Die Geschichte von dem Kaninchen und der Schlange

Gestern hätte ich die Möglichkeit gehabt, Augenzeuge eines Trainingsspiels zu werden und zwar live, vor Ort und in Farbe. Eine Karte war noch frei, ich hätte mich auf den Weg in den Volkspark machen können. Ich hab’s nicht gemacht.

Ich bin HSV-Fan und ich werde (wahrscheinlich) bis an mein Lebensende HSV-Fan bleiben, aber im Moment machen mir weder der Verein noch die Mannschaft Spaß und dann bleibe ich lieber zuhause und verderbe anderen Menschen nicht die Laune.

Wenn ich heute die Berichte über das Spiel lese, setzt innerhalb  von nur 8 Stunden das nächste große Kopfschütteln ein. Dort wird von Kampf geschrieben, von “Bemühen”, von “Nicht-aufgeben”. Herzlichen Glückwunsch.

Die Bayern haben von der ersten Minute an Jo-Jo mit dem HSV gespielt und hätte nicht der gewohnte Westermann-Klops bereits in der 7. Minute zum 0:1 geführt, hätte es eben bis zur 15. Minute gedauert. Wenn nach dem Spiel Herr Joseph Zinnbauer davon redet, dass das 0:2 zu einem unglücklichen Zeitpunkt gefallen ist, hat er  nicht unrecht, aber es spielt keine Rolle.

Die Bayern spielen zwar konzentiert, aber dennoch mit angezogener Handbremse gegen eine Mannschaft, bei denen sich mindstens 9 der 11 Startspieler als Einkommens-Millionäre fühlen können. Sie spielen nicht gegen Paderborn oder Köln, sie spielen gegen die aktuell fünft-teuerste Truppe der höchsten deutschen Spielklasse und wenn dann in diesem Zusammenhang Attribute wie “Kampf” und “Laufbereitschaft” genannt werden, könnte ich anfangen zu schreien. Dies, liebe Freunde der indischen Brotsuppe, sind Grundtugenden im heutigen Fußball, sie sind Voraussetzungen und keine Sonderleistungen.

Der Umstand, dass es besonders hervorgehoben wird, dass die Mannschaft “zumindest gekämpft” hätte, ist nicht bewundernswert, er ist erschütternd.

Aber betrachten wir nicht nur diese Begegnung zweier ungleicher Mannschaften, betrachten wir eine Entwicklung, eine Entwicklung unter einem neuen Trainer. Oder stellen wir die Frage: Was genau hat sich eigentlich geändert, nachdem Zinnbauer das Zepter von Slomka übernahm?

Teile der Mannschaft sprechen öffentlich darüber, dass man endlich “als Team” auf dem Platz stünde, ein für meine Begriffe unfassbares Armutszeugnis. Was hat die Spieler unter den Trainern Fink (Punkteschnitt: 1,28), van Marwijk (0,88), Slomka (0,88) eigentlich daran gehindert, “als Team” aufzutreten? Haben es ihnen die Ex-Trainer etwa verboten, füreinander zu laufen und zu kämpfen? Garantiert nicht.

Na schön, “Magic Joe” hat ihnen also erfolgreich vermittelt, dass man ein Bundesliga-Spiel, egal gegen wen, nur dann erfolgreich bestreiten kann, wenn man ungeführ soviel läuft wie der Gegner. Der helle Wahnsinn.

Und sonst so? Kann jemand irgendeine taktische Handschrift erkennen, die Zinnbauer dem Team in den letzten Wochen antrainiert hat? Ich kann es nicht. Wenn ich ein Spiel des HSV sehe, dann sehe ich nach wie vor einen spieltaktisch unterbelichteten Hühnerhaufen, der jetzt allerdings etwas mehr rennt als zuvor. Die Böcke sind dieselben, das Aufbauspiel ist unterirrdisch und von einer Torgefahr zu sprechen, zieht den Sinn des Fußballspiels bereits ins Lächerliche.

