Ich bin der bessere Trainer!

Erster Spieltag, altes Spiel. Während sich die Spieler in der Saisonvorbereitung die Lunge aus dem Hals gerannt haben, während man mit den letzten analytischen Errungenschaften wie GPS-Westen, Computermodellen etc. dabei ist, das Spiel systematischer zu durchdringen, während sich hochbezahlte Trainerteams im Zusammenspiel mit Analysten, Medizinern, Psychologen, Lehrern etc. die Hirne über Systeme, Spielformen und mögliche Aufstellungen zermartert haben, haben die sogenannten Fans nur auf den Tag X gewartet, um das zu tun, was sie am besten können. Klugscheißen.

In keinen anderen Bereich des öffentlichen Lebens existieren wohl soviele Experten wie beim Fußball und jeder ist zu jedem Zeitpunkt in der Lage, seinen Vorredner noch zu übertrumphen. Da wird gegoogelt bis der Rechner glüht, es werden alte Kicker-Sonderhefte zerfleddert und das alles nur zu einem Zweck: Einem anderen, vorzugsweise natürlich dem Trainer des eigenen Teams nachweisen zu können, dass er von seinem Job ungefähr soviel versteht, wie der Weltmeistertrainer aus Waldmichelbach von Origami.

Eigentlich ist das Ganze extrem belustigend und ich weiß auch, dass dieses Phänomen zum Fußball gehört wie das Abseits und der Schlusspfiff. Übel ist eigentlch nur eines: Die Spinner glauben ihren eigenen Scheiß tatsächlich.

Da denkt der Frührentner aus Norderstedt tatsächlich, dass er die bessere Taktik gewählt hätte und der Steuerberatungs-Fachangestellte aus Stutgart weiß, dass Spieler X garantiert zum Sieg verholfen hätte und eben nicht wie Spieler Y erneut total versagte, aber genau diesen Y stellt der blinde Slomka jedesmal wieder auf. Es ist zum Verzweifeln.

Und nein, diese Strahlungsopfer merken dies nicht etwa mit einem Augenzwinkern an, sie meinen das tatsächlich ernst. Wie vollkommen neben der Spur muss man eigentlich sein, um von sich selbst behaupten zu wollen, man verstehe von der Komplexität des Fußballs aufgrund der eigenen Tätigkeit als Ex-Profi der Kreisklasse B mehr als ein lizensierte Fußball-Lehrer, der jahrelange Erfahrung als Ex-Spieler, Ex-Jugendtrainer, Ex-Cotrainer, Ex-Trainer bei xxx anderen Bundesligaclubs vorzuweisen hat? Der eine zweijährige Ausbildung zum Fußball-Lehrer genossen und auf höchstem Niveau trainiert hat?

Und der vor allem eines zu bedenken hat: Stellt er die falsche Mannschaft auf, wählt er das falsche System oder die falsche Taktik, dann riskiert er seinen Job. Der Brüllaffe im Internet riskiert höchstens, dass ihn andere Brüllaffen auslachen. Aber dann macht er halt am nächsten Spieltag weiter, während der echte Bundesligatrainer um seinen Job kämpft.

Denkt eigentlich tatsächlich jemand ernsthaft, dass irgendein Trainer im bezahlten Fußball einen Spieler auf der Bank lässt, von dem er meint, dass dieser der Mannschaft helfen könnte? Wie lächerlich ist das bitte?

Die vergessene Demut.

Nach der Katastrophen-Saison 2013/14 wurde in Hamburg ein Begriff besonders strapaziert und dieser Begriff lautete Demut. Man wollte in Zukünft demütiger mit dem Privileg, in der höchsten deutschen Spielklasse mitwirken zu dürfen, umgehen. Man wollte die eigenen Ziele mit höchster Demut angreifen. Schritt für Schritt, Spiel für Spiel. Diese Einstellung fanden die meisten Fans und Anhänger gut und sinnvoll, aber eben nur solange, wie andere demütig sein sollten, oder? Wäre es nicht auch ein Zeichen von Demut, den Entscheidungen des Trainerteams einfach mal zu glauben, anstatt 4 min nach Anpfiff des ersten Bundesligaspiels in alte Verhaltensmuster zu verfallen und erneut zu pöbeln, dass die eigenen Kinder vor Scham den Raum verlassen? Aber nein, wie leicht ist es doch, bei anderen etwas einzufordern, was man selbst nicht zu leisten bereit ist.

