Die Rückkehr des großen Unsichtbaren oder Hofberichterstattung Teil 96

Liebe Leser,

gern und oft wird von Seiten der investigativen Presse auf Spieler und Trainer eingeschlagen, wenn diese nicht so funktionieren, wie es sich der schreibende Experte vorstellt. Dann werden neue Spieler bereits vor ihrem 4. Liga-Spiel als untauglich gebrandmarkt, Trainer sind zu faul, zu ahnungslos, zu satt oder zu unerfahren. Eben ganz so, wie es eben passt.

Anders sieht es dann schon aus, wenn es um die sogenannten „Offiziellen“ geht, Vorstände, Aufsichtsräte etc. Nicht zuletzt deshalb, weil man aus diesem Personenkreis des öfteren etwas durch gesteckt bekommt (es gibt Menschen, die nennen es Maulwürfe), werden diese Personen so lange mit Samthandschuhen angefasst, wie ihr Arbeitsvertrag dauert. Erst dann, wenn man sich von der Verbindung zu diesen Typen nichts mehr verspricht, werden die großen Kaliber gezückt und dann wird nach getreten, dass es kracht. Was das alles mit Journalismus zu tun haben soll, wird sich mir wohl in diesem Leben nicht mehr erschließen.

Heute nun erscheint in der vereins-eigenen Gazette „Hamburger Abendblatt“ ein bahnbrechendes Interview mit dem Mann, der dafür bekannt ist, dass er gern die anderen die Fehler machen lässt und sich seine Existenz dadurch „erkauft“, dass er immer zum richtigen Zeitpunkt auf der richtigen Seite zu sein scheint. Der findige 46-Jährige, der große Unsichtbare, der Meister der Vermarktung, Joachim Hilke hat gesprochen und das, was eigentlich ein Interview mit einem der Hauptverantwortlichen für die finanzielle Situation, für Transfers wie van der Vaart und Lasogga, für den Campus-Betrug und für die desaströse Kommunikation der letzten 3 Jahren werden sollte, ist wieder einmal eine oberflächliche Homestory der Haus-Zeitung geworden.

Gern zitiere ich ein paar Sätze des Herren, die die Welt aus den Angel heben werden.

Thema Emirates als Trikotsponsor:

Selbstverständlich haben wir auch die aktuelle Situation besprochen und gemeinsam darüber beraten, wo es hingehen soll. Es war ein wirklich guter Austausch. Wir sind auch ein wenig stolz darauf, dass sich eine weltweite Marke wie Emirates schon seit so langer Zeit mit uns assoziieren will.

Frage: Wer hat eigentlich das Unternehmen Fly Emirates an den HSV gebunden? 

Thema Verlängerung des Vertrages:

Spätestens im Herbst müssen wir wissen, wo die Reise hingeht. Voraussichtlich im Frühling fliegen wir wieder nach Dubai – dann werden wir wohl nicht nur informell zu Abend essen.

Phantastisch. Und für diese Erkenntnis sind dort extra 4 Gestalten angereist?

Bevor ich mich über mich über diese rückwärtsgewandten Äußerungen zum Thema Traditionsverein und Emotionen auslassen, höre ich lieber auf, ich will mich nicht noch mehr aufregen. Diese Ausreden dafür, dass man selbst seit Jahren nichts gebacken bekommt, sind unerträglich.

Thema „strategische Partner“.

Daraus haben wir ja auch nie ein Geheimnis gemacht. Es ist aber ein Prozess, die passenden Partner zu finden.

Ich habe noch die Worte von Hilkes Mitstreiter Ernst-Otto Rieckhoff im Ohr, der von Einnahmen von bis zu € 100 Mio. fabulierte, der meinte, man hätte aussichtsreiche Gespräche mit strategischen Partner geführt, die von der neuen Club-Führung nur noch finalisiert werden müssten. Jetzt beauftragt man ein Bankhaus, weil man es selbst nicht kann. Trotz Super-Hilke, trotz Sport5. 

Nochmal Thema „strategische Partner“:

Aus meiner Sicht war das Thema Investoren nur ein Nebenaspekt.

Ach so, ein Nebenaspekt. Wäre mal interessant zu erfahren, für wie viele der 9.000 Mitglieder das am 25.05. 2014 nicht bloß ein Nebenaspekt war.

Thema Campus:

Können Sie denn die Mitglieder verstehen, die sich beim Thema Campus getäuscht fühlen?

Hilke: Wir sind absolut in der Verpflichtung, diesen Campus zu bauen. Für uns ist dieses Zukunftsprojekt eines der wichtigsten. Und der Zeitverzug, das können Sie mir glauben, ärgert mich selbst am allermeisten.

