Wie viel Klopp steckt in dir?

Zinnbauer ist der neue Klopp. Naja, jedenfalls war er es bis Sonntag, 19.20 Uhr. Weinzierl in Augsburg ist übrigens auch ein neuer Klopp und Gisdol in Hoffenheim erst recht. Breitenreiter in Paderborn ist sogar der neue Über-Klopp und Veh in Stuttgart ist sowas wie ein Ex-Klopp. Sogar Guardiola in München ist eine Art Spanien-Klopp, muss er ja sein. Thorsten Fink bestieg vor Jahren einmal das Podium im Presseraum der Imtech-Arena und meinte: “Ich bin einer wie Klopp“ verkünden zu müssen.

Warum? Warum ist Weinzierl keiner wie Slomka oder warum ist Zinnbauer keiner wie Neururer? Oder noch besser: Warum ist Zinnbauer keiner wie Zinnbauer, sondern muss im besten Fall einer wie Klopp sein?
Woher stammt diese völlig überzogene Heldenverehrung für einen Trainer, der das selbst wahrscheinlich am Lächerlichsten findet? Wem meinen eigentlich alle einen Gefallen zu tun, indem sie die „Währung Klopp“ inflationär malträtieren und bei jedem Übungsleiter, der quasi aus dem Nichts kommt, die Frage stellen: „Wie viel Klopp steckt in…?“

Am besten stellen wir uns die unmittelbarste aller Fragen und die müsste lauten:

„Wie viel Klopp steckt eigentlich in Klopp?“

Nimmt man die mittlerweile komplett überzogene Heroisierung im Detail auseinander, war Klopp selbst in seinen ersten Jahren als Trainer in Mainz eigentlich keiner wie Klopp. In der 2. Liga verpasste Klopps Team mehr als einmal den direkten Aufstieg in die Bundesliga am letzten Spieltag und hätte man damals jemanden nach Klopp gefragt, hätten wohl nicht wenige gesagt: “Dem Trainer klebt das Pech an den Hacken“. Von „Bundes-Kloppo“ war damals jedenfalls noch keine Rede und jeder Experte, der den damaligen Klopp mit dem Amt des Bundestrainers in Verbindung gebracht hätte, wäre maximal ausgelacht worden.

Der eigentliche Aufstieg zum „Super-Kloppo“ passiert selbst in der Bundesliga nicht, denn die Plätze 11, 11 und 16 in den Spielzeiten 04/05 bis 06/07 waren für das damalige Mainz bestimmt nett, aber deshalb hätte niemand behaupten wollen, dass Jürgen über’s Wasser gehen könnte.

Die Saison 07/08 trainierte Jürgen Norbert Klopp keine Profimannschaft, sondern er befand sich im letzten Jahr seiner Tätigkeit als TV-Experte des ZDF, bei der er zwischen 2005 und 2008 Fußballübertragungen an der Seite von Johannes Kerner, Urs Meier und Franz Beckenbauer begleitete, eine Tätigkeit, die Klopp in der Folgezeit hervorragende Dienste leistete.

Als „eigentlich nur Fußballer“ verstand er, wie Medien von innen funktionieren. Er erhielt mediales Training an der Basis, im Grunde eine Zusatzausbildung, die außer ihm kein amtierender Bundesligatrainer bekommen hat. Unabhängig von den Beziehungen, die man in 3 Jahren knüpft, ist Klopp aus dieser Zeit als Medienfachmann hervorgegangen, was man bei jeder Pressekonferenz bemerkt. Er weiß genau, was er wann sagen kann und was nicht und er kann sich Verhaltensweisen herausnehmen, die sich kein anderer Trainer herausnehmen kann, es sei denn, er möchte massive Probleme mit der Presse bekommen. Bei „Kloppo“ wirkt das aber alles spontan, witzig und strukturiert, auch ein Umstand, der ihn zu dem macht, was er ist – eine perfekte Medienmaschine.

