Erfolgsformel

Vor ca. einem Monat, es ist tatsächlich schon wieder so lange her, wurde Deutschland Fußball-Weltmeister. Völlig zurecht übrigens, auch wenn einige selbsternannte Experten das anders sehen, weil ihrer Meinung nach die deutsche Elf spielerische nicht das oberste Regal war. Na denn…

Gestern hat die technische Kommission der FIFA eine Liste mit Gründen für den Erfolg von Löw’s Team veröffentlicht und auch wenn es vermessen ist, den aktuellen HSV mit der Mannschaft des Weltmeisters vergleichen zu wollen, so finde ich es spannend, die jeweilge Erfolgsformel einmal vor dem IST-Zustand des Vereins zu betrachten. Nun mag jeder diesen Zustand anders bewerten, dies ist nicht mehr und nicht wenige als meine persönliche Betrachtung und ich nehme mir das Recht heraus, diese zu veröffentlichen.

– Disziplinierte, gut organisierte Abwehr

Nein, sicher nicht. Wenn man in einer Saison 75 Gegentore in 34 Spielen fängt, hat man ganz sicher keine disziplinierte, gut organisierte Abwehr. Wobei ich nicht den Fehler begehen möchte, die zahlreichen Gegentore ausschließlich an den 4 Herren in der Viererkette oder dem Torhüter festzumachen. Abwehrverhalten fängt ganz vor an und ein Gegentor entsteht häufig durch eine Fehlerkette, die mit einer Unzulänglichkeit eines etatmäßigen Stürmers beginnt. Dennoch – an diesem Punkt muss speziell in Hamburg intensiv gearbeitet werden, er ist der Schlüssel zum Erfolg und zur Stabilität.

– Aufrückende Verteidigung, Absicherung durch den Torhüter

Auch hier gibt der HSV meiner Meinung nach keine gute Figur ab. Zwar versuchen die Außenverteidiger (Jansen, Diekmeier) häufig das Flügelspiel zu beleben, die Innenverteidigung jedoch, egal in welcher Zusammenstellung, beschränkt sich einzig und allein auf Deckungsaufgaben. Selbst bei Standardsituationen sind die hamburger Zentralverteidiger außerordentlich torungefährlich (Tah – kein Tor, Djourou – kein Tor, Westermann – ein Tor). Zieht man hier den Quervergleich zu Verteidigern wie Hummels, Boateng oder auch Mertesacker, sieht’s dunkel aus. Sowohl, was den Spielaufbau betrifft, aber auch bzgl. der Torgefahr, sind das andere Hausnummern.

Absicherung durch den Torhüter findet in einer Form, wie sie Manuel Neuer praktiziert, im Grunde überhaupt nicht statt. Das ist allerdings auch kein Wunder, ist Neuers Interpretation des Torwartspiels auch einzig auf der Welt und kaum kopierbar. Rene Adler ist ein Torhüter der alten Schule, stark auf der Linie und in der Luft, gut im 1:1, aber fußballerisch halt limiert.

– Geduldiger Spielaufbau aus der Verteidigung über das Mittelfeld

Was beim HSV als Schwäche bzw. als Unfähigkeit zum schnellen Kombinations-Fußball erklärt wird, gilt bei der Nationalmannschaft als Stärke. Das kontrollierte Aufbauen, die Geduld, sich den Gegner richtig „hinzulegen“. Dies erfordert allerdings auch ein hohes Mass an technischer Fähigkeit, Ballkontrolle und die Gabe, bei Pressing-Verhalten des Gegners nicht in Panik zu geraten, sondern die Ball sicher und präzise zum Nebenmann spielen zu können. Beim HSV existieren an dieser Stelle große Schwächen, da besonders im Spielaufbau teils haarsträubende Abspiele (Arslan, Badelj, aber auch Djourou) den Gegner in aussichtsreiche Positionen und den HSV in größte Schwierigkeiten gebracht haben.

– Hervorragendes Kombinationsspiel, viele Anspielstationen

Existiert beim HSV im Grunde überhaupt nicht, weil für das Kombinationsspiel schlicht die Spieler gefehlt haben, nimmt man einmal van der Vaart und Badelj aus. Aber das Problem beginnt meiner Meinung auch hier viel weiter vorn, weil ein Zoua nun mal kein Götze und ein Lasogga kein Schürrle ist. Natürlich kann man mit Spielern, die die technische Klasse von Kroos, Schweinsteiger, Khedira, Özil, Götze, Müller, Schürrle, Podolski oder Draxler haben, bis zur Besinnungslosigkeit kombinieren, mit Ilicevic, Zoua, Lasogga und Co. kann man das eben nicht.

