Alles muss neu (Teil 1)

Vor ca. 2 Jahren hatte ich die Gelegenheit, mit einem der Nachwuchs-Scouts des HSV zu sprechen, ich glaube, es war der für den skandinavischen Bereich zuständige „Sucher“. Wir kamen am Rande eines U 16 Trainings in Ochsenzoll ins Gespräch und er merkte, dass ich mich für diese Thematik interessierte. Einige Dinge, die mir der Herr damals erzählte, möchte ich heute preisgeben.

Zum Einen, weil sie symptomatisch für die Situation des HSV seit vielen Jahren sind und zum Anderen, weil sie die Probleme exakt beschreiben.

„Beim VFL Wolfsburg spielt ein Junge, der ist gerade 15, eine absolute Rakete. Typ Reus oder Schürrle, nur noch ein wenig weiter in der Entwicklung. An dem waren wir dran, hatten aber am Ende gegen die Wolfsburger Möglichkeiten keine Chance. Aber nach dieser Saison ist der auch nicht mehr in Wolfsburg, da sind jetzt schon die Bayern, Dortmund und Leverkusen dran“

Am 29. Spieltag der abgelaufenen Saison erzielte Julian Brandt (damals 17 Jahre alt) sein erstes Bundesligator für Bayer Leverkusen, bezeichnenderweise gegen den HSV!

„Es soll doch bitte niemand glauben, dass wir beispielsweise einen Pierre-Emile Höjbjerg in Dänemark nicht gesehen haben. Wir hatten sogar mit dem Vater (Berater) gesprochen, aber gegen Bayern haben wir keine Chance“

Mittlerweile kommt Höjbjerg, gerade 18 geworden, auf 7 Bundesliga-Einsätze beim Meister und Pokalsieger.

„In den jungen Jahren, wenn die Jungs 13, 14 sind, dann sind im überwiegenden Fall die Väter die Berater der Spieler. Die haben dann natürlich noch eine ganz andere Fürsorgepflicht als ein berufsmäßiger Berater. Wenn wir dann sagen, dass wir vom HSV kommen, winken viele bereits ab. „Zu dem Chaos-Club? Dann gebe ich meinen Sohn lieber nach Wolfsburg, Mainz oder Freiburg, dann weiß ich, was ich bekomme. Bei euch weiß doch keiner, wer nächste Woche Chef vom Nachwuchsleistungszentrum oder wer Trainer der Bundesliga-Mannschaft sein wird

Dies sind nur eine wenige Aussagen eines Betroffenen, die aber meiner Meinung nach das Dilemma ziemlich gut beschreiben.

Neben dem Vorstandsvorsitzenden, welcher die Richtung des Vereins, die Philosophie vorgibt, sind meiner Auffassung nach zwei Positionen im neu zu bildenden HSV von eklatanter Wichtigkeit.

1. Sportchef

2. Nachwuchsleiter

Diese beiden Verantwortungsträger müssen sich zwingend einig sein. Sie müssen eine Sprache sprechen, sie müssen den Weg derer vorgeben, die in 3, 5 oder 7 Jahren in der Bundesliga für den HSV spielen sollen.

Es ist bekannt, dass ich den amtierenden Sportchef Oliver Kreuzer für denkbar ungeeignet halte, den Verein und besonders den Nachwuchs in eine bessere Zukunft führen zu können. Nach meinen Informationen war Herr Kreuzer im ersten Jahr seiner Tätigkeit ganze zweimal bei den Junioren in Ochsenzoll, wenn das stimmt, ist es natürlich eine absolute Katastrophe.

Bedenkt man, welche Transfersummen jedes Jahr investiert werden, ist es doch am Ende des Tages eine Milchmädchen-Rechnung. Man kann doch nicht beim Sportchef und beim Nachwuchsleiter sparen und sich dann über Transfersummen wie € 1,5 Mio für Stieber oder eventuell € 2,5 Mio für Ostrzolek aufregen, wobei das im Bundesligavergleich die kleinen Fische sind.

Grundsätzlich habe ich das ungute Gefühl, dass beim HSV in den letzten Jahren eine Entwicklung eingezogen ist, die einem gesunden Nachwuchsleistungs-Konzept im Wege steht. Häufig wurden Posten mit Leuten besetzt, die gerade zur Verfügung standen, die eine HSv-Vergangenheit vorweisen konnten. Dieses „Buddy-tum“ muss durchbrochen werden, will man zukünftig andere, erfolgreichere Wege beschreiten.

