Die Pressekonferenz oder „dahin, wo’s weh tut….“

Es ist 15.00 Uhr an diesem durchschnittlichen Donnerstag und der Raum ist wie immer überheizt. Im Sommer ist es hier oft unerträglich heiß, weil beim Bau der damals brandneuen Arena gespart werden musste und eine Klimaanlage nicht mehr drin war. Der Kühlschrank ist mit Softdrinks aller Art gefüllt, die durchaus verfeindeten Sportjournalisten klatschen sich verzweifelt-kollegial ab, obwohl sie sich später wieder via Twitter bekämpfen werden. Mehr Schein als heilig, aber der Zweck heiligt besonders in diesem Raum die Mittel.

Der Saal ist voll, die Luft ist verraucht. Nein, rauchen ist hier verboten, es rauchen nur die Köpfe der Anwesenden. Welche Sensationen werden die High-End-Performer, angeführt vom Shooting-Star unter den Pressesprechern, Jörn „The Crow“ Wolf heute raushauen? Die Luft vibriert, als Deutschlands zweit-schönster Mediendirektor zusammen mit dem, wie üblich, unrasierten Josef Zinnbauer die Bühne betritt.

Jörn Wolf, Mediendirektor und Mädchen für alles, krächzt ins Mikrophon: „Moin und herzlich Willkommen zur Pressekonferenz vor dem Spiel ins Augsburg. Tja Joe, was gibts von der Verletztenfront zu berichten?“

Zinngruber, leicht verwirrt: „Äääh Jörni, hast du das Pleetz-Memo nicht gelesen? Wir sagen doch jetzt Rekonvaleszenten-Liste, das klingt moderner. Außerdem meinte Hilke, man könnte den Begriff besser vermarkten. Haha“

Wolf: „Na schön, also diese Liste. Wer steht da drauf, Joe“

Zinnbauer: „Also, da stehen natürlich wie immer Ilicevic und Jansen drauf. Maxi kann auch noch nicht, der muss zur Nachhilfe. By the way, Ivo kriegt nächste Woche den goldenen Krankenschein am Band für seine 50. Krankenwoche in 3 Jahren. Soll eine Art Rekord sein“

Wolf (grinst beifallheischend in die Runde): „Okay, gibt’s Fragen? Ja, Barbara?“

Barbara (RTL): „Herr Zinnmeier, wir von RTL haben erfahren, dass ihr Urgroßvater mütterlicherseits 1921 in der Nähe von Augsburg einmal ins Eis eines zugefrorenen Sees eingebrochen ist. Ist das Spiel also etwas besonderes für sie?“

Joe Zinngruber:  „Nö, wieso?“

Wolf: „Ja, da drüben, Kai…“

Kai Schiller (Hamburger Abendblatt): „Joe, du hattest ja vor 7 Wochen Geburtstag. Gab’s ne Torte von der Mannschaft?“

Zinnbauer: „Nö, wieso?“

Schiller hakt energisch nach: „Gab’s denn wenigstens ein Ständchen oder was zu knabbern?“

Zinnbauer: „Nö, ich esse eh nichts“

Astrid (RautenTV): „Joe Zinnbauer, wie ist die Stimmung?“

Wolf: „Astrid, halt‘ die Backen, du darfst hier nur zuhören, kapiert? Nächster. Florian..“

Florian Rebien (Mopo): „..und was ist mit Lasogga?

Zinngruber: „Was soll mit ihm sein?“

Florian Rebien (Mopo): „Okay, und was ist mit Arslan?“

Zinn….:“Verstehe ich jetzt nicht“

Florian Rebien (Mopo) gibt nicht auf: „Okay, und was ist mit Drobny?“

Über die Mikrophone kann man im Hintergrund hören, wie ein leicht verwirrte älterer Herr mit fragwürdiger Don King-Gedächnisfrisur trälltert: „Europapokal, Europapokal…“

Wolf: „Dieter, bitte. Wir sind hier nicht im Zirkus oder bei Stammel-TV. Marcus, hast du vielleicht eine Frage für deine Leser von Schmocks…also von Matz Ab?“

„Herr Scholz“ (Hamburger Abendblatt): „Jörn, ich traue mich nicht mehr was zu fragen. Der Lachs hängt mir immer noch im Nacken wegen dieser de Vrij-Geschichte und meine Freundschaftsanfrage bei Facebook hat er auch abgelehnt“

