Helvetica SportVerein….

„Der Sportchef kennt die Bundesliga nicht“

Halt, nein, ich meine nicht etwa „Direktor Profi Fußball“ Peter Knäbel, der immerhin den Vorteil hat, in Deutschland gespielt zu haben. Nein, die Rede ist von Ex-Sportchef bzw. Sportvorstand Frank Arnesen, denn der Däne war ja bekannt dafür, sich nur und ausschließlich bei seinem vorherigen Arbeitgeber FC Chelsea zu bedienen. Der Umstand, dass der HSV damals, in der Saison 20111/12 zu Spielern kam, die er sich eigentlich gar nicht hätte leisten können, weil Arnesen aufgrund seiner Beziehungen zu Club-Eigner Abramowitsch besondere Konditionen aushandeln konnte, spielte keine Rolle, weil die verpflichteten Spieler halt nicht von Anfang an so performten, wie es der aufgeklärte Fan und der investigative Journalist gern gehabt hätte. Stattdessen wurde Arnesen mit dem Etikett „bundesliga-untauglich“ versehen und Woche für Woche mehr diskreditiert.

Vergessen wurde dabei ebenfalls gern, dass Arnesen der letzte Sportchef des HSV war, der sich grundsätzlich schützend vor seine Spieler stellte. Trainingsgruppen 2 oder erfundene Verletzungen gab es beim Dänen nicht, dazu war er leider zu ehrlich.

Fassen wir der guten Ordnung halber nochmal die Spieler zusammen, die Arnesen, der unter falschen Versprechungen nach Hamburg gelotst worden war, aus dem trüben London nach Hamburg holte.

Gökhan Töre (19). Ablöse laut TM.de € 1,3 Mio, tatsächlich waren es knapp € 200.000. Der hochtalentierte Türke aus Köln begeisterte aufgrund seiner Fähigkeiten und sorgte gleichermaßen für sein Verhalten für Kopfschütteln. Töre verließ den HSV und spülte € 3 Mio in die leeren Kassen, er ist türkischer A-Nationalspieler

Slobodan Rajkovic (22). Der Serbe kostet den FC Chelsea als 17-jähriger € 5,2 Mio. und durfte in England lediglich wegen der Ausländerregel nicht spielen. Heute wird Arnesen vorgeworfen, er hätte Boban ein zu hohes Gehalt bewilligt, für englische Verhältnisse ist es jedoch völlig durchschnittlich. Dafür bekam man einen 22-jährigen Nationalspieler für € 2,5 Mio Ablöse.

Jacopo Sala (19). Hochveranlagter U21-Nationalspieler aus Italien, der den HSV € 100.000 gekostet hat. Beim Transfer nach Italien erhielt der HSV die gleiche Summe zurück, Sala spielt heute Hellas Verona.

Michael Mancienne (23). Ehemaliger Kapitän der englischen U21-Nationalmannschaft. Mike kostet den HSV € 2,5 Mio und bildete bis zu seiner schweren Verletzung zusammen mit Heiko Westermann die stabilste Innenverteidigung der letzten Jahre.

Jeffrey Bruma (19). Niederländischer Nationalspieler, wurde für € 500.000 aus London geliehen, die Kaufoption in Höhe von € 3 Mio wurde vom HSV nicht gezogen. Heute ist Bruma Stammspieler beim PSV Eindhoven und auf dem Weg zurück in die holländische Nationalmannschaft.

Ich möchte nochmal betonen, wie alt diese Spieler, die Frank Arnesen vom FC Chelsea nach Hamburg holte, damals waren. 19, 19, 19, 22 und 23 Jahre alt. Das Wort „Geduld“, heute teilweise überstrapaziert, spielte 2011 offenbar keine Rolle.

Die damalige Mannschaft des HSV hatte einen Gesamtwert laut Transfermarkt.de von ca. € 98 Mio. bei Kaderkosten von ca. € 45 Mio.

Die heutige Mannschaft des HSV hat einen Gesamtwert von € 79,2 Mio bei geschätzten Kaderkosten von € 52 Mio.

Während bei Spieler wie Töre, Sala und Bruma (alle 19 Jahre alt) auf der Stelle Topleistungen erwartet wurden, hat man heute bei Spieler wie Marcos (21), Götz (21), Gouaida (21) usw. scheinbar endlose Geduld, obwohl man mit 21 Jahren in der Bundesliga nicht mehr als Talent durchgeht.

