Fordert nicht der HSV Thomas Tuchel selbst?

Nein, ich fordere nicht den Kopf des Trainers. Wie könnte ich auch? Ich habe keinen Einblick in die Arbeit, die Mirko Slomka täglich leistet und auch ich kann mich erinnern, dass jeder der gefühlten 52 Trainer in den letzten 15 Jahren mit Vorschusslorbeeren und Begeisterungsstürmen empfangen wurde, ein jeder von ihnen konnte vor Dienstantritt in Hamburg fachlich übers Wasser gehen und mit jedem war die Zukunft rosig.

Spätestens 6 Monate danach – Katzenjammer an jeder Ecke. Aus jedem Messias wurde ein Versager, den Fans und Medien mit Schimpf und Schande aus dem Dorf trieben, wobei die Frage, wer eigentlich wen aufhetzt, noch nicht abschließend geklärt ist.

Tatsache ist allerdings, dass kein Trainer seit Happel in Hamburg die Chance bekam, ein Team nach seinen Vorstellungen aufzubauen, eine eigene Spielphilosophie über einen längeren Zeitraum zu installieren, tatsächlich nachhaltig arbeiten zu können. Der Druck, schnellstmöglich Ergebnisse abliefern zu müssen, ist enorm und er behindert im Grunde das, was alle wollen: Eine unverwechselbare Idee vom Spiel. Ein USP-HSV sozusagen. Etwas, wofür die Mannschaft des Hamburger Sport-Vereins steht und was ihn ausmacht. Problem ist nur – sowas lässt sich nicht über Nacht befehlen oder trainieren. Solche Dinge brauchen ihre Zeit und ob ein Thomas Tuchel diese Zeit in Hamburg bekommen würde, darf ernsthaft bezweifelt werden.

Denn, machen wir uns doch nichts vor, die “Mechanismen des Marktes” greifen am Ende auch bei Mourinho und Guardiola und es gäbe nur eine Möglichkeit, diese außer Kraft zu setzen.

Erklärung des HSV-Vorstands: Mit sofortige Wirkung übernimmt Trainer XXX das Training der Profi-Mannschaft der HSV AG. Der Vorstand bekennt sich zu 100% zu Herrn XXX, völlig unabhängig von Tabellenplätzen oder Liga-Zugehörigkeit. Die Zusammenarbeit ist vorerst auf 4 Jahre festgelegt, eine Ausstiegsklausel existiert für niemand. Eine Trainer-Diskussion wird in Hamburg weder intern noch medial geführt, jegliche Fragen diesbezüglich werden in Zukunft nicht mehr beantwortet. Die sogenannte “Mechanismen des Marktes” gelten in Hamburg ab sofort nicht mehr

Ich weiß, ich weiß – Wunschdenken. Aber eigentlich könnte es nur so gehen, denn im anderen Fall hätte man die gleiche Diskussion bei Tuchel, wie man sie bei Jol, Stevens, Doll, van Marwijk, Fink, Topmöller, Jara etc. etc. gehabt hat, sollte der Ex-Mainzer nicht in kürzester Zeit wahre Wunder vollbringen – was nicht passieren kann und wird.

Etwas hat sich beim HSV aber tatsächlich schon geändert, denn mit Beiersdorfer und besonders Bernhard Peters hat man den Beginn von etwas geschaffen, was es in dieser Form beim HSV noch nicht gab – ein Zukunfts-Konzept. Die Strategie, wie in Hamburg zukünftig gearbeitet, ausgebildet, trainiert und entwickelt werden soll. Der Umstand, das dieses Konzept ungefähr 10 Jahre zu spät kommt, macht es nicht weniger notwendig und die entscheidende Frage bzgl. des Trainers ist:

Ist Mirko Slomka in den Augen von Beiersdorfer und Peters (und eventuell Knäbel) der Trainer, dem man zutraut, diesen Weg maßgeblich und über Jahre mitzugehen?

Diese Frage ist eigentlich völlig losgelöst von aktuellen Ergebnissen und Tabellenplätzen, weil eben das Projekt “Bundesliga-Trainer HSV” auf Jahre angelegt sein sollte.

Betrachtet man vor diesem Hintergrund erst kürzlich getätigte Aussagen von maßgeblichen Personen rund um den HSV, könnten Zweifel auftauchen.