– Präzise Pässe in die Tiefe

Präzise Pässe in die Tiefe setzen grundsätzlich voraus, dass es eben auch Spieler geben muss, die sich für diese Pässen anbieten. Die in die Räume gehen, die Positionen wechseln etc. Wie beim Punkt zuvor beschrieben, hat die N11 solche Spieler bis zum Abwinken, der HSV hat sie eben nicht (jetzt vielleicht durch Nicoai Müller). Besitzt man keine Spieler dieser Art in seinem Kader, können auch Akteure, die in der Lage sind, solche Pässe spielen zu können (van der Vaart, Calhanolgu), am Ende nur verhungern oder ins Leere passen.

– Einflussreicher Torhüter

Wie bereits beschrieben – Manuel Neuer greift natürlich aufgrund seiner technischen Fähigkeiten und seiner Spielweise wie weltweit kein zweiter Torhüter ins Spiel ein. Rene Adler ist ein vollkommen anderer Torhütertyp und hat entsprechend viel weniger Einfluss auf das Spiel.

– Ballsicherheit unter Druck

Auch bereits angesprochen. Ballsicherheit beinhaltet technische Fähigkeiten, beinhaltet aber auch Mitspieler, die anspielbereit sind, wenn der Ballführende unter Druck gerät. Die deutsche Nationalelf hat dieses Spiel perfektioniert, aufgrund des Umstandes, dass immer ein Spieler frei steht, wird Druck genommen. Sollte dann doch einmal exzessiv gepresst werden, besteht immer noch die Chance, zu einem technisch ausgezeichneten Torhüter zu passen. Beide Möglichkeiten hat der HSV nicht.

– Mentale Stärke

Kann nur schwer trainiert werden. Mentale Stärke resultiert nicht zuletzt aus persönlichen Erfolgen und diese brachten die deutschen Nationalspieler von ihren Stammteams Bayern, Dortmund, Real, Arsenal, Leverkusen und Schalke mit. Die HSV-Spieler können im Grunde gar keine mentale Stärke bzw. Selbstbewußtsein haben, betrachtet man man die (nicht nur sportliche) Entwicklung der letzten Jahre.

– Taktische Flexibilität (situative Anpassung)

Auch hierfür benötigt eine Mannschaft die richtigen Spieler, das Spiel des HSV war in der letzten Saison eindimensional und leicht berechbar. Das krasse Gegenteil dazu die Mannschaft von Jogi Löw. Dadurch bedingt, dass man auf nahezu jeder Position absolute Weltklasse zur Verfügung hatte, war man eben auch in der Lage, auf jede Situation und jeden Gegner entsprechend zu reagieren. Stoßstürmer (Klose) oder falsche Neun (Götze, Müller). Schnelles Spiel über außen (Özil, Müller, Schürrle) oder Kombinationsfußball durch die Zentrale (Hummels,Schweinsteiger, Khedira, Kroos). Lange, vertikale Bälle (Boateng, Kroos) oder schnelles Doppelpass-Spiel über die Außenpositionen, die Mannschaft beherrscht die gesamte Klaviatur des Spiels und sie kann beliebig innerhalb eines Spiels mehrmals umschalten.

Hier kann man leider nur sagen: Qualität hat eben doch seinen Preis.

– Entscheidende Einwechslungen des Trainers

Um die richtigen Entscheidungen bei den Einwechslungen treffen zu können, benötigt es neben der Fähigkeit, ein Spiel (auch und besonders das Spiel des Gegners) lesen zu können, auch einer gehörigen Portion Glück. Und, was noch wichtiger ist: Man braucht auf der Bank auch Spieler, die in der Lage sind, aufgrund ihrer individuellen Klasse ein Spiel in den letzten 20 Minuten beleben und notfalls entscheiden zu können. Betrachtet man den Begriff „entscheidende Einwechslungen“, so meint man in 90% der Fälle die Einwechslung von Offensivspielern, die ein Spiel drehen konnten, entscheidende Treffer erzielen konnten. Ganz selten wird die Einwechslung eines Innenverteidigers in der 62. min., der dann kein Tor erzielte, als „entscheidende Einwechslung betrachtet, wenn sie es auch manchmal ist. Löw hatte davon mehr als genug, Slomka nicht. Es besteht ein gravierender Unterschied, ob ich einen Götze, einen Podolksi, einen Draxler, einen Schürrle oder eben einen Zoua, Nafiu oder Ilicevic auf der Bank habe.

