Superbia (Hochmut, Eitelkeit) – die erste der sieben Todsünden

Die Eitelkeit, sich selbst gern reden zu hören. Die Eitelkeit, sich im Glanz des Erfolges sonnen zu können. Die Eitelkeit, heute ein gefragter Mann zu sein, während man gestern noch in der Anonymität der Masse mitschwamm bzw. mitschwimmen musste. Die Eitelkeit, das Gesicht einer Bewegung zu sein und die Eitelkeit, beliebt und begehrt zu sein.

Über all diese Eitelkeiten könnten man Bücher schreiben, aber darum soll es heute eigentlich nur am Rande gehen. Heute soll es in diesem Blog vielmehr um die Doppelmoral gehen, derer sich viele bemächtigen und es doch vehement abstreiten.

Was auf der einen, verhassten Seite mit Brachialgewalt verteufelt und bekämpft wurde. Worüber man gar nicht genug lesen konnte und sich monatelang echauffierte, wird auf der anderen Seite bejubelt oder im schlimmsten Fall toleriert. Während man im Falle der Herren Ertel, Hunke, Ferslev und Co bereitwillig jedes Gerücht der fiesen Presse zu glauben bereit war, werden im Fall des Herrn Gernandt hinterhältige mediale Verschwörungen vermutet. Und die Empörung des Empörbürgers ist riesengroß.

Alles wirre Presseblasen = heiße Luft!

Ich denke mal die Irritationen wurde durch die Presse ausgelöst.

Wenn ich A sage und ein Journalist macht daraus B, weil ihm das besser in den Kram passt, dann bin ich für das B verantwortlich? Egal was ich sage, die Medien biegen es sich so zurecht wie sie es am Besten gebrauchen können.

Die sind nur drei von wahrscheinlich Dutzenden von sogenannten „Aussagen“ (Quelle: Facebook) und sie stammen erschütternderweise exakt von denen, die bis zum 25.05. keine Gelegenheit ausgelassen haben, auf die Herren zu pöbeln, die sich frecherweise nicht pro HSVPLUS positioniert hatten.

Das ist eine charakterliche Schweinerei, es klingt nach einem unerzogenen Jungen“, schimpft der Vertraute von HSV-Investor Klaus-Michael Kühne

Diese Aussage von Karl Gernandt stammt vom 21.05.2014 und bezieht sich auf den geäußerten Wunsch Hakan Calhanoglu’s, den HSV zu verlassen und zu Bayer 04 Leverkusen zu wechseln. Um es an dieser Stelle einmal ganz deutlich zu sagen: So sehr er mit dieser Aussage auch Recht haben mag, so wenig steht ihm diese Aussage zu. Vielleicht kann er sie als Privatmann äußern, aber am 21.05. war Gernandt bereits weit mehr als ein Privatmann, er war Spitzenkandidat der Initiative HSVPLUS für den Aufsichtsrat. Natürlich erhielt Gernandt für diese Aussage breite Zustimmung, aber eigentlich hätte er sich bereits diesen Spruch verkneifen müssen. Hat er aber nicht.

„Da kriege ich Hautausschlag“

Dieser Satz, während eines Telefonats mit der BILD geäußert, ist an Naivität nicht mehr zu überbieten. Dachte Gernandt tatsächlich, dass die BILD eine so geile Aussage nicht bringt und den Steilpass liegenläßt ?

„Das Ziel ist es, keine Personalentscheidungen mehr zu treffen, bevor Dietmar Beiersdorfer frei ist. Und das wissen die handelnden Personen auch“, erklärte der designierte Aufsichtsratschef Karl Gernandt gegenüber dem kicker

Bei aller Liebe, aber die Aussage ist doch wohl deutlich, oder? Bevor Beiersdorfer nicht da ist, wird niemand ge- oder verkauft, basta. Die Presse machte daraus (völlig zurecht) einen Transferstopp für Noch-Sportchef Kreuzer, aber anschließend wird vom Wutbürger behauptet, die Presse mache daraus etwas Anderes, weil es ihr besser in den Kram passt. Bullshit. Die mittlerweile leicht enttäuschten Wähler versuchen sich die ungeschickten und völlig überflüssigen Aussagen eines Mannes, der sich noch nicht einmal im Amt befindet, schön zu reden, indem sie der Presse etwas unterstellen, was so nicht stimmt.

„Es ist richtig, dass der Deal mit Stieber von unserer Seite aus so nicht eingefädelt worden wäre“, bestätigte Gernandt dem kicker

Irgendwie lustig. Bis zu dieser Aussage war die Stimmung bezüglich des Stieber-Transfers in Hamburg eigentlich positiv. Dann meinte Gernandt, dass man den Transer so nicht eingefädelt hätte und von einer Sekunde zur anderen war Stieber ein Fehleinkauf, bevor er auch nur eine Minute in der Hansestadt trainiert hatte. Aus dem erwähnten „so“ leiteten die Gefolgsleute ab, dass Gernand wohl die finanziellen Rahmenbedingungen gemeint haben könnte und Stieber als für zu teuer einstuft, aber einen Beweis dafür gibt es nicht. Und da sind wir bei der nächsten Stufe der Doppelmoral. Während der Presse unterstellt wird, sie würde Gernandt’s Aussagen zu ihren Gunsten interpretieren, legt der geneigte PLUSSER dieses ominöse „so“ exakt so! aus, wie es ihm in den Kram passt.