Aber nicht nur das, offenbar spielt in den heutigen „Didi-Zeiten“ keine Rolle mehr, wo sich der gerade zuständige Sportchef bedient, andernfalls müsste man den Hamburger SportVerein in Helvetica SportVerein umbenennen. Im Detail.

Hielt sich die „schweizer Sucht“ vor dieser Saison noch halbwegs in Grenzen, so muss man bei aktuellen Transfergerüchten nur in die Transferhistorie des umworbenen Spielers blicken, man finden nahezu immer einen Link ins Nachbarland.

Vor dieser Saison waren es Johann Djourou (27), schweizer Nationalspieler und Valon Behrami (29), schweizer Nationalspieler mit massiven Knie-Beschwerden, die den endgültigen Weg nach Hamburg fanden.

Aktuell ist der HSV an folgenden Spielern interessiert.

1. Josip Drmic (22), schweizer Nationalspieler, bis 2013 beim FC Zürich

2. Zdravko Kuzmanovic (27), serbischer Nationalspieler, geboren in Thun (Schweiz), bis 2007 beim FC Basel

3. Brown Aide Ideye (26), nigerianischer Nationalspieler, bis 2010 in Neuchatel

4. Mohamed Sala (22), ägyptischer Nationalspieler, bis 2014 beim FC Basel

5. Zum Probetraining: Innocent Emeghara (25), ehe. schweizer Nationalspieler, bis 2011 bei Grashoppers Zürich.

Es scheint, als kommen mittlerweile keine Spieler mehr für den HSV in Frage, die keine schweizer Vergangenheit oder Gegenwart haben, was kaum verwunderlich sein kann, wenn man sich den ehemaligen technischen Direktor der schweizer Nationalmannschaft als Sportchef nach Hamburg holt.

Um es ganz deutlich zu sagen, ich habe damit überhaupt kein Problem. Ich halte Josip Drmic für einen Klassespieler und auch Kuzmanovic kann dem HSV sicherlich helfen. Probleme habe ich nur mit zweierlei Maß, denn ich kenne nicht eine kritische Stimme, die sich in diesen Tagen erhebt und die Frage stellt, ob Knäbel denn nur die Schweiz kennen würde. Hinzu kommt, dass nahezu alle diese Spieler fertige Profis sind, die bereits mehrere Profi-Stationen durchlaufen haben. Die Jungs, die Frank Arnesen damals aus Chelsea holte, sollten für die Zukunft des HSV stehen und waren mit noch nicht mal 20 Jahren gerade am Anfang ihrer Karriere.

Also – bitte gleiches Recht für alle. Wenn man meint, Arnesens Transferpolitik vor dem Hintergrund wirtschaftlicher Zwänge kritisieren zu müssen, muss man auch die Transferpolitik der Exzellenzen kritisieren, die allerdings gerade mit den Dollarscheinen um sich werfen. Oder aber, man lässt es, dann aber auch beiderseits.

Vielleicht vergessen wir an dieser Stelle einfach, dass der neue Anteils-Onkel K-M Kühne ebenfalls in der Schweiz lebt. Alles nur ein Zufall 😉

Von | 2015-01-24T09:49:15+01:00 24. Januar 2015|Allgemein|14 Kommentare

14 Comments

  1. moonpile 24. Januar 2015 um 09:48 Uhr

    Toller Blog und wieder die Wahrheit

  2. Jorgo 24. Januar 2015 um 10:12 Uhr

    Moin zusammen,
    die Causa „Frank Arnesen“ berührt mich heute immer noch. Dabei schäme ich mich für Frank fremd, wenn ich mich daran erinnere, wie er aus Hamburg weggemobbt wurde. Zuvor, um es noch einmal deutlich zu schreiben, wurde er mit Lügen nach Hamburg gelockt. Keine falschen Versprechungen, sondern dreiste Lügen wurden ihm aufgetischt, daß er mit großem Geld shoppen gehen dürfte. Gravesen hat es sehr anschaulich dargestellt. Arnesen hatte Ideen für schmales Geld inkl. hervorragender Kontakte. Junge Kerle waren es, für die er Geduld erbat, die man ihm nicht bewilligte.

