Der Neidfaktor

“…die sollen Gras fressen…”

 

“…laufen, bis die Nase blutet…”

 

“….dafür kriegen sie ja auch reichlich Schmerzensgeld…”

 

“Verhätschelte Jungmillionäre.”

 

“…die muss man einfach härter anfassen und wenn das nicht klappt, muss man sie rausschmeißen….”

 

“…Restrampe, Altlasten, Aussortierte, Ladenhüter…”

Die BILD sprach in den letzten Tagen im Zusammenhang mit Spielern, die beim HSV nicht mehr wohlgelitten sind, von MÜLL !

Unabhängig davon, dass ich den Umgang mit Angestellten (Spielern) beim HSV seit Amtsantritt des Herrn Kreuzer absolut unerträglich und nicht zielführend finde, spielen eben diese “disziplinarischen Maßnahmen” der meinungsbildenden Presse in die Karten, letztendlich scheint es ja das zu sein, was der Pöbel hören bzw. lesen möchte.

Erstaunlich dabei: Während die Führungsspitze des Vereins nach dem Abgang Bernd Hoffmann’s mit Samthandschuhen angefasst wird, wird auf Spieler und Trainer eingetreten, was das Zeug hält.

Damit keine Zweifel entstehen – die Performance der Mannschaft ist in dieser Saison absolut ungenügend und es muss dringend etwas geschehen. Nichtsdestotrotz sollte sich irgendwann auch einmal der letzte Fan Gedanken darüber machen, warum mit Bert van Marwjik auch der gefühlte 53. Trainer in den letzten 15 Jahren nicht an der Mannschaft, sondern offensichtlich am Verein und dessen Begleitumständen scheitert.

Warum ist es trotz einer Vielzahl von Nationalspielern seit vielen Jahren nicht möglich, kontinuerlich auf einem Niveau zu agieren, das den  Verein dauerhaft im oberen Tabellendrittel etabliert ? Obwohl im Laufe der Jahre alle Spieler und Trainer zigmal ausgetauscht wurden, tritt man leistungstechnisch auf der Stelle. Unschwer zu erkennen, dass dies nicht (nur) an den jeweiligen Spielern und Trainer gelegen haben kann.

Warum aber beschäftigen sich die Herren von BILD, Mopo, Abendblatt, SportBILD, NDR 90,3 nicht mit diesem zweifellos vorhandenen Phänomen, sondern verfallen nach jeder Niederlage ins gleiche Verhaltensschema ?

Verloren, versagt, Versager, Spieler im Training quälen, Spieler verkaufen, Trainer entlassen.

Warum interessiert sich niemand ernsthaft dafür, wie der HSV zu mittlerweile nahezu € 100 Mio. Verbindlichkeiten kommt und warum kümmert sich kaum jemand darum, dass sich im ehemaligen Kontrollgremium Aufsichtsrat die gewählten Räte mittlerweile mehr mit gegenseitigen Klagen bedrohen, als miteinander zu sprechen ?

Ganz einfach – weil es Mühe macht. Man müßte recherchieren, man müßte Zeit investieren und darauf haben die Herren im Normalfall keine Lust.

Aber die Lust an der Vernichtung, der offenkundige Spass daran, Anfang 20-jährige dem Pöbel dem Frass vorzuwerfen hat noch einen anderen, wesentlich niederen Grund:

Der blanke Neid. Jeder der Gestalten, die am Trainingsplatz rumlungern, denen auf Pressekonferenzen ausschließlich Fragen einfallen, die einem durchschnittlichen Bundesligatrainer die Zornesader platzen läßt, jeder von ihnen hat selbst einmal gebolzt, hat es leider aber nur in die Kreisliga geschafft. Einige haben sogar versucht, Trainerscheine zu erwerben, sind aber selbst an dieser Aufgabe mangels Engagement oder Intelligenz gescheitert.

Was also macht man, wenn man sich für Fußball interessiert, selbst aber zuwenig Talent besitzt ? Zuerst redet man über Fußball und wenn man viel Glück hat, darf man über Fußball berichten.

Und dann sieht man sie jeden Tag. Die Jungs, die es geschafft haben, wofür man doch eigentlich selbst auserwählt war. Die Porsche oder Bentley fahren, während man selbst seinen 2006er Mazda in die Werkstatt schieben muss. Die eine Rolex am Handgelenk haben und keine Swatch.

Das ist zutiefst ungerecht und wenn die “Jungmillionäre” dann nicht so funktionieren, wie man es gern hätte, hat man jetzt die einmalige Chance, sie ans Kreuz zu nageln.