Damit ich nicht falsch verstanden werde – Jürgen Klopp ist ein hervorragender Trainer. Er ist ein Taktikexperte und ein Motivator vor dem Herrn. Aber das sind andere auch. Was bei Klopp hinzukommt, ist auf der einen Seite seine mediale Kompetenz, auf der anderen Seite aber auch die Tatsache, dass er in Dortmund genau der richtige Trainer zum richtigen Zeitpunkt war. Der Verein lag finanziell am Boden und brauchte exakt einen wie Klopp. Und Klopp brauchte einen Verein wie den BVB! Und er brauchte Mitstreiter wie Watzke und Zorc, die bei der Betrachtung des „Super-Kloppos“ regelmäßig zu kurz kommen.

Mit anderen Worten – es passte einfach. Jürgen K. passte zu Dortmund und Dortmund passte zu Klopp. Dass diese Symbiose mehr als selten und in ihrer derzeitigen Ausprägung vielleicht einmalig ist, wird gern vergessen, wenn die Medien die „Schablone Klopp“ an den nächsten Hoffnungsträger anlegen.
Meiner Meinung nach ist das mediale Gehechel „wie viel Klopp steckt in XXX?“ nichts anderes als eine Form der Bequemlichkeit und zumeist eine Ausprägung der Ahnungslosigkeit.

Formel Einfach: Neuer Trainer – vorher recht unbekannt – unter 45 Jahren – forscher Auftritt – am besten Drei-Tagebart ———– „Wie viel Klopp steckt in ihm?“

Dabei kann in all den Weinzierls, Gisdols, Tuchels und Zinnbauers gar kein Klopp stecken, weil so vieles an ihnen anders ist und anders sein muss. Sie alle haben keine Mainz-Geschichte mit verfehlten Aufstiegen, keine TV-Ausbildung, kein BVB-Brachland und keinen Aki Watzke. Es sind alles völlig andere Persönlichkeiten mit anderen Stärken und anderen Schwächen, was aber nicht heißen muss, dass sie schlechtere Trainer sind – im Gegenteil. Vielleicht passt ein Weinzierl viel besser nach Augsburg, als es ein Klopp je getan hätte. Vielleicht (höchstwahrscheinlich) wäre Klopp 2008 in Hamburg mit der alten Struktur, dem alten Aufsichtsrat, zwischen Hoffmann und Beiersdorfer gnadenlos gescheitert und es würde heute den „Über-Kloppo“ gar nicht geben.

Ich wäre froh, wenn man jedem neuen, jungen Trainer den Klopp-Vergleich ersparen könnte, einfach deshalb, weil er vollkommen schwachsinnig ist. Man tut niemandem einen Gefallen mit einem Persönlichkeitsvergleich, aber darum geht es der Presse ja auch gar nicht. Es geht darum, möglichst simpel und arbeitsneutral irgendwas konstruieren zu können, was mittlerweile beim Publikum gelernt zu sein scheint.

Machen wir uns doch nichts vor: Das automatisierte Herbeisingen des „neuen Klopps“ ist doch am Ende nichts anderes als das verzeifelte Verlangen, im eigenen Club eine ähnliche Erfolgsstory schreiben zu können, wie es der BVB 2008 begonnen hat. Die Tatsache, dass Stuttgart nicht Dortmund und Dortmund nicht Hamburg ist, wird an dieser Stelle gern ignoriert, dabei ist sie der eigentliche Grund dafür, dass es nicht klappen kann.

Dabei kann man die neuen Jungs nur dann zu neuen Klopps werden lassen, wenn man sie Weinzierl, Tuchel, Gisdol, Breitenreiter oder Zinnbauer sein lässt

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, Peter Knäbel.

Von | 2014-10-03T08:14:22+02:00 2. Oktober 2014|Allgemein|17 Kommentare

17 Comments

  1. Jorgo 2. Oktober 2014 um 07:53 Uhr

    es scheint schick zu sein, eine große Klappe mit viel dahinter zu haben. Ein Rauhbein an der Seitenlinie als
    Bindeglied zwischen dem Publikum und der eigenen Truppe. So empfinde ich Klopp. Dem Joe Zinnbauer
    wünsche ich den Zinnbauer. Wecke den Zinnbauer in Dir 🙂