    Zitat Gravesen: hat man heute bei Spieler wie Marcos (21), Götz (21), Gouaida (21) usw.
    scheinbar endlose Geduld, obwohl man mit 21 Jahren in der Bundesliga nicht mehr als Talent durchgeht.

    Sehr treffend Uli. Doch sollte man Menschen die Möglichkeit einräumen ihre Sichtweise zu verändern. Die Bösewichte, die Frank Arnesen verarscht und kritisiert hatten, befinden sich glücklicherweise nicht mehr auf ihren Patexposten. Ich bin den neuen Sichtweisen gegenüber sehr aufgeschlossen. Schnacken hilft uns nicht mehr, sondern machen. Einfach machen.

    • Gravesen 24. Januar 2015 um 10:21 Uhr

      Ich könnte dir eine Reihe von Journalisten-Namen nennen, die heute noch auf exakt den gleichen Posten sitzen und die den Mann verbrannt haben, eben weil er nicht Kreuzer- und Knäbel-mäßig jedes Scheißhausgerücht kommentierte.

      • Jorgo 24. Januar 2015 um 12:12 Uhr

        Recht hast Du. Die besonders „Investigativen“ hatte ich ausgeblendet.

  3. Oberberger 24. Januar 2015 um 11:06 Uhr

    Sehr gute Analyse, Grave.

    Ich habe mit der „Schweizer-Sucht“ solange kein Problem wie Ablöse, Gehalt. Leistung und Perspektive stimmen.
    Auffällig ist jedoch, dass der HSV bei seiner Suche nach Verstärkungen immer wieder entweder Stürmer, Abräumer oder Verteidiger ins Auge faßt.
    Der Platz zwichen diesen Positionen, nämlich das (kreative !!) Mittelfeld scheint bei den Überlegungen keine größere Rolle zu spielen. Bei den offensichtlichen Schwierigekeiten der Mannschaft sich auf überraschende oder kreative Weise Chancen zu erarbeiten bzw. die vorhandenen Stürmer in Szene zu setzen verwundert mich das.

  4. Detlev Gerber 24. Januar 2015 um 11:39 Uhr

    Das ist halt das Problem bei diesem „Scheiß“- Verein. Sorry hierfür. Fähige Leute werden aus dem Amt gemobbt, geputscht oder sonstwas und die Mitinitiatoren dieser Aktionen sagen dann später: „Ja, aber mit Arnesen wäre es noch schlimmer“, oder „Die wirtschaftliche Lage ist doch nur der Hoffmann schuld“ … Dieses blöde Gelaber hängt mir zum Hals raus.
    Und irgendwo meine ich mal gehört zu haben, dass FA nur aufgrund des Druckes aus der Presse gehen musste ….

    Das gleich ist es mit den Spielern. Jarolim, viel zu destruktiv – kann weg Troche kann nichts, kann weg ….usw. Und nun, sind alle weg, ir haben Top Leute geholt, nur die Platzierungen sind schlechter, komisch, oder?

    Aktuell frage ich mich nur, was aus der Causa PML wird.
    Rudi ist in der ersten Saison bei uns in Topform und performt auch. Auf einmal ist er technisch nicht beschlagen genug und zeitgleich hat ein geliehener PML den Sommer seines Lebens. Die gleichen Leute, die Rudi für zu schlecht befanden sind heute die, die Geduld für PML fordern. Geduld, die man für Rudnevs nicht hatte?

    Ich verstehe das Ganze einfach nicht mehr. Klar hat sich der Fussball entwickelt. Früher noch mit Ernst Huberty, dann kam der RAN-Kommerz und die Spirale ging immer schneller. Ideale wurden so schnell verraten, so schnel konnten die Kassen nicht klingeln. Das schlimme ist nur, dass heute überwiegend Egomanen und Dummschwätzer herumirren und dummerweise ist diese Dichte in Hamburg extrem hoch. Wie wohltuend schaue ich zu einem Bruchhagen (früher mal beim HSV) nach Frankfurt oder zu einem Heidelnach Mainz.

    Irgendwie ist die heutige und hiesige Fussball-Welt nicht mehr die, die ich mal spannend und interessant fand. Kommt mir vor, wie ein altes Hemd, das nach jeder Wäsche und nach jedem Bügeln mehr und mehr Blessuren aufweist. Dann kommt halt mal der Punkt, wo man es über sich bringen muss, die gute alte Zeit, dieMomente, die man mit dem Hemd verknüpft auf dem Müll (der Geschichte) zu entsorgen. Traurig aber wahr. Ich weiß auch nicht, wie lange ich mir diesen Scheiß noch antun will. Vielleicht ist es besser, ich suche mir für Samstag Nachmittag ein paar Leute zum Skat kloppen, Schach spielen o.ä.