Chef des Nachwuchsleistungszentrums: Michael Schröder

U23 – Cardoso, Uysal

U19 – Addo, Yilmaz

U17 – Judt, Spitzer (Torwarttrainer Wächter)

U16 – Petrowsky, Schmidt (Torwarttrainer Wächter)

U15 – Bajramovic

U14 – Wolf, Traore

U13 – Henkel, Öhlschlager

Die fettmarkierten Trainer weisen eine HSV-Vergangenheit als Spieler der Bundesliga-Mannschaft auf. Aktuell wird immer wieder über ein Rückkehr von David Jarolim diskutiert.

Damit man mich nicht falsch versteht, ich habe nichts gegen die Beschäftigung von Ex-Spielern, wenn sie denn die nötige Qualifikation besitzen. Allerdings kann eine HSV-Vergangenheit kein Kriterium für einen Job im Nachwuchsbereich sein, wenn es einen besseren Kandidaten ohne diese Historie gibt.

Darüber hinaus muss sich der HSV, auch und besonders ím Nachwuchsbereich auf einen Weg begeben, der Kontinuität und Nachhaltigkeit heißt. Genau jetzt, in den Zeiten des Aufbruchs und Neubeginns müssen an den ganz entscheidenden Positionen die Treffer markiert werden.

Betrachtet man die erfolgreiche Konkurrenz, so kann man erkennen, warum einige Vereine nicht nur im Profibereich, sondern ganz besonders beim Nachwuchs am HSV vorbeigezogen sind.

So arbeite ein Jürgen Gelsdorf mittlerweile fast 9 Jahre als Leiter der Nachwuchsabteilung/Nachwuchskoordinator bei Bayer 04 Leverkusen. Dort geht Herr Lewandowski lieber zurück zur U19, als Bundesligatrainer zu bleiben.

http://www.bayer04.de/b04-deu/de/1060.aspx?guid=1060-F76B21D8-C3EA-4F91-93DA-0D7EF35D22E0

Bei Bayern 04 Leverkusen gibt es seit vielen Jahren, besonders für Spieler aus Brasilien,   das „Prinzip Gastfamilie“.

Norbert Elgert ist seit 2002 Trainer der U19 von Schalke 04. Welche Spieler, besonders seit 2003 aus diesem Nachwuchs hervorgegangen sind, kann man hier sehen:

http://knappenschmiede.schalke04.de/de/leistungszentrum/sprungbrett/auf-schalke-ausgebildet/page/104–7–.html

Beim FC Schalke 04 existiert darüberhinaus eine Kooperation mit der Gesamtschule Berger Feld:

Der FC Schalke 04 bietet ein Modell für die optimale Kombination von Schule und Fußball – den von allen Experten geforderten Ersatz für den Straßenfußball früherer Tage. Zur Saison 2000/2001 startete die Fußballschule „Auf Schalke“. Eine Kooperation zwischen der Nachwuchsabteilung des FC Schalke 04 und der Gesamtschule Berger Feld. Das Projekt stellt eine Weiterentwicklung des seit 1993 bestehenden Teilinternats dar.

Volker Kersting leitet das Nachwuchsleistungszentrum von Mainz 05 seit 1990!

http://www.mainz05.de/mainz05/nachwuchs/leistungszentrum-05/nachwuchskonzept.html

Bei Bayern München haben sie mit Heiko Vogel einen Trainer für die U19 verpflichtet, der vorher mit dem FC Basel nach einem Sieg gegen Manchester United das Achtelfinale der Champions League erreicht hatte. Hermann Gerland formt den Nachwuchs der Bayern seit 2002.

Man erkennt relativ schnell, wo die Unterschiede liegen. Während sich beim HSV in den letzten Jahren die Leiter des Nachsuchsleistungszentrums die Klinke in den Hand gaben (Meier, Reinhardt, Schröder etc.), herrscht woanders Kontinuität. Verhandelt man dort als Vater oder Berater mit den Herren, so kann man relativ sicher sein, dass diejenigen, die die Versprechen abgeben, auch noch im Amt sind, wenn es gilt, diese einzuhalten.