Als Privatmann und HSV-Fan kann ich nur sagen, dass ich an diesen Trainer nicht glaube. Er hat in der Endphase der Saison keine Punkte geholt, er hat wahnsinniges Glück gehabt, dass der Abstieg verhindert wurde. Es war eine solche Zitterpartie, die möchte ich nicht noch einmal erleben.“ (BILD vom 18.06.2014)

Diese Aussage stammt von Klaus-Michael Kühne, HSV-Gönner, HSV-Fan und zukünftiger HSV-Anteilsinhaber. Auch wenn man der Meinung ist, dass der 77-Jährige gern einmal verbal über die Stränge schlägt und im Tagesgeschäft des HSV nichts zu melden hätte, so sollte man nicht vergessen, dass Beiersdorfer vor Saisonbeginn desöfteren mit Kühne zusammenhockte und den Milliardär darüber informierte, was beim HSV in den nächsten Jahren passieren soll. So gesehen müsste KlauMi eigentlich ziemlich genau wissen, was der Vorstand und der “Direktor Sport” planen und welche Rolle Slomka in deren Planung spielt.

Doch nicht nur Big Kühne äußerte seine Bedenken bzgl. der Tauglichkeit des aktuellen Übungsleiters, auch Tribun Karl Gernandt, als Vorsitzender des Aufsichtsrats ebenfalls in alle Zukunftspläne eingeweiht, wollte sich bereits vor der Saison zu keiner Jobgarantie hinreißen lassen, im Gegenteil.

“Wenn man nicht die gleichen Ziele hat, muss man den Mut haben und Entscheidungen treffen. Der Trainer gehört wie der Sportchef und der Nachwuchsleiter zum Kernteam. Wir wollen einen ganz neuen HSV, diskutieren sehr offen darüber”, sagte Gernandt der “Hamburger Morgenpost”: “Es ist eine schwebende Diskussion. Zum Schluss müssen wir aber eine Entscheidung fällen. Es warten arbeitsintensive Wochen. Aber ‘Didi’ ist nicht gekommen, um da weiterzumachen wo andere aufgehört haben, sondern für einen Neuanfang.” (Spiegel vom 12.06.2014)

Der Vorstandsvorsitzende selbst blockt bisher, aber er hat seine Gründe.

Zuletzt hatte es immer wieder Gerüchte um HSV-Kontakte zu Tuchel gegeben. Laut Sport Bild sei der ehemalige Mainzer Coach Wunschkandidat auf den Posten auf der Hamburger Trainerbank, falls Slomka die Erwartungen an der Elbe nicht erfüllen sollte. Beiersdorfer habe sich, so berichtete das Blatt am Mittwoch, bereits mit Tuchel getroffen und in Verhandlungen mit potenziellen Neuzugängen schon über Tuchel als möglichen Slomka-Nachfolger gesprochen. Diese Darstellung, so Beiersdorfer, seien eine Beleidigung seiner Intelligenz. (SportBild vom 24.07.2014)

Interessante Aussage, wie ich finde. “Haben sie sich mit Neger-Kalle (bevor sich die ersten Moralisten warmdribbleln, Herr Schwensen nicht sich selbst so) getroffen? Diese Frage beleidigt meine Intelligenz”. Komisch, ein einfaches Nein hätte eigentlich gereicht, oder? Aber hätte man an dieser Stelle mit “Nein” geantwortet, wäre man eventuell später als Lügner enttarnt worden. Also empfindet man seine “Intelligenz als beleidigt” und sagt im Grunde gar nichts.

Nächster Punkt. Am Wochenende wusste ein sichtlich aufgeregter und bekanntermaßen investigativer Kollege Töllner von SKY (ehemals Mopo) von atmosphärischen Störungen zwischen Teilen der Mannschaft und dem Trainer(team) zu berichten. “Mehr als 2 oder 3 Spieler hätte ihm gesteckt,  dass sie  “irritiert  über Slomka’s Führungsstil seien”. Steile Behauptung, die der HSV am besten umgehend kommentiert oder besser noch, dementiert hätte. Aber nichts geschah und so steht die Behauptung einfach mal im Raum.

Nimmt man all diese Punkte zusammen, könnte man sich meiner Meinung nach tatsächlich die Frage stellen, ob nicht der HSV selbst mittlerweile die Ablösung von Slomka beschleunigt oder sogar fordert, um einen Trainer (Tuchel?) zu installieren, mit dem man zusammen die gravierenden Veränderungen der nächsten Jahre in Angriff nehmen will und dem man diese epochale Aufgabe eher zutraut als einem jetzt schon angeschossenen Slomka.