  5. Robert Siewertsen 24. Januar 2015 um 12:25 Uhr

    Wenn ich zurückdenke, an die Zeit mit Frank Arnesen, kommt bei mir so ein Gefühl von fremdschämen auf…wie man mit ihm umgegangen ist…unterste Schublade! Trotzdem gab es von ihm (soweit ich weiss) kein Nachtreten! Man stelle sich mal vor, Didi wäre unter gleichen Bedingen hierher gekommen…wie lange hätte er wohl durchgehalten? Frank Arnesen sollte den Nachwuchs und eigentlich den ganzen HSV umkrempeln und Mega-Stars für lau aus dem Hut zaubern. Er war sogar zwischenzeitlich nebenbei Trainer! Das muss man sich mal vorstellen…im Nachhinein betrachtet, ist das fast schon lustig, so peinlich ist das…

  6. Patience 24. Januar 2015 um 14:35 Uhr

    Der Unterschied liegt darin, das die Entschiedungen die Knäbel trifft auch das genau Ergebnis der Analyse von Knäbel, Beiersdorfer und eventuell Peters darstellt. Diese Entscheidungen werden von allen Beteiligten getragen. Arnesen stand bei seinen Spielerverpflichtungen immer allein im Rampenlicht, wurde weder vom AR noch von Jarchow gestützt. Wäre Beiersdorfer statt Jarchow der Vorstandsvorsitzende dann wäre Arnesen noch immer im Amt, der Campus gebaut und mit großer Wahrscheinlichkeit wären wir auch schon 1-2 Jahre weiter in der Entwicklung. Aber was fest steht: Arnesen ist die ärmste Sau der letzten Jahre.

  7. Rostein 24. Januar 2015 um 15:34 Uhr

    Wer saß damals noch im Personalausschuß, der Verhandlungen mit potentiellen Nachfolgern Arnesens hinter dessen Rücken und hinter den Rücken der anderen Aufsichtsräte aufnahm?
    Kann mir jemand in dieser Runde das sagen?

    Wie auch immer: an dem Tag, als Arnesen entlassen wurde, war für mich klar, daß ich dem HSV beitrete. Damit sich etwas ändert.

    Sowohl mit Arnesen als auch mit den Spielern wurde damals und seitdem auf das Unwürdigste umgegangen. „Seitdem“, weil sich nur sehr wenige zu irgendeinem Zeitpunkt gegen diese Flut aus Unrat stemmten, die über der angeblichen Chelsea-„Resterampe“ ausgekübelt und ausgepöbelt wurde. Dieses menschenverachtende Wort von der „Resterampe“ (erinnert sich eigentlich jemand von den Urhebern noch daran – und auch daran, welche schreckliche Bedeutung dieses Wort in der deutschen Geschichte hat?) wurde seit dem September 2011 (die Jungs hatten noch keine 10 Spiele für den Verein gemacht) wie ein schleichendes Gift eingesetzt.

  8. hamuburgmini 24. Januar 2015 um 16:27 Uhr

    Dieses unsägliche Verhalten des HSV gegenüber Frank Arnesen ist ein einziges Fremdschämen und wird immer mit einem Gesamtscheitern, sowohl in der Vereinsstruktur als auch in der sportlichen Ausrichtung in Verbindung bleiben.
    Als Frank Arnesen zum HSV kam, war die Vereinswelt bereits vergiftet. Er, der von Hoffmann hoffierte Sportchef, dessen Fürsprecher kurz zuvor freigesetzt worden war. Die sportlichen Voraussetzungen (der älteste Kader in der Bundesliga, unter den Top-4 der Gehaltskosten) in Verbindung mit einem äußerst geringen finanziellen Handlungsspielraum ließen seinerzeit kein großes sondieren des Marktes zu.

