Was bringt mir das ?

Liebe Leser,

gestern Abend spielte die deutsche Nationalmannschaft im ersten WM-Vorbereitungsspiel des Jahres 2014 gegen Chile. Die Elf von Bundestrainer Jogi Löw gewann mit 1:0, wobei wohl unzweifelhaft sein sollte, dass dieser knappe Sieg als durchaus glücklich einzustufen ist. Man kann der Mannschaft aber garantiert nicht absprechen, dass sie nicht gekämpft hätte, auch wenn mir persönlich das deutsche Spiel gestern ein wenig zu „körperlos“ gegen aggressive Chilenen angelegt war.

Bereits zur Halbzeitpause, dann aber verstärkt während der 2. Hälfte und ganz besonders nach Abpfiff endlud sich dann Volkes Zorn über eine im Bewußtsein der Zuschauermasse unzureichende Leistung in einem gellenden Pfeifkonzert, was von einigen Spielern einigermaßen stoisch zur Kenntnis genommen wurde, bei anderen jedoch dazu führte, dass sie sich über das Verhalten der Zuschauer beschwerten.

An dieser Stelle komme ich zu meiner heutigen Frage und ich würde mich freuen, wenn ihr eure Meinung mit mir teilen würdet. Eigentlich sind es sogar mehrere Fragen.

Was darf ein Zuschauer eigentlich während bzw. nach der Partie ? Erwirbt man sich mit dem Kauf einer Eintrittskarte das Recht, in der anonymen Masse zu pöbeln, zu beleidigen, zu pfeifen was das Zeug hält ? Was genau bezweckt der „Pfeifer“ eigentlich mit seiner akkustischen Unmutsbezeugung ? Und zum Schluss: Wie würde jeder einzelne „Pfeifer“ reagieren, wenn man ihn selbst aufgrund einer extern bewerteten Leistung vor Millionen von Menschen auspfeifen würde ?

Es ist ja nicht das erste Mal, dass man derartige Aussagen hört:

„Ich habe viel Geld für meine Eintrittskarte bezahlen, dann habe ich auch das Recht zu pfeifen, wenn ich mit der gebotenen Leistung nicht zufrieden bin“

 

Natürlich kann ein jeder pfeifen, bis ihm die Zunge bis zum Bauchnabel hängt, aber warum pfeift er eigentlich ? Weil er mit der Leistung oder mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist ? Und überhaupt – mit wessen Leistung ? Mit der sportlichen Leistung der Chilenen konnte man gestern durchaus zufrieden sein, aber auch sie hörten das Pfeifkonzert.

Die Frage ist doch: Habe ich tatsächlich ein Recht auf Unmutsbezeugung, nur weil ich mir eine Eintrittskarte gekauft habe ? Kaufe ich mit der Karte auch die Garantie auf eine gute Leistung, ein gutes Spiel und einen Sieg der eigenen Mannschaft ? Mitnichten. Fußball wird immer noch auf dem Platz und nicht am Computer gespielt.

Wie gehen die „Pfeifer“ eigentlich im normalen Leben mit einer Situation um, bei der sie mit einer ihnen entgegengebrachten Leistung nicht einverstanden sind ? Pfeifen sie den Taxifahrer aus, wenn der zu langsam gefahren ist ? Wird der Koch eines Restaurants ausgepfiffen, wenn das Essen nicht so war, wie man es sich vorgestellt hat ? Wird der Vorgesetzte ausgepfiffen, wenn er eine geforderte Gehaltserhöhung abgelehnt hat ? Wohl kaum, aber bei diesen Beispielen handelt es sich im gleichen Maße um erwartete und nicht erbrachte Leistungen.

Warum also werden Fußballer ausgepiffen, wenn sie nicht im Sinne der Fans „funktionierten“? Kann es vielleicht doch daran liegen, dass sie gemessen an ihrem Alter sehr viel verdienen und die Eintrittspreise für Normalverdiener ziemlich gesalzen sind ? Könnte man dann nicht den kausalen Zusammenhang zwischen „Die Millionäre, die nicht so laufen, wie ich möchte“ und „ich armer Hungerleider, der mit die Karte vom Mund abgespart habe“ herstellen ?

