7:1 gegen Brasilien – episch!

Ja was war das denn bitte? Deutschland schlägt Gastgeber Brasilien in Halbfinale der Weltmeisterschaft mit SIEBEN zu EINS? Jeder, der dachte, er hätte im Fußball bis hierhin alles erlebt, kann seit gestern ein neues Kapitel hinzufügen.

Und, um es einmal ganz ehrlich zu sagen: All diese typisch deutschen Miesmacher, die selbst an so einem Tag eine Perücke in der Suppe suchen, können mich heute mal, aber sowas von.

Ich habe schon zweistellige Siege in der Fußball-Bundesliga gesehen. Ich habe gesehen, wie eine unterdurchschnittliche HSV-Mannschaft von überragenden Bayern mit 9:2 aus dem Stadion geschossen wurde. Aber ich habe noch nie erlebt, dass der Topfavorit einer Weltmeisterschaft im eigenen Land, unterstützt von 200 Millionen Menschen in einem Halbfinale einer WM mit 7:1 abserviert wurde.

Spätestens ab Minute 30 standen dort Weltklassespieler, Champions League-Sieger auf dem Platz und glaubten, im falschen Film zu sein.

Ganz ehrlich – eine Analyse fällt mir auch heute noch schwer, deshalb verzichte ich drauf. Am Tag danach denkt ich, es war eine Mischung aus

Spielverlauf, Momentum, zu großer Druck auf den Brasilianern, eine perfekt eingestellte deutsche Mannschaft ohne Ausfälle und zwei Mannschaften, die für einen solchen Spielverlauf einfach zueinander passten.

Nach dem 3:0 waren die Südamerikaner, die im bisherigen Turnierverlauf durch ihre teilweise überharte Gangart aufgefallen waren, nicht einmal mehr in der Lage, mit Härte zu reagieren. Völlig paralysiert guckten sie einer deutschen Mannschaft, die sich in einen Rausch spielte, zu, während die Deutschen in der zweiten Halbzeit darauf verzichteten, das Ergebnis zweistellig zu gestalten. Unfassbar.

Statt der Analyse, habe ich ein paar Pressestimmen zusammengestellt:

Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident): „Es ist ein historischer Tag für den deutschen Fußball und den Fußball in der Welt. Es ist eine unglaubliche Leistung, mit Worten gar nicht auszudrücken. Das Wort sensationell reicht nicht, auch märchenhaft ist zu schwach. Fünf Tore in 19 Minuten – auf der Ehrentribüne haben mich die Leute nur angeguckt. Das war Fußball wie von einem anderen Stern..“

„Lance“ (Brasilien): „Die größte Schande der Geschichte. Das charismatische Deutschland zeigt seine ganze Coolness und schießt die statische Selecao mit 7:1 aus dem Mineirao, das sich den Europäern mit Applaus und Ole-Rufen ergibt…“

„Gazeta Esportiva“ (Brasilien): „Die Maske ist gefallen. Ohne Neymar wird Brasilien von Deutschland gedemütigt. Und Klose übertrifft auch noch Ronaldo.“

„Folha de Sao Paulo“ (Brasilien) : „Deutschland massakriert Brasilien“

„Ole“ (Brasilien): „Sag mir‘, sind es wirklich sieben? Deutschland demütigt Brasilien, gibt ihm eine Vorlesung des Fußballs und lässt es Scham vor den eigenen Leuten erleben.“

„Clarin“ (Brasilien): „Deutschland erreicht das Finale mit einer unvergesslichen Abreibung für Brasilien.“

„AS“ (Spanien): „Sieben Maracanazos. Deutschland erreicht das Finale, indem es Brasilien die schlimmste Niederlage seiner Geschichte beifügt. Außergewöhnliche Leistungen von Kroos und Khedira.“

„Marca“ (Spanien): „Ewige Schande. Deutschland verpasst der Canarinha eine historische Abreibung. Nationales Drama in Brasilien vergleichbar mit dem Maracanazo.“

„El Pais“(Spanien): „Der Maracanazo war ein Witz dagegen. Die verheerende Tracht Prügel von Deutschland lässt den Affront von 1950 wie einen Lausbubenstreich erscheinen. Die Mannschaft von Scolari war dem Ball untreu und die Deutschen ließen sie dafür mit nie gesehenem Groll bezahlen.“

„Gazzetta dello Sport“(Italien): „Historische Demütigung für Brasilien. Deutschland vernichtet es mit 7:1. Die Selecao erlebt ohne Neymar und Thiago Silva ein Debakel ohnegleichen.“

„The Telegraph“ (England): „Deutschland zerstört Brasilien und lässt den Gastgeber geschockt zurück. Der muss sich gefühlt haben, als hätte er auf zerbrochenem Glas gekaut.“

„Guardian“ (Eengland): „Ab der 42. Minute hat es (Brasilien) noch 48 Minuten Tortur zu ertragen.“

„Daily Star“(England): „Brasiliens Traum ist zerbrochen. Die Deutschen sind im siebten Himmel. Das Ende der Welt“

„Daily Mail“(England): „Die brillanten Deutschen verprügeln die Gastgeber“

CNN (USA): „Erst war da Unglauben, dann Tränen. Brasiliens Traum von der Weltmeisterschaft ist vorbei. Der Gastgeber wurde von Deutschland mit 7:1 gedemütigt.