Und das Allerschönste daran – das Volk, der Bodensatz der Menschheit jubelt einem auch noch zu. Weil es Millionen von “Fußball-Fans” ganz genauso geht. Wie geil ist das denn ? Man darf seinen Frust ungefiltert rauslassen und bekommt auch noch Beifall dafür.

Das Leben hat doch einen Sinn !

 

 

Von | 2014-01-04T08:36:41+01:00 4. Januar 2014|Allgemein|28 Kommentare

28 Comments

  1. Sylvia Kaal 4. Januar 2014 um 08:36 Uhr - Antworten

    Sehr gut geschrieben und leider nur zu wahr……….. aber kann man der Presse einen Vorwurf machen, wenn selbst der SpoDi die Jungs runtermacht statt sie aufzubauen. Sowas hat es unter Arnesen nie gegeben.

    • Gravesen 4. Januar 2014 um 08:42 Uhr - Antworten

      Exakt das ist ja der Grund, warum Kreuzer unterirrdisch performen kann, von den Schmierern aber nicht attackiert wird. Er “liefert”.

  2. HSV Willy 4. Januar 2014 um 08:55 Uhr - Antworten

    Ganz großes “Danke schön!” … Ach gäbe es doch noch mehr couragierte Medienvertreter wie z.B. Frau Britta Kehrhan (NDR 90,3) , die mit einem gewagten, aber realitätsnahen Kommentar aufwartete. Leider ist er in der Mediathek nicht mehr enthalten. Gibt es da eigentlich eine Möglichkeit, ihren Kommentar als Mitschnitt zu erhalten?
    War unter diesem Link zu finden, für den Fall, dass du ihn recherchieren möchtest:

    http://www.ndr.de/903/audio186753.html

    • Gravesen 4. Januar 2014 um 09:00 Uhr - Antworten

      Der Kommentar von Britta Kehrhahn wurde auf der Website des NDR gelöscht. Jetzt kann sich jeder Gedanken darüber machen, warum.

  3. Michael Greve 4. Januar 2014 um 09:51 Uhr - Antworten

    Hervorragend, Gravesen. Es ist wirklich unsäglich widerlich, mit welchen Tiraden, die einer Geisteshaltung entstammen, die sich direkt aus dem Wörterbuch des Unmenschen bedienen kann, Spieler des HSV (aber nicht nur des HSV) überzogen werden.
    Fast noch schlimmer ist, daß diese “Schreiberlinge” bei Menschen Anklang finden, die sich Fußball- und HSV-Fans nennen. Die Ereignisse um die Spieler Atouba und Guerrero während Spielen stellen insofern nur die Spitze des Eisbergs dar. Sie lassen sich beliebig bis in die Gegenwart um Ausfälle gegen Westermann, Aogo und andere erweitern.
    Die Krone des Niedergangs des HSV ist, daß sich der “Sportdirektor” Kreuzer an die Spitze der kläffenden Meute gesetzt hat und Anklang an den Stammtischen und besonders an den Stammtischen, an denen HSV-Aufsichtsräte und Journalisten verkehren, findet

  4. Thomas S. 4. Januar 2014 um 09:55 Uhr - Antworten

    Das ist eine korrekte Analyse. Wobei meiner Beobachtung nach Leitende, die sich loyal vor ihre Angestellten stellen, durchaus auch von den Medienvertretern respektiert werden.
    Wenn Letztere allerdings spüren, dass diese Loyalität nicht vorhanden ist, lassen sie alle Hemmungen fallen. Genau das erleben wir seit einiger Zeit.

  5. Inselstoffel 4. Januar 2014 um 10:04 Uhr - Antworten

    Zum Thema:Macht des ASV
    Gestern erzählte ein langjähriger Insider vom HSV eine (fast) unglaubliche Story zu Skoblar: Nach dem Weggang von Ernst Happel war man sich schon zu 99% einig mit Leo Beenhakker, unterschriftsreifer Vertrag lag vor – dann wurde zurückgerudert:”Der kann nicht mit der BILD, den können wir nicht engagieren”. Das Ergebnis waren Skoblar und Pralija… Wo könnte der HSV heute stehen, wenn man die Eier gehabt hätte, gegen die BILD einen Trainer zu engagieren, der die Mannschaft nach Happel (vielleicht) weiter gebracht hätte. Skoblar mußte dann nach ein paar Monaten gehen, natürlich auch wegen dem “Fliegenfänger”, den er mitbrachte.
    Wer den Rauswurf von Magath verantwortet,erzähl ich ein anderes Mal Δέλτα…

    • Gravesen 4. Januar 2014 um 10:12 Uhr - Antworten

      Zu dem Thema habe ich auch noch etwas beizutragen.