P.S. Ganz kurz noch einmal zum Thema Petition. Allein die Tatsache, dass die Pöbler (Kritiker kann man sie nicht nennen) nicht begreifen können, dass dies nicht meine Idee war, sondern die eines Lesers, sagt mehr über sie als über mich aus. Die Reaktionen darauf zeigten auf jeden Fall deutlich, dass diese Petition mehr als überfällig war.

https://www.openpetition.de/petition/online/umbenennung-oder-abschaffung-des-hsv-blog-herausgegeben-vom-hamburger-abendblatt

Von | 2014-08-16T07:45:28+02:00 16. August 2014|Allgemein|25 Kommentare

25 Comments

  1. Ligature 16. August 2014 um 08:57 Uhr

    Treffend kommentiert. Das sollte helfen, realistische Erwartungen zu bilden.

    Ps. „Haarsträubende Abspiele – auch von Djourou“. Ja, das musste gesagt werden. Ich wünsche ihm, dass er dieses Jahr konzentrierter agiert.

  2. Jorgo 16. August 2014 um 09:45 Uhr

    mir gefällt die Ausarbeitung sehr. Verglichen mit Bayern, Dortmund, Barca, 2xMadrid und einigen engl. Vereinen wäre sie nachvollzieh- u. vergleichbar. Den HSV gestern und heute mit den Aktiven der N11 zu vergleichen, ist wie ein Landgut in der Toskana zu einer Gartenlaube in HH-Farmsen/Berne. Die Lücke ist einfach zu groß. My 2 ct.

    • Gravesen 16. August 2014 um 09:51 Uhr

      Ich habe mal eine Frage und bitte nicht nur dich, sie nicht falsch zu verstehen.

      Wo liest man Artikel wie diese noch? Wo kann man irgendwo (online oder Print, von mir aus auch TV) Betrachtungsweisen dieser Art, aber auch Einschätzungen und sachliche Bewertungen von Spielen, Spielern, Transfers, Traingsinhalten etc. speziell über den HSV noch lesen und sich sogar an einer Diskussion beteiligen, wenn man möchte und dazu in der Lage ist? Umsonst, fast täglich, moderiert mit direktem Zugang zum Autor?

      • Jorgo 16. August 2014 um 11:49 Uhr

        ich wüsste nicht wo noch. Deshalb fühle ich mich bei HSV-Arena zu meiner vollen Zufriedenheit informiert.

        • Jorgo 16. August 2014 um 11:51 Uhr

          ….durch HSV Arena…. ein Königreich für eine Edit Funktion 🙂

  3. Sebastian Von Deyn 16. August 2014 um 09:54 Uhr

    Hallo Grave,
    ich hoffe es stört dich nicht, dass ich deine Plattform benutze um MEINE Petition zu rechtfertigen!

    Zunächst einmal möchte ich klar stellen, dass ich weiß, dass ich mich für meine eigene freie Meinung eigentlich gar nicht rechtfertigen muss aber es kommt immer das gleiche Argument gegen die Petition auf!

    Es wird immer wieder argumentiert, dass wenn man diesen einen Blog schließen/umbenennen will, das auch mit alle anderen Blogs, die sich an den HSV anlehnen, tun müsste. DAS IST NICHT RICHTIG!

    Es handelt sich bei Matz ab – Der HSV-BLOG um einen offiziellen Blog des Hamburger Abendblatts. Dieser wird betrieben von „professionellen“ Journalisten die Angestellte des Hamburger Abendblatts sind (ich weiß Herr Matz ist seit kurzem Rentner). Hier erwarte ich zumindest im Ansatz qualitativen Journalismus! Auch erwarte ich, dass das Hamburger Abendblatt die Komentarfunkion kontrolliert und hirnlose Beleidigungen heraussiebt! Beides ist nicht einmal im Ansatz vorhanden.
    Ein gutes Beispiel wie es eigentlich sein soll ist der Blog von Jovanov, offiziell herausgegeben von Goal.com!

    Bei anderen freien Blogs, weiß ich das diese höchstwahrscheinlich nicht von Journalisten geschrieben werden und die Autoren dieses in Freizeit machen. Die Möglichkeiten des Informationsaustausch sind hierbei dann auch stark beschrenkt.
    Meine Erwartungen, an diese, sind also von vornherein ganz andere als an einen professionellen Blog! Auch gehe ich mit den Informationen die ich dem Text entnehmen kann anders um und hinterfrage diese stärker als die die ich einem professionellen Blog eines großen Tagesblatts entnehme!