Hinzu kommt, dass Herr Zinnbauer offenbar nur eine psychologische Maßnahmen zu kennen scheint, die Provokation und ich meine damit die Provokation der eigenen Spieler.

Vor der Bundesliga-Begegnung gegen die Münchner ließ er verkünden, dass man im Grunde ohne Chance gegen den übermächtigen Gegner sei. Was für einige als “Feigheit vor dem Feind” klang, sollte eine Provokation der eigenen Mannschaft sein. “Dem Trainer zeigen wir, dass wir besser sind, als er denkt”.

Die Partie am 4. Spieltag endete mehr als glücklich 0:0 und “Joe” ließ sich abfeiern.

Vor dem Pokalspiel gegen den FCB die gleiche Ansage. “Eigentlich hat man keine  Chance, das Pokalspiel wird mitgenommen, aber wichtig ist die nächste Partie gegen Bayer 04 Leverkusen”.

Erkenntnis: Was einmal mit viel Glück klappt, klappt nicht unbedingt auch ein zweiten Mal.

Aber auch im täglichen Leben wählt der Trainer offenbar gern das Stilmittel der Provokation bzw. das “Kitzeln von Spielern”. Artjoms Rudnevs, immerhin schon mal 12-facher Torschütze in seiner ersten Bundesliga-Saison, kennt die “Laufwege” nicht, von ihm muss mehr kommen. Das gleiche Spiel, wie “Joe” auch gern zugibt. Er möchte den Spieler reizen, mehr Leistung rausholen.

Naja, hoffen wir mal, dass Millionen-Mann Lasogga die “Laufwege” kennt.

3-Millionen-Transfer Clèber wird von Zinnbauer auf die Tribüne verbannt, stattdessen dürfen die Pannenkönige Djourou und Westermann weiterwirbeln. Wäre ich Brasilianer und würde ich die Stümper-Einlagen eines Innverteidiger-Duos sehen, dass jetzt viele Spiele gemeinsam bestritten hat und immer noch nicht harmoniert, ich würde nicht nur wegen des nahenden Winters ins Grübeln kommen.

Fazit: Auch nach dem 7. Spiel unter Zinnbauer hat sich im Grunde nichts geändert, eigentlich hat sich seit dem Rauswurf von Thorsten Fink nichts geändert und Fink hatte eine qualitativ schlechtere Mannschaft und vor allem eine billigere Mannschaft zur Verfügung.

http://www.transfermarkt.de/hamburger-sv/startseite/verein/41?saison_id=2012

Jetzt könnte man natürlich (und einige werden das tun) wieder einmal Geduld einfordern, wie im Grunde seit nunmehr 30 Jahren.

Unglücklicherweise habe ich keine Geduld mehr und die DFL, die im Januar das Nachlizensierung-Verfahren beginnt, auch nicht. Nicht mehr.

Entschuldigen möchte ich mich an dieser Stelle bei Franck Ribery. Sorry Franck, aber das so ein Vollspacken ausgerechnet in Hamburg auf den Platz rennen darf und einen Spieler bedrohen kann, passt ins Bild, welches der Verein in diesen Tagen abgibt.

Von | 2014-10-30T08:16:23+01:00 30. Oktober 2014|Allgemein|22 Kommentare

22 Comments

  1. Sassen 30. Oktober 2014 um 07:55 Uhr - Antworten

    der bartels hat´s sogar auch erkannt. faselt das spiel während der 90 min in nervtötender weise spannend um nach abpfiff zu verkünden, was jedem zuschauer spätestens nach ´ner viertelstunde klar war, nämlich, daß man das gefühl hatte die bayern würden mit angezogener hanbremse spielen.
    schön reden kann man sich da nix, vor allem angesichts der großchancen, die die bazis noch versemmelt haben.
    klar spielen die bayern beängstigend, dennoch, so stümperhaft, in der tat, das mit dem kaninchen vor der schlange, da ist viel wahres dran.
    ich frage mich auch, wenn man das spiel schon abschenkt, bzw. was ausprobieren will, warum zur hölle läßt man rudnevs und cleber draußen?