„Diese Maßnahme muss mir Mirko Slomka einmal erklären“ – „Dafür erwarte ich eine Erklärung vom Trainer“

Zuerst einmal: Mirko Slomka muss überhaupt nichts. Die einzigen Personen, denen er etwas erklären muss, sind der Sportchef und der Vorstandsvorsitzende und diese beiden Posten übt zur Zeit eine Person in Hamburg aus. Wie aber muss man drauf sein, wenn mal als kleine Anwaltswurst aus Frankfurt, der die Zusammenfassung des Köln-Spiels in 6 Minuten in der ARD genossen hat, vom Trainer eine Erklärung  verlangen will? Wie beknackt seid ihr eigentlich?

„Warum läßt der Trainer Jonathan Tah nicht spielen? Was Westermann spielt, spielt Tah im Schlaf. Der Trainer vergrault unsere besten Talenten.“

Gegenfrage: Würde sich Mirko Slomka nicht selbst ein Denkmal setzen, wenn er zum jetzigen Zeitpunkt Spieler wie Tah, Demirbay, Jung oder Steinmann in die Mannschaft einbauen und damit erfolgreich sein würde? Alle Welt würde ihn als denjenigen abfeiern, der für den Aufbruch mit jungen, hoffnungsvollen Talenten steht.

Warum also tut er das nicht einfach? Nun, er tut das nicht, weil er seine Gründe dafür hat. Und dies sind nicht nur seine Gründe, sondern es sind Gründe, die sich aus den Analysen und Gesprächen mit Co-Trainern, Medizinern, Spiel-Analysten, Psychologen etc. ergeben haben. Ganz offensichtlich sind nach Auffassung dieser Experten diese Spieler noch nicht soweit, dass sie der Mannschaft in der aktuellen Situation weiterhelfen können.

Vor einigen Wochen erschien bei spox.com ein, wie ich finde, bemerkenswertes Interview mit dem Cheftrainer von Red Bull Leipzig, Alexander Zorniger. Ich möchte nur eine ganz kurze Passage aus diesem Interview zitieren.

Zorniger: Ein Aspekt sind sicherlich die sozialen Medien. Aus der Anonymität heraus wird etwas gepostet und 50.000 andere springen darauf an, ohne es auch nur ansatzweise zu hinterfragen. Informationen werden vollkommen ungefiltert aufgenommen. Social Media macht den Menschen an sich schlechter, das ist meine ernsthafte Überzeugung.

SPOX: Haben Sie ein Beispiel im Kopf?

Zorniger: Ich kann Ihnen schon heute sagen, dass ich im ersten Saisonspiel gegen den VfR Aalen genau die richtige Formation für uns auswählen werde. Das heißt aber nicht, dass wir damit auch gewinnen. Genau dann wird aber irgendjemand schreiben: Wie kann er denn in der ersten Partie Spieler X draußen lassen? Und darunter stehen dann 1000 Likes.

Anderes Beispiel., diesmal wieder der HSV.

Von einigen Hirnis (vielleicht auch nur von einem) wird bekanntlich im Minutentakt der liebe Raketen-Per aus Norwegen als der Spieler gehyped, der eigentlich Xavi in Barcelona ersetzen müsste. Alle Welt würde dies erkennen, nur die blinden Fink, van Marwijk und Slomka würden dies nicht begreifen. Nebenbei bemerkt erkennen auch ca. 82 andere Trainer aus diversen anderen Profiligen das wahnsinnigen Potenzial des nordischen Brummkreisels nicht, denn wie sonst ist es zu erklären, dass es für den Weltstar keine Angebote gibt? Selbst die Berliner, bei denen „Per“ in der letzten Saison mehr schlecht als recht mitbolzte, wollen den Spieler allerhöchsten für ein Trinkgeld verpflichten.