Sorry, aber das schlägt dem Fass den Boden aus.

Nachdem ich dieses sogenannte Interview jetzt zum 3. Mal gelesen habe, fehlen mir immer noch die Worte. Inhaltsfreies Blabla, keine Nachfrage, keine Spur von Einsicht. Alles ist super, der Campus wird irgendwann gebaut und die Mitglieder brauchen Geduld. Hilke baut offensichtlich darauf, dass es einen Teil der Mitglieder gibt, die diesen Mist auch noch glauben. Wahrscheinlich hat er damit sogar recht.

 

http://mobil.abendblatt.de/sport/fussball/hsv/article136516261/Hilke-Wir-werden-als-Traditionsclub-benachteiligt.html

Von | 2015-01-19T09:49:39+01:00 19. Januar 2015|Allgemein|10 Kommentare

10 Comments

  1. Tobias 19. Januar 2015 um 12:39 Uhr

    Hoffentlich hörst du, nachdem du nach der MV aus dem Verein austrittst, auch auf hier den Blog zu schreiben. Kommt sowieso nur noch inhaltlicher Müll raus. Als ich deinen Blog entdeckt habe damals, dachte ich cool, endlich mal jemand der was vernünftiges, neues schreibt. Aber mittlerweile scheinst du dich ja überwiegend darauf zu konzentrieren anderes schlecht zu schreiben und dich über irgendwelche Artikel zu ergötzen.

    • André 19. Januar 2015 um 13:06 Uhr

      Warum liest du dann hier noch, wenn dir die Inhalte nicht passen…….

    • Gravesen 19. Januar 2015 um 13:11 Uhr

      Schade, dass du das so siehst. Lass mich raten, du hast während der Wahlkampfphase zu HSVPLUS angefangen den Blog zu lesen und da passte dir, was ich geschrieben habe. So schön gegen Ertel und Hunke und die Not-for-saler, stimmt’s? Jetzt passt dir der Inhalt nicht in dein Weltbild und deshalb möchtest du, dass ich ganz aufhöre, zu schreiben. Stimmt, das macht Sinn.

    • Tobias 19. Januar 2015 um 17:55 Uhr

      Nein, lese schon länger wie kurz vor dem Wahlkampf. Aber ich finde du hast vorher einfach anders geschrieben wie jetzt.
      Und nein ich sehe mich nicht in der einen Ecke (HSV+) oder in der anderen Ecke (NfS). Ich möchte einfach irgendwann wieder schönen Fussball sehen bei unserem Verein. Das die Schulden abgebaut werden und eine vernünftige Durchlässigkeit vom Nachwuchs zu den Profis existiert.
      Ich meinte mit meinem ersten Post eher, dass du früher mehr über den HSV geschrieben hast. In letzter Zeit kommt es aber kaum noch dazu, da kommen dann eher Ergötzungen über Berichterstattungen anderer oder ein Interview mit Horst Hrubesch ohne HSV Bezug o.ä. raus. Das war mal anders und das finde ich halt schade.

      • Gravesen 19. Januar 2015 um 18:00 Uhr

        Und weil Horst Hrubesch meinte, er könne und dürfe als Nationaltrainer nicht über Bundesliga-Vereine reden, soll ich meinen Blog schließen, wenn es nach dir geht. Unfassbar

  2. Arntt 19. Januar 2015 um 12:52 Uhr

    @Tobias – wieso sollte er aufhören. Die Lösung für Dich ist doch ganz Einfache : meide diesen Blog!

    BTW : http://www.dfb.de/news/detail/55000-euro-geldstrafe-fuer-den-hamburger-sv-114677/?utm_source=twitterfeed&utm_medium=twitter

  3. Hannes Grundmeyer 19. Januar 2015 um 13:26 Uhr

    Der Umgang mit den Geldgebern der Campusanleihe empfinde ich auch als Frechheit. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ein Großteil der Geldgeber nicht noch mal bereit wäre, dem Verein Geld zu leihen. Ich habe in weiser Voraussicht nur den kleinsten Betrag gezeichnet und bin heilfroh, dass ich nicht mehr dafür ausgegeben habe. Ich bin gespannt, ob ich die Kohle jemals wieder sehe. Die Auszahlung der Zinsen wurde ja vom Verein so kompliziert gestaltet, dass sich kaum einer das Geld wird auszahlen lassen. Wenn das mit dem Leihbetrag auch so laufen soll, bin ich begeistert.

