Dieser Verein ist nicht verflucht!

Nein, der HSV ist nicht verflucht, jedenfalls nicht von einer höheren Macht. Das Tor des Monats von Lucas Piazon gestern in der 90. min gehört zu den Dingen, die im Fußball passieren. Passieren sie dem Gegner, ist es eben Pech. Oder eigenes Unvermögen.  Denn sein wir doch mal ehrlich – der HSV war „besser“, aber was bedeutet „besser“? Ist „besser“, wenn man 65% Ballbesitz hat? Wenn man mehr intensive Läufe oder mehr Sprints als der Gegner verzeichnen kann? Ist das „besser“? Oder ist „besser“, wenn sich der Gegner im fremden Stadion hinten reinstellt und es dem Heimverein trotz dauerhaften Anrennen nicht gelingt, die Lücken zu finden? Ist das „besser“?

Tatsache ist, das HSV ist gestern läuferisch wieder einmal da angekommen, wo er angefangen hat (112,7 km). Das mag mit dem Spielverlauf zusammenhängen, aber es sind eben doch mehr als 10 km Laufstrecke weniger als im letzten Spiel, also ein Kilometer pro Feldspieler weniger. Das hat nichts mit Pech zu tun, das ist eine Tatsache.

„Hast du Scheiße am Fuß, hast du Scheiße am Fuß“

Wie in Stein gemeißelt stehen die Worte von Deutschlands Fußball-Philosoph Nr 1, Andres Brehme, da und sie werden immer dann bemüht, wenn sich ein Verein in einer Situation befindet, wo sich neben der eigenen Unfähigkeit auch noch das geradezu unvermeitliche Pech hinzugesellt.

Und trotzdem – dieser Verein ist nicht verflucht oder vielleicht doch? Dann aber hat sich der HSV selbst verflucht und er arbeitet an diesem Fluch jetzt schon so viele Jahre, dass sich das Resultat zwangsläufig irgendwann einstellen muss. Wer in der (jüngeren) Vergangenheit eine derartige Masse an Inkomeptenz in der Führungsetage verpflichtet, hat eben genau das verdient, was gerade passiert. Wer meint, sich einen Oliver Kreuzer als Sportchef leisten zu können, gehört eigentlich abgestiegen.

By the way, was der freundliche Presse-Olli gestern bei SKY90 ablieferte, schlug meiner Auffassung nach dem Fass den Boden aus. Patrick Wasserziehr konnte sein Glück kaum fassen, denn was sich während seiner Tätigkeit in Hamburg zeigte, manifestierte sich gestern live im TV erneut. Wirf dem Mann ein Stichwort hin und er labert sich (und den HSV) um Kopf und Kragen.

Wenn ich richtig informiert bin, hat der HSV diesem personifizierten Eigenfehler gestattet, Firmenwagen, Tankkarte, Handy behalten zu dürfen, es ist die Rede davon, dass der Verein das volle Gehalt bis Vertragsende zu zahlen hat. Normalerweise gehen solche Vereinbarungen mit einer Verschwiegenheits-Klausel einher und gegen diese hätte Kreuzer gestern massiv verstoßen.

http://www.transfermarkt.de/kreuzer-konnte-nichts-sagen-weil-wir-kuhne-deal-brauchten/view/news/174145

Wie ich aber meinen HSV und seine „Firmen-Kommunikation“ kenne, wird man erneut nicht reagieren, um bloß nicht noch mehr Staub aufzuwirbeln. Immer schön ducken, bloß nichts sagen. Auch dies ist ein Grund für die aktuelle Situation, die verzweifelte Passivität eines chronischen Verlierers.