    • Pascal Jarosch 30. Oktober 2014 um 08:33 Uhr - Antworten

      Warum ein Rudnevs und ein Cleber aus dem Kader fliegen kann ich auch nicht so recht verstehen. Lasogga trift ja nu auch nicht wie am Feuerwerk. Die Spiele in denen beide als Doppelspitze gespielt haben fand ich (unter Slomka) noch mit die Besten weil endlich Druck nach Vorne aufgebaut wurde. Außerdem sind beide unterschiedliche Spielertypen. Aber Rudnevs ist sicher wieder einer der Spieler, die einfach nur als gescheitert erklärt werden und am liebsten Gestern als Heute verkauft wurden.

  2. Marcus Schenkelberg 30. Oktober 2014 um 09:05 Uhr - Antworten

    Dein Fazit teile ich. Nichts hat sich geändert. Nur die Stimmung hat sich gedreht. Viele nennen diesen Stillstand jetzt beschönigend Kontinuität. Aber: Mal sehen, wie die Jubelperser reagieren, wenn die Mannschaft zur Winterpause immer noch im Tabellenkeller verharrt. Bin gespannt, ob Zinne und Didi dann immer noch auf Händen getragen werden.

  3. Thomas S. 30. Oktober 2014 um 09:07 Uhr - Antworten

    Ok, kann man so sehen, aber man kann doch jetzt nicht schon wieder alles umschmeißen. Und auch nicht alles auf das “Virus” schieben.
    JZ hat sich entschieden, HW4 und Djourou zu vertrauen sowie der Jugend eine Chance zu geben. Das ist nicht per se schlecht, erstere sind schließlich gestandene (ehemalige) Nationalspieler, fit und gesund. Alarmierender ist, dass nach vorne so wenig läuft. Wobei ich nicht das Spiele gestern als Maßstab nehmen würde, sondern die Spiele davor.
    Rudnevs? Ich weiß ja nicht. Meine Hoffnungen ruhen da eher auf Beister.
    Und dann wäre da noch unser “Problembär” vdV, den in die Mannschaft zu integrieren zunehmend schwer fällt. Tendenz: Transfer im Winter.

  4. Axel Dülken 30. Oktober 2014 um 09:31 Uhr - Antworten

    vor kurzem hast du noch völlig richtig erklärt, weshalb es in Hamburg eben nicht am trainer liegt und warum bei diesem Verein ein trainer mehr oder weniger keine Chance hat. Ich denke das übrigens schon seit Doll, selbst beim HSV gehen trainer freiwillig (Stevens, Jol)

    Nun liegt das Versagen also an Zinnbauer. Aha.

    Für mich als normalo Fan war klar, diese saison geht es um nichts als die Klasse zu halten. Zumindest sportlich kann ich keine höhere Erwartung haben, soviel Fantasie besitze ich nicht.

    Dass der Kader überteuert ist liegt ja auch zum großen Teil an älteren Verträgen und nicht an den neuen von bspw stieber. Er dürfte kaum annähernd so viel verdienen wie vdv oder Jansen.

    Im Moment sehe ich dennoch im vergleich zur Vorsaison eine Steigerung, in Anbetracht der gesamtumstände tut es mir gut zu sehen, dass sich ein holtby den Hintern aufreißt und auch die anderen Jungen sich nicht verstecken.

    Der Verein ist in seiner Gesamtheit am Boden, jetzt irgendwie den trainer als Schuldigen zu entlarven finde ich eher unpassend.

  5. Marcus Schenkelberg 30. Oktober 2014 um 10:01 Uhr - Antworten

    Also ich hab die Seligsprechung von Zinnbauer nach ner Handvoll Spielen nicht mitgemacht. Ich bin da nüchterner. Ne Woche vor der Winterpause Bilanz ziehen und die entsprechenden Schlüsse daraus ziehen. Fertig.