 Die jüngsten Äußerungen Slomka’s lassen die Vermutung zu, dass der Trainer um seine aktuelle Situation im Allgemeinen und seinen Status in den langfristigen Überlegungen der Clubführung im Speziellen weiß und er weiß auch, dass ihm nur noch unerwartete Erfolge helfen können. Die ersten beiden Spieltage lassen seine Position, die schon vor der Saison aufgrund der Ergebnisse des Vorjahres erschüttert war, noch weiter schwächer werden und vor diesem Hintergrund kann Slomka bereits Anfang September kaum noch etwas richtig machen. Gemessen an seinem Stand in Hamburg erscheint der Job eines Jens Kellers auf Schalke geradezu komfortabel.

 

Nachtsplitter

http://www.spox.com/de/sport/fussball/bundesliga/1409/News/mirko-slomka-ueberlegt-torwartwechsel-beim-hamburger-sv-rene-adler-jaroslav-drobny-hsv.html

Meine Meinung: Selbstverständlich kann und muss man über jede Position innerhalb einer nicht erfolgreichen Mannschaft diskutieren dürfen, aber ob sich Mirko Slomka mit der Öffnung dieses Faßes zu diesem Zeitpunkt einen Gefallen getan hat, möchte ich anzweifeln. Und – was passiert, wenn ein Drobny, von dem jeder weiß, dass er aufgrund seiner lädierten Knie niemals eine Saison wird durchspielen können, nach 3 Spielen verletzt ausfällt? Wird dann der enteierte Rene Adler ohne den letzten Rest von Selbstvertrauen reaktivert?

 

 

 

Von | 2014-09-03T07:36:27+02:00 3. September 2014|Allgemein|41 Kommentare

41 Comments

  1. Thomas S. 3. September 2014 um 08:42 Uhr - Antworten

    Du deutest die Zeichen vermutlich richtig. Ich selbst habe allerdings schon zu viele Trainerwechsel erlebt, um mir ausgerechnet von diesem Wechsel etwas zu versprechen.
    Ich wünsche Herrn Slomka sehr, dass er mit ein paar “Dreiern” noch mal von der Schippe springt und den Weg des HSV noch eine Weile als Trainer begleiten darf. Und dem HSV wünsche ich das auch.
    Warum sollte es nicht gelingen, ihn “auf Linie” zu bringen, was das neue Konzept angeht? Warum sollte er mit seiner Erfahrung nicht auch selbst dazu etwas beitragen können?

  2. Jottkah1887 3. September 2014 um 09:19 Uhr - Antworten

    Fein analysiert, Grave.
    Nein, auch ich habe keinen Einblick in die Trainingsarbeit und werde darum sehr vorsichtig sein mit ‘Forderungen’ nach Konsequenzen (wie könnte ich als Fan überhaupt fordern?).
    Was ich mir aber erlaube, ist festzustellen, dass ich keinen einzigen Spieler sehe, dessen Leistung sich unter Slomkas Arbeit verbessert hat, oder dass ich gar ein System erkennen könnte, das das Problem insbesondere tief stehender Gegner auch nur im Ansatz löst.
    Natürlich: Viele Bausteine, sich läuferisch und spielerisch zu verbessern und die berüchtigte “6” adäquat zu besetzen, sind erst spät in der Vorbereitung hinzugekommen. Trotzdem würde ich zumindest erwarten, dass auch das vorhandene Personal in der intensiven Vorbereitung einen systemischen Fortschritt aus der Trainingsarbeit heraus erarbeiten kann.
    Zur Eröffnung der Torwartdiskussion kann ich eigentlich nur den Kopf schütteln.

  3. Uffi 3. September 2014 um 09:27 Uhr - Antworten

    Wenn man Tuchel als Trainer will, dann muss man das JETZT sofort durchziehen und nicht erst warten bis Slomka die Argumente liefert und man den Trainerwechsel mit den miesen Leistungen rechtfertigt.
    Slomka jetzt sofort ersetzen mit genau der Begründung, dass das ein weiterer wichtiger Baustein ist für den neuen HSV. Das hat dann primär nichts mit der Trainerleistung von Slomka zu tun, sondern mit der Neuausrichtung und ich denke man könnte das auch so kommunizieren.
    Jetzt aber abwarten bis Slomka genügend Klatschen geliefert hat um das damit dann zu argumentieren halte ich für den falschen weg. Wenn man Tuchel will, dann jetzt! Slomka muss dafür nicht erst die Argumente liefern. Die Argumente dafür hat der Verein!