Wie aber kann es dann angehen, dass man als Einzelperson der Meinung ist, man hätte mehr Ahnung als Hunderte von ausgebildeten Experten? Merkt man denn nicht, dass man sich mit jeder Äußerung zum absoluten Vollidioten macht?

Aber selbst wenn, es ist doch egal. Keiner der Internet-Brüller wird jemals in der Verlegenheit kommen, den Nachweis seiner Expertise zu erbringen. Die Welt besteht aus FIFA und Bundesliga-Manager14 und jeder kann mitspielen.

Das ist ja alles auch okay, solange man sich selbst nicht ernstnimmt. Das aber tun diese Schwachköpfe.

Zum Abschluss muss man erkennen, dass wahrscheinlich jedes Medium die Leser bekommt, die es verdient und jedes Medium reflektiert mit seinen eigenen Leser nur seine eigene Leistung. Die BILD berichtet seicht und hat seichte Leser. Und es gibt Blogs, die schreiben so, wie sich ihre Leser anschließend äußern. Alles eine Frage des Anspruchs.

Von | 2014-08-26T08:22:04+02:00 26. August 2014|Allgemein|19 Kommentare

19 Comments

  1. basti1303 26. August 2014 um 09:08 Uhr

    Moin Grave,

    und wieder mal Volltreffer ! ! !

    Und weil du so recht hast, lesen wir ja auch dieses Medium – DEINEN Blog….

    Bitte bleib weiter so dran an den Ereignissen und Geschreibsel der Print/Internet Medien – es ist immer ein Vergnügen, deine Kommentare und fundierten Ansichten als gegenteilige Meinung zu lessen.

    Gruß
    Basti

  2. Hoobs 26. August 2014 um 09:33 Uhr

    Guten Morgen Grave,
    ich weiß ja nicht ob ich mit meinem persönlichen Umfeld einfach nur Glück habe, aber in meinem Freundes- und Bekanntenkreis wurde während und nach dem Köln Spiel der Trainier nicht kritisiert. Eher das Gegenteil war der Fall! Wir haben zu Null gespielt und uns ordentlich verkauft. „Demut“ sollte eben nicht nur bis 4 Minuten nach Bundesliga-Anpfiff halten, sondern uns über die gesamte Saison tragen. Das dies bei Dir der Fall sein wird, da bin ich mir sicher! Und bei den Lesern dieses Blogs auch. Selbst „Scholle“ bei MA schlägt in die gleiche Kerbe und schreibt überraschend deutlich referenzierter als der Pensionär.

    Aber mit Deiner allgemeinen Kritik der 10 Millionen Trainerexperten in Deutschland hast Du natürlich 100% recht. Das ist übrigens auch der Grund warum ich gar nicht so gern und gar nicht mehr so oft ins Stadion gehe – ganz einfach weil mich diese ganzen Vollpfosten nerven die gleich ausrasten wenn mal etwas nicht so läuft wie gewünscht – und die schon nach 10 Minuten die Trainerfrage stellen. Ätzend!

    Man glaubt es ja nicht, aber Berti Vogts (!) hat das Phänomen mal sehr gut beschrieben. Er sagte mal in einem Interview: „Über zwei Menschen wird in Deutschland am meisten gesprochen und gelästert. Das sind der Bundeskanzler und der Bundestrainer. Beide sind naturgemäß Ahnungslose die alles falsch machen. Aber wissen sie was die beiden unterscheidet? Kein Deutscher meint ERNSTHAFT es besser zu können als der Kanzler. Aber alle Deutschen meinen ERNSTHAFT es besser zu können als der Trainer! Daher ist mein Job der härteste Job der Welt!“

    … Hat mich schon damals beeindruckt, und nicht mehr vergessen 🙂

    • Gravesen 26. August 2014 um 09:37 Uhr

      Absolut richtig. Bei mir kommt nur immer wieder ein Frage auf: Wie können all diese Typen, diese Rentner und Staplerfahrer, diese Bürokaufleute und Wurstverkäufer, diese Geschichtslehrer und Versicherungsmakler, wie können die ernsthaft denken, sie es wirklich besser wüssten? Das ist doch einfach nur lächerlich und hochgradig bescheuert.