      Nachdem Klaus Toppmöller beim HSV als Trainer engagiert wurde, gab es kurz darauf ein Essen mit den vermeintlich “wichtigsten” Pressevertretern. Einige dieser Gestalten wollten dann Neu-Coach Toppmöller erzählen, wie er in Hamburg zu trainieren und mit ihnen zu “arbeiten” hätte. Toppmöller verließ daraufhin erzürnt den Raum.

      Was dann folgte, sollte jedem bekannt sein.

    • Thomas S. 4. Januar 2014 um 14:15 Uhr - Antworten

      Dann wäre Beenhakker ’90 jedenfalls nicht Trainer der Elftal geworden, sondern vermutlich Cruyff, und statt D wäre Holland Weltmeister geworden.
      Gott bewahre!
      😉

  6. Fiete 4. Januar 2014 um 10:43 Uhr - Antworten

    super Artikel!
    zum Thema “Macht der Presse”:
    warum wurde Arnesen niedergeschrieben? Zu Anfang ging es ja noch, er wurde von der Presse nicht geliebt, aber akzeptiert. Bis zu dem Zeitpunkt, als sich die Bild sicher war, daß Huub Stevens kommt, Arnesen aber nicht der Presse gefolgt ist. Von dem Moment an wurde er gemobbt (etwas anderes als Mobbing ist das nämlich nicht).
    Paolo Guerrero würde noch heute für uns spielen, wenn Bild & Co ihn nicht gemobbt hätten. Die Medien der Hansestadt haben entschieden zuviel Macht – weil sich ihnen keiner entgegen stellt.
    Wirklich keiner?
    Da kommen wir plötzlich zu dem Thema “warum werden Aufsichtsrat und Vorstand mit Samthandschuhen angefasst? ”
    Wer sich herausnimmt die Oberen anzugreifen, der bekommt schnellstens einen Anruf vom Rechtsanwalt. Und das gilt ganz besonders, wenn das “Opfer” Jürgen Hunke heißt.
    Ich weiß wovon ich rede. Im offiziellen Forum des HSV wurde mit Jürgen Hunke nicht gerade zimperlich umgegangen. Sicherlich sind auch einige übers Ziel hinausgeschossen, aber da haben die Moderatoren immer schnell reagiert. Jürgen Hunkes Anwalt hat daraufhin die Adressen der Forumer vom HSV gefordert und sie wurden abgemahnt (Soviel zum Thema Datenschutz, nicht wahr Herr Scheel)
    So läuft es beim HSV.

    Ach ja, Wo wir gerade beim Thema waren: Fragt ihr euch noch, warum der Maulwurf jedem bekannt ist, aber niemand den Namen offen ausplaudert?

  7. Launi 4. Januar 2014 um 10:52 Uhr - Antworten

    Nun, leider ist es überall ein gesellschaftliches Phänomen – der eine hat etwas, andere wollen es auch… Und wenn man es selbst nicht erreichen kann, dann hat es ein anderer auch nicht verdient oder wenn man es selbst nicht hat, dann träumt man davon. Genau davon lebt der Boulevard. Solange man sich nicht vor die Spieler stellt, wird es immer wieder Angriffe geben. Ich verurteile nicht, dass man als SpoDi oder VV auch mal auf die Spieler losgehen kann, wohl dosiert kann das fruchten. Das allerdings nur, wenn die Spieler ansonsten geschützt und unterstützt werden. Das hat dann einen erzieherischen Effekt wie bei Kindern “Oh, jetzt ist Papa böse, das will ich nicht, also strenge ich mich an, dann ist wieder alles gut”.

    Ist vielleicht etwas platt formuliert, aber trifft sicherlich den Kern. Jeder Mensch braucht Anerkennung, dann kann man seine Leistung bringen und man versucht diese zu verbessern. Es mag Spieler geben, denen ist Geld Anerkennung genug, ich persönlich kenne keinen Sportler dieser Sorte, aber mag es dennoch geben. Jeder Sportler, egal ob Fußballer oder sonstwer, benötigt in der Regel Rückhalt und Anerkennung für eine optimale Leistung und selbst dann ist diese nicht garantiert. Im HSV ist es mit Rückhalt und Anerkennung nicht sehr weit, da darf sich jeder von uns täglich im Boulevard ein Bild von machen.