Eben hiermit habe ich persönlich ein Problem, da ich immer noch der felsenfesten Überzeugung bin, dass noch nicht ein Zuschauer in der Geschichte des Fußballs zum Besuch eines Spiels gezwungen wurde. Jeder Besuch ist freiwillig, jeder Erwerb einer Eintrittskarte erfolgt zwanglos.

Wenn ich also ein Ticket kaufe, bekomme ich das, was ich bestelle: Ein Fußballspiel zwischen zwei Mannschaften. Nicht mehr und nicht weniger. Ich bekomme keine garantiert-gelaufenen Kilometer, ich bekomme keine garantierten 4 Tore (mindestens) und ich bekomme schon gar keinen garantierten Sieg meiner Mannschaft. Was ich bekomme, ist ein Ereignis, dessen Ergebnis erst nach 90 min. feststeht.

Natürlich wird von dem einen oder anderen das Argument kommen:

„Solange sie kämpfen und trotzdem verlieren, werde ich nicht pfeifen“

 

Halte ich für Bullshit, sorry. Ich behaupte, dass kein Zuschauer tatsächlich ermessen kann, ob ein Spieler gekämpft hat oder nicht. Jeder Spieler einer Mannschaft hat eine taktische Maßgabe von seinem Trainer mitbekommen und die hat er zu erfüllen. Wenn dann Spieler A in einem Spiel 10,4 km gelaufen ist und Spieler B 11,8 km, dann heißt das noch lange nicht, dass Spieler A weniger gekämpft hat.

Zum Schluss, aber garantiert nicht am unwichtigsten: Kein Spieler, keine Mannschaft spielt besser, wenn er/sie ausgepfiffen, ausgebuht, beschimpft wird. Meiner Meinung nach dienen diese Unmutsäußerungen einzig und allein der Bewältigung der persönlichen Enttäuschung, des privaten Frustabbaus, weil man etwas nicht bekommen hat, was man bekommen wollte.

 

Von | 2014-03-06T08:30:35+01:00 6. März 2014|Allgemein|35 Kommentare

35 Comments

  1. Andreas 6. März 2014 um 08:46 Uhr

    Zitat:“Wie gehen die “Pfeifer” eigentlich im normalen Leben mit einer Situation um, bei der sie mit einer ihnen entgegengebrachten Leistung nicht einverstanden sind ? Pfeifen sie den Taxifahrer aus, wenn der zu langsam gefahren ist ? Wird der Koch eines Restaurants ausgepfiffen, wenn das Essen nicht so war, wie man es sich vorgestellt hat ? Wird der Vorgesetzte ausgepfiffen, wenn er eine geforderte Gehaltserhöhung abgelehnt hat ? Wohl kaum, aber bei diesen Beispielen handelt es sich im gleichen Maße um erwartete und nicht erbrachte Leistungen.“

    Mit Verlaub, aber dieser Vergleich hinkt doch gewaltig. Bei all den genannten Personen habe ich die Möglichkeit persönlich zu widersprechen oder sogar Kritik zu üben. Diese Möglichkeit habe ich bedauerlicherweise bei einem Fussballer nicht, da diese direkt nach dem Spiel in ihre Autos steigen und weg sind. Wie sollte man seinen Unmut denn äussern? Selbst Fussballer sagen vor der Kamera, dass sie die Piffe verstehen können und diese sogar teilweise berechtigt sind.

    • Gravesen 6. März 2014 um 08:58 Uhr

      Würdest du Herrn Podolski oder Herrn Özil denn nach dem Spiel persönlich widersprechen, wenn du die Möglichkeit dazu hättest ? Und bitte einmal ehrlich sein.

      • Andreas 6. März 2014 um 09:28 Uhr

        Ja,sofern ich die Möglichkeit hätte, würde ich das tun. Ich selber erwarte auch, dass man mir sagt, wenn ich Fehler mache. Ich gehöre nicht zu der pfeifenden Fraktion, kann diese aber teilweise nachempfinden, da diese aus Emotionen heraus kommen. Sitze ich in einem Restaurant und bekomme nicht das was ich erwartet habe, dann habe ich direkt die Möglichkeit dies zu reklamieren. Fans gehen mit einer solchen Erwartung ( wenngleich diese auch teilweise sehr hoch sind) ins Stadion und bekommen dann nur Magerkost geboten. Wo und Wie soll sich da Frust abbauen, wenn nicht durch Pfiffe? Besser Pfiffe während des Spiels als nach dem Spiel Eskalation .