  6. Gravesen 30. Oktober 2014 um 11:11 Uhr - Antworten

    Schön für dich/euch, ich sehe da überhaupt nichts, jedenfalls nichts, was klappt.

    Ich habe noch nie eine Mannschaft gesehen, die auf der einen Seite offensiv pressen möchte, auf der anderen Seite aber nach hinten offen wie ein Scheunentor und nach vorn absolut Torungefährlich ist.

    Ich erinnere an dieser Stelle mal: 3 !!!! Tore in 9!!!! Spielen! Trotz neuer Offensivkräfte wie Müller, Holtby, Stieber und auch Lasogga.

    Ich habe Rudnevs nicht gefordert, ich fordere nie einen Spieler, das überlasse ich Aufstellungs-Patienten. Rudnevs bzgl. Torgefahr mit Illicevic vergleichen zu wollen, muss Realsatire sein. Ich habe lediglich die Frage aufgeworfen, warum man den Spieler reizen/provozieren möchte. Offenbar die einzige psychologische Maßnahme, zu der “Magic Joe” fähig ist. Leider verbrennt ein solcher Trainer außerordentlich schnell.

    Und wenn Diekmeier und Berahmi wieder fit sind, sieht die Sache auch wieder anders aus, werdet ihr sehen

    Yepp, habe ich gesehen. In insgesamt 6 oder 7 Bundesligaspielen. Danke vielmals.