    Apropos Klopp. Be-KLOPP-t mal wieder diese personifizierte Labertasche und Inkompetenz
    http://www.transfermarkt.de/hsv-idol-seeler-fordert-neuzugange-im-winter/view/news/174429

    • Freischwimmer 2. Oktober 2014 um 09:10 Uhr

      Sorry für OT:
      Dass Uwe regelmäßig seine Sorgen in jedes Mikro sabbelt, ist zwar lästig, daran habe ich mich aber mittlerweile gewöhnt. Viel nerviger empfinde ich, dass auf transfermarkt.de solche Nicht-Meldungen überhaupt als News gebracht werden! Aufgrund der Zugehörigkeit zum Axel Springer Verlag müssen wohl alle Bild-Meldungen auch auf TM.de wiedergekäut werden.

  2. HSV Willy 2. Oktober 2014 um 08:15 Uhr

    Moin Grave, zuletzt habe ich mich mit Kritik an deinem Blog gemeldet, das mache ich heute wieder. Einzig, heute gefällt mir dein Blog sehr gut. Heute schreibst du genau den Stil, den ich gerne lese. Und das Thema hast du heute auf den Punkt gebracht. Lasst jedem seine eigene Persönlichkeit! „Übereinstimmungen, Ähnlichkeiten mit tatsächlich lebenden Personen sind möglich, aber sicherlich niemals von den handelnden Personen gewollt!“ Zumindest nicht in diesem Business. „Ich bin Ich!“ Da kann uns die Werbung noch so sehr suggerieren, wir wären doch alle ein bißchen „Bamboocha“…

  3. Kai Arne 2. Oktober 2014 um 08:17 Uhr

    Weil die Puzzlemetaphern gerade in sind: Es sind aber doch nicht allein die richtigen und wichtigen Puzzlestücke wie die „mediale Zusatzausbildung“ (guter Begriff), welche den Kloppo ausmachen. Der Mann ist ein Charismatiker, und das kam auch schon im Fernsehen ziemlich schnell rüber. Zwar gehört zum Charismatiker auch immer der relative Erfolg, aber trotzdem ist das Wesen dieser Charismatiker irgendwie doch nicht als Summe ihrer Teile erklärbar. Daran, das zu verstehen knuspern ja viele.
    Gut und wichtig finde ich, dass das grundlegende Mißverständnis beim Herbeischreiben des neuen Typ Klopp klar gemacht wird: Er kam nicht aus dem Nichts. Er kam aus der Arbeit in der zweiten Liga und im Keller der Premiumliga.
    Weiterführend ist der eher überraschende Anstoß, Klopps Typ mal auf den Ex-Klopp Veh abzubilden: Vielleicht kommt man dem Erfolg von Klopp auch näher, wenn man ihn weniger mit den immer wieder kurze Konjuktur habenden jungen Hausgewächsen der Vereine vergleicht, sondern mit Magath und Veh. Die hatten auch einen längeren Vorlauf und haben auch junge Mannschaften geformt, Meisterschaften geholt. Aber man sieht eben doch einen Unterschied. Irgendwo da liegt „Charisma“.

  4. Tayfun 2. Oktober 2014 um 08:18 Uhr

    Topp-Beitrag!
    Hatte garnicht mehr auf dem Schirm, welche Karrierestops Kloppo bis heute hatte.

    Ist definitiv korrekt, dass über die ZDF-Phase, Jürgens „Fussballpapst-Image“ in das Massenpublikum eingeflößt wurde.

    Schönes (langes) WE!

  5. oldiehamburg 2. Oktober 2014 um 08:58 Uhr

    Der Blog ist prima und , wie so oft, treffend. Das Einzige was ich zu benängeln habe ist das so genannte Zitat von Fink: „Ich bin einer wie Klopp.“
    Diesen Satz hat er nie gesagt. In der damaligen Pressekonferenz wurde er gefragt, ob er eher ein Trainer wie Magath oder wie Klopp sei. Er hat geantwortet:“ Dann schon eher wie Klopp.“

  6. Basti1303 2. Oktober 2014 um 10:52 Uhr

    Moinsen

    wieder mal schöner Blog. Gerade eben folgenden Artikel gelesen, der hervorragend zu den Themen Training und Kondition passt. Vielleicht hat der Author ja hier mitgelesen… 😉

    http://www.welt.de/sport/fussball/article132834965/Training-in-der-Bundesliga-ist-viel-zu-schlecht.html#disqus_thread

    Gruß

    Basti

  7. Detlev Gerber 2. Oktober 2014 um 11:12 Uhr

    Der Vergleich mit Klopp ist Blödsinn.