        • Pascal 6. März 2014 um 10:01 Uhr

          aber genau diese hohe Erwartungshaltung ist doch das Problem oder Irre ich mich ?

          • Gravesen 6. März 2014 um 10:04 Uhr

            Exakt. Aber du siehst, dass das auch hier nicht als solche verstanden wird. Die Rechnung – € 12 = schlechtes Spiel erwarten, € 55 = Superspiel erwarten, geht nun mal nicht auf.

          • Andreas 6. März 2014 um 10:40 Uhr

            Sorry Grave, aber das versteh ich jetzt nicht :-).

    • M.S. 6. März 2014 um 09:26 Uhr

      @ Andreas Die Spieler bezahlst du aber eben auch nicht mit deiner Eintrittskarte , du bezahlst die Möglichkeit die 2 beschriebenen Fussballteams in dem vorgesehenen Stadion, zum vorgesehen Spiel zu sehen. Mehr Anspruch hast du erstmal nicht zu haben, das sagt dein Ticket, das ist die zu erbringende Leistung. Natürlich hast du auch eine direkte Möglichkeit dich zu Beschweren, indem du an den Verein herantrittst und dich über eine deiner Meinung nach erfolgte Minderleistung für dein Ticket auslässt. Also ist der gezogene Vergleich von Grave schon korrekt und wie ich finde auch sehr passend.
      Insgesamt wieder ein sehr guter Blog, der aber schon weit über Fussball hinausgeht, wird schon fast philosophisch, weil eben dieses verquere Anspruchsdenken sich ja mittlerweile auch immer deutlicher als gesellschaftliches Problem darstellt. Jeder fühlt sich ausgebeutet, unterbezahlt, zu wenig gewürdigt und alle Anderen haben es besser. Wenn ich mir dann schon mal was Leisten kann, dann muss das aber für möglichst wenig auch ganz besonders toll sein. Geiz ist geil Mentalität verbunden mit einem Upper-Class Anspruch, kann nicht passen ist aber leider all überall vorhanden. Wir können uns nur mal alle an die eigene Nase fassen ob es eben immer höher, schneller, weiter sein muss.

  2. @dentrelesmorts 6. März 2014 um 08:57 Uhr

    Moin Gravesen,

    das ist aber schon schwere Kost (Fragen) so früh am Tag *zwinker

    Also – ich sehe das wie folgt.
    Pfiffe finde ich je nach erbrachter Leistung als durchaus angebracht.
    Da ich dieses Spiel nicht gesehen habe, kann ich die Leistung auch nicht beurteilen – aber es gibt ja genügend „Referenzspiele“ (auch von unserem HSV) die mit Pfiffen der Zuschauer „honoriert“ wurden.

    Als Zuschauer in der Anonymität und ohne persönlichen Kontakt zum Spieler oder Trainerstab sehe ich es als einzige Möglichkeit meine Meinung und meine Bewertung abzugeben.
    Natürlich klingen Pfiffe immer unangenehm – geht mir im Stadion auch immer so – ein unangenehmes Gefühl wenn tausende Menschen, wenn auch manchmal berechtigt, pfeiffen.

    Du führst als Vergleich den Koch, den Arbeitgeber etc. auf.
    Natürlich pfeifft man diese nicht aus – aber doch an.
    Wenn ich für teures Geld in einem Restaurant ein schlechtes Essen erhalte, ist es mein Recht dies zu äußern – und das tue ich auch.
    Hier allerdings durch ein persönliches Gespräch mit z.B. dem Kellner.

    Ähnlich verhält es sich im Berufsleben – auch hier äußere ich Kritik gegenüber dem Vorgestzten – das ist von der Unternehmensleitung sogar gewünscht und schimpft sich bei uns „Feedback“

    Sicherlich würden die Fans im Stadion nicht pfeiffen, wenn sie die Möglichkeit hätten, persönlich mit den Spielern sprechen zu können – ok, Ausnahmen gibt es immer.