Apropos Kommunikation. Am gestrigen Abend twitterte ich folgendes:

Es macht mich richtig fertig, dieses endlose Warten auf das nächste -Interview
Was ironisch gemeint war, ist leider bitterer Ernst. Denn die Frage ist nicht, ob Kühne ein Interview geben wird, sondern wann. Und eines haben die herrlichen „Kühne-Interviews“ gemein, sie gleichen im Grunde jedesmal einer Abrechnung. Mal ist es Kreuzer, dann ist es Slomka, vorher war es der alte Vorstand (das allerdings zurecht und trotzdem falsch).
Bleibt also die Frage: Wer ist KlauMi’s nächstes Opfer? Nimmt er sich vielleicht den Vorstandsvorsitzenden der Fußball AG vor? Kritisiert er dessen Entscheidung pro Zinnbauer und contra Magath? Performed vielleicht Bernard Peters im Sinne des greisen Milliardärs nicht schnell genug? Ist vielleicht Peter Knäbel, obwohl aus der Schweiz kommend, doch nicht der richtige „Direktor Profi-Fußball“? Niemand weiß nichts genaues und genau da liegt das Problem. Das nächste Interview wird kommen und dafür muss nicht ein Journalist bei Herrn Kühne anrufen. Kühne meldet sich selbst, wenn er (mal wieder) der Meinung ist, er müsse kritisch anmerken, was mit seinem Geld passiert.
Dabei ignoriert KlauMi, dass er dem Verein mit seinen Äußerungen nachhaltig Schaden zufügt, aber das scheint ihm egal zu sein, denn schließlich bezahlt er. Dass in Zukunft auch ein anderer strategischer Partner bezahlen könnte, wird mit jedem Kühne-Interview unwahscheinlicher und wäre man böse, könnte man dahinter eine Strategie vermuten. Keine anderen Götter neben mir?
Welches Unternehmen möchte schon im zweiten Glied stehen (und jeder andere Partner würde sich automatisch hinter Kühne einreihen müssen) und dafür Millionen bezahlen? Ich kann mir aktuell keinen vorstellen.
All dies, all die falschen Personal-Entscheidungen, die (nach wie vor) katastrophale Vereins-Kommunikation, dieses passive Abwarten, die permanente Einmischung von Außen – all das hat zu der sportlichen Situation geführt, wie wir sie jetzt sehen.
Aber vielleicht hat der HSV in der letzten Saison einfach nur sein Glück aufgebraucht und es passiert jetzt das, was eigentlich im Mai des Jahres hätte passieren müssen…

Von | 2014-09-29T08:26:02+02:00 29. September 2014|Allgemein|21 Kommentare

21 Comments

  1. Sönke 29. September 2014 um 08:38 Uhr

    Wo hast Du die Zahlen der Laufleistung her? Auf Sky wurde gestern (ca. 85. Minute) davon gesprochen, der HSV hätte mal wieder die 120 km geknackt…?!

      • TErxleben 29. September 2014 um 12:29 Uhr

        Ich finde Deine Kritik an der Laufleistung von 112km hier nicht zutreffend. Eine gute Sau springt nicht höher als sie muß. Schaut man sich die restlichen Daten der Analyse an, so war der HSV in allen Belangen teils massiv überlegen. Betrachtet man diese Analyse und blendet das Ergebnis aus, dann würde man keinesfalls annehmen der HSV hätte verloren.

        • Gravesen 29. September 2014 um 12:42 Uhr

          Tja, das Problem ist aber nun mal: Der HSV hat verloren. Und ob jetzt Pferde oder Säue höher springen, sei mal dahingestellt. Man könnte auch annehmen, dass der HSV vielleicht weniger hätte laufen müssen, da er zu fast 65% im Ballbesitz war. Okay, aber warum sind dann die Frankfurter, die nur 35% Ballbesitz hatten, ebenfalls 112 km gelaufen?

          • TErxleben 29. September 2014 um 13:09 Uhr

            Wenn der Gegner 414 Pässe spielt, von denen 81% auch noch ankommen, dann mußt du dem Gegner schon ein wenig hinterherlaufen. Ich finde das lediglich ausgeglichene Zweikampfverhältnis viel erschreckender als die ausgeglichene Laufleistung. Genauso deprimierend ist es, doppelt so viele Torschüsse und fast dreimal so viele Ecken zu haben aber nichts davon zu verwerten. Ein Unentschieden wäre mMn gerecht gewesen. Wenn da nicht der beschissene Sahnefreistoß in der neunzigsten gewesen wäre…

  2. Sönke 29. September 2014 um 08:48 Uhr

    Danke!