Während man beim HSV teilweise den Eindruck gewinnt, die Nachwuchsteams wirken als Auffangbecken für Ex-Spieler, die ihre ersten Trainerschritte machen wollen, wird andernorts mit Profis gearbeitet.

An dieser Stelle muss unbedingt und mit Qualität angesetzt werden und wenn es nicht anders geht, sollte man erfolgreiche Nachwuchstrainer bei anderen Verein abwerben. Mittel- und langfristig gesehen sind diese Investitionen unter Garantie sinnvoller angelegt, als die nächsten Transfermillionen, bei denen es aber auch keine Gewissheit gibt, ob sie funktionieren oder nicht.

Fazit: Der HSV muss sich meiner Meinung überall, aber ganz und besonders im Nachwuchsbereich neu aufstellen und dabei ist es mit dem Bau eines Campus garantiert nicht getan. Das Projekt Nachwuchs muss mit Leben gefüllt werden und das geht nur über kompetentes und engagiertes Personal. Es muss eine einheitliche Philosophie entwickelt werden, die über das „Alle-Mannschaften-des-HSV-spielen-ab-jetzt-durchgehend-im-4-3-3-System“ weit hinausgeht. Man muss dahin kommen, jeden Spieler individuell zu fördern, es muss wieder das Ziel eines 13-Jährigen Jungen aus Flensburg oder Geesthacht sein, für den HSV spielen zu wollen.

Und vielfach hat das eben nicht nur etwas mit Geld zu tun, sondern mit dem guten Gefühl, sich für das Richtige entschieden zu haben.

 

Von | 2014-06-02T07:07:39+02:00 2. Juni 2014|Allgemein|40 Kommentare

40 Comments

  1. Michael 2. Juni 2014 um 08:23 Uhr

    Moin Grave, ich hoffe nur, die Verantwortlichen wissen über diesen offensichtlichen Mangel bescheid und sind willens das auch schnellstmöglich zu ändern.
    Da gilt es dann auch mal für dei schreibende Zunft, den Finger tief in die Wunde zu legen.
    Hoffung stirbt zuletzt.
    sportliche Grüße
    Michael

    • Gravesen 2. Juni 2014 um 08:38 Uhr

      Thomas von Heesen weiß über all diese Mißstände sehr gut Bescheid, sei beruhigt.

      • Blau87 2. Juni 2014 um 14:54 Uhr

        Karl Gernandt hat eine ähnliche Aussage wie in deinem Fazit ja auch auf der HSVPlus PK getroffen.

        Herr Kreuzer im übrigen hat sich nach eigener (!) Aussage erst im November das erste mal um die Jugendarbeit gekümmert, fast ein halbes Jahr nach seinem Amtsantritt, dass hat mich ehrlich schockiert. Er wollte anscheinend lieber im Septemberg 2 Wochen in den Urlaub fahren als die Arbeit dort anzugehen.

        Auch seine dann folgenden Handlungen sagen alles, die Transfers der U23 und U19 wurden alle von Beratern angeboten, plus den völlig unsinnigen und überteuerten Notkauf von Owomoyela, der in seinem Vertrag eine Klausel hatte das er für Sky zur Verfügung steht und an diesen Tag nicht trainieren/spielen muss ! Nun holt er im Sommer einen neuen Trainer – seinen Buddy Joe Zinnbauer, der bezeichnend jetzt schon 2 Spieler vom KSC II ( mittelmäßiges Team der Oberliga Südwest ) mitbringt, weitere sollen angeblich folgen. Währenddessen der Vertrag eines Top-Talentes wie Matti Steinmann weiterhin nicht verlängert wurde, ein junge der nicht nur enormes Potenzial hat, sondern auch noch auf unserer Problemposition “6“ spielt.

  2. Frank Bockelmann 2. Juni 2014 um 08:28 Uhr

    Tolle Darstellung. Hoffentlich wissen Gernandt und Co. Dies umzusetzen, da ich glaube dass Didi hier auch nicht so prikelnd tätig war.
    Weiter so Gravesen mir Deinen analytisch hervorragend aufgebauten blogs.