    Und auch wenn der Spieler aufgrund taktischer Vorgaben versagt, so denke ich, daß die Pfiffe der Gesamtheit gelten – sprich Spieler, Trainer, etc.

    Wie gesagt – es ist halt das Problem der Anonymität und des nicht vorhandenen, persönlichen Kontakts – und damit eben der persönliches Diskussion.

    Im Übirgen finde ich es mittlerweile zum Kotzen (sorry), daß Spiele so spät angepfiffen werden…
    Die Leute im Stadion sind oft erst nach Mitternacht zuhause, müssen vielleicht früh wieder raus, bezahlend horrend hohe Preise – da ist dann natürlich auch ein entsprechendes Anspruchsdenken vorhanden.

    Aber auch für den Zuschauer zuhause finde ich es äußerst schlecht.
    Was ist mit dem (fehlenden) Nachwuchs.
    Welcher Jugendliche, Schüler kann bis Mitternacht an der Glotze hängen um ein Spiel zu sehen.
    Und man wundert sich über mangelnden Nachwuchs…
    Aber gut – das ist eine andere Baustelle.

    Euch allen hier einen entspannten Tag – und hoffen wir, daß wir am Samstag 11 Spieler auf den Platz bringen.

    LG -Ralf-

    • Gravesen 6. März 2014 um 09:02 Uhr

      Das habe ich auch alles verstanden, aber warum pfeifst du ? Denkst du, dass du damit etwas verbessern kannst ? Glaubst du, wenn du pfeifst, strengen sich die Spieler das nächste Mal mehr an ? Oder willst du einfach nur deinen Frust loswerden ?

      • @dentrelesmorts 6. März 2014 um 09:13 Uhr

        Hallo,

        also zu Deinem Kommentar bei Andreas:
        Ja – ICH würde mit den Herren Podolski, Özil reden.
        Warum auch nicht – sind doch keine Götter – Menschen wir Du und ich.

        Also zunächst einmal – ich gehöre nicht zu pfeiffenden Klientel – aber ich kann die Leute verstehen.
        Ich unterscheide hier aber auch den, ich sach mal 22c-Pfeiffer, und den Tribünen-Pfeiffer.
        Da ich meist Tribüne sitze, denke ich schon, daß die Leute die hier pfeiffen den Spielern auf diese Weise mitteilen möchten, daß sie mit der gebotenen Leistung nicht einverstanden sind – wie ich schon schrieb – es ersetzt in meinen Augen das persönliche Gespräch.
        Und wie soll man denn seine Unzufriedenheit sonst kund tun?
        Klar, ich kann natürlich alles in mich rein fressen, frustriert nach Hause gehen.
        Viele machen das sicher auch – ich denke Pfiffe kommen auch erst auf nach wiederholter, schlechter Leistung.

        Mir fehlt momentan die Phantasie, wie man schlechte Leistung im Stadion anders mitteilen kann.

        LG -Ralf-

        • Gravesen 6. März 2014 um 09:17 Uhr

          Die Sache ist doch die. „Schlechte Leistung“ ist doch tatsächlich eine subjektive Betrachtung, oder nicht ? Wie kann ein Amateur die Leistung eines Profi-Fußballers realistisch beurteilen ?

          Stell dir vor, du bist Banker und dann kommt Herr Lahm rein und pfeift dich aus, weil er meint, du könntest deinen Job nicht.

          Würdest du ihm sagen „Stimmt, Herr Lahm“. Sie verstehen von Anlagen etc. bestimmt mehr als ich“ ?

          • MrsMurphy 6. März 2014 um 09:29 Uhr

            Grave, ich teile hier Deinen Ansatz nicht: Wer seinen Banker anraunzt, behauptet nicht per se, dass der der Banker seinen Job nicht beherrscht, sondern dass er, der Kunde, mit dem, was er sieht (oder eben nicht versteht), nicht zufrieden/einverstanden ist. Das muss man unabhängig von der Person sehen und als Banker ernst nehmen. Denn dann habe ich als Banker ihm offensichtlich etwas nicht richtig erklärt oder vielleicht doch einen Fehler gemacht. Das Kunden-Statement muss nicht zwingend persönlich gemeint sein.