  4. Oberberger 3. September 2014 um 09:36 Uhr - Antworten

    Wenn man ein langfristiges Konzept verfolgt, dann gehören zu diesem Konzept eben nicht nur die Spieler, sondern auch der Trainer.
    DB hat gerade die in seinen Augen passenden Spieler eingekauft.
    Ob Herr Slomka in das Anforderungsprofil des HSV für einen Trainer paßt vermag ich nicht zu beurteilen.
    Er war zum Zeitpunkt des Abgangs von BvM verfügbar, hat hier sicherlich solide Arbeit geleistet, aber auch keine Wunder bewirkt.
    Die Bilanz seiner Arbeit in Hamburg ist meiner Meinung nach nicht berauschend. Ob es ein anderer Trainer und den gegebenen Rahmenbedingungen besser hinbekommen hätte wage ich allerdings zu bezweifeln.
    Für Tuchel würde meiner Meinung nach die Fähigkeit sprechen junge Talente zu fordern und zu fördern. Er ist taktisch gut geschult und was ich für das Wichtigste halte: er ist jemand der polarisiert, und dem ich zutraue den HSV endlich aus seinem Dornröschen-Schlaf zu erwecken.
    Die zitierten Quellen aus denen man einen möglichen Trainerwechsel deuten könnte genieße ich mit Vorsicht. Es sind genau die Dampfplauderer, Abschreiber und Gerüchteköche denen man sonst nicht mal glaubt wie das Wetter gestern war.

    • Gravesen 3. September 2014 um 13:25 Uhr - Antworten

      Du meinst Kühne, Gernandt und Beiersdorfer? Das sind Abschreiber und Gerüchteköche?

  5. BerndH60 3. September 2014 um 09:47 Uhr - Antworten

    Die Frage, die nach deinem exzellenten Blog auftaucht, ist die gleiche die ich schon vorgestern hier postete: Wenn man ihn nicht will, warum hat der HSV nicht Slomka mit Kreutzer zusammen entsorgt?
    Alles zu verbuchen unter: “Totaler Neuanfang”.
    Ich denke mir das so. Der HSV, vermutlich in Person von Beiersdorfer, wollte Slomka diese Saison durchziehen um endlich in der Szene auch mal wieder einen Trainervertrag bis zum Ende zu bringen.
    Im November, Dezember hätte der übliche Eiertanz um eine Vertragsverlängerung begonnen und vielleicht hätte man dann im Januar im Einvernehmen mit der Öffentlichkeit Slomka entsorgt, da Trainer ohne Vertragsverlängerung ja überall als “enteiert” gelten. Gleichzeitig wäre das heiß ersehnte Sabbatjahr für Tuchel gerettet gewesen und die an Mainz zu zahlende Ablöse deutlich geringer.
    Allerdings hat das 0:3 wohl endgültig die Slomka-Skeptiker in die Mehrheitsposition gebracht und das Demontieren geht weiter.

    Slomka selbst scheint jedes Vertrauen in die HSV Führung verloren zu haben und verlegt sich jetzt aufs Erpressen. Er kämpft mit den gleichen Bandagen wie seine Vorgesetzten, nämlich Interviews, inoffizielle Statements usw.
    Was werden bei Abendblatt und Mopo die Sektkorken knallen. Da hatte man Angst vor einem “stummen, seriösen” HSV und jetzt das, die werden ihr Glück kaum fassen.
    Slomka zieht seine einzige Trumpfkarte und das ist tatsächlich Drobny. Auch wenn Drobny ein ganzes Jahr durchhält, so ist er aufgrund seines Alters ein Auslaufmodell.
    Der HSV kann und will sich nicht länger als 2015 zwei Topverdiener als Torhüter leisten. Genau mit diesem Trumpf arbeitet Slomka. Wer sich anschaut, wie klein das Selbstbewußtsein bei Adler seit seiner Ausbootung zur WM ist und zudem die Relagationsspiele im Kopf hat, kann sich an zwei Fingern abzählen was passiert. Adler hält keine zehn Spiele auf der Ersatzbank aus. Entweder sucht der sich im Winter einen Zweitligaverein mit Spielgarantie oder er gibt sich gleich ganz auf.
    Mit etwas Pech muß der HSV dann in 2015 irgendwo einen Torhüter für teueres Geld loseisen, mit Drobny, den man eigentlich nicht mehr will, verhandeln oder auf einen ruinierten Torhüter setzen.
    Das traurigste an diesem Fall für mich ist die Frage, ob wir schon wieder eine Führung haben, die nicht an einem Strang zieht.
    Außerdem ist der HSV ja Weltmeister im Verstreichen lassen von Länderspielpausen.
    HAAAAAAALLOOOOOOOOO Vorstand, es besteht akuter Handlungsbedarf.
    Entweder Vertrauensgarantie für Slomka oder Kündigung. Nicht einmal Helmut Kohl hat auch nur ein Problem durch Aussitzen gelöst, er hat sie nur verbreitert.