  7. Goldfather 30. Oktober 2014 um 12:38 Uhr - Antworten

    Leider bin ich gezwungen das deprimierende Fazit des Blogs zu teilen. Dass die Mannschaft jetzt läuft und immer noch nicht Fußball spielen kann sehe ich dabei als hoffnungsvollen Höhepunkt der Ära Zinnbauer.
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    Allerdings habe ich auch bei den Bayern Schwächen gesehen und kann mir durchaus vorstellen, dass sie am Wochenende Probleme gegen den BVB bekommen, der mir am Millerntor phasenweise sehr gut gefiel.
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    Um zu verstehen was moderner Fußball bedeutet und was ein Profi heutzutage fehlerfrei abliefern können muß, wenn er ein Jahregehalt von 1 Million € plus X rechtfertigen will, schaue man sich das 1:0 des BVB gegen den FC St.Pauli an.
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    http://www.youtube.com/watch?v=agOiwoBIhWk
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    Dieses Tor zeigt exemplarisch exakt das was der HSV fußballerisch seit Jahren vermissen lässt und was die meisten Spieler des HSV-Kaders schlichtweg nicht können. Hochfrequentes Kurzpassspiel unter Gegnerdruck ist etwas was dem HSV vollkommen abgeht und kein HSV-Trainer der letzten Jahre jemals vermitteln konnte, sofern er das Problem überhaupt erkannt hat.
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    Beim HSV spielt man stattdessen 11 vs.11 und weigert sich zu verstehen, dass die spielentscheidenden Situationen heutzutage unter enormer Geschwindigkeit und einem extremen Gegnerdruck stattfinden.
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    http://www.youtube.com/watch?v=3RNfaIW5k1g
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    Zur Vorbereitung auf komplexere Formen empfehle ich den Amateuren vom Volkspark Trainingsformen wie diese:
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    http://www.youtube.com/watch?v=75y-uxmK_FM
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    http://www.youtube.com/watch?v=pCoeLyZO7YE
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    Sollten Arslan, Westermann und Diekmeier in der Lage sein solche Trainingsformen unfallfrei zu bewältigen kann man freiere Spielformen des 2 vs 5, 3 vs.5 usw. in Bewegung und innerhalb eines starren Quadrats üben.
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    Schaut man sich das 1:0 der Bayern an weiß man dass Westermann das instinktive Empfinden eines Innenverteidigers vollkommen abgeht. Der Mann ist kein IV und auch kein Außenverteidiger. Als IV dürfte er bestenfalls ein Ersatz sein und doch wird er immer wieder gebracht aufgrund seines Einsatzwillens.
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    Entweder hat Westermann eine Vertragsklausel mit einer Einsatzgarantie und einer hohen Strafgeldzahlung seitens des HSV bei Nichteinsatz oder die jeweiligen Trainer des HSV waren und sind ungeeignet ihren Job auf höchstem Bundesliganiveau auszuüben. Ich tendiere zum Letzteren.
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    Doch einmal zurück zum Käfig. Käfig, welcher Käfig? Jener Käfig den sowohl der BVB als auch der FC Bayern so virtuos um den ballführenden Spieler aufbauen können. Peters spricht hierbei von ballorientierter Defensive, die für die Jugendteams des HSV verbindend werden soll.
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    Um im Käfig zu überleben muß ich im Käfig trainieren und nicht auf einer Freilauffläche für Büffelherden. Die Jungs brauchen Enge, brutale Geschwindigkeit und eine klare Ansprache bei Fehlern ohne den Bewegungsablauf ständig zu unterbrechen um eine Parteitagsrede abzuliefern.
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    Klopp, Tuchel und Guardiola haben diese Trainingsprinzipien eindeutig verstanden, da ihre Teams sonst niemals auf diesem Niveau agieren könnten. In Freiburg könnte es ähnlich sein doch dort ist die Fluktuation der Spitzenspieler zu hoch so dass die Mannschaft sich in jeder Saison erst einspielen muß bevor sie punktet.
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    Wie auch immer, der HSV benötigt keine weiteren Initiativen, Funktionäre und Möchtegerninvestoren, der HSV benötigt pures Know-How im Kerngeschäft auf dem Rasen.
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    Neben den Personalien Beiersdorfer, Knäbel und Peters würde es dem HSV gut tun wenn es eine Art Fan-Initiative geben würde die Trainingsabläufe anlysieren und diskutieren würde, um ihre Sicht der Dinge dem jeweiligen Trainer-Jockey der HSV-Profis als “Anregung” zur Verfügung zu stellen.
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    Man schaue sich nur das bräsige Wirken der 60.000 (?) Supporter an. Wieviele Systemanalysten und hochintelligente Leute es dort geben mag und allesamt schauen sie der sportlichen Hinrichtung ihres Lieblingsclubs seit Jahrzehnten lediglich zu .
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    Der HSV braucht unabhängig vom Politikgedöns und der üblichen Postenschieberei eine Art Institut, das sich über nichts anderes als Trainingsmethodik und Spielsysteme Gedanken macht. Wie leicht wäre es für 60.000 Leute so etwas zu finanzieren um dann mit einer Mischung aus festangestellten und freien Mitarbeitern eine Analysetiefe herzustellen, die ein einzelner Sportdirektor niemals leisten kann.
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    Hinzu kämme möglicherweise ein Beitrag zu einer kontinuierlichen sportlichen Entwicklung, die unabhängig vom jeweiligen Trainer-Jockey wäre.
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    Es gibt massenhaft Möglichkeiten dem Stümpern im Volkspark entgegenzuwirken ohne das dafür hunderte von Millionen € nötig wären.
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    • Oberberger 30. Oktober 2014 um 16:15 Uhr - Antworten

      Sehr gute Analyse !

      Es fällt immer wieder auf, dass der ballführende Spieler einfach keine vernünftige Lösung findet.
      Sei es, wenn er von Gegenspielern umzingelt ist, oder auch selbst dann, wenn es endlich mal flott nach vorne geht. Dann wird zu überhastet geflankt oder gepasst. Ergebnis ist: der Gegner fängt den Angriff ab, leitet den Konter ein und hinten ist Polen offen.
      Auffällig ist auch wie oft Drobny den Ball weit abschlagen muss. Der landet dann meist beim Gegner und schon hechelt man ihm wieder hinterher. Das wirkt alles recht plan- und ideenlos.
      Von einer Spielidee, einer Philosophie ist der HSV derzeit leider noch weit entfernt.