Wolf: „Ach Kacke, der Lachs. Interessiert doch keine Sau, was der schreibt, liest eh keiner“

Mittlerweile ist Neu-Vorstand Wettstein aus seinem Büro aus dem neu errichteten, hypermodernen Finanz-Zelt vom Parkplatz Weiß eingetroffen und luschert um die Sponsorenwand herum: „Also (hüstel), ich lese HSV-Arena. Immerhin konnte ich da erfahren, wie es tatsächlich um den Verein bestellt ist, nachdem mir 120%-Kuddel, also nachdem mir Herr Gernandt etwas von blühenden Erdbeerfeldern erzählt hatte“

Mieter Datz hat sich inzwischen eines Mikrophons bemächtigt: „Waaaass? Sie lesen das? Wie können sie Norman Bates folgen? Ich rufe jetzt sofort Harry Bähre, Jürgen Stars und diesen Lottoheini an, so kann es hier nicht weitergehen.Großartig, phantastisch, überragend. Danke, danke, danke..“

Steckdosen-Dieter wird kurz danach von zwei freundlichen Pflegern aus dem Raum geführt.

Plötzlich ein Rumpel, leichtfüssig wie eine Katze springt Interims-e.V. Präsident Carl-Edgar Jarchow hinter der Werbewand hervor: „Ich auch, ich bin auch Lachs-Fan. Im Übrigen stehe ich für Interviews zur Verfügung. Gibt’s denn was Neues?“

Zinnbauer: „Äääh Jörn, ich dachte, es geht hier um das Augsburg-Spiel. Können wir den Lachs später machen, ich kriege Hunger“

Kurzer Blick nach draußen. Durch den nebligen Volkspark sieht man einen schwarzen Audi A6 die 42. sinnlose Runde drehen. Am Steuer sitzt, ebenfalls unrasiert wie immer, Ex-Sportchef Oliver „Presse-Olli“ Kreuzer und lässt Gummi im Dorf: „Ich fahre hier so lange im Kreis, bis der Tank leer ist. Und dann fahre ich zur teuersten Tankstelle der Stadt und tanke voll. So lange ich diese Tankkarte noch habe, bluten diesen miesen Ratten…“

Ortswechsel. In der Hafencity sitzt 120%-Kuddel, also da sitzt Aufsichtsratsvorsitzender Karl Gernandt in seinem 213 qm großen Büro und verfolgt die PK live bei SKY auf seinem übergroßen FlatscreenTV, welcher immer noch an der Ostwand des Büros hängt. Wie üblich trägt Gernandt maßgeschneidertes Hemd, Versace-Sakko und Seidenkrawatte. (Es sei denn, er weilt zum Krebsessen auf Sylt, dann trägt er seinen roten Kasper-Anzug). Untenrum hat „Kuddel“ adidas-Trainingshose, Rautenstutzen und pinke Disko-Buffer mit den üblichen 19 mm Alustollen gewählt, wie immer, wenn er eine PK seines Vereins sieht. Der Wunsch, irgendwann einmal Trainer zu sein, ist immer noch da.

„Wir müssen irgendwie kommunizieren, warum wir den Vertrag mit Hilke wirklich verlängert haben,mir fällt nur nichts ein. Ich glaube, ich muss man den Wolf um Rat fragen…oder HSV-Arena lesen. Ach verdammt nochmal, jetzt liest auch noch Herr Kühne den Lachs. Jeden Morgen lässt er sich die neue Ausgabe ausdrucken und dann setzt es wieder Telefon-Konferenz. Ich hasse den Lachs“

Wie auf Kommando verschwindet die PK vom Bildschirm des Flatscreen-TV an der Ostseite des 213 qm großen Büros und erscheinen tut das bekannte, gestrenge Gesicht mit dem bekannten Nussknacker-Gebiss: „Karl, ich lese gerade HSV-Arena. Was läuft da schon wieder für eine Scheiße in Hamburg? Wieso verlängert ihr mit Hilke? Wer ist dieser Zinnmüller? Und wieso trägst du schon wieder Trainingshose und Buffer? Karl, wenn du mir das Parkett versaust, lasse ich dich kastrieren. Zieh dich sofort um, bevor ich durchdrehe..“

Der Bildschirm wird schwarz und Kuddel kauert schluchzend über seinem Designer-Schreibtisch: „Ich hasse den Lachs, ich hasse ihn. Warum muss der immer alles erzählen? Und warum darf ich nie Trainer werden?“

Zurück in den Presseraum in der Arena, in dem die Stimmung zu kippen droht.