    Der HSV brauchte den damaligen Umbruch und es wurde von FA vorangetrieben. Was wirklich im Verhältnis zu heute damals anders war, ist die Anwendung von unterschiedlichen Messkriterien. Nach einer Saison im Umbruch und erreichen des 15ten Tabellenplatzes mehrten sich die unzufriedenen Stimmen aus dem Umfeld. Eine Mannschaft mit diesem Gehaltsetat (die genannten 45Mio) müsse selbstverständlich um die internationalen Plätze mitspielen. Unberücksichtigt blieb, daß die halbe Mannschaft ausgetauscht wurde und der Altersschnitt um mehr als 10Jahre gesenkt wurde. Es gab keine „Geduld“. Der Sportchef wurde mehr und mehr intern angezählt, viele Fans äußerten ihren Unmut (in den Träumen einer erfolgreichen Mannschaft hängend) und die Presse sprang darauf an. Von nun an wurde jede Aktion von Arnesen durchleuchtet, Gerüchte gestreut und seine Arbeit untergraben. Der AR, in seiner Funktion ein Klüngel aus Machtinteressierten sprang ebenso auf den Zug und erschwerte das Arbeiten (Denke an die öffentlich ausgeartete Vertragsverlängerung mit Drobny).
    Was passierte konnte jeder mit kritischen Blick beobachten, durch fehlende Geduld und verfehltem Anspruchsdenken waren sich die verschiedenen Beteiligten nur in zwei Punkten einig, 1. Arnesen musste weg und der HSV musste wieder erfolgreich werden. DA bot sich das Darlehen von Hrn. Kühne zu dem VdV -Deal wahrlich an. Ab diesem Zeitpunkt war das eigentliche Kapitel FA in Hamburg bereits beendet, den Einfluss auf die sportlichen Geschicke hatten andere genommen.

    Was damals an den jungen Nachwuchsspielern bemängelt wurde, neben dem relativ hohen Gehalt (wobei es auch Nationalspieler waren), ließ sich auf dem Platz nicht mehr wett machen. Sie waren die Spieler von Arnesen, die guten Aktionen waren dann eben nur „befriedigend“, bzw. daß was man erwarten musste, „schlechte“ Aktionen wurden dann als „nicht bundesligatauglich“ gewertet…

    Niemand war damals bereit sich mit einem „neuen Denken“ in der sportlichen Ausrichtung zu befassen, dabei muss man bemerken, daß unter Arnesen das Scouting wieder einen hohen Stellenwert erhielt, bzw. „wissenschaftlich“ ausgebaut wurde und die Idee des Zusammenbringens der U-Spieler mit der Profimannschaft wurde unter ihm geboren.

    Es wird mit zweierlei Maß gemessen, damals wurde umgebaut und Platz 15 als „Schande für den HSV“ gewertet, heute wird mit einem erheblichen höheren Geldfluß umgebaut und Platz 14 wird mit fehlender „Geduld“ propagiert.
    Nicht daß ich kein Verständnis habe für notwendige Umbaumaßnahmen im Kader, vor dem Hintergrund der auslaufenden Verträge, aber in der nächsten Saison muss das Gehaltsgefüge wieder dem sportlichem Tabellenplatz angeglichen werden (38Miop.a. um als AG selbsttragend zu sein).

    Ich bin zu der Überzeugung gelangt, daß es FA unter den heutigen Vorständen als Direktor Sport um ein vielfaches einfacher hätte. Wie sonst ließe sich das heutige „schweizerische“ Handeln des Direktor Knäbel sonst positiv auffassen.

    • Gravesen 24. Januar 2015 um 17:20 Uhr

      Ab diesem Zeitpunkt war das eigentliche Kapitel FA in Hamburg bereits beendet, den Einfluss auf die sportlichen Geschicke hatten andere genommen.

      Stimmt. Und dessen Vertrag wurde gerade bis 2018 zu erhöhten Bezügen verlängert. Wer flog damals noch nach London, um mit Levy zu verhandeln (auf Kühne’s Anweisungen) und die Autorität des Sportchefs zu untergraben. Richtig, es war der große Unsichtbare, der die letzten 3 1/2 Jahre den Verein geführt hat (oder glaubt wirklich jemand ernsthaft, dass das Jarchow gewesen ist?), der vertrauliche Informationen (nicht nur) an eine Mitglieder-Initiative gesteckt hat und der wie durch Zauberhand wirklich alles überlebt, ohne jemals schmutzig zu werden.