  3. Lonewolf72 26. August 2014 um 09:51 Uhr

    Moin, Moin Gravesen wieder ein sehr geiler Blog. Aber wie ich zwischen den Zeilen bei dir rauslese, erwartest du auch nicht wirklich das sich an diesem Verhalten jemals etwas ändern wird. Wer nichts anderes im Leben hat muss sich eben so ausleben und in Zeiten des Internet geht das ganze auch noch schön anonym und danach wird zu Hause oder im Job wieder gekatzbuckelt.

    Wie schon mal hier geschrieben sollten sich diese Leute mal den Film „Moneyball“ mit Philipp Seymour Hoffmann, Jonah Hill und Brad Pitt anschauen. Darin wird die wahre Geschichte der Oakland A’s aus der MBL beschrieben. Ist eine gute Blaupause für jeden Sportverein, dass nicht nur die besten Einzelspieler zum Erfolg führen können, sondern auch das beste Team. Dort sieht man dann auch, wie viel Arbeit im Hintergrund vom Trainer- und Managerteam geleistet wird, um erfolgreich zu werden. P.S. Aktuell zählen die Oakland A’s zu den besten Teams der Liga, obwohl dort immer noch kaum „Topstars“ spielen oder übertriebene Gehälter gezahlt werden (können).

    • Gravesen 26. August 2014 um 09:55 Uhr

      Du brauchst gar nicht bis nach Oakland zu gucken, wir haben Ähnliches bereits in Hamburg versucht. Der vielgeschmähte Frank Arnesen hatte mit Lee Congerton und Steve Houston zwei Experten installiert, die sich um vergleichbare Dinge kümmern sollten.

      Leider Gottes haben das in Hamburg weder die Spezialisten von der Presse noch die Experten im damaligen Aufsichtsrat gerafft. Die waren vielmehr damit beschäftigt, den Dänen abzusägen, weil dieser nicht genug mit ihnen gesprochen hat.

      http://www.11freunde.de/artikel/hsv-scout-steven-houston-im-interview

      • Lonewolf72 26. August 2014 um 14:57 Uhr

        Da hast du auf jeden Fall recht. Aber es ist für diese speziellen Fälle einfacher sich 90 Minuten einen Film anzuschauen und vielleicht etwas zu lernen, als sich ganze Texte im Internet durchzulesen, um diese dann doch nicht zu verstehen / verstehen zu wollen. 😉

  4. britpostnew 26. August 2014 um 11:22 Uhr

    Hallo Grave,

    vielen Dank für diesen Blog. Ich habe gerade erst etwas in der Kommentarsektion des HSV-Blogs gescrollt (war das nicht vor zwei oder drei Jahren echt mal eine normale Diskussionskultur?!) und habe sofort schlechte Laune bekommen. Es ist mir unbegreiflich, weshalb auf einmal 90% der Menschen dort meinen an Slomkas Stuhl sägen zu müssen – vermutlich um in einem halben Jahr wieder mehr Konstanz einzufordern.

    Ebenso verstehe ich das permanente gerufe nach Tah nicht. Natürlich ist es sehr schön ein vielversprechendes junges Talent zu haben, aber offenbar gibt es gerade doch Gründe diesen nicht aufzustellen. Wenn es sich eine Mannschaft nicht den Luxus erlauben kann spaßeshalber junge Spieler aufzustellen und auszubilden, dann ist es der HSV. Zu Beginn der Saison muss alles was möglich ist getan werden um nicht direkt wieder auf den Abstiegsrängen zu landen.