    Da stürzen in New York zwei Hochhäuser ein und schon sind wir alle Amerikaner.
    Da schießen heute Palästinenser auf Isreal und prompt sind wir alle Juden.
    Ratzinger wird mit weißem Rauch gewählt und wir sind alle Papst.
    Götze trifft in der Nachspielzeit und ohne einen Meter gelaufen zu sein, sind wir plötzlich alle Weltmeister …

    Warum ist das so?

    Im Prinzip liegt es zum einen an den jeweiligen Reportern / Medienvertretern, die so einen Müll schreiben. Warum? Weil sie zum anderen glauben, dass die Kunden blöd sind und nicht in der Lage zu differenzieren.
    Mann kann einen Menschen nicht beschreiben, nein, wir machen eine Schublade auf, und schieben Leute hinein und weil es einfach ist, geben wir den Schubladen Namen und gut ist. Die Schublade Seeler zum Beispiel ist für alle älteren leute, die sich Sorgen machen… Für andere ältere Leute die auch noch singen und tanzen, gibt es die Schublade Jopi.

    Im prinzip wird jeder Medieninteressierte Mensch auf das Niveau eines Bild Lesers degradiert und dann mit den entsprechenden Schlagzeilen bombardiert. Man kann auch sagen, jedes Volk bekommt die Schlagzeilen / Schlagwörter, die es verdient ….
    Und solange es Leute gibt, die für so einen Müll auch noch Geld ausgeben, so lange werden die Journalisten (oder doch nur Schreiberlinge) diesen Müll auch weiter publizieren.

    Den Leuten, die ihr Hirn noch einschalten, dürfen das zwar so lesen, aber sollten sich immer ihr eigenes Bild von dem machen, was die eigentliche Essenz einer Meldung ist. Hier hängt es auch immer von der Vertrauenswürdigkeit ab.

    Noch ein Wort zum Blog.
    Grave – prima gemacht – Respekt.
    Könnte jeden Tag etwas dazu schreiben, da ich entweder viele Dinge genauso oder manchmal auch komplett anders sehe – aber leider fhelt mir zu oft die Zeit.
    Muss gestehen, dass ich auch jeden tag den DM Blog mir anschaue, um möglichst viel mitzubekommen, aber die Qualität und der unten folgende „Kinder-Chat“ sind von Dir so weit weg, wie der HSV von der Meisterschaft …

  8. ausgegliedert 2. Oktober 2014 um 12:28 Uhr

    Mir stellt sich die Frage, wie authentisch darf ein Trainer wem gegenüber (Mannschaft, Kollegen, Vorgesetzten, Fans, Presse) sein? Als Person der Öffentlichkeit (ab einem gewissen Erfolg) ein ganzer heißer Tanz auf dem Drahtseil.
    Das Charisma (die Chuzpe) eines Klopp hat sich über die Jahre entwickelt, weil er nach Mainz paßte und das Konstrukt BVB bei seinem Antritt genau richtig war. Die Frage, ob er damals zum HSV gepaßt hätte, wurde ebenfalls x-Mal gestellt.

    PS: Die Klage Mirkos ist arbeitsrechtl. Standard und als als solche keine Schlagzeile wert.

  9. Hugo Meiser 2. Oktober 2014 um 17:48 Uhr

    @Basti1303

    Ja, ja. Und wie oft sind die von ihm trainierten Eishockeyspieler Weltmeister geworden? Wie oft bleiben Wasserballer im Rasen mit den Stollen hängen, knicken um oder werden zusammengetreten? In welchen der Sportarten haben wir in Deutschland die stärkste Liga? Alle älteren Trainer (Magath?) trainieren zu wenig und falsch, die jungen aber nicht?