    Woher auch immer die Daten von Sky stammen mögen…

  3. Gravesen 29. September 2014 um 08:56 Uhr
  4. Biker1952 29. September 2014 um 09:18 Uhr

    Ich lese den Blog ja nun sehr gerne und gehe mit vielen Dingen auch konform. Aber ich halte nun die Laufleistung nicht unbedingt als allein entscheidend für den Ausgang eines Fussballspiels. Das wäre mir zu einfach. Schaut man beim Kicker rein liest man dort das die Zweikampfquote z.B. schlechter ist wie die der Frankfurter und wahrscheinlich dann auch noch bei den Entscheidenden.
    Die Mannschaft ist meiner Meinung nach einfach nicht clever genug zur Zeit den Ballbesitz auch in positive Ergebnisse umzusetzen. Und jeder Woche sehe ich das ich aus meiner Sicht das es immer wieder die gleichen Spieler sind die die gleichen Fehler machen.
    Und genauso ist wohl auch der Verein nicht clever genug sich gegen OK´s und gegen Kühne mal über die Presse vernünftig zu positionieren.
    Und bei dem was der HSV Kreuzer zahlt kommt einem fast der Gedanke hoch das der den Verein in irgendeiner Weise erpressen kann.
    So das war mein erster Beitrag hier und solltet ihr Rechtschreibfehler finden dürft ihr sie behalten.

  5. Henrick 29. September 2014 um 10:30 Uhr

    Doch der HSV hat einen Fluch. Er sitzt ihn in Form eine Gremlins permanent
    auf der Schulter. Dieser Gremlin weiß immer alles besser als der HSV. Bei
    jedem Fehler den der HSV macht, stöhnt er laut auf. Auf Partys wenn der HSV
    Witze macht um eine neue Frau kennenzulernen, verspottet der Gremlin seine
    lahmen drittklassigen Sprüche. Der HSV muss doch so dankbar sein, denn ohne
    den Gremlin könnte er sich die chice Loftwohnung nicht mehr leisten. Wenn
    er Pech hätte, müsste er dann neben dem braunweißen Zottel im Erdgeschoss
    oder sogar neben dem ominösen Glatzkopf im Untergeschoss wohnen. Davor hat
    der HSV ganz dolle Angst und daher lässt er sich den Gremlin gefallen.

    Er merkt aber nicht, dass er gar nicht mehr richtig er selbst ist. Die
    anderen Loftbewohner rümpfen schon ein bisschen die Nase, wenn er vorbei
    kommt und mit seinem Selbstbewusstsein sah es auch schon mal besser aus.
    Wenn er nicht aufpasst, dann glaubt er bald, dass es nur der Verdienst des
    Gremlin ist, dass er schon immer im Loft wohnen durfte.

    So genug blöde Allegorien.

    Ich halte Kühne für schädlich. Sein Einfluss ist schädlich genauso wie sein
    Geld.

    Er ist sogar schädlicher als ein Abstieg in schlechtere Wohnregionen.

    Warum ist das so sehe?

    Bei einer möglichen Insolvenz gehe ich aufgrund der riesigen Fanbasis, des
    Stadions und der Wirtschaftskraft in Hamburg davon aus, dass ein Absturz
    nicht bodenlos wäre. Es würde max. bis in die dritte Liga gehen. Es käme zu
    einem Schuldenschnitt und die Spieler- und Trainer“altlasten“ wären wir
    los. In der Dritten Liga wären wir aufgrund der Voraussetzungen ein
    Überflieger und könnten vermutlich schnell wieder aufsteigen. In der
    Zweiten Liga könnten wir ggf. einige Jahre länger verweilen. Aber ein
    Wiederaufstieg in die Bundesliga innerhalb von fünf bis zehn Jahren
    erscheint mir realistisch. Dann hätte der HSV wieder eine Erfolgsstory –
    die des wiederaufgestandenen Riesen. Er hätte immer noch einen Ruf als
    Traditionsverein. Die Fanbasis hätte sich gefestigt und regeneriert.
    (Erfahrungsgemäß verlassen viele Erfolgszuschauer die sinkenden Schiffe und
    die Verbleibenden rücken enger zusammen) Wir könnten in der Bundesliga bei
    Null anfangen.

    Wenn der Gremlin aber bleibt, dann besteht die Gefahr, dass der HSV sich
    selbst verliert. Er geht vielleicht nicht als Bundesligst verloren,
    verottet aber von innen. Wie soll den z.B., wie von Dietmar Beiersdorfer
    geplant ein neuer werthaltiger (damit meine ich die Sekundärtugenden) HSV
    entstehen, wenn der HSV-Investor unnötig gegen Slomka nachtritt?