  3. Sven 6. März 2014 um 09:17 Uhr

    Moin Grave,

    leider nicht zu diesem Blog, wenn auch dieser lesenswert ist, wie so vieles von Dir:
    Aber kann es sein, dass ein Blog der letzten Tage einfach verschwunden ist?
    Ich meine, dass nach dem „Die nächste Stufe der Hexenjagd-Blog“ noch ein weiterer hier war?!
    Oder irre ich mich gewaltig?

    Gruss,

    Sven

    PS: weiter so!

    • Gravesen 6. März 2014 um 09:22 Uhr

      Ne, verschwunden ist nichts. 🙂

  4. derGast 6. März 2014 um 09:20 Uhr

    Regt zum Nachdenken an und endlich mal andere Themen – danke dafür. Ich überlege gerade, ob deine Aussage „Fussballspiel, Zwei Manschaften, mehr nicht“ mit den Die Hard Fans bzw dessen Wunsch in einem Atemzug genannt werden kann ?
    Denn angenommen
    Bin ich nur ein stoischer Beobachter und will Sport sehen habe ich ganz andere „Probleme“
    -> Ich seh vielleicht nicht so aus, wie es die meisten sehen wollen (Lange Haare, vielleicht keine Fussballkluft) => Schön Wetter Fan
    -> Ich klatsche und Feuer meine Mannschaft nicht an, weil ich eben „nur ein Spiel“ sehen will => Siehe München, wo die tw. tote Atmosphäre verteufelt wird // Ich weiss auch nicht wie sich die Spieler auf einmal fühlen, wenn Sie trotz einem grandiosen Spiel nach 80min vor halbleeren Stadion spielen, weil das Spiel ok war, man aber dann doch die frührere Bahn erreichen will
    -> Totschlag Argument, dass Fusbball nun mal Emotionen weckt (ob nun mit oder Ohne Bier) oder wenigstens wecken soll…

    Richtig ist aber: Keiner ist gezwungen, Fussball anzuschauen, ins Stadion zu gehen (auch wenn dann der Vorwurf kommt, dass man dann ja gar kein richtiger Fan ist …sic!…).

    Richtig ist allerdings auch: Wenn ich im Jugendbereich als Coach sehe, dass die Zuschauer eher unzufrieden sind, ist das ein Hebel mit der man meinem Team sagen kann, dass Sie noch eine Schüppe drauf legen (ok, es ist Basketball und es ist Jugendlich .. ist es aber bei den Profis nicht mehr vorhanden ?)

  5. Marc 6. März 2014 um 09:21 Uhr

    Ich habe noch nie bei einem Spiel gepfiffen … ich kann allerdings auch gar nicht pfeifen 😉
    Aber mal im Ernst: Ich finde es unglaublich überflüssig. Wenn es mir nicht paßt, wie gespielt wird, muß ich ja nicht hingehen. Das handhabe ich übrigens auch im Restaurant usw so. Wenns mir nicht gefallen hat, bezahle ich trotzdem, verabschiede mich nett und gehe nächstes Mal halt woanders hin. Ich habe auch gar keine Zeit und Lust, mit allen Leuten über die Ausübung ihrer Arbeit zu diskutieren.
    Ich kann die gesteigerte Erwartungshaltung schon verstehen in einer Zeit, in der Fußballspiele „Events“ sind und auch dementsprechend kosten. Ein gewisses Maß an zivilisiertem Verhalten sollte man jedoch auch erwarten können.
    Aus der anonymen Masse heraus zu pfeiffen finde ich übrigens besonders feige. Jeder, der der Meinung ist, dass Pfeiffen ein adäquates Mittel zur Meinungsäußerung ist, sollte das mal alleine versuchen, am besten im Amateurfußball direkt an der Seitenlinie. Das könnte je nach Stadtteil durchaus interessant werden.