    Da diese proffesionalität aber bei Matz ab in keinerlei hinsichtlich gegeben ist und dort sogar bewiesener maße gelogen wird, darf dieses auf keinen Fall weiter im Namen des HSV stattfinden! Ein Entzug des Namenszusatzes „Der HSV-Blog“ würde die Suggestion, dass es sich hierbei um einen offiziellen Blog des Hamburger SV handelt schon bereinigen. So würde den meisten schon klar sein, dass es sich bei den Texten um die freie ( und vielleicht frei erfundene) Meinung der Autoren handelt und diese eben nicht direkt vom HSV kommen!

    Ich hoffe, dass die Kritiker der Petition nun ein wenig mehr verstehen, was ich mit dieser erreichen möchte!

    Danke fürs lesen
    Sebastian

  4. Gravesen 16. August 2014 um 09:54 Uhr

    Dies habe ich heute morgen übrigens zum Thema „Petition“ bei Facebook gepostet. An die Adresse derjeniger, die im Minuten-Rhythmus den Beweis dafür antreten, dass diese Aktion mehr als nötig war.

    Ihr wollt informiert werden – und wenn euch die Informationen nicht passen, pöbelt ihr auf die Informanten

    Ihr wollt Service – aber ihr wollt ihn nicht verstehen oder akzeptieren

    Ihr wollt, dass sich andere Gedanken und Mühe machen – und wenn sie das tun, macht ihr sie nieder

    Ihr wollt Respekt – und benehmt euch selbst wie eine offene Hose

    Ihr wollt Themen – seid aber selbst nicht in der Lage, für welche zu sorgen.

    Ihr wollt gut geschriebene Berichte, schreibt aber selbst im Stile eines Hauptschülers der 7. Klasse.

    Ihr wollt immer nur bedient werden und immer nur nehmen – und geben tut ihr dumme Sprüche, Beleidigungen, Gepöbel. Ihr seid eine Schande für diesen Verein.

    Ihr seid das Letzte.

    Das wirklich lustige ist aber, dass ausgerechnet diejenigen, die diese Petition in Frage stellen, jeden Tag 1000 Gründe dafür liefern, dass sie mehr als überfällig ist.

  5. Bwana Bruce 16. August 2014 um 09:59 Uhr

    Guten Morgen !
    Die „Ist“ Situation ist genau jene. Ich habe gar nicht erwartet , dass es so schlecht aussieht . Offensichtlich hat Beiersdorfer ( Plus Aufsichtsrat ) das genau so analysiert ? …. Denkst Du auch an meine Fragen , die ich Dir passend zur Geburtstagsfeier gestellt habe ?

    Sonnige Grüße ; Bwana

    • Gravesen 16. August 2014 um 10:14 Uhr

      Na klar 😉

      Beiersdorfer:
      Ich habe nicht behauptet, dass all seine Einkäufe Käse waren, im Gegenteil. Er hatte einige wirklich tolle Transfers dabei, aber eben auch einige echte „Hauer“ wie Sanogo, Lauth, Mpenza, Streit etc.
      Was die jetzigen Transfers betrifft, muss man abwarten, wie und ob sie einschlagen. Positiv ist meiner Meinung nach, dass man vorwiegend deutsche Spieler mit Bundesligaerfahrung geholt hat.

      HSVPLUS:
      Nun, HSVPLUS gibt es nicht mehr, das war eine Mitglieder-Initiative, die sich zum Ziel gesetzt hatte, einen notwendigen Strukturwandel herbeizuführen. Das ist gelungen.

      Der Start mit den Aussagen von Gernandt und Kühne war katastrophal, hat dem HSV geschadet und die Inititative HSVPLUS ad absurdum geführt. Man hat dort all das gemacht, was man eben nicht mehr machen wollte und was man vorher vehement kritisiert hatte.

      Ich denke, dass bei den „Macher“ von HSVPLUS massive Ernüchterung eingekehrt war und ist, was ja auch einige hier und anderswo zum Audruck gebracht haben. Dies hat sich meines Wissen’s nach nicht wesentlich geändert, aber man ist der Meinung, dass es für den Verein besser ist, sich jetzt zurückzunehmen.

