdem hier und wo anders. Inzwischen amüsiert mich die Dummheit einer Leute 😀

    Was ich noch so gelesen habe: Hamburg hat keine großen Firmen wie aktuell Bayern um gut die Ausgliederung zu überstehen. Hamburg hat NUR viele Mittelständler. (HSV Forum) Habe ich gelacht. Nun, keine Lust mich im HSV-Forum anzumelden. Vertraue diesem Laden nicht. Sollte Euch jemand mit der Aussage begegnen:
    Unternehmen haben es lieber viele „kleinere“ Kunden statt 2 großen. Bricht ein von zwei großen Kunden weg, ist es eigentlich normalerweise eine Katastrophe. Habe ich aber 20 „kleinere“ und zwei davon brechen weg, kann ich das leichter verkraften. Also, pro Hamburger Mittelstand und contra Ein-Firmen-Gebilde 😉 Das gilt auch für Sponsoren und Vereine.
    – Beiersdorfer 😀 „klein“ und „kein“ DFL-Sponsor 😀
    – Otto 🙂
    – Airbus 🙂
    – Lufthansa 🙂
    – Sparkassen 🙂
    – Ergo Versicherungen (die btw. dazu in der Lage ist 500.000Euro mal eben für 50 Vermittler auszugeben um sie ins Ausland zum Feiern zu schicken in der Lage ist :D)
    – Dazu 1-2 global player aus dem Ausland. Da hat man schon Fly Emirates und macht nichts daraus.
    – Auch wenn es der Schifffahrtbranche aktuell nicht so gut geht. Es finden sich Reedereien oder andere Firmen die HSV unterstützen würden. Aber da es Hardcore-Kaufleute sind, werden sie sicher nicht den aktuellen Nullen Geld hinterherwerfen. Und stellt euch mal vor Mearsk-Dampfer;) schifft um die Welt mit einem HSV-Anstrich 😉

    Zum Schluss: „Wir scheißen auf Kommerz und Euer Geld“. Aber unserer Vorstandsvorsitzender ist ein FDP-Politiker 😀

  3. Trapper Seitenberg 22. Dezember 2013 um 14:05 Uhr

    In einem derart großen Verein wird es immer ein Vielzahl an Stimmen geben: Da sind z.B. die Amateure, mit ihren legitimen Interessen; die Altvorderen, die z.T. in ihrer Zeit verhaftet scheinen; die Trittbrettfahrer, die eigene geschäftliche/berufliche Ziele mit dem Verein verknüpfen; die Angestellten, deren Arbeitsplatz u.U. unmittelbar bedroht ist; dann die, für die sich der Profifußball zu sehr von seinen Wurzeln entfernt hat, und die ggf. das Rad gerne zurückdrehen würden; die, die unter allen Umständen (endlich) wieder Titel sehen wollen und und und. Zwischen all diesen Gruppen gibt es Überschneidungen und daher auch (temporäre) Allianzen. Es wäre eine Illusion, zu glauben, dass sich das nach einem Sieg von HSVPlus in Luft auflöst. Der Vorstand eines solchen Vereins muss daher immer auch nach innen moderieren. Vor allem aber muss er eine Vision entwickeln und diese glaubhaft mit Leben erfüllen. Die CL-Teilnahme innerhalb von drei Jahren anzukündigen, sich auf Augenhöhe mit Schalke zu sehen (auch wenn Herr Jarchow das jetzt nachträglich so nie gesagt haben will), tatsächlich aber gegen den Abstieg zu spielen, Nachhaltigkeit zu predigen, aber Personal und Konzepte fast so schnell zu wechseln, dass man sich die Namen kaum noch merken kann, das wird der Aufgabe nicht gerecht.

    Der Aufstieg des HSVs begann mit Dr. Peter Krohn, der seiner Zeit im Bereich Marketing weit voraus war. Bedauerlich ist, dass aus diesen und den sich unmittelbar anschließenden goldenen Jahren kaum Nachhaltigkeit erwachsen ist. Der Verein stagniert(e) in Selbstzufriedenheit und reklamiert(e) aufgrund seiner Erfolge und mit der typischen Überheblichkeit des Platzhirsches in einem Großstadtrevier, dass man grundsätzlich zu Höherem berufen sei. Doch weder einstige Erfolge noch prinzipiell vorhandene Standortvorteile, weder das regelmäßige Lippenbekenntnis zu hohen und höchsten sportlichen Zielen noch das reine Bekenntnis zu angestrebter Kontinuität und Nachhaltigkeit ersetzen realistische Visionen und tatsächliche Kompetenz. Stagnation ist aber nicht nur Stillstand auf gleichbleibendem Niveau, Stagnation bedeutet letztlich Rückschritt bis zur Gefahr des völligen Verlustes der Konkurrenzfähigkeit.

