Bruchstücke

HSV feuert Ex-Sportchef Kreuzer wegen „wiederholter Verstöße gegen ihm obliegende Loyalitätspflichten“.

Was bei den einen zu wahren Jubelstürmen führte, führt bei den Anderen zu massiven Zweifeln. Hier tun sich besonders die Berufs-Bedenkenträger hervor und selbstverständlich darf die eine oder andere Fern-Expertise diverser Winkeladvokaten nicht fehlen. Ich finde das auf der einen Seite belustigend, auf der anderen Seite jedoch bedenklich. Wie kann sich eigentlich ein Anwalt, der ernstgenommen werden möchte, tatsächlich zu einem Vor-Urteil bzw. einer Urteils-Prognose hinreißen lassen, wenn er nicht annähernd im Besitz aller Fakten ist? Für mich wirkt das immer wieder wie die Ferndiagnose eines Landarztes, der hört, dass einer seiner Bauern unter Kopfschmerzen leidet und prompt einen Hirntumor diagnostiziert. Aber – was soll’s? Der Markt ist hart und Anwälte gibt es wie Sand am Meer. Da scheint sich der eine oder andere Jurist zu denken, dass es seiner persönlichen PR nicht schaden kann, wenn man kostenlos in einem Schmierblättchen genannt wird.

Wertung: Gähn

http://www.mopo.de/hsv/hamburger-fach-anwalt-prophezeit–hsv-hat-schlechte-karten-im-kreuzer-streit,5067038,28714906.html

 

Der HSV hätte Gareth Bale 2008 für ca. € 6,5 Mio haben können

Seit nunmehr 2 Tagen suhl sich die Schundpresse jetzt an dieser Sensationsmeldung, wo der tiefere Sinn dieser Nachricht liegen soll, hat sich mir bisher nicht erschlossen. Denn zum einen frage ich mich, warum der liebe Herr Jol jetzt, 6 Jahre danach mit der Zote um die Ecke kommt. Nun ja, scheinbar herrscht auch in England die saure Gurke. Als nächstes frage ich mich, warum eigentlich Vereine wie Bayern München, der BVB, Arsenal London, ManU, Real Madrid, Barca usw usw dieses Schnäppchen 2008 nicht erkannt haben. Besonders in Madrid muss man sich doch heute in den Allerwertesten beißen, hätte man doch am Ende ca. € 90 Mio gespart, wenn man 2008 genauer hingeguckt hätte.

Wertung: Atom-Gähn

 

Deutschland verliert 0:2 in Polen und die Welt geht unter

Es war ja zu erwarten – nach der ersten Niederlage kommen sie aus ihren Löchern, die Strunz‘, die Lehmanns, die Scholls und natürlich die allwissenden Experten der hiesigen Presse. Und was sie jetzt alles entdeckt haben .

„Vor allem auf der Außenverteidigerposition mangele es dem Weltmeister an Qualität.“

Boah, ist das neu. Und Bundestrainer Löw wusste das bisher auch noch nicht. Lustig nur, dass Deutschland mit einem linken Außenverteidiger Höwedes Weltmeister geworden ist, aber das ist ja auch schon wieder ein Vierteljahr her und zählt nicht mehr. Ehrlich – ich kann diese ganzen selbsternannten „TV-Experten“ nicht mehr ernstnehmen. Keiner von ihnen hat jemals in einer verantwortlichen Position bei einem Verein arbeiten müssen, sie alle zehren von vergangenen Erfolgen als Profi. Das war’s

Wertung: Spezial-Gähn

Und dann war da noch……

Frisuren-Model Matz fordert Einjahres-Verträge für Cheftrainer

Dann wird von uns ein anderer Kandidat gesucht. Bis einer damit einverstanden ist, nur einen Ein-Jahres-Vertrag zu unterzeichnen. Schließlich ist der HSV, das betont doch jeder gerade neu verpflichtete Trainer immer wieder, noch immer eine ganz feine Adresse im europäischen Fußball.“ Genau, das stimmt ja auch, deswegen sollte sich der HSV nun auch so verhalten. Wer zum HSV kommt, der hat nach den Richtlinien des HSV zu tanzen – oder gar nicht.

Nachdem ich meine Lachtränen getrocknet hatte, stellte ich mir folgende Szene vor.

Büro von Dietmar Beiersdorfer (24.04.2015 – 10.30 Uhr)

Anwesend sind die Herren Beiersdorfer, Tuchel, Peters, Knäbel sowie der Anwalt von Thomas Tuchel

Beiersdorfer: „Okay Thomas, ich denke, wir sind uns einig. Du übernimmst die Jungs ab dem 01.07. offiziell, Joe wird dein Co-Trainer“

Tuchel: „Didi, ich freue mich auf die Zusammenarbeit“

Im Hintergrund strahlt Peter Knäbel und Bernhard Peters knurrt irgendwas.