      Für mich selbst:
      Ich bin ganz ehrlich, ich hatte mir von Kühne etwas anderes erwartet, eben gemessen an den Aussagen, die er vor dem 25.05. getätigt hatte. Dort war von Anschubfinanzierung etc. die Rede und nicht von neuerlichem Kredit. Es wurden große Erwartungen (z.B.Stadionnamen) geweckt und nicht realisiert, jedenfalls für mich nicht sichtbar.

      Positiv finde ich, dass es innerhalb des Vereins (auch AR) wesentlich ruhiger und sachlicher geworden ist, sicherlich ein Verdienst von Dietmar Beiersdorfer.

      Ansonsten plädiere ich für Geduld und Nachhaltigkeit, aber es gibt halt immer noch genügend andere, die nach dem ersten Sieg die Europa League ausrufen werden.

      • Bwana Bruce 16. August 2014 um 10:26 Uhr

        Danke

      • Rostein 16. August 2014 um 19:03 Uhr

        Ich erlaube mir, nur auf einen Aspekt Deines Kommentars zu Kühnes Vorhaben einzugehen. Eine Anschubfinanzierung konnte zum aktuellen Zeitpunkt meines Wissens (aber ich lasse mich auch gern eines anderen belehren) kaum anders als durch einen Kredit erfolgen, in diesem Fall €17 Mio. zu 4% p.a. verzinst und wohl mit einer Wandlungsoption (sprich in AG-Anteile, in welcher Höhe auch immer) nach einem Jahr versehen.
        Die Alternative eines direkten Anteilserwerbes durch Kühne stand aufgrund der noch nicht abgeschlossenen HSV-Unternehmensbewertung noch nicht zur Verfügung, auch wenn Kühne diese Variante wohl vorgezogen hätte. Mir scheint dem HSV mit der gewählten Gestaltung summa summarum am besten gedient, denn a) man schützt sich vor Vorliegen einer „objektiven“ Bewertung durch Dritte vor dem Vorwurf der „Verramschung“, b) gibt der HSV AG die Möglichkeit peu à peu Reputation und Wert zu verbessern und c) kann durch Erfolge und Einnahmen auch Einfluß darauf nehmen, wieviele Mio. € als Kühnes Eigenkapitalgabe langfristig in der AG bleiben müssen, in anderen Worten: wieviel %-Anteile die Kühne Holding AG erwirbt. Ein Wort noch zur Unternehmensbewertung, auf die Gefahr hin, Eulen nach Athen zu tragen: diese ist nicht statisch, sondern dynamisch. Sprich: sie wird zu jedem Bewertungsstichtag verändert ausfallen. Niedriger als im Sommer 2014 war der Unternehmenswert HSV wohl nie…. Noch ein Zusatz aus meinem persönlichen HSV-Nähkästchen: als ich mich noch vor HSV+ mit einem neugewonnenen HSV-Freund über unsere Zielvorstellungen, eingedenk der desaströsen Zahlen der HSV-Konzernbilanz 2012/13, unterhielt, war unser Tenor: unbedingt Ausgliederung in eine AG so schnell als möglich. Verkauf von Anteilen aber nicht vor Ablauf von zwei Jahren, also 2016, denn das wäre die mindeste Zeit, die die neue Gesellschaft und deren Führung bräuchte, um den ramponierten Ruf und Wert wieder ins Feld von Seriosität zurückzubringen.
        Lange Rede, kurzer Sinn: Kühnes Anschubfinanzierung in Form einer Wandelanleihe war meines Erachtens der auch aus HSV-Sicht einzige und einzig richtige Weg, der diesen Sommer eingeschlagen werden konnte. Man muß nicht alle Handlungen Kühnes goutieren, aber ein renditegetriebener Investor KKR (Investor und Hybridkapitalgeber bei Hertha BSC) hätte sich zu so niedrigem Zins wahrscheinlich nicht engagiert, geschweige denn in Kauf genommen, daß der eigene Gesellschaftsanteil durch erfolgreiche Unternehmensführunng binnen der Vertragslaufzeit verwässert wird.

  6. neuer 16. August 2014 um 14:02 Uhr

    da ich ich ja nun schon wieder lese lasogga is fit für cottbus… sollte man nicht mal bis zu seiner vollständigen Rekonvaleszenz warten, als ihn ständig grenzwertig gesund einzusetzen (das ist nur ein verdacht meinerseits) ? oder haben wir wirklich ein stürmerproblem?