    Was mich aber seit meinem Sportstudium wundert: Wieso kommen die meisten Fußballer mit 15-20 Minuten Aufwärmzeit aus, auch vor dem eigentlichen Training? In anderen von mir beobachteten Sportarten wird sich mindestens 40 Minuten aufgewärmt, meistens eine Stunde. Und das kann nicht daran liegen, dass sie anschließend 90 Minuten rennen müssen, da gibt es auch andere vergleichbare Sportarten, bei denen sich trotzdem länger aufgewärmt wird.

  10. Hugo Meiser 2. Oktober 2014 um 18:00 Uhr

    @Grave
    Sauber recherchiert und wie immer grandios formuliert. Ich wünschte, ich könnte auch so schreiben.
    Während der WM gab es vor dem Spiel gegen die USA auch so einen Blödsinn bezüglich Löw und Klinsmann, ich glaube im Stern. Bei „den anderen“ wird auch schon wieder an Zinnbauer rumgenörgelt und mit dem laut „Experten“ schlechtesten Trainer, die der HSV je hatte, verglichen, weil er gestern zweimal zehn Minuten Ansprachen gehalten hat. (Mit BL soll doch wohl der gemeint sein?)

  11. hamuburgmini 2. Oktober 2014 um 19:29 Uhr

    Ich kann diese ganze Klopp-Lob-Arie nicht mehr hören, geschweige denn lesen.
    Muss jeder Trainer wie Klopp sein? Ohne seine fachlichen Qualitäten in Zweifel zu stellen, aber
    den Erfolg den er mit Dortmund hat, muss nicht unbedingt zu jedem Verein passen. Die Chemie
    zu allen Bereichen muss einfach stimmen.

    Die mediale Schulung die er genossen hat ist für seine Trainerarbeit enorm von Vorteil.
    Er polarisiert, die gesamte Presse stürzt sich auf ihn und nicht auf die Mannschaft. Auch in der
    gestrigen PK konnte man erkennen, wie er mit der Presse förmlich spielt…

    Für ihn bringt das gewisse Vorteile:
    – Seine Entscheidungen (nichtöffentliches Training z.B.) wird nicht in Zweifel gestellt.
    – Die Mannschaft kann konzentriert arbeiten.
    – Die Mannschaft hat größeren Respekt vor der Arbeit des Trainers in stellt im Zweifelsfall
    Entscheidungen eher seltener in Frage. Gestern hat Hummels nicht gespielt (von Beginn zumindest),
    man stelle sich einmal vor, in Hamburg würde das der Trainer bei einem ähnlichen Spieler machen..
    Die Mediale Präsenz hilft auch dem Trainer seine Entscheidungen nach Außen zu verkaufen..

    Von der Presse „geliebt“ und hochgehievt, daß Image ist manifestiert und wird sich für die Laufbahn nicht mehr ändern.

    Irgendwann wird sich jedoch auch dieser Trainer „abgenutzt“ haben, der Trainer eine neue Herausforderung
    suchen. Ob sich dann sein öffentliches Bild ausnutzt sei in Frage gestellt…

  12. hamuburgmini 2. Oktober 2014 um 22:29 Uhr

    @Grave

    Nachdem wir heute einen erfrischenden Blog über die Person Klopp lesen dürften,
    würde ich Deine Meinung zum Personenkreis hinter dem „Trainer“ im allgemeinen gerne erfahren.

    Wenn man sich die NFL, NBA oder NHL anschaut, ist nicht mehr nur der Trainer der entscheidet,
    hingegen gibt es spezielle Trainerteams für alle Bereiche (Offensive, Defensive, Technik, Medizinische Abteilung)..
    Im Vergleich dazu wirkt die Buli eher stiefmütterlich. Die Idee der Installation eines Techniktrainers (Moniz) damals war meines Erachtens ein erster Schritt zu einer Weiterentwicklung der professionellen Tätigkeit, welche leider nicht mehr verfolgt wurde. Wäre es nicht angebracht, wenn man nun den konzeptionellen Weg einschlägt, den Profis für alle Bereiche entsprechende Trainer zur Seite zu stellen? Müsste dem Trainerteam im Hintergrund nicht noch eine viel größere Bedeutung zukommen damit alle Potentiale optimal abgerufen werden können? Die Amortisation würde sich doch in späteren „Verkäufen“ (zum gestrigen Thema) deutlich widerspiegeln.