Was aber haben diese Aussagen Gernandt’s zur Folge? Er spricht davon, dass bis zum „Zeitpunkt Beiersdorfer“ keine Transfers getätigt werden sollten, die Presse macht daraus einen Transferstopp, den Gernandt als solchen auch verstanden haben wollte. Daraufhin dementiert Vorstandschef Jarchow, dass es einen Transferstopp gebe und die Medien haben Themen für die nächten 4 Tage.

Diese Themen hätten sie aber nicht gehabt, hätte Gernandt geschwiegen. Es ist doch einfach unfassbar, die Presse dafür verantwortlich machen zu wollen, wenn Gernandt unklare oder interpretierbare Aussagen ohne Not tätigt, diese nicht aufzunehmen.

Exakt aber das wird getan. Während man den Herren Ertel und Hunke jeden Nebensatz um die Nase haute und die Presse täglich aufforderte, doch bitte die Finger in die diversen Wunden zu legen, soll man als Schreiber jetzt am besten schweigen und sich auf die WM konzentrieren. Doppelmoral, meine Herren!!!

Den vorerst letzten Vogel aber schoss Karl Gernandt mit seinen Aussagen bzgl. Planung des Trainerstabs und der Nachwuchsarbeit ab:

„Ich bin relativ entspannt“, betont Gernandt. „Wir werden uns anhören, was dabei herauskommt. Klar ist: Wenn es keine gemeinsamen Ziele gibt, müssen wir den Mut haben, Entscheidungen zu treffen.“

Der Kicker schlußfolgerte daraus:

Alles andere als ein Persilschein für den 46-jährigen Ex-Hannoveraner, der die schwierige Mission Klassenerhalt mit viel Glück erfüllt hat.

Jetzt darf ich doch all diejenigen bitten, die sich über diese Schlussfolgerung echauffierten und dem Kicker (und nicht nur dem) vorwarfen, etwas sehen zu wollen, was gar nicht da ist – was hättet ihr denn aus diesen Aussagen lesen wollen?

Fakt ist: Gernandt macht öffentlich ein Fass nach dem anderen auf, obwohl er de facto noch nicht einmal eine offizielle Funktion im Verein hat.

Das Schlimme daran: Gernandt hat doch mit vielem recht, was er sagt. Aber er sollte es verdammt nochmal hinter verschlossenen Türen sagen und er sollte es den betreffenden Personen selbst sagen, bevor diese aus der Presse davon erfahren. Wie wird sich ein Mirko Slomka wohl fühlen, wenn er vor seinem ersten Gespräch mit Gernandt und Beiersdorfer aus dem Kicker erfährt, dass er auf dem Prüfstand steht?

Gern wird an dieser Stelle angemerkt, dass sich Gernandt als der „neue starke Mann“ beim HSV ja in regelmäßigen Abständen öffentlich zu Wort melden muss. Jetzt sollte ich die Gegenfrage: Warum muss er denn? Was gibt es denn beim HSV zur Zeit öffentlich mitzuteilen, außer des glücklichen Umstandes, dass die Personalie Beiersdorfer endlich fix ist? Es gibt absolut nichts mitzuteilen.

„Wenn sie nichts sagen, dann denkt sich die Presse etwas aus“

Ja, verdammt nochmal, dann soll sie doch. Was wäre denn schlimmer? Irgendwelche haarsträubenden Geschichten, über die man nach spätestens einem Tag lacht oder dieses Kommunikations-Chaos? Außerdem hätte man direkt nach dem 25.05. über die eigenen Kanäle verkünden können, dass der designierte Aufsichtsrat sich vorerst nicht öffentlich äußern würde. Punkt.

„Die Presse muss ihr Sommerloch füllen“

Welches Sommerloch denn bitte??? Wir haben eine WM mit bis zu 4 Spielen täglich. Es existiert kein Sommerloch. Diese Sommerloch möchten einige gern herbeilabern, damit sie eine Erklärung dafür bekommen, was sie selbst eigentlich nicht glauben wollen.

Aber die Doppelmoral einiger geht noch ein Regal höher. Während ganz besonders mir, aber auch einigen anderen Bloggern und Kolumnisten massiv Beifall zuteil wurde, weil wir desöfteren auf die Mißstände und Widersprüche innerhalb des HSV hingewiesen haben, werden wir jetzt plötzlich verteufelt und niedergeknüppelt, weil wir über etwas berichten, was niemand lesen will.

Im Mittelalter wurde man für Ketzerei auf dem Scheiterhaufen gebracht.