  8. Foppaxl 30. Oktober 2014 um 12:41 Uhr - Antworten

    Der Spielaufbau, die Spieleröffnung war (gestern) katastrophal, wenn auch gegen scheinbar übermächtige Bayern.
    Ehe man bis drei zählen konnte, war der Ball schon wieder weg.
    Da kann man sicherlich einen Teil auf Unerfahrenheit (Götz/Steinmann/Osczollek) schieben.
    Zum anderen sehe ich mit Sorge, dass Lasogga in dieser 11 wie ein Fremdkörper wirkt.
    Seine Spielanlage passt so gar nicht zu den anderen, vorrangig neuen, quirligen, schnellen Spielern.
    Und wenn dann noch nicht einmal Flanken kommen, kann man auch gleich zu zehnt antreten.
    Was mir gestern partout nicht in den Kopf wollte, war der wiederholte Versuch, Lasogga in ein Laufduell mit Boateng zu schicken… Ja was soll das denn? Da kannste gleich ne Schleife um den Ball machen und ihn Alonso in die Hand drücken.
    In dieser Kostellation ist Lasogga genauso wenig eine Hilfe für das Team wie vdV.
    Wäre da nicht Müller eine bessere Alternative in der Spitze?

  9. Holger 30. Oktober 2014 um 15:39 Uhr - Antworten

    Das Kaninchen waren die Bayern und der HSV die Schlange.

    Selten habe ich die Bayern so verunsichert gesehen. Das hohe Pressing der Hamburger hat denen überhaupt nicht geschmeckt. Um die Mitteline kam es in der ersten Halbzeit immer wieder zu schnellen Ball- oder Ballrückeroberungen des HSV.

    Dieser Teil “Draufgehen wie Sau” klappt schon ganz gut. Ist ein bisschen “Dortmund- Style”!

    Da ist schon defensiv- taktisch die Handschrift von Zinnbauer erkennbar.

    Und, anders als Gravesen, denke ich nicht, dass ohne den Bock von Westermann zwangsläufig das 1:0 für Bayern gefallen wäre. Der Bock hat deutlich zu “Beruhigung” und Sicherheit der Bayern beigetragen und gleichzeitig zu Verunsicherung bei den HSV- Spielern. “Hätte, Könnte,…” ist aber Kaffeesatzleserei.

    Entscheidender ist der Punkt, dass der “neue Zinnbauer- HSV” zwar in der Lage ist ein Spiel zu zerstören und den Ball zu erobern, aber dann mit dem Ding am Fuß nichts anfangen kann.

    Das hat mehrere Gründe:

    1. Handlungsschnelligkeit

    Nach jeder Balleroberung staunen die Spieler kollektiv “Ups! Wir haben ja den Ball”. Das gilt für den Ballführenden aber auch und gerade für die Mitspieler. Diese Handlungsschnelligkeit liegt nicht unbedingt nur in den Beinen, sondern vor allem im Kopf. Wo beispielsweise ein Lewandowski schon unterwegs in den freien Raum ist, überlegt Lassogga noch, ob er loslaufen soll. Das ist die halbe Sekunde, die dann fehlt, wenn der Ball in den Raum gespielt wird.