  13. Goldfather 3. Oktober 2014 um 04:04 Uhr

    Natürlich ist Klopp der aktuelle Referenzwert der Liga. Klopp hat die Märchenwelt des FC Bayern München nachhaltig erschüttert und dafür gesorgt, dass zumindest phasenweise ein eiskalter Schauer am Rücken der Bayernbosse zu verorten war.
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    Klopp war der Prototyp des Rulebreakers der schönen neuen Bundesliga der Milliardenkonzerne über den Tuchel in seinem vielbeachteten Vortrag, der auf YouTube anzuschauen ist, gesprochen hat. Ausgerechnet der kaputte BVB mit 100 Millionen € Schulden lehrte den Bayern das Fürchten und rüttelte an der in Granit gehauenen ersten Regel der deutschen Fußballbundesliga, dass die Marktführerschaft des FC Bayern München Gott gegeben ist.
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    Um Klopp nicht zur absoluten Entfaltung kommen zu lassen bemüht sich der FC Bayern nunmehr seit Jahren darum den BVB per Transferangriff zu schwächen. Dabei geht es in erster Linie um die Marktführerschaft und erst in zweiter Linie darum dass Spieler wie Götze und Lewandowski erstklassige Kicker sind.
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    Doch wie um Himmelswillen konnte es überhaupt soweit kommen? Schließlich war es ausgerechnet Uli Hoeneß, der gute Mensch vom Starnberger See, der den BVB mit der Überweisung von 1 Million € vor existenziellen Fragestellungen bewahrt hat.
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    Wie Gravesen bereits im Blog beschrieben hat fand Klopp in Dortmund alles vor um erfolgreich arbeiten zu können mit dem was er sein System nennt. Klopp predigt die totale Pressingmaschine, gegenüber der das Happelsche Pressing der achtziger Jahre aussieht wie eine lustige Kaffeefahrt.
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    Um das totale Pressing auf den Platz zu brennen benötigt Klopp hochmotivierte Spieler die bereit sind wahnsinnige Laufwege zu gehen und den Gegner millimeterweise zu bekämpfen. Das Umschalten erfolgt brutal schnell und wenn möglich per One-Touch-Football.
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    Da der BVB auch schon vor der Ära Klopp eine gute Jugendarbeit gemacht hat und in der Lage war junge Spieler mit Potenzial zu erkennen gesellten sich Spieler wie Götze, Schmelzer, Hummels, Großkreutz, Sahin, Kakawa und reihenweise andere, die exakt in das Profil passten welches Klopp benötigte, hinzu.
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    Beim HSV wäre der Plan Klopps bereits an der desolaten Verbindung zwischen Jugendbereich und Profiabteilung gescheitert. Dortmund war während des Aufstiegs Klopps durchlässiger für junge hochbegabte Spieler, als es der HSV jemals gewesen ist. Der HSV hat bis zum heutigen Tag seine Hausaufgaben im Jugendbereich nicht gemacht, was sich unter anderem darin niederschlägt, dass der HSV im Gegensatz zum BVB noch nie deutscher Jugendmeister der männlichen A-Jugend gewesen ist.
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    Die Bayern wurden vom BVB nach der Fertigstellung der Klopp´schen Pressingmaschine geradezu überrollt und mußten dem BVB in der Meisterschaft zweimal in Folge den Vortritt lassen, was für das Selbstverständnis des umtriebigsten aller Konzernclubs, den FC Bayern, die Höchststrafe darstellte.
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    Doch die Bayern wären nicht die Bayern, wenn sie nicht in der Lage wären entsprechende Gegenmaßnahmen zu entwickeln als da wären: Verbessertes Passspiel in engen Räumen, Transferangriffe auf den BVB, Verpflichtung von Hochkarätern auf dem Platz und auf der Trainerbank und neuerdings die Fähigkeit zum Pressing a la BVB.
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    Viele Entwicklungen, die mitlerweile im deutschen Fußball gängig sind, haben ihren Anfang in Dortmund und letztendlich gar in Mainz oder Freiburg genommen. Denn in Mainz und Freiburg stellte man sich seit jeher die Frage, wie man aus der Position des Unterlegenen Stärken entwickeln kann, um Milliardenclubs wie dem FC Bayern erfolgreich die Stirn bieten zu können.
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    Klopp übertrug sozusagen die Stärken der schwächsten Clubs auf einen potenziellen Riesen namens Borussia Dortmund und gebar aus der Sicht des FC Bayern ein Monster, welches man so schnell wie möglich stoppen mußte, um die kotbare Marktführerschaft zu behalten und die Vorbildfunktion für schlafende Riesen wie den HSV, Schalke 04, Hertha BSC, Eintracht Frankfurt und den VfB Stuttgart zu unterbinden.
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    Mitlerweile arbeitet der BVB an einer Strategie die Angriffe des FC Bayern jenseits des Sportplatzes besser abwehren zu können, wozu es grundsätzlich zwei wesentlicher Pfeiler bedarf. 1) Gnadenlose Kommerzialisierung, um an Gelder heranzukommen mit denen der Kader und die Infrastruktur auf höchstem europäischen Niveau existieren können. 2) Ausbildung reihenweiser junger Topspieler, die in der Lage sein sollten bereits in jungen Jahren sehr schnell auf CL-Niveau spielen zu können.
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    Gelingt dem HSV auch nur ein Drittel davon in den nächsten 5 Jahren wird man sehen wie rigoros die Bayern und Leverkusen agieren werden, um diese Entwicklung zu stoppen. Es bleibt zu hoffen, dass der neue AR des HSV professionell genug sein wird, um zu verstehen, dass die besten Leute auf und neben dem Platz langfristig an den Club gebunden werden müssen.
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    Macht der HSV diese Schritte nicht geht es direkt in die zweite Liga, da mit Ingolstadt (Audi) und RB Leipzig (Bullenbrause) zwei weitere Konzernclubs vor der Ligatür stehen, die allein schon aufgrund ihrer wirtschaftlichen Hintergründe dazu neigen dürften nicht abzusteigen. Dort wo in der letzten Saison der Relegationsplatz war für den HSV wäre mit Ingolstadt und RB Leipzig in der ersten Liga zukünftig Platz 18.
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    Hinzu kommt, dass die Summen die Audi, Red Bull, SAP, Volkswagen, Adidas, Allianz und Bayer in ihre Teams investieren werden dazu führen, dass das bisherige Niveau der Zahlungen, welche Klaus-Michael bislang in den Kader steckte, bei weitem nicht ausreichen wird, um konkurrenzfähig zu sein.
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    • hamuburgmini 3. Oktober 2014 um 12:11 Uhr