    • Pascal 6. März 2014 um 10:55 Uhr

      da geb ich dir vollkommen recht

  6. Nick 6. März 2014 um 09:24 Uhr

    War das nicht schon immer so? Gehört das nicht genauso zum Fussball wie standing Ovation nach einem 4:4 gegen Juve?. Das macht doch Fussball aus, dass sowohl auf dem Platz als auch auf den Tribünen Emotionen gezeigt werden. Sind nicht sogar die Zuschauer in Hamburg und auch in Stuttgart für Ihre kritische Haltung bekannt?. Ich gehöre nicht zu den Pfeifern, aber wenn das Pfeifen von mehr als eine Handvoll Zuschauern ausgeübt wurde, finde ich es durchaus ok. Das die Spieler sich beschweren finde ich lächerlich, denn die Spieler beschweren sich ja auch nicht, wenn die Zuschauer Jubeln oder ähnliches. Ich finde wir machen eigentlich viel mehr daraus als es wirklich ist.

  7. Rainer Trapp 6. März 2014 um 09:24 Uhr

    Dann gilt doch auch:
    „Kein Spieler, keine Mannschaft spielt besser/schlechter, wenn er/sie beklatscht, bejubelt und/oder frenetisch gefeiert wird. Meiner Meinung nach dienen diese Beifallsbekundungen einzig und allein der Bewältigung der persönlichen Freude, des privaten Emotionsabbaus, weil man etwas bekommen hat, was man nicht zu bekommen erwartet hat.“

    Kurzum: Ich denke, dass Unmutsäußerungen ebenso wie Applaus zu einer Großveranstaltung dazugehören und die Möglichkeit des Einzelnen sind, sich – zusammen mit anderen – Gehör zu verschaffen und seine Meinung zu dem Spektakel/Vorstellung/Konzert kundzutun.

  8. MrsMurphy 6. März 2014 um 09:25 Uhr

    Ich versuche es mal mit einem Gleichnis: Nehmen wir also ein Theater. Schauspieler üben monatelang ein Stück ein, spielen es dann jeden Abend vor einem wechselnden Publikum, das Eintrittskarten kauft und in der Regel bis zum Schluss ausharrt. Am Ende des Stücks gibt es Applaus (wenn es gefällt), oder es wird wenig bis gar nicht geklatscht bzw. sogar gebuht. Das ist, soweit ich es weiß, seit ewig langer Zeit so, bisher habe ich noch keinen Schauspieler gehört, der sich beim Publikum darüber beschwert hätte, dass es nicht so hingebungsvoll geklatscht hat oder eben auch gepfiffen hätte. Keiner mag letzteres, aber es wird akzeptiert.
    Die Schauspieler machen das auf der Bühne nicht zum Selbstzweck. Sie wollen dem Publikum etwas bieten. Das gelingt mal gut, mal ausgezeichnet, mal aber eben auch nicht. Und sie wollen dafür Feedback haben, am liebsten natürlich Zustimmung. Aber manchmal hilft es auch, wenn Unmut bezeugt wird, zeigt es doch den Schauspielern oder auch dem Autor/Regisseur, dass da irgendwas nicht den Geschmack des Publikums traf. Dass man vielleicht Dinge verändern könnte/sollte. Es ist ein Feedback zur gebrachten Leistung, keine persönliche Beleidigung.

    Und nun zum Fußball: Pfiffe während des Spiels finde ich albern, die machen das Spiel sowie die Leistung der Spieler nicht besser. Aber nach einem Spiel sollte es erlaubt sein, seinen Unmut zu äußern. Die einen machen das (wie ich), indem sie einfach den Beifall verweigern. Die anderen (nun ja, das scheinen viele zu sein), pfeifen halt. So what?! Man sollte das als Rückmeldung, nicht als persönlichen Affront verstehen. Philipp Lahm scheint genau das ja auch gelungen zu sein. Man könnte diese Reaktion ja auch so verstehen, dass sie den Spielern zeigt: Dem Publikum ist nicht egal, was da passiert. Sie identifizieren sich mit der N11, und es tut ihnen „weh“, dass nicht alles so geklappt hat. Wäre es denn besser, sie würden die ganze Zeit schweigend zuschauen und schweigend gehen? Gleichgültigkeit zur Schau stellen? Und vielleicht nie wieder kommen. Wollen wir das?