    Wie soll der Vorsitzende glaubwürdig sein Amt leiten, wenn Kühne penetrant
    öffentlich seinen Einfluss untermauert?

    Sowie es jetzt ist, kann man nie ganz sicher sein, wo welche Entscheidung
    getroffen wird. Und dass ist tödlich für jeden Neuaufbau und für jede
    vernunftgesteuerte „Unternehmensführung“. Herr Beiersdorfer wird zum
    Suppenkasper in Herr Kühnes Theater.

    Ganz ehrlich: Lieber auf das Geld sch.., einen reinen Tisch machen und
    dafür in den Spiegel gucken können!

    • Heidelberger 29. September 2014 um 17:49 Uhr

      Tut mir leid Henrick. Das sehe ich vollkommen anders. Wie kommst du darauf, dass es ohne Lizenz „nur“ in die dritte Liga geht? Wenn der HSV keine Lizenz erhält, ist er faktisch pleite. Praktisch die gesamten Einnahmen würden wegbrechen. Da die HSV AG verdammt hohe Verbindlichkeiten vor sich herschiebt, würden alle Aktiva meistbietend veräußert werden müssen. Wie das bei den Profis ist, weiß ich nicht genau. Die Verträge gelten aber wohl hauptsächlich nur für die 1. und teilweise auch für die 2. Liga. In meiner Denke könnten die Spieler also ablösefrei wechseln, was natürlich schrecklich wäre.
       
      Mit Chane kauft die Stadt Hamburg dann das Stadion und vermietet dieses dann bzw. reißt es ab, um dort Wohnraum entstehen zu lassen. Im übrigen ist das Stadion eh nahezu wertlos, da diese Immobilie eigentlich nur von einem Fußballklub gewinnbringend genutzt werden kann. Es bliebe also noch das Grundstück, welches in einer Zwangsversteigerung kaum mehr als die Hälfte des realen Wertes erzielen würde. Schließlich müsste noch das Stadion abgerissen werden.
       
      Für die Bewirtschaftung des Stadions werden jährlich mehrere Millionen Euro benötigt (kann man in der Bilanz sehen). Ohne Einnahmen ist das also für den HSV nicht zu bewerkstelligen. Bliebe also noch die Marke HSV. Diese ist allerdings ohne seinen Fußballdino nahezu wertlos und bringt nichts ein.
       
      Der Verein kann sich glücklich schätzen, dass sie im Sommer die Ausgliederung durchgeboxt haben. Ansonsten würde der Fußballdino seine Mutter, den Verein, bei einer Insolvenz mit in die Pleite reißen. Das kann jetzt wenigstens nicht mehr passieren.
       
      Mein Horrorszenario wäre, dass ein KMK bei einer Insolvenz die Fußball AG für´n Appel und ´n Ei kaufen könnte. Dann hätten wir ein wirkliches RB Leipzig 2.0. Mit dem kleinen aber feinen Unterschied, dass in Leipzig wirklich große Dinge geschaffen worden sind und der Brausevater seinen Mund hält – zumindest nach außen hin.
       
      Mein Fazit lautet, dass der HSV auf das Geld von KMK angewiesen ist und hoffentlich ob der bescheidenden Situation trotzdem noch ein paar Investoren einsteigen. Die Fans müssen dem Treiben einfach zuschauen und können rein gar nichts machen. Es sei denn die Fans schenken ihrem Verein zusammen 200 Mio. Abzüglich der Steuern dürfte der Verein dann schuldenfrei sein.

      • Henrick 30. September 2014 um 08:20 Uhr

        Moin..du beschreibst da natürlich das worst-case-szenario. Über ein Insolvenzplanverfahren ist es auch möglich das Unternehmen HSV zu sanieren, ohne den Verein und das Vermögen zu liquidieren .

        Der Stadt Hamburg, die Wirtschaft in der Region und auch die Banken haben ein Interesse, dass es den HSV weitergibt.