Beiersdorfer: „Thomas, bevor ich es vergesse – du weißt ja, dass wir beim HSV nur noch Einjahres-Verträge machen. Ich denke, das stört dich nicht, oder?“

Tuchel: „Didi, was soll der Käse? Ich denke, ich soll hier etwas Nachhaltiges aufbauen? Wir reden jetzt seit mehr als einem Jahr und du hast kein Vertrauen in mich? Didi, in München bieten sie mir einen Dreijahresvertrag, wenn Guardiola geht und Watzke hat gesagt, ich könne mir die Laufzeit aussuchen, wenn Jürgen im Sommer nach Manchester wechselt. Und jetzt kommst du mir mit einem Einjahrsvertrag? Didi, bei aller Liebe, aber dann lassen wir das…“

„Didi“ schluckt, Peter Knäbel strahlt nicht mehr, Peters knurrt jetzt lauter, während Tuchels Anwalt die Papiere einsammelt.

 

Zwei Jahre später……

 

In seiner alleseits verachteten Freitagskolumne wettert der greise Dieter M. über die erneute Trainerentlassung bei dem Verein, ohne den er sich bla bla bla

„Und die nächste Trainer-Entlassung. Phantastisch, super, großartig, überragend. Dabei hätte der HSV 2015 Thomas Tuchel haben können, der gerade zum zweiten Mal in Folge mit dem FC Bayern das Double geholt hat. Aber nein, man wollte einen Weltklasse-Trainer wie Tuchel ja mit einem Einjahresvertrag abspeisen. Bis auf Dino Hermann alle raus!“

Wertung: Lachkrampf der Woche

 

Zum Abschluss noch ein Hinweis an alle Journalisten-Kollegen: Macht euer verdammtes Handy aus, wenn ihr nicht von Roy Keane mit Blicken getötet werden wollt!

Von | 2014-10-13T09:32:22+02:00 13. Oktober 2014|Allgemein|4 Kommentare

4 Comments

  1. Janosch 13. Oktober 2014 um 09:05 Uhr

    Haha – you made my day! Beim letzten Teil konnte ich einfach nicht mehr, herrlich! Ich frage mich, ob dieser alte, verwirrte Mann mittlerweile völlig in seiner eigenen Welt lebt!? Auch wenn man über Krankheiten keine Witze machen sollte, doch bei diesem Typen muss man doch langsam ernsthaft das Gefühl haben, er leidet unter einer gewissen Form von Alzheimer – anders ist es doch wirklich nicht zu erklären und schon gar nicht mehr für voll zu nehmen….

  2. humorbaer 13. Oktober 2014 um 09:22 Uhr

    Klasse wieder alles auf den Punkt gebracht.

    HSV/Kreuzer: Da keine Fakten vom HSV ,so gar noch mit offizieler Begründung(hier für dickes Lob) mitgeteilt werden, sowas von gähn.

    Bale: nicht mal weitergelesen Atom Gähn ist noch zu niedrig.

    Matz: Das man für Klickzahlen viel sich einfallen lassen muß,
    leuchtet mir schon ein,aber dass man total an der Realität vorbei geht und dieses nicht mal merkt,dieses ist ja es bei diesem Herren jeden zweiten Tag(Gegenbeweis unmöglich!),ist eigentlich nicht mehr zum Lachen sondern nur noch zum Weinen.Aber für den sind mir meine Tränen zu schade!

  3. Thoennie 13. Oktober 2014 um 13:06 Uhr

    Danke Grave,
    mir lag heute morgen schon alles quer, diese „Füller“ wie,…..
    – „Klugschei…“ wegen Bale zum HSV…, die verpasste Chance.
    – Kreuzer und HSV klagen…., Meinungen ohne Fakten.
    – Kruse will auch nicht mehr…… , wollte wohl noch nie selbst.
    – und vor allem unser lieber „Matz-Opa“…… zum „Mega-gähnen“ dieses leere Palaver in den Medien.
    Es ist schon traurig, was da in HH und mit und um unseren HSV abgeht.
    Und wenn gar nichts zu schreiben ist, kommt irgendein Interview mit einem
    ehemaligen Spieler X und wie toll doch alles in Hamburg war….. „Absolutgähn“

  4. Heinn 14. Oktober 2014 um 11:45 Uhr

    Danke Grave – genauso geht es mir auch. Manchmal wäre weniger ja mehr, aber das scheint in der schreibenden Zunft keine Gültigkeit zu haben und daher wird geschrieben, was einem gerade so in den Sinn kommt…

    Da frage ich mich ständig, was das mit dem Anspruch eines Journalisten zu tun hat, den dein Gastautor vor Kurzem hier einstellte…
    Zitat
    „In meiner Rolle als Reporter war und ist es meine Aufgabe, zum einen, über die Dinge, die falsch laufen, zu informieren (z.B. der HSV entlässt seinen Trainer) und zum anderen, eine Bewertung und Einschätzung der Lage abzugeben, zu der ich aufgrund meines Zuganges zu Informationen, den meine Leser nicht haben, gelange (z.B. War die Entlassung richtig?). Hier gilt es, zwischen reiner Information und Wertung zu unterscheiden.“ Zitat Ende
    Genau da kommen Deine Beispiele wunderbar daher. Eben nicht viele Journalisten scheinen diesen Anspruch an sich zu haben und ernten dafür dann auch berechtigte Kritik. Da kann mir doch keiner mehr kommen mit dem Totschlagargument „Das will der Leser doch lesen“, oder was?

    Am Besten aber, man macht sich einfach lustig über diesen ganzen Mist (siehe Deine Beispiele). Danke dafür!

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