    Fußball ist Emotion. Und dazu gehören neben positiven auch negative. Deswegen geht die Masse der Zuschauer hin. Weil es sie berührt! Wenn man Pfiffe als Aussage zu dem, WAS jemand TUT, versteht, statt als Aussage zu dem, WER einer IST, verliert das alles schnell an Dramatik.

  9. Gravesen 6. März 2014 um 09:25 Uhr
    • Pascal 6. März 2014 um 10:57 Uhr

      Vorgänger?

      • Gravesen 6. März 2014 um 10:57 Uhr

        🙂
        Vorgänger, Nachfolger, Qualitäts-Journalismus. Ach, vergiss es…

  10. The_MaXX 6. März 2014 um 10:11 Uhr

    hallo,

    ich gehöre auch nicht zu den „pfeiffen“ trotzdem bin ich beim Spiel emotional und „flippe“ auch mal aus, dh ich motze wenn der Ball nicht rechtzeitig abgespielt wird ,oder eine 100%ige verdödelt werde – was ich nicht mache ist: Unflätige Beleidigungen in irgendeiner Form an Spielern. Tatsächlich gehört das Emotionale für mich zum Fussball (gucken) dazu. Ich bin keiner der nach Abpfiff ausrastet – maximal gehe ich ohne Wort, ohne Klatschen (aber mit leisen Fluchen) aus dem Stadion.

    Was mir auffällt z.B. am Beispiel Özil: Heute morgen in der Zeitung wird er quasi zerrissen. Der Heilsbringer von gestern ist der größte Loser, schlechteste Fussballspieler, die Nieter der Nation etc von heute. Diese Unausgewogenheit ist unangemessen. Ähliches sehen wir in Hamburg ja auch an VDV.

    Im Übringen war ich schwer begeistert von den Chilenen. Irre was die für eine Energie hatten. Ich weiß gar nicht, waren wir so schlecht oder die so gut, oder beides?

    Das Marcel jetzt erstmal beim HSV weg vom Fenster ist, stört mich eh am allermeisten.

  11. el_blindo 6. März 2014 um 10:45 Uhr

    Ich bin nicht der meinung, daß pfeifen irgendeinem hilft (weder zuschauer noch spieler). Mal angenommen wir hätte gestern gegen italien gespielt, wäre heute wohl die rede das der „fluch“ endlich besiegt ist, etc. schon komisch, wie ich finde.

  12. Mike 6. März 2014 um 19:00 Uhr

    Ich empfehle mal ein Spiel zu besuchen, so in der 5 bis 6ten Liga, gern in Wilhelmsburg oder Horn, da sind Pfiffe noch das harmloseste was die Zuschauer beitragen. Bei den Brot und Spieleveranstaltungen der Bundesliga laufen regelmäßig über 1000 Polizisten mit und hier wird über Pfiffe diskutiert. Na, wenn man sonst keine Sorgen hat, außer Matzab, dann Bitte.

    • Jorgo 7. März 2014 um 06:41 Uhr

      und ich empfehle Dir das Verhalten der Zuschauer nicht zu relativieren, weil nach Deinem Bekunden in Hamburgs Südosten weit aus primitivere Subjekte das Spielfeld säumen. Das ist nicht das Thema.

      Allerdings habe ich meinen Arzt auch noch nie ausgepfiffen, wenn seine Behandlung nicht angeschlagen hatte. Ich habe es ihm persönlich mitgeteilt oder er ist von selbst darauf gekommen. Auch ich gehöre zu den Nörglern, die in der vertrauten DU-Form einem mir persönlich unbekannten Menschen auf dem Rasen kritisieren. Deshalb halte ich mich mit dem Steinewerfen vornehm zurück 😉 .