    • Gravesen 16. August 2014 um 14:06 Uhr

      Ich denke, das Problem bei Lasogga’s aktueller Verletzung sind mehr die Schmerzen als die möglichen Folgeschäden. So ein Bluterguss im Gelenk tut halt weh, ist aber keine Muskelverhärtung oder ein Faseranriss, der zu einer schwereren Verletzung führen könnte. Außerdem denke ich, dass – sollte er überhaupt spielen – der Trainer seine Formation vor dem Bundesligastart zumindest einmal in einem Pflichtspiel getestet haben möchte.

  7. neuer 16. August 2014 um 14:22 Uhr

    das der Trainer die startformation mal testen will steht ja ausser frage .. sollte lasogga noch schmerzen haben , wäre es trotzdem nicht klug in einzusetzen. schmerzen bei Belastung bedeuten immer das der Körper den schmerzenden bereich versucht zu schonen und das führt unwillkürlich zu höherer beanspruchung der anderen Bereiche ,meisst Muskeln und Bänder…..

    • Gravesen 16. August 2014 um 14:24 Uhr

      Beim Training heute hat man ihm keine Schmerzen anmerken können. Insofern gehe ich davon aus, dass alles soweit wieder ok ist

      • neuer 16. August 2014 um 14:37 Uhr

        dann ist ja gut 😉

  8. Gravesen 16. August 2014 um 16:14 Uhr

    Es ist gut jetzt, Moritz. Wenn man der erste Mal in eine Kneipe kommt und dem Kneipenwirt im zweiten Satz sein Unverständnis darüber mitteilt, wie es in der Kneipe stinken würde, dann ist das anmaßend und wie jeder andere „Wirt“ weise ich dich darauf hin, dass du dir jederzeit eine andere Kneipe suchen darfst, in der das gern gesehen wird.

    Ich hoffe, wie haben uns jetztz verstanden, andernfalls ist für dich in dieser „Kneipe“ Feierabend. Das hat auch nichts mit „dünnhäutig“ oder ähnlichem Mumpitz zu tun, sondern ist lediglich ein Resultat meiner mittlerweilen 2 1/2-Jährigen Erfahrung als Blogbetreiber. Lässt man Sprüche wie deine von Anfang an zu, meinen die Leuten, durchdrehen und sich Matz Ab-mäßig verhalten zu müssen. Das passiert hier garantiert nicht.

  9. menke 16. August 2014 um 18:10 Uhr

    Woooow,Moritz…Respekt, versucht Ihr es jetzt auf diese billige Tour?…
    Menke…HSV

  10. Goldfather 17. August 2014 um 18:46 Uhr

    Gute Anlayse Gravesen und wie ich finde keinesfalls ein unzulässiger Vergleich, da man es beim HSV mit dem drittgrößten Club einer der stärksten Ligen der Welt zu tun hat. Hamburg ist zudem die zweitgrößte Stadt Deutschlands und stellt die reichste Metropolregion Europas dar.
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    Dass der Anspruch des HSV mitlerweile so derartig tief hängt, dass ein Vergleich mit der aktuellen deutschen N11 sich zu verbieten scheint, halte ich für ein peinliches Zugeständnis.
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    Der HSV muß den Anspruch haben sich sportlich sowohl mit der N11, als auch mit dem FC Bayern oder dem BVB, messen zu können.
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    Die riesigen fußballerischen Unterschiede zwischen dem HSV und der N11 sollten dazu dienen die Entwicklungsrichtung sowohl im Transferbereich, als auch in der Ausbildungsabteilung, mit zu bestimmen.
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    Das von Löw konstruierte taktische Geflecht der deutschen N11 ist neben der spanischen N11 derzeit der Leuchtturm der Zunft. So gilt es zu spielen und so müssen Spieler heutzutage agieren können, um titelfähig zu sein.
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    Will der HSV irgendwann einmal auf dem Rathausbalkon stehen wird er nicht umhin kommen das Löw´sche Niveau zu erreichen. Dass die Herausforderungen, um dieses Ziel eines fernen Tages erreichen zu können, in jedem einzelnen Bereich des HSV dafür gewaltig sind, steht außer Frage.
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    Der HSV ist aktuell fußballerisch, wirtschaftlich und wissenschaftlich soweit von der Weltspitze entfernt, wie die NASA von einer neuerlichen Mondlandung.
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    Und dennoch kann es um nichts anderes gehen, als eines Tages die Schale und den großen Henkelpot auf dem Rathausbalkon präsentieren zu können.

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