    • Pollinho 3. September 2014 um 10:22 Uhr - Antworten

      Seit wann werden Menschen “entsorgt” ?

      • BerndH60 3. September 2014 um 14:47 Uhr - Antworten

        Das ist so seit in allen größeren Firmen in Deutschland das Wort “Personalbüro” durch “Human Ressources”, also “Menschliche Rohstoffe” ersetzt wurde.
        Falls dir das als zu hart erscheint kannst du entsorgt gerne durch gefeuert, freigesetzt oder auch personalpolitische Korrektur ersetzen.

        • Pollinho 3. September 2014 um 15:48 Uhr - Antworten

          Ich schätze nach wie vor die Worte “Kündigung”, “Freistellung” oder “Beurlaubung” und bezweifele, dass in allen größeren Firmen in Deutschland der Begriff “entsorgen” offizieller Sprachgebrauch ist; falls ja, dann höchstens inoffiziell auf schnöder Sachbearbeiterebene. Der Begriff ist mir vielmehr aus dem Abfallrecht bekannt. Und dieses hat mit einer Trainerentlassung doch wohl (hoffentlich auch aus deiner Sicht) nichts zu tun. Wenn man Respekt und Höflichkeit als zu wahrende Werte begreift, darf man sich aus meiner Sicht bei mancher Wortwahl auch ruhig etwas länger Zeit lassen, sofern man dann die richtige trifft.

    • TErxleben 3. September 2014 um 10:50 Uhr - Antworten

      Nun mach mal halblang mit “Vertrauensgarantie”. MS hat noch einen Vertrag bis Juni 2016. Wer diskutiert da jetzt schon über eine Vertragsverlängerung? Wo ist die Erpressung, wenn ein Trainer darauf verweist, daß er zwei gute Torhüter hat? Vor allem wenn der eine als Raubvogel losfliegt und als Flatttermann landet. RA hat sich in den letzten Spielen nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Man sollte nicht vergessen, daß der Torwart zur Abwehr gehört.

      • Rostein 3. September 2014 um 11:22 Uhr - Antworten

        BerndH60, ich kann Deiner Konfrontationstheorie mit dem Verzweiflungstrumpf Drobny nicht ganz folgen. Slomka hatte beklagt, er stehe unter dem Eindruck, beim HSV im Expresstempo Erfolg haben zu müssen. Wenn er Drobny als Trumpf sieht: warum nicht schon in der ersten Pokalrunde und zuvor das Ausrufen eines offenen Rennens. Dies hätte man nach Adlers schwächerer Saison und Verletzungsmisere und nach Drobny guten Relegationsleistungen verstehen können. Aber jetzt? –
        Zudem: das Druckmittel für Slomka schlechthin ist der Erfolg. Warum setzt er nicht einige Spieler auf die Bank, die letztes Jahr enttäuscht haben. Alle Spieler, die gegen Paderborn von Anfang an aufliefen (mit der Ausnahme Behrami), waren auch letztes Jahr gesetzt, wenn sie nicht verletzt waren. Hier hätte Slomka seine Fähigkeiten zum Umbruch aus dem Bestand (Tah, Demirbay, Skjelbred, Jiracek) beweisen können. Darauf hat er verzichtet, sogar lieber einen halbtransferierten Badelj (der kaum noch ganz bei der Sache gewesen sein wird) gebracht als einen, der (zumindest) bis Saisonende fest eingeplant ist. Wenn die Gerüchte um einen Slomkas wegen zerstrittenen Kader stimmen (aus Hannover werden ähnliche Sachverhalte von Fans kolportiert und auch Martin Kind hat Andeutungen in diese Richtung gemacht), dann könnte Adler zu den Opponenten Slomkas gehören. Es passt aber nicht in ein solches Bild, daß er dann die ersten drei Spiele bestritten hat. Aber im Sinne einer “bloß” auf Slomka und Adler beschränkten Konfrontation würde der Trumpf Drobny Sinn machen – übrigens ähnlich wie bei Schalke 04, wo Frank Rost vor versammelter Mannschaft Slomka als “Assistenztrainer” titulierte. Aber da hatte Slomka Neuer in der Hinterhand….