        Eine Stadt als Olympiabewerber und „Weltstadt“ muss ein geeignetes Stadion vorhalten. Durch einen Abriss würde Hamburg um Jahrzehnte zurückgeworfen werden. Der HSV ist der einzige Club der die Arena kostendeckend bespielen kann. Daher gibt es hier gegenseitige Interessen und Abhängigkeiten.

        Bei einer Liquidation des HSV würden die Banken vermutlich fast nix bekommen. Du schriebst ja: das Stadion ist quasi nicht verwertbar. Die Spieler wären ablösefrei weg. Daher müssen sie an einer Sanierung interessiert sein. Dies bedeutet Forderungsverzicht und Stundung.

        Der HSV ist eine deutschlandweit etablierte Marke. Die heimische Wirtschaft wird diese erhalten wollen.

        Bei einer Insolvenz würde unsere Bundesligalizenz verloren gehen. Nach meiner Erkenntnis ist man dann in Liga 3 dabei, wo die Auflagen niedriger sind.

  6. André 29. September 2014 um 13:15 Uhr

    Oh mann, ich verliere so langsam echt den Glauben an diese Mannschaft. Hätte auch nicht gedacht, dass ich mal drauf hoffe, dass VdV endlich wieder fit ist. Mir graut auch schon vor der nächsten KlauMi-Sitzung. Aber eins kann der HSV wenigstens: Marketing!!! Nur heute zum 127. Geburtstag. Versandkostenfreie Bestellungen im Online-Shop! WOW!!! Da war ein Fachmann am Werk….

  7. hamuburgmini 29. September 2014 um 13:52 Uhr

    Ich war gestern schon sehr enttäuscht.
    Nach meinen Eindrücken (direkt nach dem Spiel, Emotionalität inklusive), war der HSV die bessere Mannschaft und hatte unverdient verloren.
    Nachdem ich eine Nacht darüber schlief kam mir heute Morgen ein Statement aus „Spielverlagerung“ in den Sinn („Fussball ist wie Krieg, man muss den Gegner kaputtmachen“). Die Aussage war im Vergleich zwischen Barcelonas Ballstafetten und Mourinho’s „Antifussball“ und legte ausführlich dar, daß letztendlich nur die Punkte zählen. Der Weg dahin etwas zu erreichen kann jedoch sehr weit auseinandergehen.
    Im Kontext zum gestrigen Spiel, ohne den Matchplan von Hrn. Schaaf zu kennen, hat Frankfurt genau das gemacht. In den Augen des Fans / des Zuschauers hat Frankfurt nicht gut gespielt und Glück gehabt. Ist dem denn so? Frankfurt hat dem HSV aufgezwungen das Spiel zu gestalten. Tief stehend, Gegentor vermeidend (wie Paderborn) und mit schnellen Kontern in der Hoffnung mit dem vorhandenen Spielermaterial (was nicht despektierlich gemeint ist) die Möglichkeit, die sich im Spiel unbestritten ergeben, bestmöglich zu nutzen. Daß den Frankfurtern dabei noch der Sieg mit einem Freistoß gelang ist irrelevant.
    Wie stellte sich der HSV an? Die Laufleistung von 112km, war für mich sehr erstaunlich, subjektiv war mein Eindruck (und des ansonsten eher schlechten SKY-Moderators) um ein vielfaches höher. Auch hier nach einer „Mütze voll Schlaf“ muss man konstatieren daß die erste Halbzeit vom HSV in den eigenen Reihen verschenkt wurde. Das Passspiel zwar gepflegt, es erinnerte an ein Spiel unter Fink (hereinkippender 6er –Behrami), nur eben etwas schneller. Aber eben auch kaum Bewegungen in den eigenen Reihen. Die Intensivierung des Laufverhaltens änderte sich zur Halbzeit 2 was auch dem Rückstand geschuldet war.
    Ableitung aus dem Spiel:
    Das Team ist in sich weiterhin höchst fragil, nicht eingespielt und zeigt nur ansatzweise Automatismen. Für den Gegner ist es zu einfach den HSV zu durchschauen, es mangelt an der nötigen Antizipation, an Selbstvertrauen (1gegen1 Situationen – Cleber zeigte gestern ein positives Gegenbeispiel), Spielintelligenz. Es fehlt immer noch die offensive, kreative Achse, auch verletzungsbedingt hervorgerufen.
    Alle diese Punkte wurden durch eine sehr hohe Laufbereitschaft gegen München und Gladbach kompensiert, jedoch lag hier die Spielgestaltung beim Gegner.
    Die Verfehlungen der letzten Jahre und insbesondere die durch die verspäteten „Investments“ in neue Spieler, durch Hrn. Kühnes Animositäten (wann kamen die Neuen, wann konnten Sie die Vorbereitung absolvieren) tragen in einem nicht unerheblichen Maße bei.
    – Der HSV muss auch zukünftig, obgleich der Gegner Dortmund oder Freiburg heißt, deutlich mehr und kontinuierlich als der jeweilige Spielgegner in ein Spiel investieren. 112km gegen Frankfurt sind nicht ausreichend.
    – Der aktuelle Trainer muss die Spieler ermuntern kreativ zu sein, Fans sollten ebenso bei etwaigen Fehlpässen (wie gestern bei Arslan passiert) Geduld aufbringen.
    – Ganz wichtig: Das öffentliche Training sollte für diese Phase komplett eingestellt werden. Der Verein / die Mannschaft muss fokussiert an sich arbeiten und auch im Training Fehler machen dürfen, ohne gleich abwertende Reaktionen der Außenstehenden zusätzlich einzufangen. Externe Trainingslager könnten auch in Erwägung gezogen werden.
    – Kürzung der Pressekonferenzen (wenn möglich), der Verein muss nach Außen symbolhaft zusammenrücken.
    Es liegt kein Fluch auf diesem Verein, aber man muss feststellen, daß jeder andere Bundesligaverein derzeit weiter ist als der HSV und das zeigt die Tabelle eben sehr deutlich.

