Alles eine Frage des Geldes (oder der Sichtweise)…

Es ist Ende Dezember, die Winter-Transferperiode steht vor der Tür und da grüßt es wieder, das Murmeltier. Wie immer steht der jeweils amtierende Sportchef des Hamburger Sportvereins vor der Herkules-Aufgabe, „unbeliebte“ Spieler an den Mann bringen zu müssen, bevor er die dringend notwendigen Verstärkungen bewilligt bekommt. Wie unterschiedlich diese schwierige Aufgabe für den jeweiligen Amtsinhaber von außen gesehen wird, ist im Grunde nur noch mit einer gewaltigen Menge Humor zu ertragen.

Während Frank Arnesen damals vom Vorstandsvorsitzenden Jarchow mit einer Hausnummer (€ 6,5 Mio) ausgestattet wurde, war es bei Oliver Kreuzer eher eine Bitte, sich doch von dem einen oder anderen „Ladenhüter“ zu trennen. Peter Knäbel nun wird bereits als Heiland abgefeiert, weil angebliche Interessen anderer Verein geschickt platziert werden. So ändern sich die Zeiten. Arnesen wurde während seiner Zeit als Versager (besonders von den Springer-Medien) gebrandmarkt, weil er etwas nicht vollbringen konnte, was kaum zu vollbringen ist. Bei Kreuzer war es irgendwie schade und bei Knäbel wäre es sensationell, wenn irgendwas klappen würde. Mir gefällt dieses Spiel nicht und mir gefällt auch nicht, wie an dieser Stelle mit zweierlei Maß gemessen wird.

Ding der Unmöglichkeit

Wie bekannt ist, laufen beim HSV zum Sommer 2015 einige hochdotierte Verträge aus (van der Vaart, Jansen, Westermann, Rajkovic, Ilicevic, Drobny, Arslan etc.) und es wäre doch zauberhaft, wenn man einige dieser Herren ein halbes Jahr vor Ablauf der Vertragslaufzeit gegen ein gewisses Entgeld von der Payroll bekommen könnte. An dieser Stelle muss man sich verschiedene Fragen stellen, weil es eben auch verschiedene Interessen gibt.

1. Warum sollte ein Verein für einen Spieler eine Ablöse bezahlen, wenn er den Spieler ein halbes Jahr später ohne Transferaufwendung bekommen könnte? Die Höhe des zu zahlenden Handgelds an den Spieler ist bei weitem nicht so hoch wie die Ablösesumme.

2. Warum sollte ein Spieler ein halbes Jahr vor Ablauf seines Vertrages gehen, wenn er in 6 Monaten einen Teil seines Transferwertes in die eigene Tasche (Handgeld) stecken könnte?

3. Welchen Wert hat ein Spieler, der von seinem aktuellen Verein unbedingt abgegeben werden soll?

Ich vermute, dass der HSV in dieser Transferperiode höchstens einen Spieler los wird und dabei noch eine geringe Summer generieren kann. Vielleicht wird es noch möglich sein, den einen oder anderen Spieler ablösefrei gehen zu lassen, bei einigen Spielern wird der Verein sogar gezwungen sein, einen Teil des Gehaltes weiter zu tragen. Wer glaubt, dass der HSV im nächsten Monat zu Millionen kommen wird, sollte dringend aufwachen.

Der saure Apfel

Vorausgesetzt, dem Verein gelingt es nicht, die Spieler mit den auslaufenden Verträgen gegen Geld abzugeben, steht der HSV im Sommer vor der nächsten Monster-Aufgabe. Man hat 10 Profis ohne Vertrag (plus 14 Spieler aus der U23), aber kein Geld für neue Transfers. Hier beginnt die große Rechenaufgabe, die Peter Knäbel zu lösen hat. Die Frage lautet:

Was würde mich ein neuer Spieler an Transfergeldern kosten (die ich nicht habe) und was würde mich dagegen die Verlängerung eines bestehenden, auslaufenden Vertrages kosten, eventuell zu verringerten Bezügen?