  3. HSV Bayer 2. Juni 2014 um 08:41 Uhr

    Ich denke, dass diese Leute es wissen. Nur ist hier noch mehr Geduld angesagt, wie im Profibereich. Es ist doch seit langem, eines der Hauptprobleme, dass ständig Ross oder Reiter gewechselt worden sind. Wer jetzt glaubt die ganzen Probleme, lassen sich innerhalb kürzester Zeit beheben, der irrt und wird sich ganz aus Enttäuschung auf die Seite der Kritiker stellen. Gebt den Leuten endlich einmal Zeit, z.B. ein Projekt wie den Campus zu bauen, allerdings wird auch danach noch einige Zeit vergehen, bis wir wieder konkurrenzfähig sind.

  4. Tiamat_1887 2. Juni 2014 um 08:46 Uhr

    Sehr guter Blog, danke.

    Waere schoen, wenn von Heesen / Nogly da tatsaechlich nachhaltige Veraenderungen durchfuehren koennten.

  5. Thomas S. 2. Juni 2014 um 09:51 Uhr

    Das Problem der fehlenden Kontinuität zieht sich ja wie ein roter Faden durch den Verein, und an Beteuerungen, diese endlich herzustellen, hat es nicht gemangelt in den letzten Jahren. Auch dieser Fisch hat also vermutlich vom Kopf her gestunken. Umgekehrt sollte man daher erwarten können, dass eine gut arbeitende Vereinsführung auch auf die Qualität der Jugendarbeit „durchschlägt“. Einfach weil man bis hinunter zum Nachwuchs spürt, dass das hier kein Tollhaus mehr ist, wo jeder sein eigenes Ding macht.

    Was den Vorwurf des Buddytums angeht, bin ich noch im Zweifel, ob er so zutrifft. Uysal, Addo oder Yilmaz waren ja jetzt auch nicht solche Identifikationsfiguren, dass man unterstellen kann, sie hätten den Posten nur wegen ihres Namens und ihrer ruhmreichen Spielervergangenheit bekommen.

    Am ehesten trifft der Vorwurf noch auf die Personalie Cardoso zu. Andererseits: Der FC Bayern hat auch Gerd Müller vor Jahren einen ähnlichen Job gegeben, für den es vermutlich qualifiziertere Bewerber gegeben hätte. Und Norbert Dickel ist auch nicht wegen seiner eloquenten Art Stadionsprecher beim BvB geworden. Will sagen: In Einzelfällen ist Buddytum auch mal gerechtfertigt. Und „Pelu“ war m.E. ein solcher Einzelfall.

    • Jorgo 2. Juni 2014 um 11:04 Uhr

      Gerd Müller hat einen Job bei Bayern erhalten, als er aus einer Lebenskrise heraus kam. Thema Sozialkompetenz ohne Schachereihintergrund. Finde ich toll! Die Gemeinsamkeiten von Bayern und HSV ist die Liga in der sie spielen. Aber das soll nicht das Thema sein.
      Kontinuität und Vertrauen muß man sich erarbeiten. Im Nachwuchsbereich wird es auch weiterhin absagen hageln, bis sich ein Vertrauensvorschuss erarbeitet worden ist. Und was die großen 3-4 Vereine in der Liga im Nachwuchsbereich herausgebracht haben gefällt mir gut. Ob das auch bei uns geht ist nicht die Frage. Die Frage ist wie lange so ein Prozess der Ablehnung bei einer derartigen verbrannten Erde im HSV-Nachwuchsbereich andauern wird. Und ob dann auch noch ein Spieler mit der Berufsauffassung eines Hermann Rieger dabei sein wird, wird sich zeigen.

  6. Oberberger 2. Juni 2014 um 10:01 Uhr

    Sehr gute Analyse.
    Ich bin nicht so dicht am Geschehen dran wie Grave, aber mein Eindruck bzgl. Nachwuchsbereich war ebenfalls, dass das Thema ziemlich stiefmütterlich behandelt wurde.
    Wenn man so ein Juwel entdeckt, dann muss man es frühzeitig an den Verein binden und den Wunsch wecken für den HSV spielen zu wollen.
    Das hat nichts mit verklärter Vereinsromantik- und Treue zu tun, sondern dafür sprechen auch wirtschaftliche Argumente.