    „Demut“ und „Geduld“ scheinen auch Fremdwörter zu sein. Ich hatte nach der Mitgliederversammlung wirklich die Hoffnung, dass zumindest fünf oder sechs Saisonspiele ein zaghaftes Wohlwollen in der Analyse der HSV Spiele zu erkennen sei… aber nichts da. Ein solides 0:0 mit Vorteilen für den HSV gegen Köln ist schon zu wenig.

    Eigentlich ist es fast lustig zu sehen wie sich innerhalb kürzester Zeit wieder alle „Fans“ (ernshaft?!) echauffieren.

    • BerndH60 26. August 2014 um 14:45 Uhr

      Ebenso verstehe ich das permanente gerufe nach Tah nicht.

      Dann laß dir beim Verstehen helfen. 😉
      Die brauchen ganz einfach wieder einen Spieler, den sie fertig machen können. Sollst mal sehen was passiert beim nächsten Einsatz von Tah, wenn der sich „erdreistet“ einen Fehler zu machen. Die selbe Pavianhorde, die eben noch vehement seinen Einsatz forderte, mutiert in Null-komma-Nix zu Leuten, die schon immer wußten, was der für eine Graupe ist und fordern den sofortigen Verkauf.
      Schuld hat dann eh immer Fink, van Marwijk, Slomka oder wer auch immer der aktuelle HSV Trainer ist.

  5. daywalker 26. August 2014 um 11:31 Uhr

    Moin
    Alles richtig was Du schreibst. So sieht es (leider) aus.
    Allerdings fehlt mir der Gedanke, das dieses „Phänomen“ im Fußball so alt ist wie der Fußballsport selbst. Genauso wurde auch schon weit vor Zeiten von Social Media gepöbelt und kluggeschissen, schon unsere Urgroßväter standen so am Platz, mit dem Unterschied, das man damit nur sein direktes Umfeld „belästigt“ hat.
    Ich persönlich habe in den 80ern genau die selben schlauen Sprüche gehört, die man heute online lesen kann, so what?
    Dank Internet kann man halt heutzutage die ganze Welt an seinen Gedanken teilhaben lassen. Das liegt nun an einem selbst ob man sich daran ergötzen lassen will oder nicht.
    „Matz ab“ z.B., der Blog der hier (leider) immer wieder Thema ist.
    Wieviel User schreiben da? 20, 30, 50, keine Ahnung, jedenfalls nicht viele.
    Jedenfalls ist der Blog alles, nur nicht der Spiegel der HSV-Fans.
    Darüber kann ich mich schon fast aufregen, das Du Grave hier den Eindruck erweckst, als wäre das Volkes Stimme.
    Das ist schlicht ABSURD!
    Ebenfalls belustigend finde ich wie teilweise die deutsche Mentalität angefeindet und als Ursache für das Fanverhalten herangezogen wird.
    Leute, seid Ihr schon mal außerhalb unseres schönen Landes gewesen?
    Zumindest online?
    Was hier abgeht ist geradezu harmlos!
    Die hierzulande stattfindende Fanszene und deren öffentliche Äußerungen sind in ganz Europa in der selben Form und weitaus schlimmer zu finden.
    Man könnte meinen der ein oder andere glaubt tatsächlich, so etwas gibt es nur in Deutschland und beim HSV. Sehr amüsant.
    Ich sag nur Tellerrand und Nabel der Welt…

    Grundsätzlich denke ich, das das „Problem“ des Fußballs das ist, das es DER Breitensport ist und so ziemlich jeder irgendwann in seinem Leben mal in irgendeiner Form Fußball gespielt hat und daher meint mitreden zu können/müssen. Ich behaupte mal, das jeder Mensch schon mal irgendeinen Gegenstand der auf dem Boden lag mit seinen Füssen weggeschossen hat und sollte das Hirn dann auf Halbmast hängen, kann man halt davon ausgehen, das derjenige dann glaubt, er verstünde etwas von Fußball.