    Insofern teile ich die Meinung hier zu 100%

  8. Trapper Seitenberg 4. Januar 2014 um 12:10 Uhr - Antworten

    Ich denke, dass Sozialneid, ob offensichtlich oder verdeckt, nur einer der Gründe ist, die zur Erklärung dieser Phänomene benötigt würden. Auch wenn ich gerne zugestehe, dass dieser eine gewichtige Rolle spielen mag.

    Profifußball ist längst Teil einer globalen Entertainment-Industrie geworden. Und er entwickelt sich, wenn nicht alles täuscht, konsequent weg vom reinen Sport und hin zur totalen kommerziellen Verwertbarkeit nach nordamerikanischen Vorbild. Wo viel Geld verdient wird, da muss das Produkt massenkompatibel bleiben, da braucht es Idole (schon aus werbetechnischen Gründen). Ein Idol reduziert den dahinter real existierenden Menschen auf einen oder wenige, herausragende Aspekte. Die Lust an dessen Überhöhung ist auch stets gepaart mit der Lust an seiner Demontage.

    Moderner Profisport könnte auch als globale und beständig fortgeschriebene, gesellschaftliche Narration verstanden werden. Während sich früher (fast) eine gesamte Nation am Samtagabend die eine, große Unterhaltungsshow ansah, was am Montagmorgen gemeinsamen Gesprächsstoff lieferte, beobachten wir heute beständig sinkende Einschaltquoten und eine Vielfalt von medialen (Nischen-)Angeboten. Mit anderen Worten: Die Zeit von “Wetten dass”, “Dalli-Dallli, “EWG” oder “der große Preis” als alle gesellschaftliche Schichten verbindendes Gesprächsthema ist (längst) vorbei.
    Im Profifußball (/-sport) kann man mindestens z.T. eine gegenläufige Entwicklung beobachten. Fußball ist nicht mehr länger (nur) Arbeitersport, der hauptsächlich kuttenbehängte und Bierbuddel bewaffnete Horden in marode Stadion zieht. Fußball ist heute auch ein Event für die ganze Familie, bzw. ein gesellschaftlicher Anlass, bei dem geschäftliche Kontakte aufgebaut oder gepflegt werden, und bei dem der eigentliche Sport nur noch als Mittel zum Zweck in den Hintergrund rückt.

    Das Hauptgeschäftsziel der (Boulevard-)Medien ist nicht die Vermittlung eines Bildungsauftrages. Hier geht es vor allem um Quoten, Reichweite, Akquise von Anzeigen-/Werbekunden usw. Wenn ich etwas an die Masse verkaufen will, dann muss ich mich an der Masse orientieren. Die BLÖD bspw. wird traditionell für die Aufbereitung der Spiele in ihrem Sportteil gerühmt. Kleine Grafiken dienen dort dem Nacherleben der Höhepunkte des Spiels, Schulnoten (als allen Lesern ohnehin bekannte Referenzgrößen) erleichtern die Einordnung. Dazu gesellt sich das übliche Marktgeschrei: “Trainer raus!”, “Versager!”, “wie lange noch?!”, oder eben “der neue Star beim ersten Training”, “das erste Interview”, oder “BLÖD erklärt das Geheimnis des Erfolges von X”. Nie wird man bei BLÖD, Mopo oder Abendblatt (oder ihren Entsprechungen im (Privat-)Fernsehen wie z.B. Dopa) eine tatsächliche, differenzierte Analyse lesen, sehen oder hören. Nicht nur, weil z.T. ein eklatanter Mangel an Fachwissen zu beklagen ist, sondern weil dies die Zielgruppe oder Konsumenten (jedenfalls in der Masse) überfordert.

    Wer sich dennoch mit tatsächlichem Wissen allzu weit aus der Deckung wagt, der wird umgehend, man frage nach bei “Professor” Rangnick oder “Zettel-Ewald” (Lienen), zum zweifelhaften Intellektuellen stilisiert.
    Verräterisch in diesem Zusammenhang ist auch, dass sportwissenschaftliche Erkenntnisse/Methoden regelmäßig in Anführungszeichen gesetzt werden, was aber auch nicht verwundern darf, da die Masse allerhöchstens Populärwissenschaft versteht.
    Selbst wenn also ein Journalist in einem solchen Medium zu einer differenzierteren Analyse fähig wäre, er müsste dennoch die Geschäftspolitik seines Arbeitgebers und dessen Zielgruppe beachten.