      • gunkec 24. Januar 2015 um 18:35 Uhr

        Morgen geht es doch bei der MV auch um die Entlastung des alten Vorstandes. Das wäre doch eine prima Gelegenheit Herrn Hilke mal persönlich mitzuteilen, was Du von seiner Arbeit in den letzten 3,5 Jahren hälst! Wie wärs?

        • Gravesen 24. Januar 2015 um 18:40 Uhr

          Das weiß er, glaub mir.

  9. Goldfather 24. Januar 2015 um 20:12 Uhr

    Frank Arnesen war vielleicht der fähigste Sportchef den der HSV jemals gesehen hat.Seine Verpflichtungen für Eindhoven und Chelsea sprechen für sich: Ronaldo, Arjen Robben, Ruud van Nistelrooy, Eiður Guðjohnsen und Park Ji-sung.
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    Doch zugleich war er auch derjenige mit dem meisten Gegenwind der jemals beim HSV gearbeitet hat. Arnesen ist Däne und von Dänen hält man in der Bundesliga jenseits des Platzes nicht all zuviel, obwohl man sich vergegenwärtigen sollte, dass Dänemark als Staat, gemessen an einer relativ überschaubaren Einwohnerschaft, die wenig mehr als den Großraum Berlin umfasst, hervorragende Ausbildungsergebnisse erzielt im internationalen Spitzenfußballvergleich.
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    Der fehlende Stallgeruch mag für viele Journalisten, die Arnesen weder detailiert analysieren noch korrumpieren konnten, ein weiteres Argument gewesen sein, für das permanente Mobbing der Boulevardblätter.
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    Doch wenn man sich anschaut wie bösartig und verleumderisch gegen Arnesen vorgegangen wurde, sollte einem spätestens dann klar werden, dass Arnesen etwas „verbrochen“ haben mußte, was sowohl von den ehemaligen Profis des HSV, als auch von der Billigpresse nicht zu akzeptieren gewesen ist.
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    Ich gehe davon aus, dass Arnesen bei seinen Transfergeschäften andere Wege gegangen ist, als dies zuvor beim HSV der Fall war. Arnesen dürfte andere Scouts, andere Spielerberater und kaum altgediente HSV-Journalisten einbezogen haben, was dazu führte, dass einem Kreis von Leuten, die bislang gutes Geld mit dem HSV verdienen konnten, die wirtschaftliche Grundlage verloren zu gehen drohte.
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    Im Profifußball ist enorm viel Geld unterwegs, welches nicht immer den geraden Weg geht, sondern häufig in irgendeinem Keller unterhalb der Tischplatte den Besitzer wechselt. Nicht nur beim FC Bayern sind höchstwahrscheinlich Deals gelaufen, die im Hoeneßprozeß nicht einmal angedeutet wurden, sondern auch beim altehrwürdigen HSV.
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    Nicht immer ist es die Qualität eines Spielers gewesen, die dafür gesorgt hat, dass er im Kader landet und dafür ein hochtalentierter junger Spieler sein Glück woanders suchen mußte. Die von allen Seiten beklagte Mentalität der HSV-Spieler ist nichts was auf dem Mond entstanden ist, sondern ein Umstand, der mit dem gesamten Umfeld des Clubs, inklusive Spielerberater, Scouts und sonstiger Profiteure zu tun hat.
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    Dass jeder ein Stück vom Kuchen haben möchte kann ich gut verstehen in Zeiten in denen jeder selbst sieht wo er bleibt, dass dabei jedoch die Qualität des HSV-Kaders auf der Strecke bleibt und mit ihm der gesamte Club gegen die Wand fährt halte ich für bedauerlich.
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    Es ist ja bei weitem nicht so, dass beim HSV nur Ahnungslose gearbeitet haben in den letzten Jahrzehnten, sondern häufig standen persönliche und wirtschaftliche Interessen besseren Lösungen gnadenlos im Weg. Erst jetzt, in einer Zeit in der alle zusammenhalten müssen damit überhaupt noch ein Stück Kuchen auf den Tisch kommen kann, bemüht man sich die von Arnesen bereits auf den Weg gebrachten Schritte endlich umzusetzen.
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    Korruption, maximaler Profit und sportlicher Erfolg könnten für den HSV zwei Faktoren zuviel gewesen sein und so gilt auch hierbei das eiserne Gesetz der Liga: Wenn du Wissen willst wie es richtig gemacht wird, musst du bei den Bayern in die Lehre gehen.

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