    2. Angst

    Das betrifft vor allem die Außenspieler (Abwehr und Mittelfeld). Statt darauf zu bauen, dass der Kollege im Zweikampf den Ball erobert und sich schon mal in die Vorwärtsbewegung zu versetzen, wird erst mal abgewartet und deffensiv gedacht. Folge nach der Balleroberung kann gar nicht schnell über die Außen gespielt werden. Löbliche Außnahme: Ashton Götz. Da merkt man, dass der Junge aus einer erfolgsgewöhnten Mannschaft kommt. Er geht diesen “riskanten” Weg. Auch auf die Gefahr hin, dass man bei Ballverlust hinten “blank” ist. Hier ist die Mannschaft nicht richtig “austariert”. Wie auch? Man “traut” dem Mitspieler nicht. Leider ist das auch nicht ganz unbegründet. Und da kommen wir zum 3. Punkt:

    3. Technisches Unvermögen

    Der wohl gravierenste Punkt! Im Tennis kennt man den Begriff des “unforced errors”. Fehler, die ohne Druck des Gegners passieren. Eine Paradediziplin der Hamburger. Siehe Westermann oder Arslan. Die sind Könige in dieser Diziplin. Und da hat Gravesen dann leider Recht. Wer die 5. teuerste Mannschaft der Bundesliga unterhält, der darf eigentlich keine so limitierten Spieler in seinen Reihen haben.

    Fazit:

    Die defensive Stabilität in dieser Saison (verglichen mit der Vorsaison) ist nicht einer tatsächlichen Verbesserung im Spiel der Mannschaft geschuldet, sondern schlicht der Tatsache, dass viel mehr “auf Sicherheit” gespielt wird. Zu Lasten der Offensive. Das ist unter Zinnbauer nicht anders, als unter Slomka. Spiele, die in der letzten Saison 2:3 verloren wurden, werden jetzt 0:1 verloren. Unterm Strich hat sich, was die Punkteausbeute angeht nichts verändert.

  10. Micha 30. Oktober 2014 um 17:08 Uhr - Antworten

    @ Godfather
    Brilliant. Weiß gar nicht wo ich anfangen soll. Dabei habe ich mir das Spiel gestern verkniffen. Mein Seelenheil war mir dann doch wichtiger.

    “Wie auch immer, der HSV benötigt keine weiteren Initiativen, Funktionäre und Möchtegerninvestoren, der HSV benötigt pures Know-How im Kerngeschäft auf dem Rasen.”

    So ist es. Das allerdings schon seit Jahren.
    Und nur so kann man doch aus dem Mief der Vergangenheit, also der Überheblichkeit der Mannschafft aus den vergangenen Jahren (Anspruch und Wirklichkeit und vor allem nicht vorhandene Konsequenzen) erst mal rauskommen. Das ist doch der Virus. Das “Wir sind der HSV” in Bezug auf die Leistungseinstellung muss doch endlich mal raus aus den Spieler-Vakuolen.
    Nicht grundlos scheitert hier ein Trainer nach dem Anderen und die Degradierung Adlers läßt mich Schlimmes befürchten.
    Allerdings bin ich in vielem bei Colt Seavers. Ich sehe die Situation nicht so verheerend wie Grave (weil ich wohl leidensfähiger bin) und sehe unter “Zinne” auch Fortschritte. Nur, er hat die “Mannschaft” grad übernommen.
    Vielleicht sind es grad die 10 auslaufenden Verträge, die den HSV mal wieder retten. Evtl. fliegt damit auch der Virus raus.

    Grüße,
    Micha

  11. Tipp-KickHH 30. Oktober 2014 um 17:50 Uhr - Antworten

    …die Spielidee (hohes Pressimg) ist deutlich sichtbar. Leider muss ich @Holger Recht geben, die Defensive ist nur die Hälfte des Spieles. Zumal speziell auf Götzes rechter Seite große Lücken vorhanden waren, die immer wieder für Gefahr gesorgt haben. Glücklicherweise wollte Bayern viel über rechts machen. Trotzdem: Bayern ist kein Gradmesser. Da greifen die Automatismen auch an einem schlechten Tag. Gleiches gilt übrigens auch für die Mannschaften, die jetzt auf den Plätzen 1-6 in der BuLi stehen. So weit ist der HSV bei weitem nicht.

    Mal was ganz anderes: “Wer sagt eigentlich, dass man einen 29er Kader benötigt?”. Selbst Bayern kommt mit 27 Spielern aus. Bei denen kann man dur