    Mein eigentliches Steckenpferd ist der Motorradrennsport.
    Ich habe in fast 40 Jahren an den europäischen Rennstrecken nicht ein einziges Mal auch nur ansatzweise solch despektierlichen Aussagen wie von Fußballfans gehört.
    Motorradfans sind ganz sicher nicht schlauer wie Fußballfans.
    Allerdings ist das Bewußtsein das die Protagonisten etwas Herausragendes leisten bei JEDEM Fan vorhanden.
    Ob ein Rennfahrer 10m nach Start stürzt oder Letzter im Rennen wird. JEDER weiß selbst diese „Fehlleistung“ zu schätzen.
    Es geht meiner Meinung nach nicht um dieses dämliche HSV-Modewort „Demut“, sondern um „Respekt“. In jeder Hinsicht!

    Unserer aktuellen Gesellschaft fehlt Respekt in allen Lebensbereichen.

  6. Mike 26. August 2014 um 12:52 Uhr

    Ein großartiger Blog!
    Ich kann Dir nur in allen Punkten zustimmen.
    Ganz besonders der erste Abschnitt trifft es zu 100%.
    Ich kann es wirklich nicht verstehen was für Mist da im anderen Blog geschrieben wird. Und immer sind das 50 bis 70 Jährige. Ich frage mich wirklich wie solch intolerante und offensichtlich leicht verwirrte Menschen angeblich als Anwälte und ähnliches arbeiten können. Wer bezahlt solche Leute?
    Ich finde Slomka hat eine faire Chance verdient und bekommt sie zum Glück auch. Er hat bei uns in Hannover großartige Arbeit geleistet. Wäre mit Schmadtke ein SpoDi geblieben der gute Spieler scouten kann wären sie noch heute erfolgreich, aber leider passte es menschlich nicht. Jetzt mit Didi als SpoDi (übergangsweise) wird Slomka auch beim HSV gute Arbeit vollbringen.
    Es ist einfach lächerlich jetzt alle 5 Minuten Tuchel, Tah, Holtby oder Ronaldinho zu fordern und absolut alles schlecht zu reden.
    Ich bin davon überzeugt, dass es gute Gründe gibt Tah nicht spielen zu lassen. Mirko Slomka, sein Team und auch Didi haben da garantiert drüber gesprochen und es entschieden. An einen Alleingang von Slomka glaube ich keine Sekunde. Die Leute die meinen nur durch Beobachtung des öffentlichen Trainings und ohne Einsicht der Daten bessere Personalentscheidungen treffen zu können sind an Lächerlichkeit nicht zu überbieten.

  7. Kerberos 26. August 2014 um 13:11 Uhr

    Hallo „daywalker“,

    grundsätzlich schon richtig. Das Problem und die Folgen ausgeprägter Hypris wurde bereits vor 3000 Jahren von Homer in der Odyssee abgehandelt; da ging es noch nicht ein Mal um Sport, geschweige denn um Fußball. Und es ist im Allgemeinen selbstverständlich auch kein Problem, wenn sich grenzdebile Narzissten in irgendeinem anonymen Blog austoben. Braucht man ja wirklich einfach nicht Lesen und fertig.

    Nur ist die Sache beim MA-Blog etwas spezieller gelagert: durch die permanente Online-Verlinkung des Blogs im Hamburger Abendblatt (als selbsternanntes Zentralorgan des HSV) in Verbindung mit der Verwendung der vereinsinternen Insignien (Raute) im Blog und der suggerierten Vereinsnähe durch die jovial kumpelhaften Berichte der „Blogväter“ (mit Vereinsverantwortlichen auf „Du & Du“) wird beim neutralen Leser der Eindruck (m.E. Gewollt) assoziiert, beim MA-Blog handele es sich um einen offiziellen HSV-Blog – und somit wird der ganze pathologische Unfug im MA-Blog kausal und final DEM HSV zugeordnet und angerechnet. DIES ist aber mit Sichheit nicht im Sinne des HSV und seiner („normalen“) Fans.