    – Ein Talent aus dem eigenen „Stall“ kostet keine Ablöse.
    – Er braucht keine lange Eingewöhnungszeit.
    – Ist eher immun gegen Abwerbung
    – Wenn aus ihm eine „Granate“ wird kann man so ein Talent immer noch für viel Geld verkaufen.
    Dazu fallen mir spontan Draxler (Schalke) und Großkreutz (Dortmund) ein, die beide mit viel Geld von anderen Vereinen umworben wurden und sich dagegen entschieden.
    Die andere Seite der Medaille ist Hakan Calhanoglu der lieber heute als morgen in Leverkusen spielen würde. Auch wenn seine Aussagen alles andere als geschickt waren, kann ich es ihm prinzipiell nicht verübeln, wenn er es vorzieht in einem sicheren Umfeld zu arbeiten als im Chaos.

  7. Stoxx81 2. Juni 2014 um 10:17 Uhr

    Moin!

    Sehr gute (und in Teilen ja nahezu tragische) Analyse der Situation. Glaubt hier jemand, dass Hakan seine seltsame Show durchgezogen hätte, wenn er seit dem 14ten Lebensjahr im Verein wäre und damals als Balljunge seinen Idolen die Bälle zugeworfen hätte? Nein, er hätte sich ähnlich wie Beister geäußert:“Ich will bleiben, aber wir brauchen bessere Strukturen!“ Niemand nimmt Beister diese Aussage übel.
    Es gibt nichts wichtigeres als den Nachwuchs. Das ist in meinen Augen nicht diskutabel. Jahrelang wurde hier gedacht, dass das Hamburger Publikum lieber Sorin und Ze Roberto sieht als Heini Schmidt aus Barmbek. Pustekuchen. Jeder Verein will seinen Großkreutz haben, jeder seinen Draxler oder Schweinsteiger. Und wenn Heini dann doch mal gehen will, dann ist das traurig aber hinterlässt ein anderes Gefühl. Vor allem weil Fiete ihm 5 Jahre zugesehen hat und sich über nichts mehr freut als der nächste mit der Raute auf der Brust zu sein. Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern liegen mehr oder weniger brach und das nördliche Niedersachsen muss „zurückerobert“ werden. Bei den 6+x Mio Einwohnern wirds wohl ein paar Heinis und Fietes geben.
    Jedes Jahr machen genug Leute ihre Fußballlehrer-Lizenz und genug dieser Leute haben nicht die Lobby um ins Profigeschäft einzusteigen. Ja, einige davon wollen sogar lieber echte Lehrer sein als leitende Angestellte mit kurzer Halbwertzeit des Jobs. Da kannst du jedes Mal 5 von einladen und gucken obs bei einem passt. Was soll derjenige an der U 14 oder U15 groß kaputtmachen?

  8. Braveheart 2. Juni 2014 um 10:32 Uhr

    Jetzt muss ich mich vorsichtig ausdrücken, weil nachfolgendes auch nur Hörensagen ist: Auf einer Seniorenversammlung hatte sich wohl mal die Nachwuchsabteilung und auch technische Analytiker vorgestellt (Videoanalysten etc) und zum großen Teil (natürlich nicht alle) fiel die Qualitätsbeurteilung nicht so gut aus (ok, nicht bei allen anwesenden Senioren ;)) . So soll vor allem auch der vorhandene Intellekt / das sogenannte (erwachsene) Standing Fragen aufgeworfen haben, da diese Leute immerhin auch die Erziehung unseres Nachwuchses übernehmen. Das klingt jetzt sicherlich etwas „böse“ evtl sogar anmaßend. Aber neben der rein sportlich fachlichen Kompetenz, benötigen wir im Nachwuchs auch viel pädagogisches Wissen. Und wenn im Verein von ganz oben bzw den Gremien seit vielen Jahren nur Chaos, „Vereinsmeierei“, viel mit Halbwahrheiten, moralisch fragwürdigen Maulwürfen, Mobbing, Misstrauen und sonstigen „Verwerfungen“ erfolgreich Politik gemacht wurde, dann kann die Nachwuchsabteilung weder mit Pädagogik, fortschrittlicher Kompetenz noch menschlich/ intellektuell vorbildlich werden/ sein. „Zweitklassig sucht sich drittklassig“, auch intellektuell, so war der damalige Eindruck.