      Sehr schöner Beitrag, neben dem Trainer Klopp, zeigt er auch die wirtschaftlichen Voraussetzungen der einzelnen Konkurrenten auf.
      Klopp mag als „Rulebreaker“ gelten, jedoch haben verschiedene Vereine ebenfalls gezeigt, daß das System „Klopp“, das totale „Pressing“ anhand eines richtigen Matchplanes schlagbar ist.
      Klopp war mit seinem Pressing in einer Vorreiterrolle, was auch dazu führte, daß die Konkurrenz entsprechende Gegenmaßnahmen einleitete, bzw. sich für weitere Neuerungen öffnete.
      Bayern ist aus wirtschaftlicher Sicht vorerst nicht einzuholen, durch ihren Allianz – Deal ist das Stadion komplett abbezahlt. Pro Jahr werden so an Zinsen und Tilgung mehr als 25 Mio eingespart, was andere Vereine mit ihren Stadien (Kredite / Miete) zahlen müssen.
      Die zusätzlichen Einnahmen, die daraus resultieren schaffen Raum für eine Verbreiterung des Kaders, bzw. die Schwächung der Konkurrenz.
      Fehlgriffe in Transfers sind so entsprechend leichter zu verkraften, als beispielsweise bei Dortmund.
      Seien wir gespannt, die Liga schläft nicht mehr und hat dazu gelernt…

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