„USA Today“: „Oh! Mein! Gott!“ (auf Deutsch) „Deutschland schlägt Brasilien 7:1 in einem Fußball-Blitzkrieg“

„Libération“ (Frankreich): „Unglaubliches Debakel für Brasilien. Deutschland läuft quasi auf dem Wasser.»“

L’Équipe“ (Frankreich) : „Unglaublich. Diese Leistung ist einzigartig, weil sie in Brasilien erbracht wurde und weil sie gegen Brasilien erbracht wurde. Am Tag des Weltuntergangs, den die Brasilianer gestern ohne Frage bereits zu erleben glaubten, wird man sich noch an dieses Halbfinale erinnern. Übermannt von den seit Turnierbeginn bis zum Exzess ausgelebten Emotionen und dem Pathos sind die Brasilianer auseinandergenommen worden wie niemals zuvor in der Geschichte des Fußballs. (…) Die Auswahl von Joachim Löw hat während der ersten halben Stunde Traumfußball entwickelt.“

BILD: „Ohne Worte“

http://www.youtube.com/watch?v=iX99jjVst40

Zum Genießen!

http://www.bild.de/sport/fussball/2014fifaworldcup/22-bra-ger-spielbericht-36174476.bild.html

Von | 2014-07-09T09:28:29+02:00 9. Juli 2014|Allgemein|14 Kommentare

14 Comments

  1. Don 9. Juli 2014 um 07:51 Uhr

    Jau, das war schon sehr lecker. darauf ’nen Pilsken.
    Sonntag einfach da weitermachen, wo man gegen Brasilien aufgehört hat und alles ist in Butter.

  2. Heiliger Bimbam 9. Juli 2014 um 08:14 Uhr

    Gestern Abend beim Kumpel geguckt, der Besuch aus Schottland da hatte. Trockener Kommentar: „They asked for six and got seven…“ 😀

    Und ich kann das immer noch nicht fassen. Ist wie happy aus der Narkose aufwachen. 😀

  3. Pascal 9. Juli 2014 um 08:28 Uhr

    das war gestern ein unglaubliches Spiel der Deutschen. Trotzdem muss man nun aufpassen und wieder auf den Boden zu kommen sonst erlebt man im Finale das blaue Wunder wenn man denkt „das wird schon so weiter gehen die spielen wir auch so an die Wand“. Argentinien oder Niederlande haben beide nicht den Druck der eigenen Bevölkerung, den Titel zu holen von daher können die ganz entspannt aufspielen. Ich denke aber dass Löw das schon hinkriegen wird und wenn wir wieder so einen guten Tag erwischen, wir durchaus Chancen am Sonntag auf dne Titel haben

  4. Jorgo 9. Juli 2014 um 08:41 Uhr

    was soll man noch sagen? Wen herausheben? Keinen, oder?
    Mir fiel gestern nur zu einem einzelnen Spieler etwas spontan ein. Bei Toni Kroos mußte ich kurz an Wilhelm Tells Apfelsaga denken. Präzise wird neu definiert. Nicht „zlataniert“, sondern „kroosiert“. Das Stellungsspiel vor dem 1:0 von Klose und Müller möchte ich als eine Endlosschleife im ZDF Sportstudio sehen.

  5. Thomas S. 9. Juli 2014 um 08:45 Uhr

    Das Prädikat „weltklasse“ für die Leistung der Mannschaft ist diesmal sogar noch untertrieben. Das Krasseste für mich ist, dass man das Gefühl hatte, D hätte auch 12:0 gewinnen können, wenn sie gewollt hätten. Dass sie es nicht getan haben, zeugt sowohl von Vernunft (Schonung fürs Finale) als auch von Fairplay.

    Schwer zu sagen, welche Rolle der Ausfall der beiden wichtigsten Spieler bei Brasilien gespielt hat. Psychsch anscheinend eine sehr hohe, anders kann man sich die geringe Gegenwehr nicht erklären.

    Und dann die entschlossenen Gesichter unserer Spieler! Da hat keiner hinterher auf Party gemacht. Die wollen den Titel. Recht so!

    • Martin D. 9. Juli 2014 um 10:17 Uhr

      Ich denke,das unsere nicht weiter gespielt haben,gehört sich einfach so!
      Auf einen Gegner der am Boden liegt,tritt man nicht noch drauf.
      Die Demütigung war doch schon zur HZ so spürbar,das man es besser so ausklingen lässt.
      Allerdings war es auch immer spürbar,wenn sie gewollt hätten dann wäre es gestern garantiert zweistellig geworden.