  4. ktulu 20. Januar 2015 um 06:14 Uhr

    Dass du deinen blog schließen sollst, weil der Hrubesch nix über’n HSV gesagt hat, hat niemand gefordert. Sei ma‘ nich‘ so feinfühlig. .;)
    Das Hrubesch-Interview hatte mit Fußball zu tun – aber nicht mit dem HSV. Schön, dass du es durchgezogen hast – mir persönlich aber egal, wie vlt. auch anderen Lesern. Ich lese hier wegen des HSV und nicht wegen der (tut mir leid, dass jetzt so deutlich zu sagen…) fußballerischen Wahrnehmungsonanie. Der Horst hatte da nur extrem gute Voraussetzungen, weil er „true“ ist, wie man neudeutsch so schön sagt.
    Und „tobias“ hat insofern ganz recht, als dass tendenziell der Inhaltsbezug zum HSV abgenommen hat und der Inhalt zu so’nem Mist wie dem matzblog oder dem Ärger über die Pressemechanismen an sich zugenommen haben.
    Natürlich spreche ich dir nicht das Recht ab, darüber zu berichten – das ist ausschließlich deine Sache.

    Und natürlich ist das hier dein blog – aber wenn du die Öffentlichkeit nicht wünschen würdest, dann gäbe es keine Kommentarfunktion.
    Seit der Ausgliederung hast du viele Dinge angesprochen, die wichtig und nennenswert sind – und in der „Öffentlichkeit“ verheimlicht oder verfremdet werden. Dafür meinen ungeteilten Respekt – bravo!
    Ich hätte gerade fast sowas gesagt wie „wir müssen darüber reden“…das können wir uns durch die neue juristische Form der Fußballabteilung natürlich sparen.
    Wir haben mit der Institutionalisierung der neuen Strukturen alles aufgegeben, was – auch im Sinne vom ursprünglichen HSV-Plus – mal angedacht war.

    Die heutige Grundsatzeintscheidung der FIFA berücksichtigend hat der HSV an Finanzierungsmöglichkeiten eingebüßt – KlauMi kann nicht mehr so wie er es (vielleicht immer noch?) gerne hätte.
    Ich will an dieser Stelle auf gar keine Fall die alte Streiterei zwischen den unterschiedlichen Gruppen anfachen.
    Und ich sage das ohne Häme und mit großer Besorgnis: Es ist so gekommen, wie ich befürchtet habe.

    Die Verheißung einer unrealistischen aber schönen Zukunft hat genügend von denjenigen Leuten beeinflussen können, die sich nach dieser durch die Presse hochgeschwängerten Propaganda radikalisiert haben. Ich hatte am 25.5. (kurz nach der Entscheidungsmitteilung) die Sorge, dass da einige schreien: Auf in den Krieg – Gott ist mit uns!. Für mich hieß das: Schluss damit und gute Nacht! (und das nach fast 40jähriger Mitgliedschaft – das ist mir richtig schwer gefallen).
    However,
    was bleibt übrig:
    ich lese ab und zu deinen blog
    ich schaue ab und zu HSV-Spiele
    ich kann KlauMi, HSV-Vorstand, FIFA, (AfD, Pegida, Neoliberalismus und weitere -ismen), die dem Fußball schlechttun, nicht leiden!

    Herzlichst,
    ktulu

  5. Ronald 20. Januar 2015 um 14:26 Uhr

    Erst wollte ich auch was längeres schreiben, jetzt möchte ich nur die beiden Vorredner unterstützen, die Kritik geübt haben. Ich lese auch schon lange mit und mir geht es ähnlich: die Mechanismen der Presse und die Bedeutung von Geldmangel habe ich jetzt verstanden. Auch was ein Maulwurf ist und dass Ehrlichkeit zu den Tugenden gehört. … de Vrij ist ja auch durch.
    Schön wäre es wenn der Blog zu alter, neuer Stärke finden könnte: HSV-Berichte, die fundiert, kritisch und sonst nicht im Netz zu finden sind.

    Aber vielleicht gibt es auch einfach nix mehr zu retten. Das wäre Schade, aber nicht lebensbedrohlich.

    Solidarische Grüße,
    (Ein weiterer) Ronald

    • Gravesen 20. Januar 2015 um 14:31 Uhr

      Kann ich gut verstehen, aber guck dich doch mal in der Medienlandschaft nach Meldungen über den HSV um. Was findest du dort? Drmic ja oder nein. Das war’s und das liegt mitnichten daran, dass beim HSV nichts mehr an die Öffentlichkeit gerät. Der Verein ist einfach komplett langweilig geworden und wabert irgendwo zwischen Braunschweig und Hoffenheim. Wer ehrlich ist, wird das auch zugeben. Der Vorstand ist aufgepumpt, es laufen gefühlte 92 Direktoren im Volkspark rum und in der Mannschaft selbst gibt es kaum noch einen interessanten Spieler.

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