  9. ARi13 2. Juni 2014 um 10:59 Uhr

    Absolut richtig. Ich glaube oder hoffe, dass es insbesondere unter dem neuen Aufsichtsrat für sportliche Belange so etwas wie ein Konzept gibt. Darüber hinaus braucht dieser Verein endlich so etwas wie eine Philosophie. Mit Vereinsverbundenheit und Demokratieverständnis ist das nicht getan. Sprüche wie „Nur der HSV“ und „die Raute im Herzen“ sind ja ganz nett, aber sie bringen nicht zum Ausdruck, wofür man sportlich stehen will. Bestenfalls will man damit Verbundenheit simulieren. Eine Verbundenheit, die es insbesondere im Aufsichtsorgan lange Zeit nicht gab.
    Die große Ankündigung vor dem Umbruch nach Hoffmann war ja „jetzt auf die Jugend zu setzen“. Aber viel mehr als große Ankündigungen und ein Plan für einen Campus sind dabei nicht rumgekommen. Dabei hätte man mit dem vorhandenen Jugendleistungszentrum schon vor 3-4 Jahren große Möglichkeiten gehabt, etwas zu tun.
    Mein Vater stellt mir seit mehr als 20 Jahren regelmäßig die Frage nach A-Jugendlichen, die nicht in der Profimannschaft waren. Man müsse doch nur mal jemandem die Chance geben, sich zu bewähren und könnte so viel Geld sparen. Aber seit 20 Jahren (und noch viel länger) gibt man lieber zig Millionen aus, um fertige Spieler zu kaufen, die häufig nicht gut genug für den HSV waren. Das gilt insbesondere für die jüngere Vergangenheit, wo man angekündigt hat, auf die Jugend zu setzten. Diese „jungen wilden“ wurden allerdings von Außen hinzugekauft und waren mal wieder nicht gut genug für den HSV. Um das klar zu stellen, ich meine damit nicht, dass sie nicht gut genug waren, sondern, dass die Presse, Teile der Fans und der Verein selbst diese Spieler gemobbt haben.
    Nein, es fehlt dem Verein eine Philosophie. Hier wurde auch zu oft auf Sportdirektoren und Trainer gesetzt, die ein Konzept vorgestellt haben. Und ist der Sportdirektor / Trainer gegangen worden, wurde das Konzept gleich mit über den Haufen geworfen. Nein die Philosophie muss vom Aufsichtsrat kommen. Und da liegt meine große Hoffnung, dass es sich jetzt mit HSV+ endlich ändert. Erst das Konzept, dann der oder die Trainer.
    Ich hoffe dieser neue Aufsichtsrat wird nicht allzu demütig ans Werk gehen, sondern mit der Courage, die Dinge zu entwickeln und umzusetzen. Wir Fans / Mitglieder / regelmäßigen Zuschauer sollten uns solange in Demut vor dem Verein und Vertrauen in die HSV+ Leute üben.

  10. Jakob.K 2. Juni 2014 um 11:25 Uhr

    Hallo. Schöner Blog!

    Da ich zu der ruhmreichen Zeit noch garnicht in Deutschland war, und in den 83ern noch ein kleines Kind gewesen bin, muss ich ehrlich eingestehen, dass ich Peter Nogly garnicht einschätzen kann, was ihn zu einem Nachwuchs-Experten macht. Gleiches gilt für mir bei TvH.
    Kann jemand so bisschen erklären warum sie dabei sind? Identifikationsfiguren? Experten?
    Danke!!!

    • Gravesen 2. Juni 2014 um 11:32 Uhr

      Also ohne jetzt die konkrete Aufgabengebiete beider „Fußballer“ im neuen Aufsichtsrat genau zu kennen, denke ich, dass Peter Nogly aufgrund seiner längjährigen Tätigkeit als Spieler (1969 – 1980) und seinen darauffolgenden Erfahrungen als Trainer im Amateurbereich eine Art Identifikations-Figur darstellen soll.

      Thomas von Heesen war im Profibereich u.a. als Trainer und/oder Sportchef in Bielefeld, Hannover, Nürnberg, Saarbrücken, Limassol und Karpfenberg tätig und es macht extrem viel Spaß, sich mit ihm über Fußball zu unterhalten.