      Und ganz ehrlich,auch mit einem Neymar und Silva hätten die Brasis keine Chance gehabt.
      Während des gesamten Turniers haben die Zuckerhut-Kicker keineswegs spielerisch geglänzt,war vieles nur Zufall und eben Neymar.
      Das ganze dann noch mit diesen Emotionen zu garnieren war gestern z.B. der größte Fehler von Scolari.
      Statt sich mal genau damit zu befassen wie das deutsche Spiel funktioniert,hat er im Grunde nur personell gewechselt,aber er wollte weiter diesen Hurra-Stil pflegen.
      Genau wie gegen Kolumbien und Chile,wollten sie uns auch gestern wieder „überrennen“….mir war völlig klar,das das niemals funktionieren kann.
      Nicht bei einem technisch so hochwertigen MF wie wir es haben……

      • Thomas S. 9. Juli 2014 um 10:31 Uhr

        Das trifft es, denke ich, ganz gut: http://www.welt.de/sport/fussball/wm-2014/article129939293/Brasiliens-Trainer-Scolari-hat-grandios-versagt.html
        Im übrigen staune ich, was dir schon vorher alles klar war 😉 Wie lautete denn dein Tipp vor dem Spiel?

        • Martin D. 9. Juli 2014 um 13:47 Uhr

          Da habe ich leider daneben gelegen…….ich hatte 3:1 getippt! 😉
          Nachzulesen im anderen Blog!Ohne Verlängerung.
          Nein im ernst,die Spielweise der Brasilianer passte doch wie die Faust aufs Auge!
          Natürlich hat uns das 1:0 richtig gut geholfen,aber was danach kam……war abzusehen.
          Sie lagen doch nie hinten,haben mit übertriebener Härte dem Gegner den Schneid abgekauft und auch die Schiri´s haben doch mitgeholfen.
          Aber klar,gegen Argentinien oder Holland wird es nach so einem Spiel natürlich ganz anders….
          Was allerdings extrem wichtig ist,so ein Ergebnis hilft dabei,das der kommende Gegner einen riesen Respekt haben wird!

  6. Bernd 9. Juli 2014 um 10:59 Uhr

    Ich habe in Minute 30 meinen halben Bekanntenkreis angerufen und um Bestätigung gebeten, daß ich
    a) nicht träume
    b) mein Fernseher „richtig geht“.
    Mehr gibt es nicht zu sagen, außer das ich Grrrr! vergessen habe das Spiel aufzunehmen.

  7. profachpersonal 9. Juli 2014 um 11:43 Uhr

    Dazu gibt es nur ein Wort: Unfucking-fassbar…

    Ein Reuss hätte vermutl. auch seine helle Freude gehabt gestern. Und die Jungs haben niemanden gebraucht, der ihnen die Arme wieder runterreißt nach dem Jubeln.

    Frei nach Poldi: ab heute wieder auf den Fokus fokussieren 🙂

  8. Rostein 9. Juli 2014 um 13:30 Uhr

    Hat Meetz schon Befangenheitsantrag gegen den Fußballgott gestellt?
    Vom 4:0 bis zum Schlußpfiff saß ich nur kopfschüttelnd da und murmelte: „Unglaublich, unglaublich…“ Die Mannschaft hat gestern Geschichte geschrieben – und hätte zweistellig gewonnen, wenn sie nicht den Fuß vom Gas genommen hätte. Ich habe mich nur geärgert -zugegebenermaßen auf sehr hohem Niveau-, daß Özil das 8:0 vergibt und dann noch im Gegenzug der Anschlußtreffer fällt. Ich kann Neuers und Boatengs Ärger über dieses Tor verstehen. Van Gaal bzw. Sabella werden sich die 10 Minuten nach der Halbzeit sehr genau ansehen – und das Spiel gegen Algerien. Ich hoffe, es ist nicht van Gaal mit Robben van Persie auf dem Feld. Es war ein Sieg für die Ewigkeit, aber noch ist nichts gewonnen.

    • Thomas S. 9. Juli 2014 um 13:59 Uhr

      Ach komm – allein die Tore 5 bis 7 erfüllten doch schon den Tatbestand der Leichenschändung 😉

  9. Scheinheiliger 9. Juli 2014 um 14:44 Uhr

    Brasilien war doch nur ein selbsternannter Favorit. Die haben schon beim Confed Cup so gekickt und die bisherige WM auch: Immer voll drauf, aber ohne ein erkennbares taktisches Korsett. Sie hatten bisher bei dieser WM einfach Glück: Die Gegner hatten, bis auf Kroatien, auch immer nur über die Leidenschaft ins Spiel gefunden. Und da hatte die Brasilianer dann meist mehr individuelle Klasse und ab und zu auch noch den Heim-Bonus.
    Gestern wurden sie dann taktisch zerlegt. Ohne taktische Disziplin hilft dann auch keine individuelle Klasse mehr. Und dann war auch die Leidenschaft weg. Das reicht dann am Ende nicht mal mehr für ein ordentliches Frust-Foul… 😉

    Vor dem Frankreich Spiel hatte ich mehr Bammel, gestern eigentlich gar nicht.

  10. HugoM 9. Juli 2014 um 17:11 Uhr

    O.t.: immer wird rumgejammert, das wir kein Ausbildungsverein sind. Jetzt soll vielleicht Kreuzer bleiben und es ist auch wieder falsch…

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