Ein Bespiel: Der HSV hat nach heutigem Stand in der Saison 2015/16 die Innenverteidiger Djourou, Cleber Reis, Sobiech und Tah unter Vertrag, die Verträge mit Rajkovic und Westermann laufen aus. Sobiech soll garantiert abgegeben werden, Tah kommt aus Düsseldorf zurück. Verlängert man die Verträge mit Rajkovic und Westermann nicht, benötigt man einen vierten Innenverteidiger, welcher Geld kosten würde. Könnte es da nicht günstiger sein, mit einem Rajkovic zu verringerten Bezügen zu verlängern und die Transferkosten für einen anderen IV zu sparen? Zumal der Neue ja auch ein Gehalt beziehen möchte. Der Vorteil einer Verlängerung: Ich verlängere mit einem Spieler, der den Verein, die Mitspieler etc. kennt und keine Eingewöhnungszeit braucht. Auf der anderen Seite kaufe ich gewissermaßen die Katze im Sack, bei Boban weiß ich, was ich bekomme.

Diese Planspiele sind bei einem Club, der chronisch pleite ist, nahezu unumgänglich und quasi auf jede Position anzuwenden, zumal es bei Spielern wie Rajkovic (25) und Arslan (24) auch eine Frage des Alters ist, im Gegensatz zu Westermann (31), Drobny (35), van der Vaart (31) oder Jansen (29)

Dass der HSV ausgerechnet mit Westermann und Drobny verlängern will, kann ich nun überhaupt nicht verstehen, womit ich die Qualität dieser Spieler nicht abwerten möchte. Es geht mir lediglich um das Verhältnis zwischen Alter, Perspektive und Gehalt.

Fazit: Es könnte also durchaus passieren, dass der HSV in der nächsten Saison doch kein ganz so anderes Gesicht als in diesem Jahr zeigt.

Das Höchstmaß an Doppelmoral 

„Die Medien denken sich das doch alles nur aus“, „Die BILD streut Gerüchte und schadet dem HSV“, „die Mopo erfindet einfach irgendwas…“

Besonders in den letzten Monaten waren Vorwürfe dieser Art massiv zu vernehmen, eine gewisse Medien-Müdigkeit bzw. eine Art Presse-Hass wird besonders im Kreis der HSV-Fans immer deutlicher. Ob dies in dieser extremen Form nun zu Recht passiert, möchte ich gar nicht beurteilen, aber mir fällt, besonders in der de Vrij-Affäre, eine Form der Doppelmoral auf, die ich in ihrer Form krank finde und die mich daran zweifeln lässt, dass ihre Träger in der Lage sind, ohne fremde Hilfe zu atmen.

Auf der einen Seite wird von diesen Vögeln alles, was über die Presse kolportiert wird, ins Reich der Fabel verwiesen, es ist grundsätzlich alles erfunden, übertrieben, ausgedacht – natürlich, um dem Verein zu schaden. Wenn auf der anderen Seite aber ein „Journalist“ eine Geschichte bringt, die bis zum heutigen Tag als Ente gelten muss, obwohl der Mann mehrfach vehement beteuerte, für Aufklärung zu sorgen, dann nerven diejenigen, die um Aufklärung bitten.

Ja, was denn nun? Arbeiten bei den Medien nun ausschließlich Manipulatoren oder ist es doch eigentlich egal, wenn man etwas behauptet, was man nicht beweisen kann bzw. will? Eines geht doch wohl nur, oder?

 P.S. Ich schreibe den heutigen Blog im Gedenken an meinen früheren Schwiegervater Ernst, der gestern im Alter von 90 Jahren verstorben ist. Ein großartiger Mann.