    Zum Thema Magath:
    Man kann von Hrn. Magath als Person halten was man möchte, aber in den Kernaussagen hat er recht, die Situation bei Fulham zeigt Parallelen zum letztjährigen HSV. Der dritte Trainer in der Saison kann nicht mehr viel bewirken. Um eine Einheit zu formen braucht es Zeit und leider wird von der Medienlandschaft nur an der Oberfläche gekratzt ohne Dinge weiter zu hinterfragen. Ist das Image einmal festgemacht, wird sich daran nicht mehr viel ändern („Quälix“, „der nette Hr. Slomka“)…
    Der wichtigste Punkt, auch im genannten Kontext zum HSV ist das Statement zum Training unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Zitat: „Ohne Zuschauer können Sie besser arbeiten. Stellen Sie sich vor, Sie müssen einem Spieler vor tausend Zuschauern einen Fehler erklären. Da stellen Sie ihn doch bloß. Das ist unter Ausschluss der Öffentlichkeit besser, man ist unter sich.“
    Der allgemeine Fan hat bei der wöchentlichen Arbeit, meiner Meinung nach, nur bedingt etwas zu suchen. Ich würde es auch nicht schätzen, wenn mir jemand bei der Arbeit kontinuierlich über die Schulter schaute und der Meinung wäre, seine Kommentare nach einer Stunde der Beobachtung, kritisieren zu dürfen und Verbesserungsvorschläge gleich mitliefern zu müssen….

    Oh…Das war nun etwas länger… Sorry… Aber wenn sich zu den genannten Punkten beim HSV nichts grundlegend ändert, könnte der HSV wiederum in einer Abwärtsspirale landen. Das nicht, weil Sie sich keine Mühe geben, nein, weil die anderen Vereine Stand heute viel weiter scheinen… Der Fan sagt in Stammtischformat „NICHTMAL GEGEN FRANKFURT KÖNNEN SIE GEWINNEN!“ und übersehen dabei, daß die beim HSV propagierte Kontinuität bei vielen bereits Einzug erhalten hat…

  8. tp 29. September 2014 um 14:55 Uhr

    Also verflucht ist der HSV sicherlich noch nicht, mich haben aber drei Schiedsrichterentscheidungen in der absolut kribbeligen Schlussphase echt nachdenklich gestimmt – oder um es deutlicher zu sagen: ich hatte eine echte Hkappe auf den Schiri. In den letzten 10 Minuten war alles unheimlich eng und die kleinste Kleinigkeit konnte das Spiel entscheiden. Und genau in dieser Phase wird ein nicht vorhandenes Foul durch den ansonsten durchbrechenden Holtby gepfiffen, ein klares Foul an Arslan „in aussichtsreicher Position“ wird nicht gepfiffen und eine eingeflogene Schwalbe von Aigner wird mit einem Freistoß belohnt. War das meine Couch-Perspektive, mein mangelnder Sachverstand oder wurde da nicht tatsächlich massiv gegen den HSV gepfiffen?