Hinter in der Ecke stehen, bisher unbemerkt, Vorstand Beiersdorfer und Direktor Profi Fußball Knäbel.

Während „Didi“ denkt: „Warum habe ich mir das bloss angetan?“, grübelt Exil-Schweizer Knäbel: „Erstmal ne Toblerone, das machen die Schweizer immer zum Entspannen. Tut zwar mega-weh am Gaumen, aber vielleicht ist das ja der Trick“

„The Crow“ Wolf: „Okay, gibt’s denn noch Lachs-freie Fragen?“

Ganz vorn links sitzt Rollo „Vlad Dracul“ Fuhrmann (Sky) und denkst bei sich: „Eigentlich muss ich mal wieder irgendeinen Scheiß twittern,warum nicht Lachs?“

Währenddessen übernimmt überraschend der findige Marketing-Profi das Mikrophon: „Ich habe noch was zu verkünden. Für den Fall, dass wir zum Ende der Hinrunde auf einem Abstiegsplatz stehen, konnten wir Marktführer WeberGrill als Sponsor für das traditionelle Fan-Grillen gewinnen. Es läuft“ (Hilke strahlt begeistert in die fassungslosen Gesichter)

Wolf: „Aber jetzt nix exklusiv hier, wir sind noch nicht so weit, kapiert?“

Derweil stolpert Assistent Mediendirektors, Tobias Hauke, über das Mikrokabel und reißt Lars Pegelow (NDR 90,3) mit zu Boden-

Sofort twittert „Herr Scholz“: Anschlag auf den NDR. Weil Lars zuviel weiß, will ihn der HSV mundtot machen #hsv #vollpfostenjournalismus“

Im Hintergrund kichert Britta Kehrhahn (NDR) und denkt sich: „Wenn ihr wüßtet, ihr Muscheltaucher“

Vorn rechts kauert „Puck“ Sonnleitner und kratzt sich am Kopf. Seit 10 min. denkt er über eine Frage nach, aber es passiert nichts.

Derweil versucht sich Joe Zinnbauer an einem Witz, um die aufgeheizte Stimmung abzukühlen: „Die Stimmung gegen Werder war bombastisch, wie das Tor von Arslan, hihi“

Totenstille im Presseraum.

Aber der Zinn-man lässt sich nicht unterkriegen: „Augsburg ist Weltklasse, die können sogar Meister werden. Wir müssen aufpassen, dass wir nicht unter die Räder kommen“

Keiner der anwesenden Journalisten möchte auch nur grinsen, denn immerhin war es Dödler Arslan, der sich als Informant aus der Kabine angeboten hatte. Und jetzt das.

Zinne weiter, jetzt richtig warm geworden: „Unser Ziel muss es sein, dass wir rechtzeitig im Stadion ankommen, das hat die letzten Male nicht so gut geklappt. Außerdem soll sich keiner erkälten und bloß nicht verletzen. Am Montag haben wir ein wichtiges Trainingsspiel gegen die 3. vom Meiendorfer SV, leider unter Ausschluss der Öffentlichkeit“

Hässliches Gelächter erfüllt den Raum.

Inzwischen hat „Schweber“ Jarchow in der Nervenklinik angerufen und zwei mit Zwangsjacke bewaffnete Pfleger für „Manic Joe“ geordert.

Draußen, von weit her, hört man vereinzelt „Europapokal,Europapokal“, bevor die Rufe verstummen.

Presse-Mogul Wolf schlägt mit dem Kopf auf den Tisch und „Didi“ denkt bei sich: „Früher war’s irgendwie besser hier“

Inzwischen schreibt ÜbergangsDirektor „Interne Kommunikation, Mail-Verkehr, Mitarbeiter-Überwachung und Twitter“, Christian Pleetz in seinen Block: „PRESSEKONFERENZ-ALLES-OK“

Plötzlich Unruhe und Gemurmel vor der Tür des Presseraums. Der neue e.V.Präsident Ferslev begehrt Einlass. Begleitet wird er von seinem persönlichen Assistenten, Redenschreiber und Fahrer, Rautenrüssel.