Diese Aussage, liebe Freunde, wurde nicht von einem gewaltbereiten und pyrofackelnden Not-for-Saler getätigt. Sie wurde von jemandem geschrieben, der u.a. mich vor ca. drei Wochen noch adoptieren wollte. Dabei habe ich nicht eines der Zitate des Herrn Gernandt bis zu diesem Blog interpretiert oder gewertet. Ich hatte bis hierhin nur darüber berichtet, dass es diese Diskussion gibt und gebeten, dass sich der neue AR-Chef in Zukunft vielleicht etwas mehr zurückhält. Das aber darf ich nicht.

Der absolute Gipfel der Genüsse war allerdings der Facebook-Nachtrag einer anonymen Gruppe, die sich „HSV-Realos“ nennt und deren Existenzberechtigung mit der Abwahl der Fundamentalisten scheinbar abgelaufen ist:

Und damit ist nicht nur die böse Springer-Presse gemeint, sondern insbesondere alle, die einen Blog schreiben. Diese Herren wollen in erster Linie dokumentieren, dass sie unabhängig berichten, insofern muss man doch davon ausgehen, dass in erster Linie in den Blogs nicht gejubelt wird (das sähe verdächtig und komisch aus), sondern kritisch. Das ist OK, sollte aber nicht überbewertet werden. Stellt Euch doch mal folgendes vor:
Ihr schreibt einen Blog. Der lebt doch davon, dass dieser regelmässig mit Leben gefüllt wird und viele Klicks erreicht. Also würdet ihr doch eher provokativ Dinge kommentieren als immer zu loben.
Ihr würdet doch auch nicht in so turbulenten Zeiten, wo so viel passiert schreiben:“Zum Wohle des HSV warte ich die Sommerpause ab, geniesse die WM und melde mich Anfang August wieder zu Wort.“

Sorry, wenn ich an dieser Stelle einmal sehr deutlich werde, aber diese Schafsscheiße schlägt dem Fass den Boden aus. Ich schreibe also „kritisch“, um bejubelt zu werden? Kommt drauf an, worüber man „kritisch“ schreibt. Wenn ich etwas kritisiere (wie jetzt z.B. das mediale Verhalten von Herrn Gernandt), dann gibt es alles andere als Jubel. Gejubelt wird nur, wann man Hunke, Ertel, Bieberstein und Co kritisiert, dann ist man der Größte. Aber das ist ja auch in eurem Sinne, liebe Realos.

Ein Blog oder eine Facebook-Page lebt davon, dass er mit Leben gefüllt wird und viele Klicks generiert? Ob ich auf diesem Blog 10 oder 10.000 Klicks habe, davon habe ich erstmal überhaupt nichts oder seht ihr hier irgendwo Werbung? Meine Facebook-Seite könnte ich komplett vernachlässigen, die Pöbelattacken darauf brauche ich nicht für mein Lebensglück.

Welche „turbulenten“ Zeiten denn bitte? Turbulent macht diese Zeiten nur Herr Gernandt, der mit seinen Aussagen der Presse Munition liefert.

Und dann soll ich „zum Wohle des HSV“ eine Sommerpause einlegen, die WM genießen und mich im August wieder melden. Aha, verstehe. Was hättet ihr denn gemacht, wenn ich diese Sommerpause vorverlegt hätte und zwischen April und 25. Mai Sommerpause gemacht hätte? Doppelmoral, meine Herren!!!

Im Übrigen hätte ich gern erlebt (oder lieber nicht), wenn ein Artikel wie der folgende über Herrn Ferslev oder Herrn Hunke erschienen wäre.

http://www.mobil.abendblatt.de/sport/fussball/hsv/article128366962/Karl-Gernandt-Der-Manager-der-den-HSV-retten-will.html

Um es nochmal verständlich zusammenzufassen:

Der HSV braucht HSVPLUS und er braucht auch einen Mann wie Karl Gernandt.Er braucht einen Karl Gernandt aber so, wie er sich vor dem 25.05. verkauft hat. Als jemand, der im Hintergrund arbeitet, Gespräche führt, Leute zusammenbringt oder auch harte Enrtscheidungen trifft. Der HSV braucht keinen Gernandt als Strahlemann bei Sport3 oder auf SKY. Sollte Gernandt von diesem Weg nicht abkommen, schadet er dem HSV und der Initiative HSVPLUS. Und er schadet sich selbst.

Ich habe diesen Blog geschrieben, um ein wenig aufzuklären. Ich möchte, dass diejenigen, die es interessiert, ihn lesen und darüber nachdenken. Ich möchte darum bitten, auf Komentare jeglicher Art zu verzichten. Wenn einer doch kommentiert, lösche ich es, egal ob Zustimmung oder Ablehnung. Danke.

Von | 2014-06-15T09:11:41+02:00 15. Juni 2014|Allgemein|Kommentare deaktiviert für Superbia (Hochmut, Eitelkeit) – die erste der sieben Todsünden

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