  8. Hoobs 26. August 2014 um 13:41 Uhr

    Noch ein Gedanke zu Tah, Demirbay & Co

    Ich habe schon seit gut drei Jahren neidisch nach Hannover geblickt. Für mich ist Slomka einer der besten Trainer in Deutschland. Egal ob auf Schalke oder bei den 96ern, er hat seine Teams bisher immer besser gemacht! Und das ist ein sehr hohes Gut! Aber „Nobody is Perfect“, und so habe ich schon vor Jahren registriert, das Slomka wenig bis gar nicht auf junge Talente setzt. Spieler „jünger als 22“ hatten bei ihm kaum eine Chance… und das scheint sich jetzt beim HSV fortzusetzen. Das finde ich natürlich extrem schade und auch falsch… aber wie im heutigen Blog ganz treffend beschrieben, wird der Trainer und der Trainerstab schon seine Gründe haben. Und da ich schon seit langem ein kleiner Slomka-Fan bin, kann ich mit diesem „Makel“ sehr gut leben.

    Ich hoffe Slomka bleibt die nächsten 2-3 Jahre unser Trainer. Und unter diesem Gesichtspunkt würde ich dann auch als ganz junger Spieler lieber verliehen werden, Erfahrung sammeln, und dann in 1-2 Jahren verstärkt zum HSV zurück kehren.

  9. Pollinho 26. August 2014 um 14:07 Uhr

    Wenn ich ins Stadion gehe, um „mein“ Team zu sehen, haben sämtliche Spieler. die für den Verein auflaufen und eingewechselt werden, zunächst mal einen ganz dicken Stein im Brett. Und selbst nach dem achten Fehlpass und der dritten versiebten Großchance stehe ich immer noch zu dem Spieler meines Vereins, der diese Situationen bestimmt viel lieber besser, mithin erfolgreich, gelöst hätte. Und selbst wenn einem Spieler nahezu alles misslingt, hat er für mich schlichtweg keinen guten Tag. Ich stelle aber weder seinen Charakter noch sein Leistungsvermögen infrage.

    Wenn es so etwas wie ein Fan-Karma gibt, habe ich es dann nicht verdient, im Block von Gleichdenkenden und -fühlenden umgeben zu sein ? WARUM sitzt im Stadion IMMER mindestens ein cholerischer Vollhonk neben oder hinter mir, der schon nach zwanzig Minuten, spätestens aber kurz nach Wiederanpfiff seine Auffassung schreiend kundgibt, einzelne Spieler zu verhökern und den Trainer rausschmeißen. Diesmal saß ein rothaariger Fettsack mit Schnappatmung hinter mir in Köln. Zu Beginn ging’s noch, weil er vor dem Spiel scheinbar angemessen vorgeglüht hatte und dachte, dass Alkohol im Stadion-Bier sei. Als er den Irrtum bemerkte und der Kater einsetzte, schmähte er lautstark „Ivo“, der (in meinen Worten entschärft ausgedrückt) doch bitte den Platz und dann gleich den Verein verlassen sollte. Dann galt gleiche Bitte noch gegenüber Milan Badelj (der meines Erachtens ein ordentliches Spiel machte). Ach ja, und weil der Trainer ja beide Spieler aufgestellt hatte, sollte auch noch Herr Slomka gehen. Wenn man diesen Unsinn das erste Mal hört, ist man bereits genervt (Ivo hatte an dem Tag wirklich etwas Pech, hing sich aber rein). Wenn die Platte aber einen Sprung hat und der Typ STÄNDIG das gleiche krakehlt, wird’s mir zu bunt. Mein Vorschlag an den Fettsack, dass man IHN doch besser auswechseln solle, hat ihn nicht von seinem Geblubber abgehalten. Auch mein späterer Vorschlag, dass so ein fachlich und menschlich einwandfreier und intellektuell auf höchster Ebene argumentierender Mann wie er doch HSV-Trainer werden solle, hielt ihn auch nicht davon ab, seinen ranzigen Senf dazuzugeben. Was soll man da noch machen ? Handgreiflich werden ? Nur das würde wohl helfen, aber das ist ja nicht unser aller Stil. Nach dem Spiel haute er natürlich sofort schimpfend ab, ohne auf die Mannschaft in der Kurve zu warten. Die armen Typen, die mit ihm die Rückfahrt antreten mussten ! Wann immer ich den HSV auch sehe (meistens im Westen), ziehe immer ich den Jackpot und habe so ein storniertes Hirn neben mir. Es ist zum Verzweifeln!