  9. menke 29. September 2014 um 20:33 Uhr

    Chapeau Hamuburgmini…alles was Du geschrieben hast waren auch meine Gedanken….
    Es wird Zeit dass sich langsam eine Mannschaft festspielt, es zeigt sich dass J.Z immer noch auf der Suche ist. Die Spielerwechsel im Vorfeld der Partie haben Sinn gemacht, sie wurden leider durch individuelle Fehler (Westermann & Cleber vor dem 0-1…Jiracek vor dem 1-2) im Spiel selber torpediert. Auf Einzelkritik verzichte ich da ich das Spiel nur im Netz gesehen habe (englische, spanische und arabische Kommentatoren klingen schon cool…)
    und mir so der Einblick auf die Totale fehlt.
    Es muß Ruhe in unseren Verein, nicht mehr und nicht weniger.Es ist noch keine richtige Spielentwicklung , nur zeitweise Automatismen,erkennbar, wohl aber ein bedingungsloser Willen den Bock endlich umzustoßen.Klingt vielleicht paradox aber trotz der unglücklichen Niederlage gegen Frankfurt und der wahrscheinlichen in Doofmund sehe ich zuversichtlicher in die Zukunft.
    Eine Woche Geheimtraining unter Ausschluß der Öffentlichkeit würde gerade zum jetztigen Zeitpunkt mehr als Sinn machen, nur was macht dann die HH-Presse daraus.??? und :werden es die Matz-laberer incl. der Rentner-Fotograph es überleben…??? Fragen über Fragen…
    Was mich positif stimmt ist die Tatsache dass wir junge Wilde im Team haben…Jahrelang hat man sich solche Spieler wie Müller,Holby,Green oder Ostrzolek in unserem Team gewünscht, es liegt jetzt auch am Hamburger Umfeld incl.Presse und Fans ob sie der Nährboden für eine hoffentlich gute Zukunft sind.
    Menke

    • hamuburgmini 29. September 2014 um 21:54 Uhr

      Ach Menke,
      jedesmal wenn ich einen Deiner Kommentare lese, komme ich nicht umher ein Schmunzeln oder auch Lachen festzustellen…Hundetaufe, Livestream mit multilingualen Hintergrund…Herrlich!

      Die „jungen Wilden“ zeigen den Willen es anders, eben besser zu machen, obgleich Sie nicht verkrampfen dürfen.
      Einerseits müssen Sie Fehler machen um auch Automatismen zu erlernen, andererseits dürfen Sie aktuell nur wenig Fehler machen um die sportliche Situation nicht noch prekärer werden zu lassen.
      Es ist eine Gratwanderung die der Trainer vollziehen muss und dabei stört jede Ablenkung (eben wie öffentliches Training).

      Gegen Dortmund sehe ich es nicht dramatisch, dort sind die Dortmunder am Zug das Spiel zu machen und der HSV
      kann „umschalten“, aber es wird eine Laufleistung wie gegen BMG oder Bayern notwendig sein..

      Mal schauen..

  10. ausgegliedert 29. September 2014 um 21:25 Uhr

    „und jeder andere Partner würde sich automatisch hinter Kühne einreihen müssen“, worauf beziehst du das denn genau, Grave? Die Anzahl an Interviews? Geldrangliste oder soetwas?

    Subsummiert war das in der Offensive mehr, als in vielen Spielen zuletzt. Noch nicht zwingend genug (bei der massierten Deckung der Eintracht auch nicht ganz einfach), aber es tat sich was. Das ist für Joe ein schmaler Grad, gleichzeitige Festigung des Defensivverbunds und die nötigen Automatismen/Laufwege in der Offensive, ohne das die für das Selbstvertrauen wichtigen Punkte dabei rumkommen (die km haben mich auch überrascht). Ein äußerst fragiles Gebilde eben.
    Aber wer weiß, vlt. schlägt „Klopp 2.5“ das Original 😉

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