    Wenn es also stimmt, was ich oben behauptete, dass Profifußball heute der (verbleibende), weite Strecken der Gesellschaft einigende und erreichende Anlass ist, dann liegt es nahe, dass man mit seinen (journalistischen) Wertungen an die Gedankenwelt der Konsumenten anknüpft. Das Gros der Stadiongänger/Zuschauer/Leser ist jedoch von modernen Hochleistungssport, entgegen jeder allgegenwärtigen medialen Verfügbarkeit (irgendwo läuft immer Sport), ungefährt soweit entfernt, wie die Kühe vom Fliegen. Das permanente Sehen suggerriert jedoch eine tatsächlich nicht vorhandene Nähe und Verstehen. Man kann das auch auch am Umgang mit Tools wie etwa den auf Bundesliga.de bereitgestellten Daten beobachten: Jeder Hans und Franz meint heute, dass er aus reinen Laufleistungen oder Höchstgeschwindigkeiten eine tatsächliche Erklärung destillieren kann. Dabei bleibt es dabei: Mannschaftsport ist multifaktoriellen Einflüssen unterworfen. Und selbst wenn man alle derzeit bekannten Faktoren berücksichtigte, es bliebe ein erheblicher Rest unerklärbar. Wer aber will das hören/lesen?! Wer will sich durch Berge von Daten kämpfen, um dann am Ende ohne endgültige, eindeutige oder umfassende Antwort zu verbleiben? Da ist es doch bedeutend einfacher, wenn man (vermeintlich) schlechte Charaktere, mangelhafte Kampfbereitschaft, Faulheit, Selbstüberschätzung oder angeblich zu geringe Trainingsumfänge als Begründung auszumachen können meint.

    Menschen suchen, das erscheint ihnen immanent, stets nach Begründungen. Ungewissheit ist unangenehm und schwer auszuhalten.
    Je krisenhafter eine Situation desto dringlicher das Bedürfnis nach Antworten. Gravgard/Rozehnal/Djourou bringt es nicht(?) – er hat “zu liefern”, also weg mit ihm und neue Spieler her! Wen interessiert schon, warum er nicht funktioniert? Die Idolisierung, die ja auch Grundlage ihrer unerhört hohen Gehälter ist, enthält einen ggf. zu zahlenden Preis: Ein Idol muss als eben solches taugen. Wer “versagt”, der wird zügig vom überhöhten Podest auf den Boden gezerrt und damit auf (und unterhalb der) Augenhöhe jener, die den Podestplatz auf Zeit verliehen haben. Der versagt wie “ich” ? -dann gibt es auch keinen Grund ihm mehr zu bezahle als “mir”! Profisportler sind eben auch Projektionsflächen für eigene Fantasien und Sehnsüchte. NIcht nur für die Masse der Betrachter, sondern eben auch für die Berichterstatter. Das Prinzip der Idolisierung ist integraler Bestandteil der auch vom Profifußball selbst forcierten Kommerzialisierung. Insofern profitieren die Akteure davon auch unmittelbar. Die Kritik griffe also zu kurz, würde man allein die Medien für dessen Schattenseiten und Kollateralschäden verantwortlich machen.

    • Gravesen 4. Januar 2014 um 12:17 Uhr - Antworten

      Hätte ja auch sein können, dass du einmal nicht klugscheißt 🙂

      • Trapper Seitenberg 4. Januar 2014 um 12:27 Uhr - Antworten

        das ist ausgeschlossen, solltest Du doch wissen. 😛

        • Thomas S. 4. Januar 2014 um 14:10 Uhr - Antworten

          Wären die Texte vom Trapper nicht so ellenlang, würde ich sie vielleicht sogar lesen 😉

          • Gravesen 4. Januar 2014 um 14:15 Uhr

            Wenn du auf Einzeiler bzw. Einzeller stehst, hätte ich einen Tipp für dich 😉

      • Heiliger Bimbam 4. Januar 2014 um 22:02 Uhr - Antworten

        Lese ich da einen “Neidfaktor” heraus? 😉

  9. Jakob.K 4. Januar 2014 um 12:58 Uhr - Antworten

    … und trotzdem wette ich, ihr kauft diesen Müll namens Blöd und Abendplatt, auf dem Weg zur Arbeit.
    😉
    Ich kaufe keine Produkte von Achsel Hüpfer oder das HA, seit vielen Jahren nicht mehr.

    Aufruf zum Boykott der Blättchen, v.a. HA, das hätte was. Solange wir die Blättchen kaufen um u