    • ARi13 2. Juni 2014 um 11:47 Uhr

      Ich denke Peter Nogly ist insbesondere in Norddeutschland im Amateur- und Jugendfußball gut vernetzt und kann dem HSV Brücken bauen.
      Neben seinen Kontakten und Erfahrungen ist TvH für mich eher die Identifikationsfigur stellvertretend für die 83er Mannschaft. Die 83er stehen für die erfolgreichste HSV Zeit.
      Die Wikipedia Einträge von Beiden enthalten sämtliche Erfolge und Stationen.
      Oder auf der Seite von HSV+ gibt es ebenfalls einige interessante Anmerkungen zu den Personen.
      http://www.hsvplus.de/teammembers/thomas-von-heesen/
      http://www.hsvplus.de/teammembers/peter-nogly/

  11. Gravesen 2. Juni 2014 um 11:47 Uhr

    Löw streicht Volland, Mustafi und Schmelzer!!! aus dem Aufgebot für Brasilien

    • Jorgo 2. Juni 2014 um 12:14 Uhr

      für die Hauruckvariante vertraut er Klose anstatt Volland. Alle Achtung. Mutig oder wissend. Hoffentlich beides. Die anderen beiden sind verständlich.

      • Stoxx81 2. Juni 2014 um 13:11 Uhr

        1. Schmelzer muss dann was haben. „Nur“ mit Durm ist schon arg risikoreich. Volland als Absicherung fänd ich auch besser, aber da hat Jogi einfach andere Ideen.

        2. Mustafi bitte anrufen, Herr Kreuzer! Diesmal vorher aber mal ein paar andere abgeben. 😉

    • jorgo 3. Juni 2014 um 06:07 Uhr
  12. Nibert 2. Juni 2014 um 12:29 Uhr

    Schönes Thema, Gravesen.

    Wenn ich Vater eines 15- oder 16-jährigen Fussballtalents wäre und mich würden Vertreter von Bayern, Leverkusen und dem HSV besuchen, um meinen Sohn zu ihnen zu lotsen, müsste ich keine Sekunde überlegen, um dem HSV abzusagen. Traurig aber wahr. Nicht weil die Trainingsbedingungen schlecht wären oder die anderen das bessere Konzept haben, wie Schule/Ausbildung und Fußball miteinander verbunden werden können (hier denke ich, nehmen sich die drei wenig), sondern weil ich mir bei Bayern und Leverkusen sicher sein kann, dass sich mein Junge dort auch sportlich verbessert! (Ob’s zur Karriere reicht, steht auf einem anderen Blatt.)
    Der HSV hat in den letzten Jahren sehr viel Prestige und Renommee eingebüßt, weil er in der Öffenlichkeit ein desaströses Bild abgegeben hat. Folge: Das Vertrauen ist weg. Dieses verlorene Vertrauen zurückzugewinnen wird sehr viel Zeit in Anspruch nehmen.

    • db 2. Juni 2014 um 13:11 Uhr

      Mit der katastrophalen Außendarstellung des HSV sprichst du einen weiteren wichtigen Punkt der to do-Liste an.

      Könnte mir vorstellen, dass dies im Teil 2 ff. des heutigen Blogs behandelt wird…

    • Dietrich 2. Juni 2014 um 13:40 Uhr

      Warum hier Bayer Leverkusen genannt wird, wenn es um vorbildliche Jugendarbeit geht, ist mir ein Rätsel!
      Richtig ist: sie kaufen junge Spieler ( Leno, Son, Wollscheid, Brandt etc.) für teures Geld von anderen Vereinen!

  13. Thomas 2. Juni 2014 um 14:01 Uhr

    Sehr guter Kritikpunkt Grave, aber war das in den Jahren, in denen Didi damals Sportchef war, anders….? Schon damals hat doch BH scheinbar massive Kritik geäußert, dass jedes Jahr Millionen in der Nachwuchsarbeit verschwinden, ohne, dass was dabei rumkommen würde….
    Ob DB inzwischen Nachwuchsarbeit gelernt hat….?

    • ARi13 2. Juni 2014 um 14:20 Uhr

      Richtig! Ich sehe da aber mehr den neuen AR in der Pflicht etwas zu tun. Die werden sich Leute suchen, die etwas bewegen können. DB wird das aber mittragen müssen als Vereinschef.

      • Blau87 2. Juni 2014 um 15:07 Uhr

        Ich sehe nicht das Beiersdorfer überhaupt was zur verbesserung des Nachwuchses Beitragen wird ! Beiersdorfer hat dort ebenso “versagt“ wie es Kreuzer tat/tut. Dabei wurden sogar noch mehr Millionen reingepumpt in ein veraltertes Konzept, er hat die Trendwende im Jugendfussball einfach nicht wirklich erkannt, mittlerweile wird es sicherlich der Fall sein.