  13. dittel 6. März 2014 um 21:31 Uhr

    Es geht hier doch immer noch um Sport. Pfiffe sind unsportliches Verhalten, genauso, wie das Ausbuhen beim Einlaufen der gegnerischen Mannschaft, Pöbeln oder das Singen von Schmähgesängen. Zumindest lernen es so die F-Jugend-Spieler. Und unsportliches Verhalten ist auch die einzige Legitimation jemanden auszupfeifen (imho).
    Ich erinnere mich an ein Spiel unter Oenning in dem angeblich Pitroipa ausgepfiffen wurde, weil er eingewechselt wurde. Ich empfand es damals so, das Oenning dafür ausgepfiffen wurde, weil er Ruud v.N. die Einwechslung verwährte und die Zuschauer ihn noch mal sehen wollten. Es kann also auch unterschiedlich gedeutet werden.
    Letztendlich wird sich nichts ändern. Undenkbar, das die Gastmannschaften von Bremen oder St.Pauli beim Einlaufen beklatscht werden.

  14. Der Siegerländer 7. März 2014 um 08:03 Uhr

    Ist doch ganz einfach!

    Darf ich Applaudieren, wenn ich mit der Leistung zu frieden bin, oder muss ich nach einem tollen Spiel still und leise nach Hause gehen??

    Also werde ich nach einem schlechten Spiel buhen (pfeifen kann ich nicht).

    Ist wie im Theater, oder bei Opern. Beifall wenn es toll ist, Pfiffe oder Buh_Rufe wenn es nicht toll ist.

    Ganz normal.

    • Jorgo 7. März 2014 um 09:18 Uhr

      das ist ja eine gute Idee. Nach der Aufholjagt morgen gegen Frankfurt und dem Siegtor in der 93. Minute für uns wird es 7 Vorhänge geben. Keine Vorhänge vorhanden? OK. Dann 7faches Auslaufen.

      Ich kann mich aber auch erinnern, daß Teile der Zuschauer sich kollektiv mit dem Rücken zum Geschehen gestellt haben, um ihren Unmut über die Leistung der Vergangenheit kundzutun. Oder sie sind erst 10 Minuten nach dem Anpfiff zum Spiel erschienen. Alles möglich.
      Aber warum pfeifen Zuschauer die Akteure aus?

  15. Jopahi 7. März 2014 um 09:20 Uhr

    Ich finde die Pfiffe auch peinlich – die eigene Mannschaft wird einfach nicht ausgepfiffen. Allerdings muss man die Mannschaft auch nicht feiern, wenn sie schlecht spielt und man das „Gefühl“ hat, sie würde nicht genügend kämpfen. Gerade, wenn man nicht so in der Materie steckt – oder kein Profi ist – kann man diese Dinge nicht beurteilen, das stimmt wohl. Selbstreflexion ist allerdings nicht gerade die Stärke der meisten Menschen.

  16. mendikant 7. März 2014 um 10:55 Uhr

    @jopahl, ich kann aber reflektieren, ob mir das was ich sehe gefällt.
    Und ja, ich pfeife bei Anlass, genauso wie ich Jubel, andere motzen oder werden bei schlechtem Spiel ruhig, ich pfeife.
    Ist halt so, ist dieses dingens, na wie heißt das, ah ja Emotion. ; )

  17. Jan-H. Schaper 7. März 2014 um 11:54 Uhr

    Ich denke, man kann Fussballspiele nicht mit anderen Ergebnissen und Begebenheiten des täglichen Lebens (Arztbesuche, Taxifahrt) gleichsetzen. Fussball erfreut sich unter anderem doch einer großen Beliebtheit, weil es dem Zuschauer (zumindest mir) die Möglichkeit bietet, seinen Emotionen total freien Lauf zu lassen ohne das es peinlich wird. Also erfülle ich viele Klischees wie herumbrüllen (bei Kontern oder Fouls gegen uns), schimpfen (bei falschen Schiedsrichterentscheidungen) Aufmunterungen (wenn einer was gut machen will, es aber misslingt) oder oder oder.

    ABER: Pfeifen geht gar nicht, weil ich (es nicht kann und) weiß, dass es ÜBERHAUPT nichts bringt.

    Ein wenig Off-Topic und nicht der Fragestellung inkludiert: Warum werden die Fans der gegnerischen Mannschaft eigentlich nicht freundlich begrüßt (ich zolle den Auswärtsfahrern nämlich höchsten Respekt für Ihre Leidenschaft), sondern ausgepfiffen??? Was will man denn damit ausdrücken???