Von | 2014-12-30T08:37:25+01:00 30. Dezember 2014|Allgemein|5 Kommentare

5 Comments

  1. Andreas 30. Dezember 2014 um 09:38 Uhr

    Guten Morgen, zu diesem Blog möchte ich Folgendes anmerken:
    Zitat:“Ding der Unmöglichkeit…“
    zu Punkt 1: Ein Verein zahlt genau deshalb Ablöse, weil es akut Probleme auf dieser Position innerhalb der Mannschaft gibt.
    zu Punkt 2: Der Spieler kann innerhalb dieser 6 Monate bedeutend mehr Geld im neuen Verein verdienen…diese Vermutung liegt doch sehr nah…oder?
    zu Punkt 3: Dies ist der letztmögliche Zeitpunkt einen Spieler abzugeben, der nicht in die künftige Kaderplanung passt. Dabei ist es nur legitim einen Spieler zu verkaufen, ohne nach dessen Wert zu fragen.
    Es wird immer wieder kolportiert (oder gibt es verlässliche Aussagen oder Dokumente) dass der HSV nahezu handlungsunfähig ist. Ja, Verbindlichkeiten in nicht geringer Höhe sind vorhanden, aber das ist doch nicht gleichbedeutend damit, dass der Verein nahezu pleite ist.Ich beziehe mich damit nicht nur auf diesen Blog, sondern auf die gesamte Presse.
    Ich wünsche einen guten Rutsch ins neue Jahr , Glück und Gesundheit.

  2. Marcel Aimaq 30. Dezember 2014 um 09:55 Uhr

    Na ja, Godfather hatte es vor einiger Zeit ganz gut dargestellt, welchen Weg der HSV mit ganz jungen Spielern, Scouting im unteren Bereich (Liga 2/3/4) usw. gehen könnte.
    Das fand ich ganz interessant.

    Warum man mit einem HW verlängern will, auch zu deutlich günstigeren Bezügen, erschließt sich mir auch nicht ganz.
    Erst recht nach der öffentliche Aussage, er will nicht immer nur gegen den Abstieg spielen und will sich alles anhören.
    Er hat ja auch einen entsprechenden Anteil an der Misere geleistet.

    Drobny kann ich noch verstehen (zu günstigeren Konditionen), bei einem Torwart spielt das Alter eine nicht ganz so große Rolle, er bringt gute Leistung und evtl. hat er ein gutes Standing im Team und daher könnte ich mir vorstellen, dass man Adler gehen lässt, um auch da auf die Jugend in Zukunft zu setzen.
    So viel zum Thema Neuaufbau, Tabula rasa, und kein Stein auf dem anderen lassen…

    Zum Thema auslaufende Verträge und Spieler loswerden.
    Angeblich will sich Janßen erstmal anhören, was der HSV will und evtl. geht er dann doch zu Benfica, wenn man ihm sagt, dass er auf der LV Position nur der 3. Mann in der Rückrunde sein wird und nicht mehr mit ihm plant.
    Gleiche „Ansagen“ sollte man auch mit den anderen Protagonisten machen.
    Ob die dann a la Berthold Ihren Vertrag unbedingt auf der Tribüne aussitzen wollen, ich weiß ja nicht…

    Man muss wohl wirklich in den von Ihnen beschrieben Apfel beißen und sich sagen, ok, weg von der Payroll und mehr Spielraum für uns.

    Wann geht genau die Transferperiode offiziell los und wann ist Trainingsbeginn?
    Hoffe, dass man hier alles frühzeitig unter Dach und Fach bringen kann und wird, damit man, auch bei möglichen Neuverpflichtungen, eine ruhige und gemeinsame Vorbereitung starten kann.
    Dann weiß auch jeder im Team, wo die Reise für ihn persönlich hingehen wird und kann sich entsprechend reinhängen.

    Grüße

  3. Detlev Gerber 30. Dezember 2014 um 21:50 Uhr

    Hallo Grave,

    das mit de Thema Geld-Gehalt-Investitionen haben viele nicht verstanden, aber das wird dann zum 30. Juni geschehen.

    Beim Namen Drobny muss ich Dirwiidersprechen. Wenn man die Chance hat, Adler abgeben zu können,würde ich Drobny noch die 1 geben und den Herrn Brunst an die 1. heranführen. Adler ist leidernicht mehr af dem Niveau, das er mal hatte und vom Gehalt würden wir wahrscheinlich merh einsparen, als bei Jaro, der auch immer ein großartiger Teamplayer war/ist.

    Das mit Deinem Schwiegervater tut mir leid zu lesen. Trotz solcher Rückschläge wünsche ich Dir und den anderen Lesern einen guten Rutsch und eine ruhigere Rückrunde …

    Gruß
    Detlev

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