        Beiersdorfer ist als VV aber sicherlich geeignet, mit ihm werden sich auch die SCler anfreunden und er kann wirklich wieder Ruhe in den Verein bringen, bringt dazu durchaus sportliche und finanzielle Kompetenz mit, auch wenn er dabei dringend kompetente Unterstützung braucht. Dies ist in erster Linie ein Sportchef, der gut vernetzt ist, mit Beiersdorfer und dem AR eine klare Philosophie entwickelt bzw. diese mitträgt, eine ruhige und positive Ausstrahlung und Außendarstellung hat – sprich das Gegenteil von Herrn Kreuzer. Ebenso braucht man einen fähigen NWLZ-Chef, der nicht durch Vetternwirtschaft zu seinem Job kommt wie Herr Schröder, auch wenn es Uwe Seeler nicht gefallen wird, wenn man ihn absägt.

      • profachpersonal 2. Juni 2014 um 17:34 Uhr

        Diese Pflicht ist leider nur eine von vielen, wie man das zumindest angehen will wird interessant. Von Umsetzen möchte ich gar nicht reden.

        Zumal bei den potentiellen Zahlen dieser Saison die anderweitig „genutzte“ Campus-Anleihe noch nicht gegen die wiederum deutlich verfehlte schwarze 0 gegengerechnet wurde.

        Bzgl. Jugentrainern verweise ich auf meinen Nick (nix gegen Jaro).
        Wobei, um Erziehung hat sich imho eig. auch ein Mediendirektor zu kümmern. Kann nicht angehen, daß manche Interviews so ungefiltert in die Presse gehen.

        • Blau87 2. Juni 2014 um 18:14 Uhr

          Der Herr Wolf gehört ebenso gegangen, was macht der als Pressesprecher eigentlich den ganzen Tag ? Gut beraten tut er die Leute jedenfalls nicht, wie man an wiederholt peinlichen Interviews mehrerer Mitarbeiter sieht.

  14. Morris 2. Juni 2014 um 18:26 Uhr

    Son, Sam, Ötztunali, Choupo Moting, Shrokdan Mustafi, Ben Hatira, Beister, Torun, Tah um nur mal einige zu nennen. Die Sichtung und das Training scheint zu stimmen, in meinen Augen liegt der Fehler in der Schnittstelle zur 1. Mannschaft. Traue ich meinem eigenen Nachwuchs oder lass ich ihn lieber laufen, weil ich ihm keine Perspektive bieten kann ?

    • Jakob.K 2. Juni 2014 um 19:14 Uhr

      Ich sehe das eher so, dass der HSV in den letzten Jahren selten einen stabilen Platz in der BuLi hatte. So musste routinierte Spieler spielen um nicht in die Abstiegsränge zu gelangen bzw. diese wieder zu verlassen.
      Abgesehen davon als Trainer würde ich es mir 2 x überlegen ob ich einen Jungen den Hamburger Medien zum Fraß vorwerfen.

      • morris 2. Juni 2014 um 21:59 Uhr

        dann hilft auch die beste Jugendarbeit nichts oder meinst du die Sicht der Presse ändert sich, nur weil da jetzt evtl.kompetente Leute installiert sind. Da ist das Argument, das der HSV immer ein Abstiegskandidat ist und darauf hin der Mut fehlt auf die eigene Jugend zu setzen schlüssiger. Am Ende komme ich immer zu dem Schluss, das der HSV schon seit Jahren nur nach dem Prinzip try and error funktioniert oder kölnisch, Et hätt noch emmer joot jejange

    • jorgo 2. Juni 2014 um 22:59 Uhr

      Ötztunali und Shrokdan Mustafi haben nicht in der 1. Mannschaft gespielt. Die Schnittstelle funktionierte bei den anderen Spielern.

  15. Observer 2. Juni 2014 um 20:33 Uhr

    Um die Nachwuchsarbeit erfolgreich zu machen, braucht es aus meiner Sicht drei Dinge: Ein Konzept, die richtigen Fachkräfte am richtigen Platz (Sportchef, Nachwuchschef, Nachwuchstrainer, Scouting) sowie Geduld. Beim Konzept kann der Campus ein wichtiger Baustein sein, aber für ein überze