        • BerndH60 3. September 2014 um 15:14 Uhr - Antworten

          Hallo Rostein,
          ich zitiere mich ungern selbst, aber genau den Teil habe ich ja schon in meinem Posting zum Köln Spiel gesagt.
          Du zählst einige Spieler auf deren Einsatz zumindest fragwürdig, aber bei einem Blick hinter die Kulissen ließen sich ja für alle gute Gründe bringen. Wie du selbst schreibst, Badelj schon halb weg, galt aber auch für Tah und Skjelbred, Stieber und Ostrzolek mit Rückstand. Die Person an der ich mich weiter festbeiße ist Lasogga, das soll aber nichts gegen Pierre heißen. Lasogga war neben Adler die einzige Person die ohne jeden Qualitätsverlust ersetzt werden konnten. Warum nur läßt Slomka fast exakt die Mannschaft, die mit Megadusel die Relegation schafft, das komplette erste Spiel ohne jede Auswechslung durchziehen und beginnt auch so das zweite?
          Was den Erfolg angeht sehe ich schwarz. Das Tischtuch zwischen Teilen der Mannschaft und Slomka scheint zumindest angerissen. Deshalb poche ich ja so auf eine Arbeitsplatzgarantie durch die Chefetage oder die Entlassung. Und zwar jetzt. Entweder man steht zu Slomka, dann muß man denn “Rebellen” unmißverständlich klar machen: So nicht! oder…

      • BerndH60 3. September 2014 um 14:59 Uhr - Antworten

        Wenn ein Verein wirklich zufrieden ist, wie zum Beispiel der BVB mit Jürgen Klopp, dann wird auch mal im Oktober 2013, der im Januar 2012 bereits bis zum Jahre 2016 verlängerte Vertrag kurzerhand bis 2018 verlängert. So geht Vertrauensgarantie.
        Die Frage ist doch wohl eher was der HSV mit einem angezählten Trainer will. Der erste Tiefschlag war doch schon das Kühne Interview, das man ihn jetzt offensichtlich im Regen stehen läßt hilft auch nicht weiter.

        Ganz kurz zu Slomka als Person. Mir ist völlig Latte wie der jeweilige HSV Trainer heißt, ich bin auch kein Spielerfanboy, ich bein Fan der Bundesligamannschaft des HSV. Als solcher breche ich weder in Tränen aus, wenn XYZ den Verein verläßt oder in Freudenschreie wenn ZYX unterschreibt. Mich interessiert einzig und allein ob das jeweilige Mannschaftsgefüge in der Lage ist zumindest ansehnlichen Fußball auf den Rasen zu bringen.

        • Rostein 3. September 2014 um 16:02 Uhr - Antworten

          Volle Zustimmung zu Deiner Generaleinstellung, BerndH60. Nicht nur haben Kühne und Gernandt Slomka infragegestellt, sondern auch Beiersdorfer hat früh durchblicken lassen, daß er den Klassenerhalt nicht als Verdienst Slomkas verstanden wissen wolle – obwohl er ihn dann letztendlich stützte. Beiersdorfers Aussagen am Sonntag im Sportclub verstärkten diesen Vorbehalt noch – meine unmaßgebliche Meinung.
          Dabei bin ich weder Generalkritiker noch -advokat Slomkas, um dies klar zu sagen. Ich hätte nichts dagegen, wenn er “die Kurve kriegt”.

          • BerndH60 3. September 2014 um 18:01 Uhr

            Ganz meine Meinung.
            Schöne Zusammfassung und danke für das Gespräch.
            Und wenn Slomka sich jetzt endlich