    Wer hätte je gedacht, dass der große HSV vollkommen verdient und mit beängstigend gewohnter Regelmäßigkeit zu Hause z.B. gegen Emporkömmlinge wie Augsburg und Mainz verliert? Und zwar nicht weil der Schiri verpfiffen hat oder der Gegner einfach in einem Spiel mehr Glück besaß, sondern weil man letztlich über Jahre im Wolkenkuckucksheim gelebt hat und z.T. offenbar unverändert lebt?!

    Man kann zur stetig zunehmenden Kommerzialisierung und Professionalisierung des Fußballs stehen wie man will, nur ignorieren darf man sie nicht. Und ignorant sind letztlich diejenigen, die ihre Hoffnungen allein auf die jährlichen Überraschungsmannschaften gründen, die doch angeblich beweisen, dass man auch mit kleinerem Etat nach oben kommen kann. Das ist zwar unzweifelhaft ausnahmsweise möglich, endet aber bei diesen Mannschaften regelmäßig und sehr schnell im Verlust der Leistungsträger. Der SC Freiburg ist nur das jüngste Beispiel. Davon abgesehen gingen die Titel im Grunde stets nach Bayern (inzwischen ca. vierfach höherer Etat für das Personal) oder nach Dortmund (doppelter Etat). Die Emporkömmlinge mögen kurzfristig überraschend hoch platziert gewesen sein – Titel haben die, wenn man von damaligen sensationellen Durchmarsch der Lauterer absieht, praktisch nie gewonnen. Und selbst der FCK hat sich von seinen Fehlern der Vergangenheit bis heute nicht erholen können.

    Der HSV ist kein klassischer Ausbildungsverein. Der HSV ist aber inzwischen auch weit, weit entfernt davon, zumindest ein Sprungbrett für Hochtalentierte zu höchsten Aufgaben, zu „finalen“ Karrierezielen zu sein, wie er es zwischenzeitlich unter BH/DB gewesen ist, bwz. dies wieder zu werden. Wofür steht also dieser Verein, außer für skandalöse Indiskretionen, haarsträubende Inkompetenz, notorische Selbstüberschätzung und mangelnde Kontinuität?

    Der HSV muss klären, ob er endlich die Lektionen aus fünfundzwanzig titellosen Jahren gelernt hat. Wer zu spät kommt, den bestraft am Ende nicht nur die Konkurrenz mit dem Abstieg. Denn diese Konkurrenz, das beweisen nicht nur Augsburg und Mainz, die schläft nicht. Die sind sich ihrer Möglichkeiten tatsächlich bewusst, arbeiten kontinuierlich und trotz Standortnachteilen mit nachgewiesener Kompetenz. Beim HSV wird selbige bis zum Beweis des Gegenteils im Regelfall lediglich behauptet.

    Selbst im Falle einer erfolgreichen Ausgliederung nebst Anteilverkäufen wird es mehrere Jahre dauern, bis man auch nur halbwegs seinem eigenen Selbstverständnis als potenzieller Titelkandidat gerecht werden kann. Jahrzehntelange Versäumnisse lassen sich niemals über Nacht korrigieren. Ohne diese zeitnahe und tiefgreifende Strukturveränderung, das zeigt u.a. der offensichtliche Substanzverlust auf allen Ebenen, könnte man sich sehr schnell in der Bedeutungslosigkeit wiederfinden.

  4. The_MaXX 22. Dezember 2013 um 17:21 Uhr
  5. Blau87 23. Dezember 2013 um 13:53 Uhr

    Moin, triffst den Nagel absolut auf den Kopf, schohungslos die ganze Wahrheit !

    Schön auch, dass hier Kreuzer mal sein Fett weg bekommt, der in den einschlägigen Fanforen zum Teil ja noch verteidigt wird ( oder gar als Fortschritt zu Arnesen gesehen wird, ganz nach dem Motto von Jarchow, nicht ich bin Schuld sondern mein Vorgänger ! ).

    Dieser Mann ist die größte Sportchef-Fehlbesetzung der Vereinshistorie, er passt absolut zum AR und vor allem zu Herrn Ertel. Ein Mann der nur durch kernige Sprüche, aber 0 ( positive ) Taten auffällt. Ein Mann der jeden öffentlich diffamiert und beschimpft der nicht seiner Meinung ist, weil er so von sich selbst überzeugt ist, dass er denkt er hätte immer Recht ! Jemand der anstatt die Sachen wie jeder kompetente Sportchef, intern regelt, Spieler medial via Bild abstrafen muss um sich selbst zu profilieren !

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