    Lange Rede, kurzer Sinn: Daywalker hat völlig recht, es fehlt schlichtweg am nötigen Respekt in allen Gesellschaftsbereichen. Hinzu kommt noch diese maßlose Selbstüberschätzung, die diese wirren Gedanken ungefiltert in die Welt entäußern lässt. Mangelnde Erziehung, dazu noch ein Schuss Frustration, weil es im Arbeits- und/oder Privatleben nicht nach Wunsch läuft – fertig ist der aggressive Fußballlaie, der sich fachliche Urteile anmaßt. Diese Idioten kann ich im Netz wunderbar ignorieren, indem ich gewisse Seiten nicht aufrufe. Im Stadion aber, wo es mangels Platzwahl kein „Entrinnen“ gibt, ist man diesen geistigen Blähungen ungeschützt ausgesetzt. Und das vergällt mir mittlerweile fast den Stadionbesuch.

    Wenn jemand eine Methode gefunden hat, über diesen armen Willis zu stehen, möge er das bitte hier posten. Danke.

  10. Gravesen 26. August 2014 um 15:59 Uhr

    HSV-Arena @HSVArena · 28. Juli

    Holtby interessant? Als Nachfolger von van der Vaart? #hsv

    • TErxleben 26. August 2014 um 17:27 Uhr

      Also wenn ich entscheiden dürfte, ob man den alten Knacker vdv (der jetzt mal gerade ein Spiel geliefert hat ohne sich auf die eigene Zunge zu treten) gegen einen 23 jährigen Holtby tauschen soll, dann wäre Holtby vor 3h in Fuhlsbüttel gelandet und vdv hätte ein Ticket von Turkish Airlines in der Gesäßtasche.

    • ausgegliedert 26. August 2014 um 17:48 Uhr

      ich glaube nicht. Für MS ist der bestimmt viel zu jung 😉

  11. Provinzsuperstar 26. August 2014 um 19:27 Uhr

    Ich finde die Art und Weise wie Didi in Interviews oder letzte Woche im Fermsehen den HSV präsentiert positiv. Ruhig, überlegt, sachlich und vor allem posaunt er keine Schlagzeile hinaus die dann in einer der Zeitungen die an und für sich schon ein Druckfehler sind steht.
    Slomka hin, Slomka her auch wenn ich keine Bundesligamannschaft trainiert habe, kann ich seine Aufstellungen oder Taktiken kritisieren. Ich finde Slomka in Bezug auf junge Spieler und das er selten auf Garnichtspielende setzt mutlos. Dieser Immergrund in der jetzigen Situation bringt uns z.B. xy nicht weiter Blah, Blah, Blah. Dann sollte der mal genauer schauen wer wie seine Stammelf in der letzten Saison gekickt hat. Warum soll Slomka der Messias sein und immer alles richtig machen? Er muss beweisen, dass er ein guter und erfolgreicher Trainer ist. Erfolgreich wäre mich ein Platz zwischen 10 und 12 in dieser Saison. Den Klassenerhalt hat er nicht geschafft sondern Fürth den Aufstieg verspielt.
    HSV – Paberborn 2:1 mit einem Quentchen Glück und einem Tor von Raffa dem ich das wünsche!

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