Durch die offene Tür kann man 32 Fanatiker, angeführt von Volks-Liebling Rieckhoff skandieren hören: „Alles auf Null, Alles auf Null. Wenn nicht jetzt, wann dann?“

„Didi“ mag nicht mehr:„Ich trete zurück“

120%Kuddel, also..ääh..Herr Gernandt: „Du trittst dann zurück,wenn ich es dir erlaube!“

„Europapokal, Europapokaaaaaaaal“

Jörni-Crow denkt: „Ich trete auch zurück, aber das wird teuer, Jungs“

Mittlerweile hat Klaus-Michael Kühne sein SKY-Abo gekündigt und das Entlassungsschreiben für 120%-Kuddel diktiert.

 

Ein ganz normaler, durchschnittlicher Donnerstag im Volkspark…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Von | 2014-11-28T09:20:19+01:00 28. November 2014|Allgemein|9 Kommentare

9 Comments

  1. Hamburg1887 28. November 2014 um 10:47 Uhr

    HAHAHAHAHAHAHAHAHHAAAAA, Kopfkino mit „Oscar-Charakter“.

    Genauso stelle ich mir das mit den Herrschaften des „Boulevard“ vor (Stichwort: geheimes Training). Gestern konnte man als Augsburger Trainer wieder perfekt an der Trainingsspionage sparen und einfach mal Hr. Scholz aka. „der Spion der kommenden Gegner“ und seinem Qualitätsblog folgen. Mannschaftsaufstellung auf dem Silbertablett, wie immer -.- zum Weinen.

    Grave, you made my day. DANKE!!!

  2. ausgegliedert 28. November 2014 um 12:30 Uhr

    Hast du dein Konzept zum Thema noch nicht an den HSV gereicht?
    Wenn die alternative Beschreibung heute das beschleunigt, kann nichts mehr schiefgehen, oder?

  3. Hannes Grundmeyer 28. November 2014 um 13:18 Uhr

    Ich weiß nicht, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Mittlerweile glaube ich, dass es in diesem Verein wirklich so zu geht.

    • Gravesen 28. November 2014 um 14:32 Uhr

      Hannes, das Problem ist, dass diese erfundene Darstellung der Realität nicht nur nahe kommt, sondern im Grunde noch abgemildert und untertrieben ist. Das glaubt nur keiner, weil kaum einer sich vorstellen kann, wie dort tatsächlich gearbeitet wird. Und wenn sie es wüssten, würden sie zusammenbrechen

  4. Gravesen 28. November 2014 um 14:30 Uhr

    Schack, Blödhamster wie du langweilen mich! Nichts, zu keiner Zeit, irgendwie beitragen, aber rumkotzen und pöbeln. Geh in die Einöde, da bist du richtig.

  5. André 28. November 2014 um 14:38 Uhr

    Man stelle sich nur vor, die Verantwortlichen des HSV arbeiten solide und geräuschlos und der HSV dümpelt im Tabellenmittelfeld vor sich hin. Wie langweilig wäre das denn bitte….. 😉

    • Gravesen 28. November 2014 um 15:20 Uhr

      Gegenfrage: Wie langweilig ist der HSV denn heute schon? Ich habe mehr und mehr den Eindruck, dass nicht die selbsterfundene Ruhe im Verein eine Langeweile auslöst, sondern dass bei vielen Fans keine Kraft mehr vorhanden ist, sich für ihren Verein zu ereifern. Der HSV wirkt im Jahr 2014 wie ein tot kranker Patient, der über die Jahre eine Organ-Transplantation nach der anderen hatte und immer irgendwie überlebt hat. Jetzt, nachdem die Chance auf eine grundlegende Reha verpasst wurde, liegt er ausgeblutet da und die Ärzte müssen entscheiden, wann der Stecker gezogen wird.

      • ausgegliedert 28. November 2014 um 16:08 Uhr

        der Vergleich trifft es hervorragend. Und wie vielen Angehörigen von Patienten geht es uns dabei auch, man hofft das Beste. Wieviele/welche Dr. Sauerbruchs es in der AG braucht um eine finale Heilung herbeizuführen, mag jemand mit mehr (med.) Hintergrund beurteilen.

  6. Foppaxl 28. November 2014 um 15:06 Uhr

    Leider nur ein Wort:
    Herrlich!

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